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"Einstieg Deutsch", die App zum Lernen für Zwischendurch

21/03/2016
looja Barbara HILLER
Keel: DE

Das Interview führten Barbara Hiller und Dr. Christina Norwig, Team EPALE Deutschland

 

Am 20. November 2015 erhielt der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung die Zusage für die Finanzierung der Anwendung  „Einstieg Deutsch“, ein Sprachlernprogramm als App für Smartphones. Die beiden Projektleiterinnen, Regina Eichen und Celia Sokolowsky, verloren keine Zeit. Die App ist bereits im Google Play Store und im App Store verfügbar, die Nutzung ist kostenfrei.

„Einstieg Deutsch“ begleitet Neuankömmlinge in Deutschland beim Arztbesuch, beim Behördengang, bei Notfällen, bei Gesprächen mit dem Camp-Management und in vielen anderen Lebenssituationen. Sie vermittelt den Lernenden die wichtigsten Wörter und Wendungen, und versetzt sie in die Lage, die gelernten Satzmuster zu variieren. Die App ergänzt das umfangreichere, ebenfalls kostenfreie Online-Lernportal Ich-will-Deutsch-lernen.de des DVV und ist Teil seiner Blended-Learning-Strategie im Bereich Deutsch als Fremdsprache. 

Karin Aguado, Professorin für „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ an der Universität Kassel berät das Projekt in punkto Didaktik. Diese lässt sich am besten mit dem Begriff ‚Chunk-Learning‘ beschreiben, sagen die Macherinnen des DVV.

Weitere Informationen

Einstieg Deutsch – Die Sprachlern-App
(Webseite des Deutschen Volkshochschulverband, DVV)

Ich will Deutsch Lernen
Das Lernportal des DVV

Stiftung Warentest: 12 Deutschlern-Apps im Test

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Autorenwerkzeug für mulitmediale Lernbausteine

Die Volkshochschulen sind gefragt
Interview mit Dr.Astrid Krake, Leiterin des Programbereichs Sprachen am Bayerischen Volkshochschulverband.
EPALE-Beitrag

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EPALE-Beitrag über Software Engineering.

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Deutsch lernen in der Straßenbahn mit der App Einstieg Deutsch

Deutsch lernen in der Straßenbahn mit der App "Einsteig Deutsch" des DVV.
Bild: EPALE, NKS Deutschland

Mit Regina Eichen und Celia Sokolowsky sprach das Team von EPALE Deutschland.  

Frau Eichen, Frau Sokolowsky, für wen ist "Einstieg Deutsch" gedacht?

Regina Eichen
Die App soll das Sprachenlernen von Flüchtlingen unterstützen. Und zwar leichter und besser als wir dies mit dem Lernportal "Ich will Deutsch lernen" können Dieses Portal ist für den Integrationskurs, und in der Regel wird jemand das Deutschlernen da auch begleiten.
Für die Flüchtlinge stellt sich die Situation anders dar.  Viele sind mit Smartphones ausgestattet, und ein mobiles Angebot ist geeigneter, um schnell Unterstützung zu liefern. Die Idee einer App war also schnell geboren. Es lag auf der Hand, dass diese App zugeschnitten werden musste auf die unmittelbaren sprachlichen Bedürfnisse von Flüchtlingen. Dass wir also nicht versuchen würden, unser Portal im App-Format verfügbar zu machen.

Wurde die App schon getestet?

Celia Sokolowsky
Dafür ist sie noch nicht lange genug da. Aber wir wollen testen und sind in Kontakt mit einer Flüchtlingsinitiative, die Lernbegleitung macht, wir wollen auch in einer großen Erstaufnahmeeinrichtung systematische Tests durchführen. Dabei geht es in erster Linie um Usability. Wird das Material so verwendet wie wir uns das vorstellen? Was wird vermisst? Was wünscht man sich noch?

Regina Eichen
Wir hatten viele gute Schutzengel, die es möglich gemacht haben, dass wir von November bis Weihnachten 2015 eine erste Version entwickelt hatten. Die Entwicklung ist ja auch nicht nicht ganz abgeschlossen, das wird noch bis Ende Mai dauern. Tests im Feld – da kann heute natürlich noch gar keine Rede davon sein. Der Prototyp ist jetzt  seit knapp 6 Wochen verfügbar. Aber wir haben inzwischen Kollegen, die solche Aufgaben übernehmen können. Begonnen  haben wir die App-Entwicklung im November 2015 zu zweit.

Welche Aufgaben sind da auf Sie zugekommen?

Regina Eichen
Wir mussten viele Dinge parallel machen. Die Arbeit mit den Autoren; alles musste übersetzt werden, in mehrere Sprachen, die Aufnahmen in den Tonstudios; wenn man eine vernünftige Qualität will, muss das alles professionell  gemacht sein. Als die Finanzierungszusage kam, gab es erst ein paar formale Dinge zu erledigen. Wir hatten konzeptionelle Arbeiten schon im Vorfeld gemacht und hatten ja auch Erfahrungen gesammelt durch das Portal.

Allerdings bedeutet die Beschränkung auf dieses kleine Format schon etwas Anderes. Was kann man tatsächlich mit dem Finger auf dem Display machen? Man kann nicht so tun als würde man da einen Lehrwerk-Ersatz schaffen. Es muss ja dem Medium angemessen sein und das heißt auch ganz klar eine Reduktion. Abbildungen und Graphiken können nicht so komplex sein, sondern müssen klar erkennbar sein. Das macht man sich am Anfang zwar klar, aber wenn es ans Arbeiten geht, merkt man einen deutlichen Unterschied zur Entwicklung für den Bildschirm.

