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Blog

Die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung (2016 – 2026) in Deutschland

22/08/2017
par Timm Helten
Langue: DE
Document available also in: EN HU

von Timm Helten

Seit 2011 liegen mit der leo. – Level-One Studie der Universität Hamburg gesicherte Zahlen zum Umfang des funktionalen Analphabetismus in Deutschland vor. Demnach können mehr als sieben Millionen Erwachsene in Deutschland nicht ausreichend lesen und schreiben. Jeder siebte Erwachsene in Deutschland hat große Schwierigkeiten, schriftsprachbasierte Aufgaben im Alltag zu bewältigen. Davon sind mehr als die Hälfte berufstätig. Funktionaler Analphabetismus ist damit kein gesellschaftliches Randproblem. Die deutlichen Befunde haben in Deutschland dazu geführt, dass politische und gesellschaftliche Akteure sich gemeinsam dafür stark machen, funktionalen Analphabetismus in der Bevölkerung zu verringern und das Grundbildungsniveau zu erhöhen.

Funktionalen Analphabetismus verringern und das Grundbildungsniveau bei Erwachsenen erhöhen

Angesichts der rasant voranschreitenden Entwicklungen und der Digitalisierung aller Lebensbereiche sind und bleiben Alphabetisierung und Grundbildung elementare Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und von Teilhabe geprägtes Leben. Neben der Lese- und Schreibfähigkeit sind Rechenfähigkeit (Numeracy), Grundfähigkeiten im IT-Bereich (Computer Literacy), Gesundheitsbildung (Health Literacy), Finanzielle Grundbildung (Financial Literacy), Soziale Grundkompetenzen (Social Literacy) wichtige Bereiche, die bei Erwachsenen in Deutschland verbessert werden sollen.

Bildung ist in Deutschland föderalistisch organisiert. In der „Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ haben sich Bund, alle 16 deutschen Bundesländer und zahlreiche, gesellschaftlich relevante Akteure wie der Deutsche Volkshochschul-Verband, die evangelische und katholische Kirche und der Deutsche Gewerkschaftsbund zusammengetan. Gemeinsam soll bis zum Jahr 2026 der funktionale Analphabetismus verringert und das Grundbildungsniveau bei Erwachsenen erhöht werden. Der Initiative vorangegangen war die „Nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener 2012-2016“. Die Partner dieser Nationalen Strategie haben nach dreijähriger Zusammenarbeit Bilanz gezogen und übereinstimmend die nach wie vor hohe Relevanz der Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung im Rahmen des lebenslangen Lernens unterstrichen.

Nachhaltige Strukturen aufbauen

Die bisherige Zusammenarbeit der Partner hat das Thema Alphabetisierung und Grundbildung in die Breite getragen und auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene zunehmend verankert. Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie war der Förderschwerpunkt „Arbeitsplatzorientierte Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener“, der mit einem Fördervolumen von rund 20 Mio. Euro ausgestattet war. Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten 54 Projekte zielten darauf, dass sich Akteure am Arbeitsmarkt verstärkt für das Thema Alphabetisierung und Grundbildung einsetzen. Arbeitsbezogene Lernangebote und Konzepte zur Alphabetisierung und Grundbildung haben sich als ein sinnvoller Ansatz bewährt, um Erwachsene mit niedrigen Schriftsprachkompetenzen zu unterstützen. In den Bundesländern wurden Koordinierungsstellen zur Alphabetisierung und regionale Grundbildungszentren eingerichtet und verstärkt ESF-Mittel zur Finanzierung des Kursangebots bereitgestellt.

Jetzt gilt es, Erreichtes zu transferieren, zu verstetigen und auszubauen, Netzwerke und Kooperationen zu verdichten und neue Initiativen zu entwickeln. Mit der Überführung der bisherigen Zusammenarbeit in eine Dekade unterstreichen die Bündnispartner mit einem gemeinsamen Grundsatzpapier ihren Willen, weitere Handlungsfelder zu beschreiten und zusätzliche Kooperationspartner zu gewinnen.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eingerichtete Koordinierungsstelle fungiert als Geschäftsstelle und ist im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) angesiedelt. Ihre Aufgabe ist es, für ein synergetisches und abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern und den weiteren Partnern zu sorgen.

