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Validierung orientiert am Qualifikationsrahmen: Das Projekt Match2NQF

12/07/2016
von Christian BERNH...
Sprache: DE
Document available also in: EN

Autorin: Martina Bachmeier, Volkshochschule Cham

Mobilität von Arbeitnehmern

Im Jahr 2015 sind etwa 1,3 Millionen Flüchtlinge nach Europa gekommen. Viele von ihnen sind im arbeitsfähigen Alter und haben bereits in ihrem Heimatland eine Ausbildung absolviert oder Berufserfahrungen gesammelt. Eine gesellschaftliche Integration in europäischen Ländern kann gelingen, wenn die Zuwanderer einerseits aktiv Sprachkompetenzen erwerben und andererseits der Arbeitsmarkt ihnen adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten bietet. Persönliche Frustration und hohe gesellschaftliche Kosten entstehen, wenn die (Berufs-)Erfahrungen des Einzelnen nicht berücksichtigt werden. Weniger drastisch stellt sich die gleiche Herausforderung bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb Europas. Aus diesen Gründen erlangt die Validierung von Kompetenzen, gerade auch der im nichtformal und informell Lernen erlangten, große Bedeutung.

Die Validierung von nichtformal und informell erworbenen Kompetenzen kann einhergehen mit einer Form der Bildungsberatung. Auf Basis von Kompetenzbilanzen planen Lernende ihre weitere persönliche Entwicklung und regt eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Themen Bildung und Ausbildung an. So werden Menschen dabei unterstützt, ihren individuellen Weg durch die zunehmend diversifizierten Bildungswege zu finden, eigene Kompetenzen feststellen und validieren zu lassen.

Das Erasmus+ geförderte Projekt Match2NQF stellt die Validierung von nichtformal und informell erworbenenen Kompetenzen in den Mittelpunkt und schafft dabei gleichzeitig eine Verbindung zum Europäischen Qualifikationsrahmen bzw. zu den nationalen Rahmenwerken der am Projekt beteiligten Länder Deutschland, Frankreich, Spanien und Schweden.

Validierung von nichtformalem und informellem Lernen

Zur Verbesserung der Bildungsberatung durch die Validierung von Kompetenzen dient das Projekt Match2NQF – Matching Non-formally Acquired Competences to National Qualifications Frameworks. Es handelt sich um die Entwicklung eines neuen Ansatzes zur Anerkennung und Validierung nichtformal und informell erworbener Kompetenzen, das vom etablierten KODE®-Modell (Kompetenz, Diagnostik und Entwicklung) von Erpenbeck/Heyse mit dem KODE®-KompetenzAtlas sowie dem im Jahr 2013 abgeschlossenen Leonardo-da-Vinci-Projekt KøDE-NQF ausgeht. Das KODE®-Modell basiert auf einer Reihe von Tools zu Komptenzentwicklung, Beratung und Coaching. Dem KODE®-KompetenzAtlas als wesentlichem Element des Verfahrens liegen 64 Einzelkompetenzen in den vier Bereichen: Personale Kompetenz, Aktivitäts- und Handlungskompetenz, Sozial-kommunikative Kompetenz und Fach- und Methodenkompetenz zugrunde. Mit Match2NQF werden die Einzelkompetenzen des KODE®-KompetenzAtlas werden nun in Bezug zu den Kompetenzniveaustufen des EQR und der NQR in den Projektländern gesetzt. So wird es auch möglich, einzelne Kompetenzen direkt bestimmten Niveaus der Qualifikationsrahmen zuzuordnen.

Dadurch entstehen in Match2NQF folgende Tools für die Bildungsberatung:

  • Die Match2NQF – Kompetenzbiographie entspricht einem kompetenzbasierten Lebenslauf und ist entlang der vier Hauptkompetenzfelder des KODE®-KompetenzAtlas aufgebaut. Der Schwerpunkt liegt auf den nichtformal und informell erworbenen Kompetenzen.

Bei der weiteren Erarbeitung der Kompetenzbiografie helfen drei Arten von Interviews:

  • Im narrativen und kompetenzbiographischen Interview sollen individuelle Fähigkeiten und Stärken erkannt werden.
  • Das arbeitsbasiertes Kompetenz-Interview Match2NQF stellt berufsrelevante Kompetenzen in den Mittelpunkt und konzentriert sich auf konkrete Situationen am Arbeitsplatz.
  • Mithilfe des berufsspezifischen Kompetenz-Interviews Match2NQF werden berufsbezogene, hauptsächlich nichtformal und informell erworbene Kompetenzen, angesprochen.

Den genannten Tools liegen in Deutschland die 27 im Deutschen Qualifikationsrahmen beschriebenen Kompetenzen zugrunde. Spezielle Fragebogen für die Berufsgruppen Bildungsberater/in, Wellness-Kosmetiker/in, Betreuungsassistent/in und Sporttrainer/in wurden im Rahmen des Projekts erarbeitet.

Wachsende Bedeutung der Bildungsberatung

Im lebenslangen Lernens wächst die Bedeutung der Bildungsberatung: Bürgern jeden Alters soll es zu jeder Zeit ihres Lebens ermöglicht werden, die eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Interessen festzustellen, um sinnvolle Bildungs- und Berufsentscheidungen zu treffen und den eigenen Lebensweg in Ausbildung, Beruf und anderen Bereichen zu gestalten.

Die Beratungspraxis muss sich weiterentwickeln, um auf verschiedene Bedürfnisse der Menschen einzugehen, die sich vermehrt zwischen den Kulturen bewegen. Dies bedeutet, dass die Bildungsberater in ganz Europa immer mehr mit Menschen aller Altersgruppen aus verschiedenen Ländern zu tun haben, die über vielfältige Bildungshintergründe, Lebenssituationen und Arbeitserfahrungen verfügen und deswegen unterschiedliche Förderangebote von Bildungseinrichtungen benötigen. Die Berufs- und Bildungsberater brauchen nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern ein breites Spektrum an multikulturellen Kompetenzen, um die kulturelle Vielfalt ihres Klientels besser zu berücksichtigen. Das Projekt Match2NQF gibt ihnen Arbeitswerkzeuge an die Hand, die sie bei der Messung und Validierung unterstützen. Diese Werkzeuge berücksichtigen insbesondere nichtformal und informell erworbene Kompetenzen und bieten einen Bezug zum Qualifikationsrahmen. Das Match2NQF Benutzerhandbuch stellt die zugrunde liegende Methodik und die Anwendung der jeweiligen Tools im Beratungsprozess vertieft dar.

Praxisorientierung in der Bildungsberatung

Schon während der Projektlaufzeit wurden die Instrumente von Bildungsberatern aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Schweden in der praktischen Arbeit mit Zuwanderern eingesetzt. Die Fachleute zeigten sich überzeugt von deren Praxisorientierung und werteten besonders den umfassenden Ansatz zur Erkennung von nichtformalem und informellem Lernen als sehr positiv und zukunftsweisend.

 

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