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Erwachsenenbildner*innen und Forscher*innen unter Quarantäne

17/06/2020
από Redaktion Deuts...
Γλώσσα: DE
Document available also in: EN HR

Lesedauer ca. 4 Minuten - Lesen, Liken, Kommentieren!

Der Beitrag wurde im Original vom DIE in englischer Sprache veröffentlicht.


Rheinpromenade (© Alexandra Ioannidou)

Rheinpromenade (© Alexandra Ioannidou)

Die Auswirkungen von Covid-19 sind in der ganzen Welt deutlich zu spüren. Trotz der in den meisten Ländern ergriffenen sehr rigorosen Maßnahmen und des unermüdlichen Einsatzes von medizinischer Fachkräfte hat das Virus bereits zu viele Menschenleben gefordert und unser aller Leben verändert. Die Pandemie hat die Ignoranz oder Unfähigkeit von Verantwortungsträgern und unzulängliche Systeme aufgezeigt, Behörden diskreditiert und es unmöglich gemacht, bestehende Ungleichheiten weiter zu ignorieren. Sie hat sichtbar gemacht, was unter normalen Umständen unbemerkt bleibt oder einfach akzeptiert wird. Das Virus war kein großer Gleichmacher. Seine Opfer sind eher ältere und besonders anfällige Menschen sowie Menschen, die in Armut und beengten Verhältnissen, Ghettos und Flüchtlingslagern leben.

Inwiefern sind Erwachsenenbildner*innen und Forscher*innen von den Lockdown-Maßnahmen betroffen?

Es dürfte mittlerweile klar sein, dass die Auswirkungen von Covid-19 auf die Beschäftigung ebenfalls äußerst asymmetrisch sind. Sie unterscheiden sich je nach Branche – von hochgradig systemrelevanten Bereichen, die genauso weiterarbeiten wie immer (Lebensmittelproduktion, öffentliche Versorgung und Gesundheitswesen) bis hin zu Tätigkeiten, die als überhaupt nicht systemrelevant gelten und komplett zum Erliegen kommen (Freizeit-, Hotel- und Gastronomiegewerbe). Zwischen diesen beiden Extremen liegen Branchen, bei denen die Auswirkungen überwiegend davon abhängig sind, ob die jeweilige Tätigkeit sich für Telearbeit eignet und von zu Hause aus ausgeübt werden kann. Erwiesenermaßen wirken sich die Lockdown-Maßnahmen und das Social Distancing unverhältnismäßig stark auf die schwächsten Arbeitnehmergruppen wie Frauen, ältere Arbeitnehmer*innen, befristet Beschäftigte, Selbstständige, Geringqualifizierte und ausländische Beschäftigte aus. (Konservativen) Schätzungen zufolge sind rund 45 Millionen Arbeitsplätze auf dem Arbeitsmarkt der EU-27, d. h. 23 % aller Arbeitsplätze in der EU-27, durch Covid-19 ernstlich in Gefahr, und weitere 22 % werden durch die Krise ebenfalls stark beeinträchtigt. Im Gegensatz dazu sind Beschäftigte mit unbefristeten Arbeitsverträgen, Hochqualifizierte und einheimische Arbeitnehmer*innen tendenziell am wenigsten von negativen Auswirkungen auf Beschäftigung und Einkommen betroffen. Selbst wenn der Arbeitsplatz nicht in Gefahr ist und die Tätigkeit zu Hause ausgeübt werden kann, wie bei vielen Wissenschaftlern, wurden zu viele Frauen durch die ungleiche Aufteilung von Kinderbetreuung und anderer unbezahlter Arbeit benachteiligt.

