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EPALE

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Blog

"Steter Tropfen oder Sisyphos?"

28/09/2018
by Susanne Lattke
Language: DE
Document available also in: EN EL RO HU

Lesezeit ca. 3 Minuten

Diese Frage stellt sich Susanne Lattke am Ende ihres Erasmus+-Projekts DEMAL. Auf EPALE konnten Leserinnen und Leser in den vergangenen zwei Jahren den Projektfortlauf verfolgen (s. Links am Ende des Beitrags). Susanne Lattke schildert hier zwei Aspekte, die ihr dabei auffielen. Dabei geht es um die Mühen und den Erfolg des Projekts, kurz um die Frage, welches Bild passt besser: steter Tropfen oder Sisyphos?

Wassertropfen

Szenario 1: Ein Erasmus+-Projekt hat einen E-Learning-Kurs für Lehrende in der Erwachsenenbildung entwickelt. Das Thema: Evaluation and Monitoring. Die Kurssprache: Englisch. Der Kurs wird im Projekt pilotiert, jede Partnereinrichtung soll Teilnehmende für den Kurs rekrutieren. – Die Rekrutierung verläuft zäh, nach intensiver Öffentlichkeitsarbeit auf allen denkbaren Kanälen wird die angestrebte Mindestzahl von insgesamt 100 Teilnehmenden aus den fünf beteiligten Ländern erreicht, und der Kurs wird durchgeführt – mit durchaus positiver Resonanz seitens der Teilnehmenden. – Der griechische Partner möchte den Kurs anschließend für den eigenen Markt nutzen. Er erarbeitet – wie im Projektplan vorgesehen – eine griechischsprachige Version der E-Learning-Materialien, setzt ein einziges Posting auf dem eigenen Facebook-Account ab – und hat in der folgenden Woche 200 eingeschriebene Interessenten. Zu viele, als dass alle aufgenommen werden könnten. Immerhin können die Interessenten noch auf die Möglichkeit verwiesen werden, die E-Learning-Materialien auch ohne tutorielle Betreuung im Selbststudium zu absolvieren.

Szenario 2: Ergänzend zum E-Learning-Angebot hat besagtes Erasmus+-Projekt einen einwöchigen Präsenzworkshop entwickelt, der ebenfalls im Projekt pilotiert wird. Der Workshop soll vor allem die Möglichkeit bietet, das im E-Learning erworbene Wissen zu vertiefen und die praktische Anwendung im Rahmen von Rollenspielen und Fallstudien durchzuspielen. Die 10 Teilnehmenden kommen aus den Partnerländern des Projekts, die Kurssprache ist erneut Englisch. Einigen Teilnehmenden bereitet dieser Umstand kein nennenswertes Kopfzerbrechen, doch nicht auf alle trifft dies zu, wenigstens zu Beginn des Kurses. Wären sie nicht von ihren Kollegen oder Vorgesetzten ausdrücklich ermutigt worden, so hätte wohl die Hälfte nicht den Weg in den Workshop gefunden. Am Ende der Woche sind alle Teilnehmenden begeistert, gerade auch diejenigen, die sich zu Beginn in ihrer sprachlichen Haut eher unwohl fühlten. Die intensive gemeinsame Arbeit an konkreten Beispielen, das gemeinsame Suchen nach Problemlösungen, die Diskussion unterschiedlicher Herangehensweisen, der Austausch realer eigener Erfahrungen – all das wird in höchstem Maße bereichernd gefunden, von den persönlichen menschlichen Begegnungen und interkulturellen Erfahrungen ganz zu schweigen.

So geschehen im gerade zu Ende gehenden Projekt „Designing, monitoring and evaluating adult learning classes – supporting quality in adult learning (DEMAL)“.

Die geschilderten Erfahrungen mögen überraschen oder auch nicht. Überraschend für mich ist immer wieder - – besserem Wissen durchaus zum Trotz -, dass internationale Arbeit, europäische Kooperation und Fremdsprachengebrauch auch nach 20 Jahren EU-Projektförderung in der Erwachsenenbildung noch kein flächendeckendes Phänomen darstellen. Weniger überraschend sind dagegen die positiven Erfahrungen, welche Betroffene fast immer in realen – über den virtuellen Internetraum hinausgehenden - interkulturellen Begegnungen machen. Sie sind eine der zuverlässig wiederkehrenden Konstanten meiner Berufserfahrung.

Solche Begegnungen sind jedoch –um in die Managementsprache zu wechseln - ressourcenintensiv. Das Erasmus-Programm trägt viel dazu bei, solche Begegnungen zu ermöglichen – und kann doch nur stets einen kleinen Teil der prinzipiell in Frage kommenden Zielgruppe erreichen.

Mit Blick auf die Wirkung des Programms, welches Bild passt wohl besser: Steter Tropfen oder Sisyphos? Machen wir Fortschritte im Hinblick auf europäische Begegnungen und Zusammenarbeit? Und wenn ja, wie schnell höhlen die Erasmus-Tropfen den Stein? Oder verhindern alle Bemühungen bestenfalls, dass das der Stein endgültig unten liegen bleibt?

Selbst in der pessimistischsten Lesart, die hier ausdrücklich nicht vertreten sein soll, würde gelten: Das Erasmus+-Programm wird weiterhin benötigt - am besten mit deutlich ausgeweitetem Umfang. Und das Programm wird weiterhin zur Förderung persönlicher Begegnungen benötigt – sie werden durch noch so viel Digitalisierung nie an Relevanz verlieren.

Über die Autorin

Susanne Lattke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Programm „Lehren, Lernen, Beraten“ am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte sind die Europäische Bildungspolitik, internationale Erwachsenenbildung, die Professionalisierung von Erwachsenenbildnern und das Lebenslange Lernen.


Lesen Sie noch mehr über das Projekt DEMAL:

Kursplanung und Kursevaluation Abschlusskonferenz des Projekts (DE, Ereignis, 25.09.2018)

Továbbképzési lehetőség felnőttoktatási szakemberek számára (HU, News, 07.06.2018)

Design adult learning courses e-learning (GB, Ereignis, 06.06.2018)

Erasmus+ projekt: DEMAL- A felnőttanulási folyamat tervezése és értékelése (HU, News, 02.05.2018)

Kostenlose Online-Kurse für Weiterbildungsprofis (DE, News, 28.03.2018)

E-Learning-Kurse zu Kursplanung und Lernprozessbegleitung (DE, Ereignis, 05.12.2017)

Projekt DEMAL sucht Tester für Kursplanungs-App (DE, News, 22.08.2017)

Erasmus+-Fortbildungen für Lehrkräfte (DE, News, 30.11.2016)

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