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EPALE - Ηλεκτρονική Πλατφόρμα για την Εκπαίδευση Ενηλίκων στην Ευρώπη

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Kompetenzorientierte Lehrerausbildung europäisch gedacht

27/01/2020
από Doris Schiffmann
Γλώσσα: DE

Lesedauer circa zehn Minuten - Jetzt lesen, liken und kommentieren!

Beitrag verfasst von Maren Kniese und Abrar Ahmad

Gruppenfoto


Europäisierung und Internationalisierung in der beruflichen Bildung nehmen auf der Ebene der institutionellen Bildungsverantwortlichen einen großen Stellenwert ein. Vor diesem Hintergrund sollen angehende Lehrkräfte bereits eine erweiterte Berufskompetenz in der zweiten Phase der Lehrerbildung erfahren, um diese im Hinblick auf Konzeption, Durchführung und Nachbereitung internationaler Mobilitäten weiterentwickeln und im Rahmen der Implementierung des schulischen Curriculums tätig werden zu können. Hierzu bietet das Studienseminar Hannover für das Lehramt an berufsbildenden Schulen regelmäßig für angehende Lehrkräfte eine Zusatzqualifikation an, welche in diesem Jahr mit einer Mobilität nach Portugal verbunden war. Über das Mobilitätsprogramm der EU Erasmus+ haben wir im Herbst 2019 sechs unterschiedliche Schulen in und rund um Caldas da Rainha besucht. Die Eindrücke wurden von den Teilnehmer*innen über Instagram geteilt und in einem abschließenden Kurzbericht für EPALE festgehalten.

Land und Leute

Nach einer langen Anreise haben wir zunächst die wunderschöne Stadt „Quelle der Königin“ kennengelernt. Unser Weg führte dabei vom Museu Hospital Termal bis hin zum Igreja de nossa senhora do pópulo. Dabei konnten wir viel über die Geschichte der Stadt, ihre historischen Gebäude und ihre Bewohner lernen. Ein besonderes Highlight war der Empfang des Bezirksbürgermeisters der Region um Caldas da Rainha, der sich sehr über unsere Ankunft freute und uns eine schöne und vor allem lehrreiche Zeit in unseren Schulen wünschte, zu denen wir am nächsten Morgen aufbrachen.

Konzepte unserer Partnerschulen

In diesem Zusammenhang haben wir - die angehenden Lehrkräfte - die Konzepte zu den Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Inklusion an den besuchten portugiesischen Schulen analysiert. Die folgenden sechs Schulen waren an dem Projekt beteiligt:

  • Rafael Bordalo Pinheiro in Caldas da Rainha
  • Fernão do Pó in Bombarral 
  • Cenfim in Caldas da Rainha
  • Raul Proença in Caldas da Rainha
  • Josefa de Óbidos in Óbidos
  • Escola de Hotelaria e Turismo in Caldas da Rainha

Im Folgenden werden exemplarisch einige dieser Schulen namentlich genannt, die durch besondere Konzepte aufgefallen sind. Grundsätzlich ist zu beachten, dass alle besuchten Schulen viele der genannten Konzepte umsetzen oder sich in der Planungsphase befinden.

Rafael Bordalo Pinheiro in Caldas da Rainha

Gruppenfoto

Die erste Schule, die wir besuchten durften, war die berufsbildende Schule Escola Secundária Rafael Bordalo Pinheiro. Die Schulleiterin empfing uns im Lehrerzimmer und beantworte unsere Fragen zum portugiesischen Bildungssystem und zu der berufsbildenden Schule. Die Vielfalt der angebotenen Ausbildungsberufe und die Architektur der Schule spiegelt die Historie der Stadt Caldas da Rainha und dessen Kultur wider. Die Schule bietet viele Berufe im kreativen Bereich – darunter Fotografie, Zeichenkunst und Medientechnik. Die Lernenden arbeiten regelmäßig im nationalen Fernsehen und anderen Medienorganisationen.