 

Querschnittsthema Alphabetisierung und Grundbildung

Ausgangspunkt für alle Maßnahmen und Initiativen der Dekade ist die gemeinsame Überzeugung, dass Alphabetisierung und Grundbildung Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben, für lebenslanges Lernen sowie für gesellschaftliche und berufliche Teilhabe sind. Alphabetisierung und Grundbildung müssen deshalb in allen Lebensbereichen gefördert werden. Die Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung von Erwachsenen mit geringen Grundbildungskompetenzen ist gleichzeitig eine zentrale Herausforderung in der Umsetzung der Dekade.

In einem Arbeitsprogramm wurden fünf Handlungsfelder definiert.

1. Öffentlichkeitsarbeit – intensivieren, informieren, Nachfrage generieren

2. Forschung – ausbauen, verdichten, Wissen herstellen

3. Lernangebote – optimieren, erweitern, in die Fläche tragen

4. Professionalisierung – ausbilden, weiterbilden, Qualität des Unterrichts verbessern

5. Strukturen – weiterentwickeln, aufbauen, Unterstützungsangebote optimieren

 

Jährlich angepasste Themenschwerpunkte

Das Arbeitsprogramm wird jährlich unter Einbezug neuer bildungspolitischer Entwicklungen und Erkenntnisse aus nationalen und internationalen Expertenworkshops, Fachtagungen und Studienfortgeschrieben.

So werden derzeit Projekte gefördert, die insbesondere arbeitsmarktnahe Themen und Zielgruppen in den Blick nehmen und auf den Transfer bewährter Modelle zur arbeitsbezogenen Alphabetisierung und Grundbildung abzielen.

Ein Förderschwerpunkt zur Förderung von familien- und lebensweltlich orientierten Entwicklungsvorhaben wurde gerade ausgeschrieben und wird mit 15 Millionen Euro vom Bund gefördert. Hierbei stehen innovative Konzepte, Modelle und Maßnahmen zur aufsuchenden, lebensweltlich orientierten Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener im Vordergrund. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 550 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland in die Lage versetzen, niedrigschwellige Bildungs- und Beratungsangebote für Erwachsene mit Grundbildungsbedarf anzubieten.

Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, der Betroffenen und ihres unmittelbaren Umfeldes ist die Voraussetzung dafür, dass Vorurteile und Tabus abgebaut und das Lerninteresse geweckt werden. Daher zieht sich die Öffentlichkeitsarbeit wie ein roter Faden durch alle oben genannten Handlungsfelder. Die seit 2012 laufende Kampagne des BMBF „Lesen & Schreiben - Mein Schlüssel zur Welt“ informiert die Öffentlichkeit medienwirksam mit TV- /Radiospots, Plakaten und im Internet über konkrete Beratungsangebote und das Phänomen des funktionalen Analphabetismus.

Insgesamt hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 180 Mio. Euro für die Umsetzung der Dekade bereitgestellt.

Neue gesicherte Zahlen und Erkenntnisse gewinnen

Zur Fortschreibung der Ergebnisse der leo.-Level One-Studie von 2011/12 und zur Gewinnung neuer Erkenntnisse wird die leo.-Level One-Studie 2017/2018 wiederholt. Sie beschränkt sich nicht nur auf die Erhebung von Literalität, sondern wird auf weitere Grundbildungsbereiche ausgeweitet. Die Ergebnisse werden in die Ausschreibung zukünftiger Programme zur Alphabetisierung und Grundbildung und zur Optimierung bestehender Angebote einfließen.

Weitere Informationen (german language)

www.alphadekade.de

Timm Helten ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Koordinierungsstelle der Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung. Diese ist angesiedelt beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

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