chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

Electronic Platform for Adult Learning in Europe

 
 

Blog

Erfolgreiche Projekte der EPALE-Veranstaltung zum Lernen am Arbeitsplatz

10/12/2019
by Andrew McCoshan
Language: DE
Document available also in: EN EL

Lesedauer circa acht Minuten - Lesen, liken und kommentieren!

Originalsprache: Englisch


/mt/file/successful-projects-summarySuccessful projects summary

Successful projects summary

Vom 11. bis 13. November hat EPALE eine Online-Veranstaltung für erfolgreiche Projekte zum Thema Lernen am Arbeitsplatz organisiert. Hierzu lieferten zahlreiche Erwachsenenbildner*innen aus über 20 europäischen Ländern Beiträge. Der Online-Austausch zu den Projekten hat gezeigt, wie viele Themen und Ansätze im Bereich Lernen am Arbeitsplatz behandelt bzw. verfolgt werden. Es wurde über Projekte und Systeme berichtet, die sowohl von nationalen als auch von internationalen Partnergruppen durchgeführt werden und anderen Interessierten in Europa als Anregung dienen. Dabei haben sich etliche Themen ergeben, die hier vorgestellt und anhand von Beispielen veranschaulicht werden sollen. Es sei darauf hingewiesen, dass es bei jedem Projekt nicht nur um das hier vorgestellte Thema, sondern um mehrere Themen ging.

Verschiedene Arten der Kompetenzentwicklung

Grundkompetenzen

Ein allgemeines Thema war die Vermittlung von Wissen am Arbeitsplatz zwecks Erwerb von Grundkompetenzen. In dem slowenischen Modell für Alphabetisierungsprogramme geht es um die Herausforderung, dass viele Menschen mit geringen Grundkompetenzen auch der formalen Bildung skeptisch gegenüberstehen. Bei diesem Modell wird zunächst der grundlegende praktische Bedarf von Erwachsenen angegangen, bevor versucht wird, eine neue, positive Erfahrung zu schaffen, die die Grundlage für neuen/weiteren Lernbedarf bildet. Auch wenn sich die spezifischen Ziele je nach Programm unterscheiden und die Programmdauer zwischen 50 und 350 Stunden beträgt, verfolgen alle Programme dasselbe Kernziel der Verbesserung der grundlegenden Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse (auch: Kommunikation) sowie der Querschnittskompetenzen (IKT, Lernkompetenzen, soziale Kompetenzen und aktiver Bürgersinn sowie ggf. Fremdsprachen, wissenschaftliche und technische Grundlagen).

In Österreich richtet sich das modulare und kompetenzorientierte Projekt Campus Basisbildung an Einzelpersonen, die über nur sehr geringe Lese-, Schreib- und Rechenkenntnisse verfügen. Hierbei entwickeln fünf österreichische Verbände ein kompetenzorientiertes Modell, bei dem in sechs verschiedenen Modulen unterschiedliche Inhalte angeboten werden. So arbeitet Kunstlabor uniT beispielsweise an einem Modul für Pflegepersonal, bei dem die Dokumentation in der Pflege im Mittelpunkt steht. Die Teilnehmer*innen arbeiten mit den Lehrenden an den Lernzielen für die jeweiligen Module und können dann selbst entscheiden, wie sie lernen möchten (verschiedene Methoden, z. B. im Kurs, zuhause, in Gruppen, allein usw.), was sie lernen möchten (verschiedene Angebote, Übungen) und wie intensiv sie lernen möchten. Ein besonders wichtiges Ziel besteht darin, das Lernen zu lernen.

Entwicklung von Querschnittskompetenzen

In vielen Beiträgen wurde betont, wie wichtig es ist, dass beim Lernen am Arbeitsplatz nicht nur fachliche, sondern auch „Querschnittskompetenzen“ oder „soziale Kompetenzen“ erworben und Meinungen geäußert und Verhaltensweisen erlernt werden. Genau darauf ist ein Erwachsenenbildungskurs auf Sekundarebene des Staatlichen Technischen Instituts Aterno-Manthonè in Pescara ausgerichtet, bei dem die Entwicklung von Alltagskompetenzen wie Selbstbewusstsein und Teamarbeit im Mittelpunkt steht. Das Institut hat viele Initiativen im Bereich Lesen und Schreiben ergriffen und bei verschiedenen Gelegenheiten Studierende in Abend- und Gefängniskursen unterrichtet und dazu beigetragen, dass sie ein besseres Sprachverständnis entwickeln und ihre eigenen Kompetenzen besser einschätzen lernen.