Sport hat ebenfalls einen hohen Stellenwert an dieser Schule. Lernende mit sportlicher Begabung werden speziell gefördert und sogar für die olympischen Spiele vorbereitet sowie vor Ort per Videokonferenz beschult. Lernende mit besonderen Bedarfen werden in speziellen Kursen und Räumlichkeiten auf den Alltag vorbereitet. Die Schule legt dabei besonderen Wert auf Toleranz und warmherziges Miteinander, welches die Werte der Stadt Caldas da Rainha wiederspiegelt. Dieses Leitbild wird klar und deutlich u.a. durch zahlreiche Plakate dargestellt. Lernende im Kfz-Bereich lernen in einer schuleigenen Werkstatt, bei der sie reale Probleme am Kfz lösen sollen. Der theoretische Unterricht findet direkt neben der Werkstatt in einem Klassenraum statt. Hier kommen größtenteils eBooks zum Einsatz, wodurch der Unterricht (z. B. durch den Einsatz von Aktiv- oder Smartboards) dynamischer gestaltet wird. Vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit kann an dieser Stelle Papier eingespart werden. Zudem können Schüler*innen, die z.B. aufgrund der Teilnahme an internationalen Wettkämpfen in der Schule nicht anwesend sein können, mithilfe von Videoübertragung den Unterricht am Computer verfolgen. Weiterhin gibt es ein digitales Klassenbuch, was sukzessiv ausgebaut werden kann und auch für die Lernenden zugänglich gestaltet werden kann, um bspw. die eigenen Fehlzeiten zu sichten. Der tägliche Zugang zur Schule erfolgt für die Lernenden über den Haupteingang, an dem sie sich jeweils mit einer eigenen Magnetkarte bei Betreten sowie bei Verlassen der Schule registrieren müssen. Diese Registrierung wird automatisch in das elektronische Klassenbuch übertragen. In der Unterrichtsstunde wird die Anwesenheit dann nochmals überprüft.

Fernão do Pó in Bombarral

Auf der allgemein- und berufsbildenden Schule Escola Básica e Secundária Fernão do Pó in Bombarral werden Schülerinnen und Schüler der 5. bis 12. Klasse beschult. Während die allgemeinbildende Schulform dabei einen besonderen Fokus auf das Fach Sport legt, findet in der berufsbildenden Schulform vor allem praxisbezogener Unterricht statt. Die Schüler*innen der allgemeinbildenden Schulform werden von insgesamt 30 Sportlehrer*innen unterrichtet, die eine umfangreiche Auswahl an verschiedenen Disziplinen anbieten. Gehandicapte Schüler*innen werden in den Sportunterricht integriert und durch zusätzliche Sportlehrkräfte während der Sportstunde unterstützt und gefördert. Zusätzlich können die SuS in besonderen Sportangeboten wie u.a. Blindensport (Fußball) oder Boggia für Menschen mit Gehbehinderung erfahren, wie es ist, gehandicapt zu sein. Das dementsprechend umfangreiche Sportequipment wird von Angestellten der Schule verwaltet. Der Umgang mit den Sportgeräten erfolgt dabei sehr sorgfältig, sodass diese lange erhalten bleiben. Die Digitalisierung findet kaum Verwendung im Sportunterricht, da hier größtenteils Flipcharts zum Einsatz kommen. Einzelne Lehrkräfte unterstützen ihren eigenen Sportunterricht zudem durch den Einsatz von Tablets.

