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Rezension zu Anita Sekyra, Die Bedeutung Kollegialer Beratung in der Hochschuldidaktik, Verlag Klemm + Oelschläger, 1. Auflage, Ulm 2016, 156 Seiten.

Sprache: DE

Eingesandt von Andreas-Michael Blum

Das Buch von Sekyra ist aus einer Masterarbeit im Studiengang Bildungsforschung und Kompetenzentwicklung an der Universität Leipzig aus dem Jahr 2013 hervorgegangen und wurde 2015 anlässlich der dghd-Jahrestagung an der Universität Paderborn mit dem „Johannes-Wildt-Nachwuchspreis für hochschuldidaktische Forschung“ ausgezeichnet. Die Abhandlung von Sekyra behandelt das bislang wenig erforschte Thema der Kollegialen Beratung und zeigt ihre Bedeutung für die Kompetenzentwicklung von Hochschullehrenden auf.

Der Aufbau der empirisch angelegten Studie gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Der Theorieteil führt über die „Explikation des Kompetenzverständnisses“ (Seite 12-17), „Kollegiale Beratung“ (Seite 18-38) und die didaktischen Ansätze der „Hochschuldidaktik“ (Seite 39-55) zu Kapitel 5, in dem der „Internationale Forschungsstand zur Kollegialen Beratung“ (Seite 56-61) skizziert wird. In Kapitel 6 stellt die Autorin die „untersuchungsleitenden Fragestellungen“ (Seite 62-64) vor und gibt einen knappen „Überblick zum Forschungsdesign“ (Kapitel 7, Seite 65-66), bevor sie auf den „Qualitativen Forschungsprozess“ (Seite 67-107) und auf den „Quantitativen Forschungsprozess“ (Seite 108-137) detailliert eingeht. Kapitel 10 ist schließlich der Präsentation der Forschungsergebnisse gewidmet. Ein umfangreicher Anhang (unter anderem bestehend aus einem Interviewleitfaden, Kurzfragebogen und Transkriptionsregeln) sowie ein bis in das Jahr 1956 zurückreichendes Literaturverzeichnis rundet die bemerkenswerte Publikation von ab.

Besonders gelungen ist in Sekyras Werk die Definition, Anwendungsbereiche, Ziele und der Nutzen von Kollegialer Beratung, die die Verfasserin als ein „Format“ beschreibt, „welches Personen aus unterschiedlichsten Arbeitsfeldern befähigt“, sich „wechselseitig bei beruflichen Problemen“ (Seite 19) zu beraten. Bei der Kollegialen Beratung stehen das „selbstorganisierte Beratungssetting“ und die „Bewältigung von arbeitsfeldspezifischen Lernanforderungen“ (Seite 20) im Vordergrund, die auf rational-reflexiver Ebene im Idealfall einen Lernprozess bei den Teilnehmenden anstoßen.

Der strikte Rollenbezug und das Phasenmodell der Kollegialen Beratung, so verdeutlicht Sekyra auf Seite 23 bis 25 zutreffend, können als strukturiertes Verfahren diesen Lernprozess anregen, fördern und unterstützen. Wichtig ist auch der Hinweis, dass die Kollegiale Beratung ein Teil „vielfältiger Interventionsformen“, wie beispielsweise dem Coaching und der Supervision (Seite 27), ist und deutlicher als andere Interventionsformen einen lerntheoretischen (Seite 30-35 und 43-44) bzw. konstruktivistischen Ansatz (Seite 44-45) verfolgt. Kollegiale Beratung ist daher zu Recht im Aufgabenfeld der Hochschuldidaktik (Seite 53-54) als elementarer Teil der individuellen Kompetenzentwicklung von Hochschullehrenden zu verorten.

Auf der Grundlage von durchgeführten Interviews kommt Sekyra zu dem Ergebnis, dass Kollegiale Beratung einen wichtigen Beitrag für den Bereich der überfachlichen Kompetenzen leistet, bei der „Kollegialität, Interdisziplinarität, Vertraulichkeit oder die Umdeutung des 'shift from teaching to lerning' hin zu einer Bedürfnisorientierung der Lehrenden im Umgang mit den Lernenden“ (Seite 107) erfolgt. Zum anderen steht Kollegiale Beratung für einen „Wandel“ in der „Lehr-Lern-Kultur“ (Seite 107), der insgesamt einen systemischen Veränderungsprozess voranbringen kann.

Zusammenfassend lehrt uns Sekyra, dass Kollegiale Beratung ein professionelles Handeln der Lehrenden erfordert im Umgang mit den vielfältigen Fähigkeiten der Studierenden einerseits und den gesellschaftlichen und hochschulpolitischen Anforderungen andererseits. Um eine „bedarfsgerechte Kompetenzentwicklung reflexiv zu begleiten “, kann Kollegiale Beratung vor allem für Lehrende an Hochschulen und Universitäten das „subjektive Kompetenzerleben verbessern“ (Seite 139).

Die Masterthesis von Sekyra zur „Kollegiale Beratung“ ist ausweislich des Literaturverzeichnisses gründlich recherchiert und sachkundig aufgearbeitet. Der empirische Teil der Arbeit hat einen erkennbaren Theoriebezug, ist in der Auswertung der Ergebnisse klar und durch den umfangreichen Anhang inhaltlich nachvollziehbar. Das Buch ist daher ein 'Must Have' für alle, die sich mit der Kollegialen Beratung, ihrem Nutzen und der praktischen Anwendung vertraut machen.

Dr. Andreas-Michael Blum, LL.M. (Lancaster University/UK), Diploma German & International Arbitration (Goethe-Universität Frankfurt a.M.), Inhaber des Zertifikats für Hochschuldidaktik der Goethe-Universität Frankfurt a.M., Mediator (Uni of Applied Sciences, Hochschule Wismar) und Wirtschaftsmediator (Uni of Applied Sciences, Hochschule Wismar), Rodgau (Kreis Offenbach).

Autor(en) der Ressource: 
Dr. Andreas-Michael Blum
ISBN: 
978-3-86281-090-1
Datum der Veröffentlichung:
Mittwoch, 1 Februar, 2017
Sprache des Dokuments
Art der Ressource: 
Möglichkeiten und Ressourcen
Land:
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