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EPALE - Aikuiskoulutuksen eurooppalainen foorumi

Blogi

Latente Strukturen greifbar machen und interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichen

16/12/2019
, Luka Darya Mönch
Kieli: DE

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Im Mittelpunkt des 3. Bamberger Forums für Erwachsenen- und Weiterbildung steht die interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit. Dieser Thematik hat sich auch Dr. Walter Schoger der comweit: communication management & weiterbildung auf der Tagung mit seinem Vortrag „(Fach-) Grenzen überschreiten? … kooperieren und nachhaltig mehr beWIRken!“ gewidmet. In diesem Rahmen stellte er Herausforderungen und Möglichkeiten, aber auch eine eigens entwickelte Methode zur Verbesserung interdisziplinärer Zusammenarbeit dar, die im Folgenden näher betrachtet werden soll.

Wissenschaft als Grundlage

Herr Dr. Schoger gab zu Beginn einen übergreifenden Überblick zur Wissenschaftsthematik insgesamt mit Fokus auf die Verständigungsschwierigkeiten verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen untereinander durch unterschiedliche terminologische und methodische Verwendung von Begriffen: Jede Disziplin hat eine bestimmte Perspektive und nutzt eigene Methoden, weshalb sie jeweils nur einen speziellen Ausschnitt des Ganzen beleuchten.

Interdisziplinäre Verständigungsprobleme

Als Ergebnis des Vortrags wurde festgehalten, dass es besonders dann zu Schwierigkeiten kommt, wenn wissenschaftliche Disziplinen ihre Perspektive erweitern möchten und damit das Kernterritorium anderer, die dort Experte oder Expertin sind, betreten. Erst durch solche Überlappungen entstehen die terminologischen Probleme, die eine grenzüberschreitende wissenschaftliche Zusammenarbeit erschweren. Nach Herrn Dr. Schoger gilt es daher sich Klarheit über die Motive, Perspektiven und Grenzen der anderen zu verschaffen, es muss sich auf eine Sprache und Methoden geeinigt werden – kurz, etwas Neues muss entstehen.

Unproblematische Zusammenarbeit?

Jede Wissenschaft hat sich einen Platz gesucht und Gegebenheiten werden auf einmal hinterfragt, sobald sie diesen Platz verlässt und sich auf ein Gebiet wagt, in dem sie weder den Gegenstand noch die Theorie kennt. Um Interdisziplinarität zu ermöglichen ist allerdings genau dies erforderlich. Herr Dr. Schoger fragte die Anwesenden deshalb, welche Herausforderungen - oder "Stolpersteine" - sie selbst in Bezug auf interdisziplinare Zusammenarbeit sehen. Diese „Stolpersteine“ wurden auf Zettel geschrieben in die Mitte des Raumes gelegt.

Von der Nervenzelle zur Idee

Es wurde anhand eines Beispiels erklärt, dass Menschen immer in vernetzten Strukturen von Wissenschbausteinen lernen. So können Dinge auch dann rekonstruiert werden, wenn diese beispielsweise nur zur Hälfte oder ungeordnet vorhanden sind. Daraus hat Herr Dr. Schoger seine Idee entwickelt: eine Nervenzelle, die im menschlichen Körper für die Weitergabe von Informationen zuständig ist, nachzubauen und auf die betriebliche Praxis zu übertragen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage nach den bestehenden Strukturen der Organisation und auf welche Art Informationen tatsächlich weitergegeben werden.

Aufbau der Methode

Die patentierte Methode setzt sich primär zusammen aus Seilen in Springseildicke sowie aus kleineren und größeren etwa handflächengroßen Ringen, die mithilfe von leicht lösbaren Knotenverbindungen verbunden werden. Die Seile sollen dabei Verbindungen symbolisieren, die Ringe hingegen Disziplinen, Professionen oder Abteilungen. Das Prinzip besteht darin, die innerhalb der Organisation bestehenden Strukturen zwar zu visualisieren, aber durch simple Knoten auch als leicht veränderbar darzustellen. Die Ringe werden oftmals noch mit beschrifteten Zetteln zusammengelegt, sodass die rekonstruiere Struktur und die dahinterliegende Position im Netzwerk deutlich wird.

Anwendung in der Praxis

Zunächst wird der Aufbau der Organisation mithilfe von Ringen und Seilen, bestmöglich rekonstruiert. Die Positionen einzelner Protagonisten und deren Intention müssen darin deutlich werden. Anschließend geht es darum auszuprobieren, welche Möglichkeiten der Informationsweitergabe in diesem Konstrukt bestehen und wie diese zum derzeitigen Stand umgesetzt werden. Auf diese Weise werden oftmals "Stolpersteine" sichtbar. In einem dritten Schritt wird die Struktur grundlegend überarbeitet, Änderungsmöglichkeiten, neue Variationen und Ideen werden durchgespielt. Wenn die Neuausrichtung abgestimmt ist, wird in einem letzten Schritt überlegt, welche Informationen noch benötigt werden, damit diese neue Struktur auch erfolgreich funktioniert.

Beispielhafte Darstellung

Herr Dr. Schoger brachte den Anwesenden die Methode anhand eines Beispiel näher: Es geht dabei um die problembehaftete Situation eines Jugendlichen, weshalb diese Situation nun von der Warte der Pädagogik, sozialen Arbeit und Psychologie aus die Situation analysiert werden soll. Konkret sollen das Problem bzw. die Ursache, das Ziel bzw. der Auftrag und die entsprechenden Maßnahmen und Methoden zur Lösung des Problems dargestellt werden. Die Ergebnisse können je nach Disziplin ähnlich, aber auch ganz unterschiedlich sein. Ziel ist es letztlich, die unterschiedlichen Handlungsimpulse aufeinander abzugleichen und Beteiligten die Möglichkeit zu geben, sich miteinander abzustimmen, wie der Fall bearbeitet werden soll. 

Relevanz der Methode

In der abschließenden Diskussion ging der Referent mit Bezug auf die von ihm vorgestellte Methode auf Fragen der Teilnehmenden ein. Im Mittelpunkt stand dabei, dass die Variabilität der Strukturen nicht nur visuell begreifbar gemacht wird, sondern dass die Strukturen auch „berührt“ werden können. Der Prozess, nachdem die Informationen verlaufen, wird damit greifbar gemacht. Als ein weiterer Vorteil der Methode wurde angeführt, dass diese klein, überschaubar und handhabbar ist. Darüber hinaus können verschiedene Alternativen durchgespielt werden.


Lesen Sie auch die Blogbeiträge zu den anderen Arbeitsgruppen auf dem III. Bamberger Forum für Erwachsenen- und Weiterbildung 2019.
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