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Entrepreneurship Education - kann man lehren, Gründer zu werden?

Die Europäische Kommission hat mit den Ergebnissen der „Thematic Working Group on Entrepreneurship Education“ das Ziel ausgegeben, Entrepreneurship Education europaweit zu fördern und zu unterstützen. Aber wie kann das Ziel erreicht werden?

Originalsprache: Deutsch

von Pirmin Vlaho

Der Anglizismus Entrepreneurship Education kann im deutschen Sprachgebrauch mit Gründerausbildung übersetzt werden. Die Europäische Kommission definiert den Begriff wie folgt: „Entrepreneurship Education is about learners developing the skills and mind-set to be able to turn creative ideas into entrepreneurial action“. Dabei gibt es zwei Schwerpunkte: 1.) das Entwickeln von „entrepreneurial attitudes, skills and knowledge“, um erfolgreich Unternehmen gründen zu können und 2.) Innovationsfähigkeit und Kreativität in bereits bestehenden Organisationen einfließen zu lassen und diese mitzuentwickeln.

 

Warum unterstützt und fördert die Europäische Kommission die Gründerausbildung? 

Innovationen und Gründungen sind wichtige Wirtschaftsfaktoren und eine Ursache für den Wohlstand der Gesellschaft. Und die Bedeutung von Innovationen und Gründungen wächst. Denn die Digitalisierung verändert die Wertschöpfungsketten. Das bietet viele Chancen. Innovative Organisationen verändern ihre Wertschöpfungsketten und erschließen so neue Geschäftsfelder. Gründer(-teams) entwickeln neue Geschäftsmodelle und disruptieren ganze Branchen. Im Gegensatz zu früher braucht es (häufig) dazu keinen hohen Kapitalbedarf mehr. Denn viele Neukombinationen der Wertschöpfungsketten sind digital realisierbar und damit günstig umzusetzen. War es früher noch ein Orchideen-Thema, ist es heute in aller Munde. Fernsehformate wie „Die Höhle der Löwen“ sind Publikumsrenner. Immer mehr junge Menschen sehen für sich einen (neuen) Karriereweg und möchten Gründer werden. Chancen kommen aber selten ohne Risiken. Das gilt für Gründer wie auch für Organisationen. Wo etablierte Organisationen eine (rechtzeitige) Neuerschließung von Geschäftsfeldern verpassen, drohen sie abgehängt zu werden. Und Gründern droht ein Scheitern ihres Geschäftsmodells.

 

Kann man denn überhaupt lernen, ein Gründer zu werden?

Die Frage ist durchaus erlaubt. Wie man erfolgreich gründet, war lange Zeit ein Rätsel. So wurde die Meinung vertreten, als Gründer werde man geboren. So schien es auch unmöglich, eine Gründerausbildung anzubieten. Diese Ansicht hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Heute gilt das Gründen als erlernbar und wird mit dem Begriff Entrepreneurship Education beschrieben. Beim Entrepreneurship Education geht es darum, ein Gespür für (attraktive) Gelegenheiten zu entwickeln, eine Vision zu formulieren und an dessen Umsetzung zu arbeiten. Es geht also um ein Trainieren vieler neuer Kompetenzen wie Innovationsfähigkeit, Ausführungsbereitschaft, Initiative und weitere. Aber wie kann man diese Kompetenzen mit einer klassischen Bildung trainieren, die vor allem Wissen vermittelt?  

 

Die Europäische Kommission fordert neue Wege in der Gründerausbildung

Der Schwerpunkt einer Gründerausbildung liegt im Machen eigener Erfahrungen. Und das kann nur in (echten) Lebens- und Arbeitszusammenhängen passieren. Die Wissensvermittlung verliert an Bedeutung. Fehlendes Wissen erschließt sich der Lerner zum Teil selber. Das stellt unser bisheriges Bildungsverständnis auf den Kopf. Die Bildung entsteht im Kontext eigener Bemühungen mit intensiven Austauschbeziehungen zu Gründern, Startups, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und vielen anderen. Die Bildung ist also in Teilen informell und non-formal. Das setzt ein Ökosystem mit entsprechenden Stakeholdern voraus. Die Gründerausbildung verlässt damit Ansätze einer klassischen Didaktik und Methodik. 

 

EPALE leistet seinen Beitrag

EPALE kann in diesem Zusammenhang auch für die Gründerausbildung seinen Beitrag leisten. Denn sie kann vernetzen, die Austauschbeziehungen fördern und auf Veranstaltungen hinweisen. Sie kann die Stakeholder zusammenbringen, das Ökosystem stärken, Informationen bereitstellen und Bildungs-Professionelle zu einem neuen Bildungsverständnis anregen. So finden sich auf EPALE eine Vielzahl interessanter Veranstaltungshinweise, Blogbeiträge und andere Ressourcen — etwa zu Erasmus+, der Digital North oder WeHubs. Folgerichtig findet sich auf EPALE auch der Themenpunkt Unternehmertum und Beschäftigungsfähigkeit. 

 

Entrepreneurship Education ist ein Herausforderung

Um die nötigen Gründer-Kompetenzen trainieren zu können, braucht es viele Beteiligte und ein neues Bildungsverständnis. Klassische Bildungseinrichtungen können das alleine nicht leisten. Ein ganzes Ökosystem ist nötig. Es braucht innovative Bildungskonzepte, die eine Wissensvermittlung mit einem Ermöglichungsrahmen ersetzt und non-formale sowie informelle Bestandteile berücksichtigt. Eine Herausforderung für alle Beteiligten. 

 

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