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Uudistetoimetus

Es genügt nicht, ein Genie zu sein – um das Denken der Leute zu verändern, braucht man Mut

19/12/2019
Keel: DE
MEDIS

Eine davon ist die Geschichte des Afroamerikaners und Pianisten Donald Shirley, die in dem biografischen Drama „Green Book“ dargestellt worden ist (Regie Peter Farrelly), das 2019 den Oskar erhalten hat. Auch wenn die Handlung des Dramas 1962 in den USA spielt, als die Rassensegregation noch nicht aufgehoben worden ist, kann der Film beim Beseitigen der in Litauen immer noch lebendigen Stereotype den Schwarzen gegenüber helfen. In dem biografischen Film wird die Entwicklung des italienischstämmigen Leibwächters Frank Vallelonga neben der Geschichte von Donald Shirley gezeigt. Zu Beginn der Handlung wird der Amerikaner Frank Vallelonga, von seinen Kumpels liebevoll Lip genannt, als Schwarzenhasser dargestellt, der sogar ein Glas in den Müll wirft, aus dem ein Schwarzer bei Arbeiten in seinem Haus getrunken hat. Als er arbeitslos wird, nimmt er jedoch eine Stelle als Fahrer und Leibwächter von Dr. Donald Shirley an.

Gleich am Anfang der Bekanntschaft wird der Intellekt des afroamerikanischen Pianisten deutlich, der Doktortitel in Psychologie, Musik und liturgischer Kunst hat. Frank hat Schwierigkeiten zu begreifen, dass ein Doktor nicht unbedingt ein Arzt sein muss und dass die Dämonen in Orpheus Reich keine Feen sind. Während einer Reise zusammen mit Donald Shirley schreibt er später in einem Brief an seine Frau, dass er jetzt mit den Adligen verkehrt und dass diese Leute äußerst kompliziert sprechen. Während Shirley Frank geduldig die Feinheiten des Adelslebens erläutert und ihm rät, wie er seiner Frau einen romantischen Brief schreiben sollte, verändert Shirley allmählich die Denkweise von Frank, und Frank hilft Donald, die rassistischen Angriffe zu überwinden, die seine Konzerttour in Amerika begleiten.

Zu einer Freundschaft kommt es jedoch nicht sofort, denn der wütende Frank wirft ihm vor: „Ich lebe auf der Straße und ihr hockt auf dem Thron, meine Welt ist schwarzer als eure“. Allmählich beginnt Frank aber zu begreifen, dass Shirley ein Genie ist, der nur in den Hotels für Farbige übernachten und nicht in Restaurants mit Weißen zusammen speisen darf (die Orte, an denen man als Farbiger beherbergt und bewirtet wird, findet man in einem speziellen Reiseführer für Schwarze, im „Grünen Buch“). Den echten Grund von Donalds Einsamkeit erkennt Frank erst, als der berühmte Pianist ihm gegenüber äußert: „Die reichen Weißen bezahlen mich, dass ich für sie spiele, aber sobald ich von der Bühne herunterkomme, bin ich wieder ein ganz normaler Schwarzer. Diese Verachtung muss ich allein ertragen, denn die Meinen akzeptieren mich nicht, da ich deren Normen nicht entspreche.“ In allen erniedrigenden, rassistischen Situationen gelingt es Donald jedoch eine ehrwürdige Person zu bleiben, und er rät Frank, der Konflikte eher mit den Fäusten lösen will: „Mit Gewalt erreichst du nichts, ein Mensch gewinnt nur, wenn er seine Würde bewahren kann.“

Aber man kann nicht sagen, dass nur Donald Frank dabei hilft, Antworten auf schwierige Fragen des Lebens zu finden. Diese Freundschaft bereichert beide. Frank, der Donalds Einsamkeit versteht, rät ihm, nach der Heimkehr einen Brief an seinen Bruder zu schreiben, den er lange Zeit nicht gesehen hat, denn seiner Meinung nach „ist die Welt voll von einsamen Menschen, die Angst haben, den ersten Schritt zu machen“. Sehr bedeutsam ist auch eine Aussage eines der Musiker des Trios von Donald Shirley: „Es genügt nicht, ein Genie zu sein. Um das Denken der Menschen zu verändern, braucht man Mut.“ Das biografische Drama „Green Book“ ist eine Erzählung über eine echte Freundschaft und über ein Genie, das die Einstellung der Menschen verändert hat.

Doch warum könnte dieser Film in der Erwachsenenbildung interessant sein? Im Zentrum des Films steht ein Mann am Scheideweg der Kulturen. Diese Situation könnte als Ausgangspunkt für die Debatte über Toleranz gegenüber den Menschen dienen, die eine andere Hautfarbe haben oder andere Religionen, Kulturen usw. vertreten. Bei der Arbeit mit den Erwachsenen ist es sehr wichtig, den Bildungsinhalt mit ihren persönlichen Erfahrungen zu verbinden. Ein Gespräch über Toleranz könnte man mit so einer Frage beginnen: „Sind Ihre Freunde, Ihre Familie oder einfach Bekannte jemals in einer Situation wie derjenigen von Donald gewesen?“Da die Auswanderungswelle aus Litauen nach England, Spanien und in andere Länder sehr groß ist, werden Erwachsene wahrscheinlich eine Reihe von Geschichten davon erzählen, wie schwierig es ist, sich in die Gesellschaft eines anderen Landes zu integrieren. Nachdem diese Geschichten besprochen worden sind, kann man sich mit der Filmanalyse beschäftigen und Gespräche darüber führen, wie sich die moderne Welt verändert, wie wichtig es ist, den in Litauen lebenden Ausländern bei der Integration in die Gesellschaft zu helfen.

 

Renata Jankevičienė. Seit 2012 ist sie als stellvertretende Direktorin des Bildungszentrums des Bezirkes Panevėžys und als Koordinatorin von lokalen, nationalen und internationalen Projekten für die Erwachsenenbildung tätig. Zurzeit ist sie in Litauen Koordinatorin der Erasmus+ KA2-Projekte „MOVE-ON!“, „OUR DIGI SPACE“ und Expertin des Erasmus+ KA3-Projektes „MOV-UP!“ und des Erasmus+ KA2-Projektes „Prosoziale Werte“.  Sie publiziert Artikel in der regionalen, nationalen und internationalen Presse. Seit 2019 ist sie Expertin der EPALE, der E-Plattform für die Erwachsenenbildung in Europa.

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