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Blog

BasisKomPlus – BasisKompetenz am Arbeitsplatz stärken

13/07/2017
por Anke Frey
Idioma: DE
Document available also in: ES PL EN

Autorin: Anke Frey

BasisKomPlus stärkt Basiskompetenzen am Arbeitsplatz. Das Projekt setzt Grundbildungsqualifizierungen für Beschäftigte um, meist sind dies Geringqualifizierte. Betriebe und Unternehmen werden direkt über Unternehmensnetzwerke und über Betriebs- und Personalräte zum Thema Grundbildung sensibilisiert und so gewonnen, Qualifizierungen umzusetzen.

BasisKomPlus ist ein Projekt der arbeitsorientierten Grundbildung, seit 2016 (bis 2020) gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung. Projektträger ist der Bundesarbeitskreis ARBEIT UND LEBEN, die Umsetzung vor Ort realisieren derzeit 7 Landesorganisationen (Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen).

Warum arbeitsorientierte Grundbildung?

Als Geringqualifizierte gelten in Deutschland Personen, die weder eine Ausbildung, noch ein Studium abgeschlossen haben. Wir wissen, dass die Beteiligung dieser Personen an betrieblicher und allgemeiner Weiterbildung sehr gering ist (vgl. Projektträger im DLR, 2014; IAB, 2017). In der Fachdiskussion zu Alphabetisierung und Grundbildung wird zudem darauf hingewiesen, dass in Alphabetisierungsmaßnahmen ein Transfer des Gelernten oft ausbleibt. Eine dritte Erkenntnis ist, dass auch sog. „einfache Arbeitsplätze“ bei genauerem Hinsehen oft mit komplexen Anforderungen verbunden sind (vgl. Schröder, 2016).

Arbeitsorientierte Grundbildung bietet hier mehrere Vorteile. Beschäftigte werden über den Zugang des Betriebes / des Unternehmens erreicht und zur Weiterbildung direkt angesprochen und motiviert. Der Transfer des Gelernten passiert unmittelbar. Der Arbeitsplatz ist das Setting, in dem die Grundbildungsangebote stattfinden. Gleichzeitig ist er inhaltlicher Bezugsrahmen für die Inhalte der Qualifizierungen. Die Beschäftigten lernen nicht abstrakt Regeln des Schreibens, Rechnens oder der Kommunikation. Arbeitsorientierte Grundbildung verbindet Inhalte und Elemente der Alphabetisierung mit Situationen und Anforderungen aus dem realen Arbeitsalltag. Die Angebote zeichnen sich durch einen hohen Anwendungsbezug aus. Dies ist für Unternehmen und Beschäftigte attraktiv, denn für beide entsteht ein erkennbarer Nutzen. Anhand von zwei Standorten, Rheinland-Pfalz und Sachsen, wird ein Blick in die Praxis geworfen, der die oben genannten Vorteile verdeutlicht.

In Rheinland-Pfalz hat das BasisKomPlus Team über mehrere Jahre ein Grundbildungsprojekt mit dem Logistikunternehmen FIEGE umgesetzt (s. Publikation).

Sachsen arbeitet mit einer Reihe von KMU zusammen, aktuell ist hier regional ein hoher Grundbildungsbedarf in der Branche „Pflege“ zu erkennen, worunter auch kleinere Pflegedienste fallen. Aus beiden Projekten sollen drei Empfehlungen für die Umsetzung von Grundbildungsprojekten besonders erwähnt sein:

1.    Wichtiger Schritt: Auftragsklärung und Anforderungen an Beschäftigte

Mit den Instrumenten BetriebsCheck und BasisKompetenzCheck wird für jedes Unternehmen individuell analysiert, wo Grundbildungsbedarfe liegen und welche Beschäftigten an den Qualifizierungen teilnehmen werden. In diese Analyse sind Geschäftsführungen, Betriebs- und Personalräte, die Personalentwicklung und die Beschäftigten eingebunden. Beim Logistikunternehmen FIEGE kam dabei heraus: Beschäftigten aus dem Bereich „Packen/Kommissionieren“ bereitet weniger die direkte Tätigkeit Probleme, sondern vor allem Anforderungen um die Tätigkeit herum. Zum Beispiel, die Bestimmungen des Arbeitsschutzes zu verstehen oder neuen Betriebsanweisungen zu folgen. Im Bereich Pflege wiederum haben die Beschäftigten sehr hohe Dokumentationspflichten zu leisten, vorgeschrieben vom medizinischen Dienst der Krankenkassen. Auch steigen hier die Anforderungen an die Kommunikation mit Angehörigen. Die Erkenntnisse aus der Auftragsklärung sind enorm wichtig, um eine passgenaue Qualifizierung zu entwickeln, die allen Beteiligten praxisorientierten Nutzen bringt.

2.    Die „Betroffenen“ zu Beteiligten machen

Wenn Beschäftigte erreicht werden sollen und für Weiterbildung motiviert werden sollen, ist es zentral wichtig, sie authentisch und transparent einzubinden und über das Grundbildungsprojekt zu informieren. Dazu gehört auch, die Orte und Zeitstrukturen der Beschäftigten zu berücksichtigen oder selbst zum Ort des Geschehens zu machen. Im Bereich Logistik bedeutete dies, die Präsentation des Projektes in der Werkhalle durchzuführen statt im Sitzungszimmer. Im Bereich Pflege wird so geplant, dass die Beschäftigten die Qualifizierung gut mit ihrem stressigen Arbeitsalltag in Einklang bringen können.

3.    Qualifizierungen arbeitsplatznah und teilnehmerorientiert gestalten

Die Qualifizierungen wurden so konzipiert, dass das Verstehen und die Anwendung von (Schrift-)Sprache und damit verbundene Soft-Skills eine zentrale Rolle spielten. Authentisches Material, also Texte und Beispiele aus dem jeweiligen Unternehmen, wurden didaktisch aufbereitet und als Arbeitsmaterial genutzt. Szenarien aus dem Arbeitsalltag wurden in unterschiedlicher Form aufgegriffen. Zum Beispiel sollten die PackerInnen und KommissioniererInnen Warn- und Sicherheitssymbole aus der Arbeitssicherheit in der Rolle des „Sicherheitsbeauftragten“ vorstellen. Im Bereich Pflege wird entlang von Schlüsselbegriffen aus der Pflegedokumentation gearbeitet oder die Kommunikation anhand von realen Vorkommnissen geübt.

Weitere Informationen zu BasisKomPlus: Anke Frey (frey@arbeitundleben.de)

Projektwebsite: www.basiskom.de

Quellenangaben:

  • Institut für Arbeit und Beschäftigung (IAB)
  • Projektträger im DLR (2014): Kompetenzen von gering Qualifizierten. Befunde und Konzepte. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co KG, Bielefeld
  • Schröder, Joachim (2016): Arbeitsplatzorientierte Grundbildung. In: Löffler / Korfkamp (Hg.): Handbuch zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener. Waxmann Verlag GmbH, S. 237-249
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