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Nachhaltige Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Migration

21/02/2017
από Regina Rosc
Γλώσσα: DE
Document available also in: EN

Der Einladung zu der von EPALE Österreich organisierten Veranstaltung „Nachhaltige Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Migration“ am 24. November 2016 sind internationale Fachleute gefolgt und haben spannende Beiträge verfasst.

Die Themen Flucht und Migration sind hochaktuell. Die Themensetzung der Veranstaltung war in diesem Zusammenhang der wichtige und konstruktive Zugang, sich mit der aufnehmenden Gesellschaft zu befassen. Die auf den Vorträgen und Workshops basierenden Beiträge beschäftigen sich mit unterschiedlichen Aspekten von Flucht und Migration.

An dieser Stelle soll auf Erwachsenenbildungsmaßnahmen hingewiesen werden, die aus Sicht des Bildungsministeriums (BMB) von großer Bedeutung sind, wobei es – vorweg gesagt – um weit mehr als ums Deutsch lernen geht: Ein verbreiteter, populistischer Standpunkt besagt, dass Migrantinnen, Migranten und alle Geflüchteten zunächst und vor allem richtiges Deutsch lernen müssen. Nur gute Sprachkenntnisse ermöglichen beste Integration und Integration ist die individuelle Bringschuld der Zugewanderten.

Was das für die betroffenen Personen bedeutet, darüber wird nicht reflektiert. (Welcher Politiker, welche Journalistin hat schon einmal Dari oder Farsi gelernt – und das bitte mindestens bis zum B1 Niveau und möglichst schnell?!) Auch perfektes Deutsch ist keine Garantie für einen Arbeitsplatz, für gesellschaftliche Anerkennung und Partizipation.

Entsprechende Bildungsangebote sind zweifellos wichtig, noch wichtiger ist es aber, den Blick auf gesellschaftliche Strukturen zu richten, die Ungleichheit produzieren, die Zugangsbarrieren errichten und die diskriminierend wirken. Nicht die Integration von Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten in die Mehrheitsbevölkerung sollte im Fokus stehen, sondern Chancengerechtigkeit für alle Menschen, ungeachtet ihrer ethnischen und sozialen Herkunft.

Welchen Beitrag leistet nun die österreichische Erwachsenenbildung, um Chancengerechtigkeit zu erhöhen, Barrieren abzubauen und wie sieht es mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit aus?

Initiative Erwachsenenbildung

Seit Jänner 2012 läuft das von Bund und Ländern geförderte Programm „Initiative Erwachsenenbildung“, das das kostenlose Nachholen grundlegender Bildungsabschlüsse inklusive Basisbildung ermöglicht und sich vor allem an benachteiligte Personen richtet. Ca. 70% der Teilnehmenden haben Migrationshintergrund. Eine dritte Programmperiode wird derzeit vorbereitet.

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  Foto: Rubia Salgado, Thomas Fritz, Regina Rosc (v.l.n.r.)

Bildung für junge Flüchtlinge

Ein weiteres Förderprogramm des BMB – „Bildung für junge Flüchtlinge“ - richtet sich an jugendliche Asylwerber und Asylwerberinnen; auch hier geht es um das Nachholen von grundlegender Bildung.

Die Nachhaltigkeit beider Programme spiegelt sich in für das BMB wesentlichen Prinzipien wieder – ich möchte nur einige nennen:

  • Die Vermittlung von Kompetenzen, die die Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden erweitern.
  • Die Interessen und Ressourcen der Teilnehmenden sind die Ausgangspunkte für die Angebote.
  • Die Autonomie und Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden werden gefördert.
  • Der Lernprozess erfolgt auf Augenhöhe und ist ein gleichberechtigter Dialog zwischen Lehrenden und Lernenden.
  • Politische Bildung, Antidiskriminierung und Antirassismus sind Querschnittsmaterien in allen Lernfeldern.

Neben Bildungsangeboten fördert das BMB seit Jahren Entwicklungs- und Forschungsprojekte im Rahmen des Europäischen Sozialfonds (esf). In mehrjährigen Projektnetzwerken wurden und werden Themen der Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft behandelt.