Und die Erwachsenenbildner*innen? Wie kommen sie mit den Auswirkungen von Covid-19 auf ihre Arbeitsplätze zurecht? Die Antwort ist vor allem von ihrem beruflichen Status abhängig. In Deutschland sind beispielsweise 700 000 Menschen bei verschiedenen Trägern als Erwachsenenbildner*innen, Trainer*innen, Coaches usw. tätig. Über 70 Prozent der Arbeitsverträge in der Erwachsenenbildung betreffen eine kurzfristige Beschäftigung als Honorarkraft. Auch wenn dazu bisher keine Daten vorliegen, ist anzunehmen, dass Erwachsenenbildner*innen aufgrund ihres Beschäftigungsprofils durch Covid-19 einem erheblichen Risiko von Arbeitsplatzverlust und Einkommenseinbußen ausgesetzt sind.

Aber vor welchen Herausforderungen stehen Erwachsenenbildner*innen außerhalb Deutschlands und Europas? Die Pandemie betrifft letztlich die ganze Welt und zieht nicht nur für Europa dramatische Auswirkungen nach sich. Sie hat mittlerweile 185 Länder und somit fast die ganze Welt erreicht. Entwicklungsländer sind mit einer zweimonatigen Verzögerung ebenfalls von dem Virus betroffen und weisen ein dreimal höheres Infektionsrisiko auf als europäische Länder. Die WHO rechnet in den nächsten drei bis sechs Monaten mit bis zu 10 Millionen Infizierten. In diesen Ländern werden aufgrund des Zusammenbruchs globaler Lieferketten Millionen Menschen arbeitslos oder verlieren Einkommen oder Ressourcen. Anders als in Europa können die dortigen Regierungen keine Unsummen ausgeben, um das Einkommen von Familien zu stützen und Unternehmen das Überleben zu sichern.

Und wie geht es Forscher*innen in der Erwachsenenbildung während der Coronakrise? Wie bewältigen sie ihre Arbeit im Homeoffice und den völlig neuen Alltag? Die meisten von uns gehören zu den Privilegierten (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist kein unmöglicher Luxus, Zugang zum Gesundheitswesen für alle aufgrund einer gut ausgebauten Versorgung im Wohlfahrtstaat, Möglichkeit zur Telearbeit), und dennoch hat das Virus uns in unvorhergesehener Weise getroffen. Die Auswirkungen auf unsere Arbeit sind sicher nicht verheerend – abgesehen davon, dass wir höchstwahrscheinlich im Lockdown keine Meisterwerke schreiben werden.

Wir wissen nicht, welche Folgen die Pandemie für die Erwachsenenbildung und das Lernen haben wird. Aber wir können Fragen stellen, die eine Untersuchung wert sind. Welche Auswirkungen hat der Lockdown auf Anbieter von Aus- und Weiterbildung für Erwachsene? Inwiefern wurde die Beschäftigung von Erwachsenenbildner*innen und Trainer*innen durch die Lockdown-Maßnahmen beeinträchtigt? Welche Auswirkungen hat der Lockdown auf die Teilnahme an der Erwachsenenbildung? Welche Gruppen werden (nicht mehr) erreicht? Haben die Menschen während des Lockdowns mehr Zeit zum Lernen? Wird mehr Menschen klar, wie wichtig in einer Situation der Unsicherheit wissenschaftliche Beweise für wirksame politische Maßnahmen sind? Bleibt lebenslanges Lernen eines der wenigen bekannten Mittel, um den durch wirtschaftliche Veränderungen, Klimawandel oder Fake News entstandenen Verzerrungen zu begegnen? Kann Erwachsenenbildung dazu beitragen, die dramatischen Auswirkungen des Ausbruchs der Pandemie auf unser Leben abzuschwächen? Welche politischen Maßnahmen hat die Pandemie im Bereich der Erwachsenenbildung bewirkt?

Hier fragen wir uns jedoch möglicherweise, was wir alles wirklich (nicht) wissen.


Über die Verfasserin:

Alexandra Ioannidou ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am DIE – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen in Bonn, Geschäftsführerin und Vorstandsmitglied der European Society for Research of the Education of Adults (ESREA).

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