Lernen in verschiedenen Kontexten

Ausbildungsstellen

In mehreren Beiträgen ging es um Ausbildungsstellen. Hingewiesen wurde unter anderem auf das Work-Based Learning & Apprenticeships Network und frei verfügbare europäische Tools wie das Work-Based Learning Toolkit. Es wurde ein länderspezifisches Beispiel aus Zypern vorgestellt, bei dem Absolvent*innen des Ausbildungssystems berechtigt sind, die technischen und berufsbildenden Abendschulen zu besuchen, die als Schulen für den zweiten Bildungsweg dienen. Hier kann ein Teil der im Rahmen des Ausbildungssystems absolvierten Aus- und Fortbildung (der Vorkenntnisse) anerkannt und übertragen werden. Dadurch erhalten die Teilnehmer*innen die Möglichkeiten, die Sekundarstufe II in einem oder zwei Jahren abzuschließen.

Vermittlung von Wissen an Arbeitsplätzen, die für das konventionelle Lernen eine Herausforderung darstellen

Es wurde daran erinnert, dass es am manchen Arbeitsplätzen schwierig ist, Wissen zu vermitteln. Beim Projekt PRODOME (PROfessionalising DOMestic Housekeepers in Europe) wurden Herausforderungen aufgezeigt, vor denen Hauswirtschafter*innen stehen, die in den Privathaushalten ihrer Arbeitgeber*innen arbeiten – auch in Bezug auf die Privatsphäre – und die meistens keine entsprechende Ausbildung erhalten haben. Es wurde unter anderem ein Toolkit zur Schulung des einschlägigen Personals entwickelt.

Die neuen Möglichkeiten des digitalen Lernens

In vielen Beiträgen wurde besonders hervorgehoben, wie die Digitalisierung zu neuen Lernmöglichkeiten am Arbeitsplatz führt. So nutzt das bereits genannte Projekt vom Campus Basisbildung ein Blended Learning Tool mit 60 E-learning-Einheiten. Wiederum beim Erasmus+-Projekt YouDigIT wurden in sechs Ländern 28 Apps an einer Zielgruppe von europäischen Lehrenden getestet, die mit erwachsenen Lernenden arbeiten, und dabei wurden die sechs nützlichsten und unterhaltsamsten Apps ermittelt.

In manchen Beiträgen wurden branchenspezifische Ansätze beleuchtet. Das Projekt EULIFT stellte seine selbst entwickelte App vor, mit der Pflegepersonal im richtigen Umgang mit Patienten geschult wird, um Problemen des Bewegungsapparates vorzubeugen. Zu dieser App gehören: ein Tool zur Beurteilung der Patientenbedürfnisse und Auswahl der besten Technik für den Umgang mit Patienten, 3D-Animationen der wichtigsten Haltungen und Bewegungen und 3D-Avatare : Nina (Pflegerin) und Jacob (Patient). In der Kreativbranche entwickelte das Projekt CO-Design ein Ausbildungshandbuch für Trainer*innen (Train-the-Trainer Handbook), Online- Bildungsmaterial und CO.Design Essentials, in denen erläutert wird, wie man lernt, „gemeinsam etwas zu erschaffen“.

Partner in Berlin haben die Bedeutung des Social Blended Learning in den Vordergrund gestellt. Dazu gehören das Suchen nach einer Frage, einem Problem oder einer Herausforderung im Kontext der eigenen Arbeit und das gemeinsame Lösen mit Anderen (d. h. auch mit Personen außerhalb des betreffenden Unternehmens) mithilfe von Social Software.: Eine Form hiervon ist das „Learning out loud“ über Unternehmensgrenzen hinweg, wie dieses kurze Video erläutert:


Die Bedeutung der Kompetenzerfassung

Die Organisation Unionlearn aus dem Vereinigten Königreich hat uns daran erinnert, dass wir den Menschen dabei helfen müssen, ihre Kompetenzen im Laufe ihres Arbeitslebens zu überprüfen. Unionlearn hat das Erasmus+ Projekt Mid-Life Skills Review koordiniert. Dabei haben die europäischen Partner eine digital unterstützte Methode zur Kompetenzerfassung in der Mitte des Lebens entwickelt, damit Beschäftigte herausfinden können, wie sie den künftigen Herausforderungen des Arbeitsmarkts entschiedener begegnen können.

Kompetenzentwicklung von Lehrenden

In mehreren Beiträgen ging es darum, dass die Kompetenzen von Lehrenden verbessert werden müssen. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Entsendung von Beschäftigten in andere Länder, damit sie die eigene Komfortzone verlassen und andere Verfahrensweisen kennenlernen. Eine weitere sind länderübergreifender Kooperationsprojekte zur Weiterentwicklung der Kompetenzen von Lehrenden wie beispielsweise das Erasmus+-Projekt Training Educators Training Course.