Cenfim in Caldas da Rainha

Die Schule Cenfim im Standort Caldas da Rainha bildet ihre Lernenden in der schuleigenen Werkstatt aus. Diese beinhaltet eine große Anzahl unterschiedlicher Maschinen, darunter auch eine CNC-Fräse. Die Lernenden müssen vor der Nutzung der CNC-Fräse eine Simulation durchführen, um zu überprüfen, ob die CNC-Fräse das gewünschte Werkstück produzieren kann. Erst nachdem die Simulation erfolgreich war, dürfen die Lernenden an der Maschine arbeiten. Durch diese Vorgehensweise lernen sie den Umgang mit Computern, Simulationsprogrammen und mit den daran verbundenen Maschinen. Die Schule hat ein Forum für Lernende und Lehrkräfte eingerichtet, wodurch ein Austausch auch außerhalb der Unterrichtszeit möglich ist. Über das Forum können auch Unterrichtsmaterialien verteilt werden. Die Lernenden können ihre Ergebnisse anderen präsentieren und Feedback erhalten sowie Fragen stellen, die von allen Beteiligten beantwortet werden können.

Am Standort Caldas da Rainha werden ungefähr 120 Lernende ausgebildet. Die Schule besitzt für diesen Standort ca. 25 Laptops und 2 Rechnerräume mit ungefähr 25 Standrechnern. Aktuell existiert an der Schule ein Projekt mit dem Ziel ein Rechenzentrum in Caldas da Rainha einzurichten, um die Digitalisierung in der Schule zu verbessern. Konkret sollen Onlinekurse angeboten werden, welche im Rechenzentrum auch außerhalb der Schulzeiten absolviert werden können. Die Onlinekurse und der Besuch des Rechenzentrums sollen auch externen Personen ermöglicht werden. Bei bestandener Prüfung erhalten die Lernenden ein anerkanntes Zertifikat und dürfen entsprechende Arbeiten in ihrem Beruf durchführen. Bereits jetzt schulen Firmen aus der Umgebung ihre Mitarbeiter in Cenfim, da diese eine umfangreiche Werkstatt besitzt. Die Schule erhofft sich durch dieses Projekt, ein größeres Bildungsangebot zu schaffen, um die Arbeitnehmer*innen in der Region auf die Anforderungen der Digitalisierung vorbereiten zu können.

Josefa de Óbidos in Óbidos

Die Schule Josefa de Óbidos ist technisch gut ausgestattet. Überwiegend sind in den Klassenräumen Whiteboards vorhanden, jedoch werden einzeln bereits Smartboards und Aktivboards im Unterricht eingesetzt. Dieser orientiert sich am Prinzip „bring your own device“, wenn die Umstände dies erlauben. Im Unterricht werden die technischen Geräte regelmäßig und sinnvoll eingesetzt. Im Kunstunterricht werden vorwiegend Tutorials genutzt, um eigenständig Problemstellungen lösen zu können. Zudem werden von den Lernenden Flyer für schulinterne Projekte oder andere Veranstaltungen erstellt. Über private Anbieter gibt es die Möglichkeit, Daten auf einer Cloud zu speichern und somit einen zeitgemäßen Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden außerhalb der Schulzeit zu ermöglichen. Diese Ausstattung ermöglicht es den Lehrenden, Videosequenzen zu erstellen oder diese durch die Lehrkräfte zum Einstieg in eine neue Problemsituation zu nutzen.

Escola de Hotelaria e Turismo in Caldas da Rainha

Die Escola de Hotelaria e Turismo bildet Lernende im Berufsbereich Hotel und Tourismus sowie Kochen aus. Eine Besonderheit dieser Schule ist, dass sie einen Fachpraxisraum in Form eines Hörsaals haben. In diesem werden Lernende im Bereich Kochen praktisch ausgebildet und lernen Techniken, die sie zum Kochen benötigen. In Anlehnung an eine Kochshow hat die Schule eine große Küche gebaut, in der die einzelnen Arbeitsschritte mit einer beweglichen Kamera von der Decke aus gefilmt werden können. Diese überträgt das Geschehen live aus der Vogelperspektive, welches gleichzeitig über einen Beamer im Hörsaal auf eine Leinwand übertragen wird und so für die Schüler*innen zu sehen ist. 


