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Ohne Langeweile können Wunder geschehen

09/07/2020
por EPALE Deutschland
Idioma: DE
Document available also in: PL EN

Lesedauer circa 6 Minuten - Lesen, liken, kommentieren! 

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Polnisch veröffentlicht von Monika Hausman-Pniewska.


Aufführungen von philharmonischen Orchestern, Theaterproduktionen, Kunstausstellungen. Was ist ihnen allen gemeinsam? Sie sind langweilig. Zumindest in der Erinnerung an lang zurückliegende Schultage – und genau dies hält bestimmte Gruppen von Erwachsenen davon ab, Kulturveranstaltungen zu besuchen – unabhängig davon, ob sie in Kleinstädten, großen Ballungsgebieten oder Dörfern zuhause sind. Für Letztere gibt es noch weitere Hinderungsgründe, wie etwa eine fehlende Busverbindung zu einer „Abendveranstaltung“ (dies ist sarkastisch gemeint, da es in vielen Fällen überhaupt keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt). Hier haben wir es mit Erwachsenen zu tun, für die Hochkultur zu hoch ist, weil jemand sie ihnen verleidet, sie nicht richtig darauf vorbereitet oder in ihnen ein gewisses Schamgefühl geweckt hat, weil sie keine dem Anlass entsprechende Garderobe besitzen, nicht verstehen, worum es geht, oder nicht wissen, wie man sich gewandt ausdrückt. Arbeitgeber würden sagen, dass es den Betreffenden an Kultiviertheit mangelt.

In seinem Buch „ ... und ich war nie in der Schule“ vertritt André Stern die Auffassung, dass die Begeisterungsfähigkeit eines Kindes, seine uneingeschränkte Fähigkeit, die unterschiedlichsten Dinge zu tun, und das Fehlen von Zeitdruck und anderen Einschränkungen für das Lernen über unsere Welt unabdingbar sind. Ganz anders geht es jedoch in der Welt zu, die wir aus Schulzeiten kennen, in der die Teilnahme an einem Kulturereignis meist eine langweilige, einem bestimmten Schema folgende Veranstaltung ohne jeden Kontext ist. Ich habe selbst an Veranstaltungen dieser Art teilgenommen, bin also mit der Problematik bestens vertraut. Dies betrifft jedoch nicht nur den kulturellen Bereich. Kinder müssen komplizierte Gleichungen auswendig lernen, sind jedoch nicht in der Lage, allein ein Zugticket zu kaufen, sind niemals Straßenbahn gefahren und wissen nichts über die Aufgaben bestimmter Ämter. Natürlich ist dies eine Verallgemeinerung. Aber als Organisation, die mit Erwachsenen in schwierigen Lebenssituationen – beispielsweise durch die Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt bedingt – arbeitet, wissen wir nur allzu gut, wohin ein solcher Unterricht führt. Eine Methode, mit der Teilnehmer*innen an Aktivierungsprojekten bei der Erzielung positiver Veränderungen unterstützt werden können, hat das Trainingszentrum für Entwicklung und Unterstützung (Treningowe Centrum Rozwoju i Wsparcia) entwickelt.

„Soziale Bildung ist ein äußerst wichtiger Teil des Prozesses der sozialen Inklusion. Die Teilnahme an Kulturveranstaltungen, der Besuch öffentlicher Einrichtungen wie Restaurants, Kinos, Theater usw. hat umfassende Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung in vielen Bereichen: Man erweitert dabei seinen Wortschatz, entwickelt einen Sinn für Ästhetik, lernt, wie man sich in verschiedenen Situationen und an unterschiedlichen Orten verhält, erfährt etwas über die Geschichte und Traditionen der eigenen Community und erweitert ganz allgemein den eigenen Horizont“, so die Gründer des Zentrums, vom Verband der sozialen Organisationen der Woiwodschaft Ermland-Masuren .

