chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE - E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

Blog

Ein Badge für Bloggen in der Erwachsenen- und Weiterbildung?

24/10/2017
von Christian BERNHARD-SKALA
Sprache: DE

Auf der Fachtagung „Digitalisierung in der Weiterbildung – Alles neu durch 4.0“, zu der mich die k.o.s. Gmbh freundlicherweise eingeladen hatte, bekam ich zusammen mit Joachim Sucker (bekannt vom #ichMOOC) die Aufgabe, anhand einiger Arbeitshilfen, ein Badge zu entwickeln. Ein Badge ist ein kompetenzorientiertes Lern-Zertifikat, das Lehrende gezielt „backen“ und vergeben können, ein bisschen wie ein Fleißkärtchen oder ein Abzeichen bei den Pfadfindern. Um ein Kompetenz-Badge zu entwickeln, entschieden wir uns für die Kompetenz „Bloggen“ und….hatten damit eine Produktidee geboren, die zunächst mal uns selbst begeisterte, und an der wir, Joachim Sucker und ich, in der nächsten Zeit gemeinsam arbeiten wollen.

Warum Bloggen in der Weiterbildung?

Hier trifft man ja meistens die gleichen, penetrant wiederholten und für die Weiterbildung wenig überzeugenden Argumente, z.B. hier und hier und hier:

„Der Digitale Wandel ist nicht zu stoppen und deswegen muss man heute schon mitmachen.“ Schön und gut. Ich persönlich finde das – in meiner sehr privilegierten Situation - immer wieder ziemlich apodiktisch und definitiv zu undifferenziert und daher – egal wie oft es gesagt wird – wenig überzeugend. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was ich damit anfangen soll.

„Schreiben ist eine tolle Sache und eine hohe Kunst, die zur kreativen Entwicklung des Selbst beiträgt.“  Das stimmt, teile ich auch, reicht aber nicht um viel beschäftigte Weiterbildungsprofis vom Bloggen zu überzeugen, die seit Jahren mit Kürzungen von staatlicher Seite kämpfen und lieber schauen, wo sie Geld herbekommen.

Schaut man durch’s Netz findet man in diversen Anleitungen zum Bloggen etwas, was ich mit etwas Nachdenken ziemlich überzeugend finde. „Eine Online-Reputation aufbauen“ Neudeutsch: Web-credibility.

Warum sollte ein Weiterbildungsanbieter eine Online Reputation aufbauen?

Soziale Orte

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu hat ein in der Weiterbildungsforschung inzwischen viel zitiertes Konzept entwickelt, das er „Sozialraum“ nennt. Es lässt sich folgendermaßen zusammenfassen: Leute aus den gleichen sozialen Milieus zeichnen sich dadurch aus, dass sie die gleichen Dinge mögen, kennen und sich leisten können. Um diese Vorlieben auszuleben und weil sie Zugang dazu haben, gehen sie an die Orte, die diesen Vorlieben und Möglichkeiten entsprechen (wohnen im gleichen Stadtteil, gehen in die gleiche Kneipe oder in die gleichen Einkaufsläden), treffen sich dort zufällig und finden sich meist auch direkt sympathisch. Andersherum treffen Leute aus verschiedenen sozialen Milieus sich relativ selten, weil sie sehr unterschiedliche Dinge mögen, kennen und sich leisten können und damit andere Orte bevorzugen oder zu ihnen Zugang haben. Effekt: Beim Bio-Laden trifft man andere Leute als beim Discounter. Und sollten die Leute sich doch mal treffen (z.B. beim Zahnarzt oder beim Einwohnermeldeamt, also Orten, wo wirklich jede/r mal unangenehmerweise hin muss) würden diese Leute sich nicht verstehen, weil die einen differenziert über Kunstgeschichte diskutieren und die anderen über dieses doofe Spiel des Lieblingsvereins abziehen wollen. Darum geht es im Groben und sehr plakativ bei Bourdieus Sozialraum!