Fazit

Die Digitalisierung an Schulen ist ein Prozess, der langwierig mit viel Aufwand, Technik, Kreativität und Kosten verbunden ist. Jedoch ist die Notwendigkeit der Digitalisierung in den Schulen äußert groß, denn die Technik entwickelt sich heutzutage sehr schnell weiter. Die Schulen in Deutschland und Europa müssen aufrüsten, da durch die Einführung neuer Technologien in der Industrie neue Kompetenzbereiche geschaffen werden, die die Fachkräfte der heutigen Zeit beherrschen müssen. Eine zeitgemäße Ausbildung muss Lernende auf die neuen Aufgabenbereiche mit entsprechender Technik vorbereiten. Darüber hinaus geht es bei der Digitalisierung an den Schulen auch um viele weitere Aspekte. Es können unterschiedliche Lerntypen mithilfe verschiedener Methoden und geringem Aufwand angesprochen oder gar neue Lernkonzepte geschaffen werden. Zudem schafft die Digitalisierung Gerechtigkeit beim Lernen. Bspw. können Menschen mit schwierigen Lebensumständen bequem von jedem beliebigen Ort aus lernen.

Die Ausrüstung an den Schulen ist unterschiedlich und abhängig von dem Bildungsangebot. Die Schwerpunkte der eingesetzten Medien in den Schulen ist vom geschulten Beruf abhängig. Grundsätzlich wurde festgestellt, dass die Schulen aufrüsten und eine starke Orientierung Richtung Digitalisierung vorhanden ist. An diversen Schulen sind neben Whiteboards, Beamer und Rechnern bereits auch Smartboards vorhanden. Das Arbeiten mit unterschiedlichen internetfähigen Endgeräten wird durch schuleigene Netzwerke unterstützt. Der Umgang mit der neuen Technik kann verbessert werden, z. B. die Benutzung der Software (bessere Gestaltung von Abbildungen o.ä.) oder der Hardware (das Koppeln unterschiedlicher Geräte). Die vorhandene Infrastruktur kann zudem durch einen geringen Aufwand optimiert werden, z. B. kann mit den vorhanden Mitteln eine stärkere Internetpräsens hergestellt werden, sodass ein Lernen auch außerhalb der Schule für Lernende der Schule und Externe möglich ist. Weiterhin ist aufgefallen, dass teilweise Konzepte für die neue Technik fehlen oder in Arbeit sind, jedoch nur schleppend vorankommen. Grundsätzlich ist an allen Schulen ein großes Interesse zu sehen, die Digitalisierung in den Schulen zu integrieren. Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind sie mit ihrer Technik zufrieden, aber auch bemüht, neue Gerätschaften anzuschaffen, und sehr motiviert neue Konzepte zu erstellen und zu experimentieren. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine große Ähnlichkeit zu dem Zustand der deutschen Schulen besteht. 

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Über die Autoren:

Maren Kniese

Maren Kniese ist Studienreferendarin des Studienseminars Hannover für das Lehramt an berufsbildenden Schulen. Der Wunsch, Berufsschullehrerin im kaufmännischen Bereich zu werden, entwickelte sich während ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau, die sie direkt nach Erreichen der allgemeinen Hochschulreife mit dem Schwerpunkt Sport begann. Während ihres Studiums mit der Fachrichtung Wirtschaftspädagogik und dem Unterrichtsfach Sport konnte Knies praktische Erfahrungen als Werkstudentin im kaufmännischen Bereich eines Industrieunternehmens sammeln. An den erfolgreichen Abschluss des Studiums soll sich nun ihre bevorstehende Prüfung anschließen, so dass sie ihren Traumberuf bald ausüben kann.


Abrar Ahmad

Abrar Ahmad studierte Elektrotechnik an der Hochschule Hannover und hatte sich bereits in frühen Jahren für den Lehrerberuf interessiert. Seit 2016 unterrichtet er an der Berufsbildenden Schule Metalltechnik BBS-ME neben seiner beruflichen Fachrichtung auch das Unterrichtsfach Politik. Das große Interesse am europäischen Zusammenleben bewegte ihn dazu beim Mobilitätsprojekt Erasmus+ teilzunehmen.

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