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Lernen verleiht Flügel! - Lernen am Arbeitsplatz im Fokus – Interviewserie

28/02/2020
por Anildo Vedovatti
Idioma: DE
Document available also in: HU EN

Originalsprache: Ungarisch

Lesedauer circa 6-8 Minuten – Lesen, liken und kommentieren!

 

Im Fokus: Lernen am Arbeitsplatz – Interview mit den Mitarbeitern der Celebi Ground Holding

Der ungarische und der deutsche Nationale Förderungsdienst EPALE kündigten eine gemeinsame Themenwoche an, in deren Fokus das Lernen am Arbeitsplatz steht. Annamária Kiss, die ungarische EPALE-Botschafterin, führte eine Reihe von Interviews mit fünf Organisationen, die auf dem Gebiet der Weiterbildung ihrer Arbeitnehmer* ernsthafte Anstrengungen unternehmen, durch. (*Sofern im Interview Personenbezeichnungen in männlicher Form verwendet werden, sind mit diesen stets sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.)

Die ungarische Tochtergesellschaft der Celebi Aviation Holding, die Celebi Ground Handling Hungary Kft., ist seit 2006 auf dem internationalen Liszt-Ferenc-Flughafen in Budapest präsent. Ihre Aufgabe als Partnerin von mehr als 25 Fluggesellschaften besteht darin, umfassende Bodenabfertigungsdienste für Flugzeuge zu erbringen. Neben ihrem Hauptgeschäftszweig nimmt sie allerdings auch Aufgaben im Zusammenhang mit dem Fluggast- und dem Luftfrachtverkehr wahr. Das Unternehmen betreibt ein Terminal für Kleinflugzeuge (GAT[1]) und mehrere unterschiedliche Aufenthaltsräume (Lounges) auf dem Gelände des Flughafens. Die Interviewfragen wurden von der Leiterin der Trainingsabteilung Anett Mihály und dem HR-Generalisten Gábor Adrián Kovács beantwortet.

Was für einen Stellenwert hat der Begriff Lernen in der Philosophie der Firma?

Unsere Firma legt besonders großen Wert auf Schulung und Lernen, da die Aviatik eine sich rasant, von Tag zu Tag weiterentwickelnde Branche ist und es schwierig wäre, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, wenn wir diesen Bereich vernachlässigen würden. Würden wir das tun, könnten wir möglicherweise schnell hinter unsere Wettbewerber zurückfallen. Der aktuelle Wissens- und Kenntnisstand unserer Arbeitnehmer in ihrem Arbeitsbereich bietet die Gewähr dafür, dass wir für unsere Partner anspruchsvolle Dienstleistungen erbringen. Das bedeutet natürlich nicht nur, dass sie – vor dem Arbeitsantritt – an den vom Flughafen vorgeschriebenen Schulungen teilnehmen, sondern sie wiederholen auch das Gelernte jährlich und halten im Rahmen ihrer Arbeit stets die von unseren Partnern erlassenen neuesten Technologievorschriften ein.

Seit wann gibt es Schulungen innerhalb des Unternehmens bzw. warum wurden diese eingeführt?

Bei unserer Muttergesellschaft finden Schulungen seit ihrer Gründung – bei uns in Budapest seit 2006 – kontinuierlich statt. Die Zahl und die Komplexität der Schulungen ändern sich in Anpassung an die Vorschriften von IATA[2] und ICAO[3], die unsere Branche regulieren, von Jahr zu Jahr, d. h. deren Abhaltung ist für uns aufgrund externer Faktoren obligatorisch. Auch die Anzahl der von uns bedienten Fluggesellschaften weist eine steigende Tendenz auf, wodurch die Anzahl der Schulungen und der Umfang der Lehrmaterialien im Laufe der Jahre immer mehr zunimmt.

Verfügt das Unternehmen über ein System zur Unterstützung der Schulungen?

Die Fortbildungs- und Schulungsmaßnahmen werden im Rahmen der Celebi Aviation Holding vollumfänglich von der in unserer Firmenzentrale in Istanbul ansässigen Celebi Academy aus koordiniert. Die Arbeitnehmer haben über ein E-Learning-System namens Celebi E-School Zugang zu den für sie erforderlichen Kursen.

Werden die Schulungsmaßnahmen von externen Firmen durchgeführt oder bezieht man auch Arbeitnehmer in den Prozess ein?