Die Arbeit des Zentrums zielt hauptsächlich darauf ab, diesen Erwachsenen beizubringen, wie man sich in einer Gruppe verhält, ihnen das gesellschaftliche Leben im weitesten Sinne nahe zu bringen, und die Teilnehmer*innen dadurch fitter für das Arbeitsleben zu machen und ihre Beschäftigungschancen zu erhöhen. Zuvor erfolgt jedoch ein Prozess der Gruppenbildung, Integration und Stärkung der Teilnehmer*innen. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass die Gruppe sich sicher fühlt und Vertrauen in sich selbst, den Coach und die übrigen Teilnehmer*innen aufbaut. Es hilft ihnen zu wissen, dass die anderen auch nie im Theater oder in einer Kunstausstellung waren und ebenfalls Angst davor haben. Nur dann können sie gemeinsam „die Stadt unsicher machen“. Dennoch ist die Furcht, negativ beurteilt oder ausgelacht zu werden, so groß, dass die Gruppe Kulturveranstaltungen zunächst abwertet und ihre mit der Rezeption von Kunst assoziierten Emotionen herunterspielt. Schritt für Schritt bringen die Coaches die Teilnehmer*innen allmählich dazu, Ängste aus Schulzeiten und Klischees zu überwinden, und ermöglichen ihnen, die verschiedensten Emotionen von Empörung bis hin zu Begeisterung auszuleben.

     

   

„Das Konzert war toll. Ich war einfach begeistert. Ich konnte der Realität entfliehen und hatte Zeit nur für mich. Es ist toll, dass es solche Fahrten gibt. Hoffentlich machen wir in Zukunft noch mehr davon und hoffentlich wird unsere Gruppe nicht kleiner – sie und unser Coach sind nämlich einfach klasse. Vielen herzlichen Dank! Endlich lebe ich für mich und nicht nur für Andere. Ich bin auch ein Mensch und möchte leben. Viele Grüße, A.“ – diese Textnachricht erhielt ein Coach nach einem Konzert.

„Was einem entgeht, wenn man Konzerte wie das gestrige nicht erleben kann! Ich würde wieder hingehen und wünschte, es würde noch länger dauern. Er hat so wunderbar gesungen, dass ich eins der Lieder am nächsten Morgen gleich noch einmal hören musste. Die Erinnerungen an diesen schönen Abend werden mich lange begleiten. P.S. Stanisław hat mich gebeten, Ihnen zu sagen, dass es ihm auch sehr gefallen hat. Zitat: die beste Fahrt bisher. Viele Grüße.“ – schreibt ein anderer Teilnehmer in einer Textnachricht.

Im Rahmen des Zentrums wurden bisher fünf Gruppen mit je acht Teilnehmer*innen gebildet. Jede Gruppe nahm an einer Reihe von Trainings (10 Veranstaltungen/Initiativen pro Gruppe) teil. Sie besuchten z. B. ein Live-Konzert, eine Aufführung eines philharmonischen Orchesters, fuhren ins Kino oder Theater und trafen mit Kulturschaffenden zusammen (z. B. bekannten Schauspieler*innen, Musiker*innen u. a.). Sie gingen auch in Restaurants – was sie zuvor vermieden hatten. Vor jeder Fahrt wurden sie auf die jeweilige Veranstaltung vorbereitet. Vor dem philharmonischen Konzert wurde beispielsweise besprochen, wie man sich dort verhält, was zum guten Ton gehört und ins Bild passt, und auf diesbezügliche Bedenken der Teilnehmer*innen eingegangen. Nach jedem Training erfolgte eine Auswertung der Gedanken, Eindrücke und Emotionen der Teilnehmer*innen. Um die Wirkung der gemeinsamen Aktivitäten zu verstärken, die Teilnehmer*innen mit der Nutzung öffentlicher Einrichtungen und Institutionen und der Teilnahme an gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen vertraut zu machen und sie von der Zugänglichkeit solcher Veranstaltungen zu überzeugen, wurden von den Coaches fünf Trainings anberaumt und durchgeführt. Die übrigen fünf Fahrten waren der Eigeninitiative der Teilnehmer*innen überlassen, die unter Anleitung der Coaches die für sie passenden Veranstaltungen und Orte aussuchten.

