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Digitale Bildung braucht mehr als Lippenbekenntnisse - meine Erlebnisse an der SHIFTSCHOOL

17/07/2019
, Robert Franken
Kieli: DE

Lesedauer circa fünf Minuten – Lesen, liken und kommentieren!


Einmal im Jahr unterrichte ich an einer Schule. Einer Schule für Erwachsene. Die SHIFTSCHOOL ist nach eigenen Angaben „Deutschlands erste Akademie für Digital Transformation und Digital Leadership“. Dort werden digitale Change Manager*innen ausgebildet, um die Herausforderungen des digitalen Wandels besser meistern zu können. Mein sogenannter „Spark“ an der SHIFTSCHOOL heißt „Leading Transformation“ und dauert einen ganzen Tag.

Gegründet wurde die SHIFTSCHOOL von Christina und Tobias Burkhardt. Christina widmet sich mit großer Leidenschaft dem Thema Bildung und engagiert sich in einer Reihe von Netzwerken. Tobias hat zahlreiche Change-Projekte in großen Organisationen umgesetzt und begleitete mehrere Unternehmen als Coach und Interim-Manager. Er beschäftigt sich intensiv mit den Themen Innovation, agile Organisationsentwicklung und künstliche Intelligenz.

Welche (digitalen) Kompetenzen braucht der Mensch?

Der Erwerb neuer digitaler Fähigkeiten ist angesichts einer sich immer rasanter verändernden Welt und ansteigender Komplexität auch dringend nötig, volkswirtschaftlich wie individuell.

Wir brauchen Menschen, die lebenslanges Lernen nicht als lästige Pflicht betrachten, sondern als große Chance und persönliche Verpflichtung.

Wir leben bereits heute in einer Zeit, in der die Hälfte aller Jobs vor 25 Jahren noch nicht existierten. Jetzt, da wir in die nächste entscheidende Phase technologischen Wachstums eintreten, wird sich die Halbwertszeit von Berufsbildern noch einmal halbieren. Fast die Hälfte der heutigen Jobs ist bereits durch Automatisierung und Digitalisierung vom Aussterben bedroht – das heißt, diese Jobs werden sich in den kommenden zehn Jahren entweder massiv verändern oder zu großen Teilen ganz verschwinden. Unser klassisches Bildungssystem kann dabei kaum mehr mithalten, dringend nötige Reformen scheitern am fehlenden politischen Konsens und föderalistischem Kleinklein.

Das heutige Bildungssystem ist ein Auslaufmodell

Traditionelle Bildungseinrichtungen verlieren mit zunehmender Geschwindigkeit ihre Bedeutung. Die reine Vermittlung von Wissen in Form von aggregierten Informationen ist ein Auslaufmodell. Informationen an sich sind nutzlos. Was sie erst wertvoll macht, ist die Fähigkeit, dieses Wissen, diese Informationen richtig zu nutzen. Konkret bedeutet das: Die Value Proposition für alle Bildungseinrichtungen wird nicht mehr Information sein - sondern Transformation.

Unser Bildungssystem ist ein industriell organisiertes System, das Jahr für Jahr die selben Ergebnisse produziert – wenn wir daran nichts ändern. Die fundamentalen Zusammenhänge, die unsere voll technologisierte Welt zukünftig formen werden, werden nicht gelehrt, weil sich die Bildungslandschaft diesen Realitäten nach wie vor größtenteils verweigert.

Wir brauchen auch in der Bildung neue, experimentelle Wege. Wer in Zukunft im Bildungsbereich Erfolg haben will, darf nicht länger nur Wissen an Lernende vermitteln, sondern muss ihnen stattdessen Zugang zu digitalen Plattformen bieten und gleichzeitig Raum für Experimente schaffen, die die Lernenden in die Lage versetzen, ihr Wissen einzusetzen, Fehler zu machen, aus diesen zu lernen und so die Grenzen des eigenen Wissens kontinuierlich zu erweitern.

Wissen muss unter die Haut gehen

Wir lernen nur, wenn es bedeutungsvoll ist. Nur, wenn wir einen Sinn darin erkennen, kann Wissen nachhaltig verankert werden. Um dies zu erreichen, muss Lernen unter die Haut gehen. Das erreichen wir, indem wir Wissen an Erfahrungen koppeln. Nachhaltig lernen wir erst dann, wenn wir Dinge selbst erarbeiten, sie ausprobieren und daraus unsere Schlüsse ziehen können.