Ein Förderkriterium ist, dass Einrichtungen der EB, spezifische NGOs, die sich an Menschen mit Migrationserfahrung richten, und die Wissenschaft ein Projektnetzwerk bilden müssen. Die kooperative Arbeit in den Projekten lieferte bzw. liefert wesentliche Beiträge für eine nachhaltige Erwachsenenbildung:

  • Projekte setzen sich mit „Mehrsprachigkeit“ im Kontext von Migration auseinander; Ergebnisse fließen in die Basisbildungsarbeit ein und werden umgesetzt.
  • Die Bildungsbeteiligung von Frauen mit Migrationshintergrund in ländlichen Regionen wird gestärkt durch Ansätze der Community Education. Die „Freien Radios“ fungieren als Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Leben, Teilnehmerinnen entwickeln regionale Sprachlernangebote und Radiosendungen.
  • Bildungswünsche von Migrant/innen der 2. Generation werden erforscht, daraus entstehen Empfehlungen und Handlungsoptionen für die Erwachsenenbildung.
  • Vereinfachte Instrumente zur Berufsorientierung für Menschen mit Migrationserfahrung liegen vor; eine frühzeitige Karriereplanung erhöht die Motivation Deutsch zu lernen, eine open source Lernplattform steht für die Zielgruppen zur Verfügung.
  • Eine Bestandsaufnahme und Analyse der Rolle von NGOs, die von Migrantinnen und Migranten getragen werden, wird durchgeführt. Ihre Integrationsleistung auf Gemeindeebene und ihre Potentiale werden erhoben. Darauf aufbauend wird ein Profil für Bildungsexperten und -expertinnen und eine entsprechende Ausbildung erarbeitet. Diese Ausbildung ermächtigt Vertreter/innen dieser NGOs als interkulturelle Vermittler/innen auf kommunaler Ebene zu agieren.
  • Auch im Rahmen des Programms Erasmus+ Bildung werden zahlreiche Projekte gefördert, die wichtige Beiträge zum Thema Flucht und Migration liefern.

Es tut sich also Einiges in der Erwachsenenbildung, es gibt innovative Ansätze, vielversprechende Projektergebnisse und Maßnahmen, die den Zugang zu Bildung, Weiterbildung und Arbeitsmarkt ermöglichen. Dennoch bleibt noch viel zu tun, um die Herausforderungen einer Migrationsgesellschaft zu meistern.

Abschließend soll ein Punkt herausgegriffen werden, der ganz wesentlich für gelebte Diversität und damit für eine nachhaltige Erwachsenenbildung ist: Die Erwachsenenbildungseinrichtungen müssen sich öffnen, Ausschlussmechanismen reflektieren, organisatorische und inhaltliche Änderungen initiieren und umsetzen.

Besonders wichtig ist es, dass Menschen mit Migrationserfahrung nicht nur als Teilnehmende, als sogenannte Zielgruppe angesprochen werden, sondern dass sie als Akteur/innen, als Lehrende, als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, als Programmverantwortliche, als Leitenden auf allen organisatorischen Ebenen der Institutionen aufgenommen werden. Mit ihren Erfahrungen, ihrem Potential, ihrer Mehrsprachigkeit tragen sie zur Öffnung der Institutionen bei.

Die  „Leitlinien für die Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft“ bieten Orientierung und einen Rahmen für Veränderungsprozesse hin zu einer Öffnung von Einrichtungen der Erwachsenbildung. Die Leitlinien wurden vom Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) auf der Webseite https://migrationsgesellschaft.wordpress.com online gestellt.

Wie sollte also die nahe Zukunft einer nachhaltigen Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Migration aussehen?

  • In der Erwachsenenbildung spiegelt sich die vielfältige gesellschaftliche Situation wider: Personen unterschiedlicher Herkunft sind in allen Bereichen und auf allen Ebenen der Bildungssysteme vertreten.
  • Bildungsangebote werden von allen wahrgenommen, die Differenzierung Personen mit oder ohne Migrationshintergrund ist obsolet.
  • Mehrsprachigkeit ist ein zentrales Element in den Maßnahmen, auch dort wo Sprache eine Zugangsbarriere darstellt.
  • Diskurse über Migration, über Diskriminierung und Rassismus werden auf allen Ebenen der Organisationen, in allen Bildungsbereichen geführt.

Die Beiträge und Workshops der Konferenz waren ein weiterer Schritt in diese Richtung, führten zu spannenden und konstruktiven Diskussionen und spiegeln sich in der vorliegenden Publikation wider.

Der Text basiert auf den einleitenden Worten zum Tagungsband der EPALE-Konferenz.

Zur Publikation "Nachhaltige Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Migration" (Deutsch)


Zur Autorin:

Regina Rosc, Bundesministerium für Bildung, studierte Germanistik und Romanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz. Nach Unterrichtstätigkeit in Paris und Wien sowie journalistischer Arbeit ist sie seit 1987 Mitarbeiterin der Abteilung Erwachsenenbildung des Bundesministerium für Bildung. Sie ist zuständig für die Bereiche Basisbildung, Migration und Gleichstellung. Rosc ist Initiatorin des Portals erwachsenenbildung.at und des Onlinemagazins erwachsenenbildung.at.

Kontakt: regina.rosc@bmb.gv.at; www.erwachsenenbildung.at


Foto: (c) OeAD-GmbH/APA-Fotoservice/Hörmandinger

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