Aus- bzw. Fortbildungen, die im Berufsverzeichnis erfasst oder mit dem Erwerb einer Fahrerlaubnis verbunden sind, werden unter Heranziehung externer Firmen durchgeführt. In solchen Fällen stellen wir unseren Partnerfirmen Schulungs- und Prüfungsräume zur Verfügung, sodass sich unsere Arbeitnehmer zum Lernen oder für die Prüfungen nicht an externe Standorte begeben müssen. Im Rahmen der obligatorischen Schulungen und Trainings, die vom Flughafen und unseren Partnern – den Fluggesellschaften – vorgeschrieben werden, beauftragen wir jedoch keine zusätzlichen Ausbilder, sondern unsere Mitarbeiter melden sich freiwillig für diese Aufgabe. Unter ihnen wird diejenige Person ausgewählt, die die jeweilige Schulung leitet. Diese Mitarbeiter haben große Routine und kennen den eigenen Arbeitsbereich ausgezeichnet.

An was für Ausbildungstypen können die Arbeitnehmer teilnehmen?

Über die von Jahr zu Jahr obligatorischen Schulungen hinaus können die gewerblichen Arbeitnehmer an Weiterbildungen teilnehmen, die enger mit ihrem Arbeitsbereich verbunden sind. Dabei handelt es sich um verschiedene Typen von Aus- bzw. Weiterbildungen, die im Berufsverzeichnis erfasst sind: Gabelstaplerfahrer, Bediener von Hebemaschinen, Erdbaumaschinenführer usw. Den im Büro tätigen Angestellten hingegen bieten wir neben den obligatorischen Schulungen auch Lehrgänge an, durch die sie ihre individuellen Fertigkeiten entwickeln können. Solche Schulungen sind zum Beispiel ein Kommunikationstraining oder ein Managertraining.

Trägt der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer die Fortbildungskosten?

Die Fortbildungskosten werden in jedem Fall vom Arbeitgeber übernommen, über die Fortbildung wird jedoch in jedem Fall ein zweiseitiger (bei Leiharbeitnehmern ein dreiseitiger) Bildungsvertrag erstellt, in dem die einschlägigen Kosten genau festgehalten werden. Der an der Fortbildung teilnehmende Mitarbeiter sieht somit genau, welche Verpflichtungen – die er nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zurückzuzahlen hat – er mit der Unterzeichnung des Vertrags eingeht. Eine verbindliche Betriebstreue wird bei der Unterzeichnung des Vertrags von niemandem erwartet, wenn man jedoch innerhalb von beispielsweise einem halben Jahr oder einem Jahr nach Erwerb der Qualifikation kündigt, muss man einen Teil der Fortbildungskosten zeitanteilig zurückzahlen.

Geht der Anmeldung zu einer Schulung eine Konsultation oder Erstellung eines individuellen Karriereplans voraus?

Die Kandidaten werden bereits viel früher – vor der Anmeldung zur Schulung –, bei der ersten Interviewrunde ausführlich darüber informiert, was für eine Position sie innerhalb von Monaten nach ihrer Anstellung bei unserer Firma mit genügend Ausdauer und Fleiß erreichen können. Wenn wir ihnen vom ersten Moment an eine transparente und berechenbare Karriere vorzeichnen, gestaltet das unsere Anwerbung effizienter und wirkt auch auf unsere Arbeitnehmer motivierend. Diese offene und aufrichtige Kommunikation fördert die langfristige Mitarbeiterbindung.

Wie melden sich die Interessenten für die Schulungen an?

Die Arbeitnehmer können sich bei den Assistenten in ihren Abteilungen persönlich, telefonisch oder per E-Mail für die Schulungen anmelden; die Assistenten sammeln die Anmeldungen und informieren die Trainingsabteilung bis zu einer vorgegebenen Frist über die Teilnahmeabsichten.

Finden die Schulungen während oder nach der Arbeitszeit statt?

Unsere Firma ist ununterbrochen tätig, sodass man sagen kann, dass die Schulungen bei uns ausnahmslos während der Arbeitszeit stattfinden. Die an den Schulungen teilnehmenden Arbeitnehmer haben Anspruch auf Zahlungen für Fehlzeiten, d. h. sie werden vom Arbeitgeber auch für die Zeit der Schulungen bezahlt. Wir nehmen unsere zukünftigen Kollegen vor der Absolvierung der zum Arbeitsantritt unbedingt notwendigen Schulungen möglicherweise in den passiven Personalbestand auf, sodass sie während der Schulung Anspruch auf ihren Grundlohn haben.