Bei einem weiteren Projekt namens The Future Teacher: Focus on the ICT Competencies of Teachers wurde Folgendes entwickelt:

  • Ein Fragebogen mit einem „Digitalen Thermometer“, bei dem die Kompetenzen Lehrender auf der Grundlage des Europäischen Rahmens für die Digitale Kompetenz von Lehrenden (DigCompEdu) vor und nach der Absolvierung von Online-Modulen bewertet werden;
  • ein „Digitaler Kompass“ mit einem individuellen Lernpfad aus zu absolvierenden Online-Modulen;
  • Digitale Reisen (Online-E-Module), die nicht nur angesehen, sondern auch neu ausgerichtet und geteilt werden können (19 Module in allen drei Niveaustufen – Anfänger, Mittelstufe und Fortgeschrittene).

Die Notwendigkeit systematischer, auf die individuellen unternehmensinternen Bedürfnisse zugeschnittener Ansätze

Eine neue Entwicklung aus Island hat uns daran erinnert, dass das Lernen am Arbeitsplatz zwar systematisch erfolgen muss, aber auch flexibel genug sein muss, um den Bedürfnissen der verschiedenen Unternehmen gerecht zu werden. 2017 wurde das isländische Tourism Skills Centre (Zentrum für Tourismuskompetenzen) gegründet, das von einschlägigen Interessenträgern wie dem Ministerium für Industrie und Innovation und Sozialpartnern geleitet wird. Seine Schwerpunkte sind: die Einflussnahme auf und Zusammenarbeit mit dem formalen Schulsystem zur besseren Anpassung aktueller und künftiger Studiengänge an die Bedürfnisse der Industrie und eine verstärkte Ausbildung innerhalb von Touristikunternehmen. Im Zuge dessen haben Beschäftigte des Zentrums mit Zentren für das Lebenslange Lernen zusammengearbeitet, um systematisch und strategisch an Touristikunternehmen heranzutreten und so die Ausbildungsmöglichkeiten vor Ort zu verbessern. 

Vorbildfunktionen öffentlicher Verwaltungen

Andere Teilnehmer*innen stellten heraus, wie öffentliche Verwaltungen beim Lernen am Arbeitsplatz mit gutem Vorbild vorangehen könnten. Beim Projekt #PAT4YOUNG, das im Januar 2018 angelaufen ist, handelt es sich um ein Reverse-Mentoring-Programm, das von der Fondazione Demarchi (Trient, Italien) in Zusammenarbeit mit der Öffentlichen Verwaltung der Autonomen Provinz Trient (PAT) konzipiert und umgesetzt wurde. Ziel ist der Austausch von Kompetenzen zwischen Beschäftigten des öffentlichen Sektors mit und ohne Leitungsfunktion, insbesondere zu Fragen der Digitalisierung und der Weitergabe einer Organisationskultur. Darüber hinaus richtet sich das innovative Format des Projekts an die verschiedenen Generationen innerhalb der Organisation der PAT. Das für sie erstellte Modell kann von anderen Organisationen übernommen werden.

Ehrenamtliche und wohltätige Organisationen nicht vergessen!

Einige Teilnehmer*innen wiesen darauf hin, dass gewährleistet werden muss, dass auch ehrenamtliche Mitarbeiter*innen und wohltätige Organisationen über Lernmöglichkeiten verfügen. So ist beispielsweise eine gemeinnützige in der Prävention und Behandlung von Drogensucht und anderen Abhängigkeiten tätige Organisation Mitglied der European Companionship in Education, Training by Travelling. Hierbei handelt es sich um ein Netzwerk, das auf dem Modell des „Reisenden“ basiert: Ausbildung durch Reisen, Austausch mit Gleichgesinnten und gemeinsamer Aufbau eines Fundus an bewährten Praktiken. Dabei wählt und verfolgt jede*r Trainee ein spezielles Konzept, Verfahren oder System und beschreibt es in Form einer bewährten Praktik. Berichtet hat uns auch das Projekt FireVall – Volunteering Firefighting for All, das das Problem der Anwerbung und Ausbildung von freiwilligen Feuerwehrleuten in ganz Europa durch einen länderübergreifenden Austausch anzugehen versucht.


Über den Autor: Andrew McCoshan arbeitet seit über 30 Jahren als Wissenschaftler und Berater in der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa. Für die Europäische Kommission ist er der Hauptautor der in diesem Blog genannten Bestandsaufnahme zu den Zentren der Beruflichen Exzellenz. Zurzeit ist er Senior Research Associate am Educational Disadvantage Centre der Dublin City University in Irland.

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn
Refresh comments Enable auto refresh

Displaying 1 - 1 of 1
  • Tom Wilson's picture
    Very interesting and wide range of activity. However there seems to have been relatively little on the role of unions. Within the UK, the TUC set up Unionlearn which has had great success in organising, promoting, encouraging and delivering workplace learning. Other European countries have similar successful union programmes. They would repay further study and more attention.