Celia Sokolowsky
Man muss Lernhappen anbieten. Was nicht heißt, dass das qualitativ minderwertiges Material ist, aber es kann kein Kurs sein, bei dem man hundert Übungen machen kann, um das Thema voll zu erfassen. Wir haben hier sozusagen ein „Phrasebook“ mit Lernangebot. Wenn man mal 15 Minuten Zeit hat und  – falls kein Kurs da ist oder wenig Begleitung  – kann man sich zumindest ein paar erste Phrasen, ein paar wichtige Wörter für Alltagssituationen einprägen. Zum Beispiel, ich muss zum Arzt und schaue mir vorher an, wie ich ausdrücken kann, wie es mir geht.

Regina Eichen
Genau, es muss in kleinen Portionen nutzbar sein. Wir wollen ja auch, dass die Leute das Angebot  nutzen, weil sie es gerne tun, so wie man eben Handy-Dinge im Alltag auch benutzt, bei Wartezeiten zum Beispiel. Und es muss auch Vergnügliches dabei sein. Gleichwohl führt die App hin zum Lernportal „Ich-will-deutsch-lernen.de“  also zum systematischen Spracherwerb. Das zeichnet sie aus, das macht sonst keiner.

Gerade jetzt werden doch so viele Sprachlernangebote für Flüchtlinge entwickelt, oder nicht?

Celia Sokolowsky
Es gibt eine schiere Fülle von Apps in diesem Bereich. Die allermeisten, die sich als Sprachlern-Apps verkaufen, sind reine Vokabeltrainer. In der Regel gibt es keine Verbindung zwischen den Begriffen, geschweige denn einen Kontext, der geboten wird. Ich behaupte jetzt mal, das sind 99 Prozent.
Unsere App hat eine Lektion, die ein Thema abdeckt und einen Einstiegsdialog als Referenztext. An den knüpfen spätere Übungen an. Zum Beispiel wird die Rolle des Herrn Fani in der Ausländerbehörde nachgesprochen, der um einen Termin bittet oder seinen Namen buchstabieren soll. Oder Samira kauft auf dem Markt ein, und wir sollen eine bestimmte Information aus dem Dialog entnehmen, und später geht es dann über den Dialog hinaus, und wir sortieren Gemüse. Das ist das, was wir machen. Ich sage nicht, dass das der Standard sein sollte, aber es genügt nicht, nur isolierte Begriffe vorzustellen.

Regina Eichen
Es müssen Zusammenhänge hergestellt werden, so dass die Dinge auch reproduzierbar sind in einer tatsächlichen Lebenssituation.

Qualitätskriterien einer Sprachlern-App sind also…

Celia Sokolowsky
Reine Vokabeltrainer sind aus unserer Sicht  nicht sinnvoll. Es muss ein sinnvoller Alltagskontext hergestellt werden. Viele App sind zudem eigentlich nur Trigger, zirkulieren im Netz unter dem Label ‚super für Flüchtlinge‘ und sind in Wirklichkeit Werbematerial, um einen weitaus teureren Kurs zu verkaufen.

Regina Eichen
Eine App muss auf einer großen Bandbreite von Geräten und Betriebssystemen funktionieren und es muss eine Offline-Nutzung möglich sein. Wegen der sprachlichen Barrieren müssen Grafik und Bedienelemente klar und eindeutig sein und ohne sprachliche Erläuterung auskommen.

Celia Sokolowsky
Für Sprachlernangebote allgemein gilt: Vokabeln ohne Kontext anzubieten führt zu gar nichts.

Regina Eichen
Flüchtlinge besitzen nicht die High-End-Geräte, die sich manche App-Entwickler so vorstellen. Man muss sich auf einen Standard festlegen, der auch mit älteren Generationen noch bedienbar ist, ohne dass zu große Qualitätseinbußen passieren. Das muss man vorher in Erfahrung bringen: welche Geräte sind in Deutschland im Umlauf, welche Betriebssysteme? Für Entwickler kann das etwas undankbar sein.

Was würden Sie jemandem raten, der eine Sprachlern-App für Flüchtlinge entwickeln will?

Regina Eichen
Ich würde eher über Anpassungen vorhandener Angebote reden. Vielleicht gibt es schon etwas, das mir gefällt und ich kann da schauen, wie man ins Geschäft kommt. Auf Strukturen aufsetzen, die schon vorhanden sind, eigene Ideen einbringen, aber nicht grundständig neu entwickeln, das ist ein großer Aufwand. Es kostet viel Geld und Ressourcen.

Wieviel?

Regina Eichen
Wieviel unsere App am Ende des Tages kostet, wissen wir nicht, weil noch nicht alles abgeschlossen ist und inzwischen Anforderungen hinzugekommen sind, die bei Auftragsvergabe noch nicht absehbar waren. Wir haben ein Budgetrahmen von 150.000 Euro, der nicht überschritten werden darf.

Celia Sokolowsky
Das muss man erst mal haben. Für eine kleine Initiative ist das zu viel.

Regina Eichen
Das heißt nicht, dass man das nicht machen kann. Wenn man jemanden kennt, der so etwas entwickeln kann – vielen Leuten macht das ja auch Spaß.

Celia Sokolowsky
Ich habe ja viele Jahre unterrichtet, im Bereich Deutsch als Zweitsprache, ich glaube, ich würde mit meiner Klasse – egal ob Flüchtlinge oder nicht – zwischendurch mal bei learningapps.org vorbeigucken, das sind so ready-mades, und mit meinen Schülern selbst kleine Lernhappen bauen, Memories oder Zuordnungen, das finde ich eine gute Sache, ich glaub, so was kann total Spaß machen.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

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