An wie vielen Schulungen nimmt ein Arbeitnehmer pro Jahr durchschnittlich teil?

Ein Arbeitnehmer nimmt jährlich durchschnittlich an rund 10 verschiedenen Schulungen teil, diese Zahl hängt allerdings von der von ihm bekleideten Stelle ab. Ein Gepäcklader hat im Vergleich zur durchschnittlichen Zahl weniger Schulungen, während der Weg eines Betriebsleiters für die Bodenabfertigung über deutlich mehr Fortbildungen zum Erwerb der Lizenz führt.

Aufgrund welcher Vorteile lohnt es sich für den Arbeitgeber, das Lernen am Arbeitsplatz zu unterstützen?

In unserer Branche spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle, also müssen wir bestimmte Arbeitsabläufe während der eng bemessenen Rotationszeit im Team und aufeinander abgestimmt durchführen. Die Rotationszeit selbst ist ein von Mal zu Mal unterschiedlich langes Zeitintervall und liegt bei einem durchschnittlichen Passagierflugzeug bei 25-45 Minuten. Das kann ausschließlich so umgesetzt werden, dass jeder Teilnehmer angemessen qualifiziert und sich über seine Aufgaben genau im Klaren ist. Durch ihre adäquate Qualifikation können wir sehr viel Zeit bzw. Arbeitskraftkosten sparen. Je mehr Qualifikationen ein Arbeitnehmer der Firma vorweisen kann, an desto mehr unterschiedlichen Arbeitsabläufen kann er mitwirken. Das bedeutet auch, dass wir bei der Gestaltung der Einteilung eines vielseitig qualifizierten Kollegen flexibler sein können, was bei einer durchgehend arbeitenden Firma in der Regel ein relativ kritischer Faktor ist.

Gibt es Möglichkeiten zur Förderung von selbständigem Lernen?

Für die im jeweiligen Jahr durchzuführenden Schulungen wird ein separater Etat eingerichtet, in dem detailliert festgelegt ist, wie viel wir wofür ausgeben möchten. Wenn sich jemand selbständig fortbilden möchte, muss er seinen diesbezüglichen Wunsch zunächst seinem direkten Vorgesetzten mitteilen. Wenn die Arbeitsordnung des Arbeitnehmers das Absolvieren der Fortbildung ermöglicht und auch der direkte Vorgesetzte das Vorhaben unterstützt, wird die Trainingsabteilung darüber informiert. Wenn ein Rahmenbetrag für die Förderung der jeweiligen Fortbildung vorliegt, wird ein zweiseitiger Bildungsvertrag zwischen der Firma und dem jeweiligen Kollegen abgeschlossen. Im Vertrag werden Höhe und Bedingungen der Förderung bzw. die verschiedenen Vergünstigungen – zum Beispiel im Hinblick auf die Arbeitszeit –, die der Arbeitgeber gewährt, um einer erfolgreichen Absolvierung der Fortbildung Vorschub zu leisten, detailliert festgehalten.

Wie motivieren Sie die Mitarbeiter zum Lernen?

Die Lohnstruktur unserer Firma motiviert die Arbeitnehmer zum Lernen, zur Fortbildung und zur Selbstentwicklung. In der Praxis sieht das zum Beispiel bei einem Fluggastbetreuer so aus, dass er auf einen umso höheren Grundlohn Anspruch hat, je mehr Fluggesellschaftssysteme (Qualifikationen) er zu bedienen gelernt hat. Bei den Kollegen, die als Gerätebediener arbeiten, verhält es sich ähnlich, d. h. je mehr Geräte er führen oder bedienen kann, umso mehr Grundlohn steht ihm zu.

Auf welche Lernmöglichkeiten werden Sie zukünftig besonderen Wert legen?

In Zukunft wollen wir noch größeren Wert auf E-Learning bzw. ähnliche Lernmöglichkeiten legen, mit deren Hilfe sich unsere Arbeitnehmer außerhalb der Arbeitszeit – auch von zu Hause aus – nützliche Informationen beschaffen können, die ihnen beim Onboarding[4] zum Beispiel die Eingliederung erleichtern.

 

Lesen Sie auch die anderen Beiträge der Themenwoche
"Work-based Learning - treibende Kraft für das Lebenslange Lernen?"


[1] General Aviation Terminal

[2] Internationale Luftverkehrsorganisation

[3] Internationale Zivilluftfahrt-Organisation

[4] Effiziente Integration neuer Arbeitnehmer in die Organisation.

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