Neue Lernformate bringen auch neue Anforderungen für die Lehrenden mit sich. Dozent*innen mit fachlicher Expertise gibt es viele. Solche, die neben Sachwissen auch eine große Lehrerfahrung mitbringen, ebenfalls. Aber das allein reicht heute nicht mehr aus, um den Studierenden die nötigen Kompetenzen zu vermitteln. Gute Dozenten müssen heute mindestens genauso wandlungsfähig sein wie die Menschen, die ihnen ihre Ausbildung anvertrauen.

Wegweiser in die digitalisierte Zukunft

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SHIFTSCHOOL
Wir werden in den nächsten Jahren sehr viele Menschen brauchen, die die Qualifikationen, die Einstellung und die Persönlichkeit mitbringen, um den fundamentalen Wandel unserer Systeme zu gestalten und um ihren Unternehmen den Weg in eine erfolgreiche Zukunft zu zeigen. Die SHIFTSCHOOL hilft die Lücke zu klassischen Bildungseinrichtungen und herkömmlichen Weiterbildungsprogrammen zu schließen, indem sie auf interaktive, praxisorientierte Art und Weise die Kompetenzen vermittelt, die im digitalen Jahrhundert gebraucht werden.

Inzwischen findet sich bereits die fünfte SHIFTSCHOOL-Klassengemeinschaft zusammen, um sich gemeinsam auf den 18 Monate langen Weg zu begeben, an dessen Ende mindestens neue Fähigkeiten, eine Vielzahl an Methoden und ein großes Netzwerk steht. Die beruflichen Hintergründe der Teilnehmer*innen sind dabei sehr heterogen.

Mein Tag an der SHIFTSCHOOL ist stets sehr herausfordernd: für mich, aber auch für die Teilnehmer*innen. In sehr kurzer Zeit versuche ich sehr viel Wissen und sehr viel neues und ggf. anderes Denken zu vermitteln. Im Laufe eines solchen Sparks gehen wir gemeinsam durch viele Höhen und Tiefen. In unserem Raum treffen Tagesformen, individuelle Charaktere, unterschiedliche Vorkenntnisse und berufliche Backgrounds, differenzierte Herausforderungen und verschiedene Stimmungen aufeinander. Wir lassen Komplexität und Perspektivenvielfalt zu, denn beide sind Grundbedingungen unserer zukünftigen Lebens- und Arbeitswelten. Ich kenne keinen besseren Weg, um sich auf die Herausforderungen vorzubereiten, die unmittelbar vor uns liegen.

Bildrechte: Martina Goyert

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Robert Franken
Über den Autor: Robert Franken ist Berater, Speaker, Blogger und Aktivist. Er berät Unternehmen und Menschen bei Veränderungsprozessen im Zuge einer Digitalen Transformation, mit Schwerpunkte auf Organisationskultur, Leadership und Diversity. Er war zuvor u. a. Geschäftsführer von urbia.de und Chefkoch.de. Er ist Beirat von PANDA, dem Netzwerk für weibliche Führungskräfte. 2016 hat er die Plattform „Male Feminists Europe“ gegründet“ und dort u.a. die Initiative #men4equality gegen "all male panels" gestartet. Sein Blog heißt „Digitale Tanzformation“, sein Twitter-Handle lautet „herrfranken“. 


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Näytetään 1 - 1 1:sta
  • Käyttäjän Heike Kölln-Prisner kuva
    Der Artikel ist wirklich interessant, auch wenn eigentlich nicht wirklich etwas ganz Neues angesprochen wird, aber es sind bei mir doch einige Fragen aufgekommen: wenn wir davon reden, dass klassische Bildungseinrichtungen ein Auslaufmodell sind, welcher Zeithorizont ist gemeint? Und der Autor selbst hat in seinem einen Tag an der Shiftschool "sehr viel Wissen" vermittelt. Ist das neu? Das Problem ist, und das wird ja auch angesprochen, dass wir alle noch nicht wirklich Antworten auf die Frage haben, wie denn Bildung, wenn sie nicht komplett selbstorganisiert ist (und das wird für einige Teile der Bevölkerung wohl noch lange eine Utopie bleiben), stattfinden soll, damit das Transformative zur Geltung kommt. Manchmal spürt man beim Training einen Hauch davon, aber noch nicht geplant und zielorientiert. Noch regieren PPP, Vorträge und Arbeitsgruppen (kaum besser) das Feld der Methodik. Wir haben noch einen Weg vor uns, und lang darf er eigentlich nicht sein!