Durch die Trainings erwarben die Teilnehmer*innen neue Fähigkeiten und Kompetenzen, die sie für das Arbeitsleben benötigen, beispielsweise im Bereich Organisation, Planung und Umsetzung geplanter Aktivitäten usw., aber auch Teamwork-Fähigkeiten: Kooperation, Aushandeln von Kompromissen, gemeinsame Problemlösung und Erreichen von Gruppenzielen. Und was haben die Coaches von den Teilnehmer*innen gelernt? „Wahrscheinlich Spontaneität im Denken und bei der sozialen Rezeption“, berichtet ein Coach. Die Initiator*innen des Zentrums und die Gruppenleiter*innen sind überzeugt, dass das Trainingszentrum als eines der Förderinstrumente einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit der Teilnehmer*innen geleistet hat. Die nächste Trainingsreihe des Zentrums ist allerdings der Pandemie zum Opfer gefallen, weshalb die Ergebnisse noch etwas auf sich warten lassen.

Das Trainingszentrum für Entwicklung und Unterstützung wird vom Verband der sozialen Organisationen im Rahmen des Projekts „Auf dem Weg zur Aktivität“ betrieben und von der Europäischen Union aus dem Europäischen Sozialfonds finanziert. Mein Dank gilt den Coaches: Katarzyna Janków-Mazurkiewicz, Monika Lange und Aneta Fabisiak-Hill, die ihre Gedanken zur Arbeit der Gruppen mit uns geteilt haben.

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Über die Autorin:

Monika Hausman-Pniewska – Coach und soziokulturelle Animatorin, arbeitet seit vielen Jahren im NRO-Bereich mit Schwerpunkt auf insbesondere nicht-formalen und informellen Initiativen in der Erwachsenenbildung. Derzeit ist sie beim Verband der sozialen Organisationen der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Olsztyn tätig. EPALE-Botschafterin.

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  • Imagen de Małgorzata Cieślik
    Bardzo dużo dzieci, a później dorosłych ma właśnie taki problem.
  • Imagen de Karolina Szymańska
    Wspaniały pomysł! Wiele osób potrzebuje właśnie takiej zachęty, pokazania możliwości i otwartości instytucji na każdego, aby zacząć aktywne kulturalnie życie. Ludzie dzięki tej akcji zdobywają nowe kompetencje i doświadczenie, stają się bardziej otwarci. Jestem za i trzymam kciuki!
  • Imagen de Karolina Suska
    Uwielbiam i bardzo cenię takie inicjatywy. Czasem iskierka wystarczy, by pobudzić ludzi do nowych doświadczeń i wrażeń. Pracując w małej społeczności wiem, jak bardzo potrzebne są takie działania. Dzięki nim skutecznie ogranicza się m.in wykluczenie społeczne i kulturalne, które w przyszłości motywuje uczestników do kolejnych doświadczeń związanych np. z kulturą.Trzymam kciuki za kolejne działania!
  • Imagen de Anna Franc
    Miło czytać, że istnieje inicjatywa, która z jednej strony umożliwia uczestnikom swobodny i bezpieczny (często pierwszy) kontakt ze sztuką, a z drugiej wpływa na pozytywne wypracowanie dobrej zmiany i aktywizuje nabywanie umiejętności przydatnych na rynku pracy.
  • Imagen de Monika Hausman-Pniewska
    Dziękujemy:) 
  • Imagen de Nina Woderska
    Jestem zachwycona Moniko! Dla mnie to bardzo inspirujące (sposób działania - wyjścia 5x5 - tj. wpierw wy idziecie z nami, potem my z wami, spotkania po wydarzeniach, rozmowy, stały kontakt z uczestnikami) - z pewnością wykorzystam ten trop w moich projektach. Po wypowiedziach uczestników widzę, że dla nich to także wyjątkowe i ważne! Wielkie gratulacje za pomysł i wykonanie dla wszystkich z Centrum i z  Federacji FOSa.
  • Imagen de Monika Hausman-Pniewska
    Dziękujemy!!! :)