 

 

Das Netz als Ansammlung sozialer Orte!

Nun ist das Internet zum einen selbst ein solcher Ort und zum anderen selbst sehr ausdifferenziert: Einige Leute tummeln sich im Netz, andere nicht; und die Leute, die im Netz aktiv sind, suchen sehr unterschiedliche Orte auf: Auf Facebook treffen sich andere Leute als bei Xing, aus unterschiedlichen Anlässen mit unterschiedlichen Interessen. Der Zugang wird teilweise sogar in geschlossenen Gruppen geregelt. Um in geschlossenen Gruppe zugelassen zu werden, müssen Sie nachweisen, dass Sie die Interessen der anderen teilen, sich an die Regeln der Gruppe weitgehend halten und auch etwas in der Definition der Gruppe inhaltlich Interessantes beitragen können. Zudem dürfen Sie keinem Ausschlusskriterium unterliegen. Kurz: Sie müssen nachweisen, dass Sie in die Gruppe passen, also mit Bourdieu gesprochen sich im gleichen Milieu glaubhaft bewegen können. Diesen Nachweis erbringen Sie, indem Sie ein tolles Profil haben, in dem sie auf viele Aktivitäten verweisen, die Sie machen. Am besten, indem Sie Links zu eigenen Texten oder Fotos haben, indem sie interessante Freunde haben, die Sie eventuell in die Gruppe einladen, oder selbst bereits in interessanten Gruppen sind oder indem Sie nachweisen, dass Sie tolle Beiträge in Fachgruppen geleistet haben. Kurz: Sie brauchen, um im Netz vernünftig partizipieren zu können, offensichtlich eine gewisse Reputation, indem Sie gewisse Dinge, die Sie teils online, teils offline tun, zeigen. Wichtig: Von außen muss diese Online Reputation sofort zu sehen sein.

Soziale Orte im Netz aufsuchen und Teilnehmende finden!

Wenn eine Weiterbildungseinrichtung es schafft eine interessante Online Reputation aufzubauen – so meine These und mein Argument für Bloggen in der Weiterbildung – dann ist sie auf einmal attraktiv für gewisse neue Zielgruppen, die sie bisher vielleicht nicht erreichen konnte. Dann wirkt sie nämlich auf einmal nicht mehr deplatziert im Netz wie Teenies im stuckverzierten Sahnetortencafé oder eine alte Dame mit Hut auf eine Britney-Spears Konzert, sondern wird u.U. als attraktiv wahrgenommen, als jemand der etwas zu sagen hat. Und damit – und das macht es attraktiv – lässt sich zum einen Geld verdienen (neue zahlungskräftige Teilnehmende), zum anderen an diejenigen Gruppen herankommen, an die man auch aus seinem pädagogischen Auftrag heraus herankommen möchte: Bürgerinitiativen, Flüchtlinge, diese angeblich nur noch daddelnden Jugendlichen, vielleicht auch funktionale Analphabeten. Weil – und damit komme ich wieder zu Bourdieu – die soziale Distanz schwindet, weil Sie nämlich glaubhaft den Kommunikationskanal des Gegenübers verwenden und dessen Ort aufsuchen. Wenn Sie es nun noch schaffen, glaubhaft nicht nur den Kommunikationskanal, sondern auch die Kommunikation auf das Gegenüber einzustellen, dann schaffen Sie es Lernende dort (im Netz) abzuholen, wo sie stehen, weil Sie örtlich dorthin kommen, wo die Adressaten stehen.

Dazu ist es nötig im Netz präsent und aktiv zu sein, Dinge zu teilen und an die Leute zu schicken, die man haben will: Aktuelles berichten, Ideen diskutieren, eine Bilanz der Woche ziehen über den eigenen Auftrag und zwar schriftlich im Netz. Kurz : Bloggen!

 

Schlagwörter:
Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn