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Tervetuloa Leviin – Willkommen in Levi! Ein Bericht zur Transnational Cooperation Activity (TCA) „Social justice in life-long guidance“

19/12/2019
von Florian Hinterberger
Sprache: DE

Lappland im Winter – klingt für manche verrückt, für andere aber durchaus reizvoll. Für mich jedenfalls klang es nach Abenteuer und einer einmaligen Erfahrung als ich von der TCA (Transnational Cooperation Activity) zum Thema „Social justice in life-long guidance“ in Levi, im Norden Finnlands erfuhr. Im Rahmen eines Erasmus+ Projektes hatte ich bereits die unglaublich bereichernden Aspekte internationaler Zusammenarbeit kennen und schätzen gelernt und als sich nun also die Möglichkeit der Teilnahme an diesem thematisch höchstinteressanten Austauschtreffen ergab, war für mich klar – diese Gelegenheit würde ich ergreifen. Es lockte die Aussicht auf spannende Diskussionen mit Kolleg/innen aus ganz Europa, auf neue theoretische Inputs für meine tägliche Arbeit und auf Ideen für innovative Projekte basierend auf den Erfahrungen aus anderen Ländern der EU. Und das alles in der atemberaubenden Landschaft Lapplands – ein echter „No-brainer“. Der Entschluss war also schnell gefasst und die Antragsstellung auf Gewährung von Finanzhilfe erwies sich dank der Unterstützung durch die Nationalagentur als einfach und unkompliziert.

Am 26. November ging es also von Wien über Helsinki nach Kittilä und von dort weiter in den Wintersportort Levi. Schon kurz nach der Landung lernte ich die ersten Teilnehmer/innen des Seminars während der Busfahrt zum Kongresshotel kennen. Ich unterhielt mich angeregt mit Kolleg/innen aus Finnland, Schweden, Polen und Litauen und wir alle zeigten uns tief beeindruckt von der tiefverschneiten Landschaft die vor den Fenstern vorbeizog und waren gespannt auf die folgenden Tage.

Nach der Ankunft im Hotel lernte ich weitere Teilnehmer/innen beim Abendessen kennen. Wir unterhielten uns über unsere Anreise, die von so weit entfernten Punkten Europas wie Rom, Athen, Riga, Reykjavik, Dublin, Antwerpen oder Stockholm erfolgt war. Die Atmosphäre war vom ersten Moment an freundlich und von Offenheit und gegenseitigem Interesse geprägt.

Am folgenden Morgen fanden wir uns nach dem Frühstück, das bei völliger Dunkelheit stattfand (ja, ja der Winter ist dunkel soweit im Norden), in einem Veranstaltungssaal des Hotels ein. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Virpi Keionen, von der finnischen Nationalagentur für Bildung und einer Präsentation der EPALE-Plattform durch Jenni Westö, stellte Miika Kekki, der Moderator des Seminars das Programm der TCA vor.

Foto: © EPALE NSS Finland 2019

In der Folge diskutierten wir in Kleingruppen unsere persönlichen Sichtweisen zu Fragen sozialer Gerechtigkeit und formulierten unsere Erwartungen an das Seminar in kurzen „poetischen“ Statements.

Nach dem Mittagessen hatten wir die Möglichkeit die fantastische Landschaft Lapplands zu genießen und in zufällig zusammengewürfelten Vierergruppen bei einigen, nicht ganz ernst gemeinten, sportlichen Wettkämpfen gegeneinander anzutreten. Bei klirrenden Temperaturen (-15 Grad!) fuhren wir Rad auf Schnee und Eis, fingen hölzerne Rentiere, übten uns im Tandem-Langlauf und eroberten Ländereien für die Sami – eine ebenso witzige wie frostige Angelegenheit.

Nachdem wir wieder aufgetaut waren, war der restliche Tag geprägt von intensiver Auseinandersetzung mit Fragen zu Veränderungsprozessen und der Rolle von Berater/innen in solchen Prozessen. Daniel Hailemariam von der Universität Stockholm präsentierte in seinem Beitrag das „SCARF-Modell“ für die Einleitung von Veränderungsprozessen und thematisierte Abwehr- und Verweigerungshaltungen, Themen, die mich in der täglichen Arbeit immer wieder beschäftigen.

Danach schilderte Iina Helldan ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit Geflüchteten und den vielfältigen Dimensionen sozialen Ausschlusses mit denen diese konfrontiert sind. Ihr kämpferischer Ansatz war eine echte Inspiration und erweiterte den Diskurs um gesellschaftskritische Ansätze, der auch beim Abendessen weitergeführt wurde.

Der Vormittag des folgenden Tages war der theoretischen Auseinandersetzung mit Beratungs- und Begleitungsprozessen gewidmet. Sanna Vehviläinen und Anne-Mari Souto präsentierten in ihrem Beitrag Überlegungen zu einer „kritischen Theorie und Praxis der Beratung“. In intensiven Gesprächen diskutierten wir danach die Ansätze hinsichtlich der Anschlussfähigkeit der Überlegungen für unsere tägliche Arbeit. Diese Gespräche setzten sich auch beim folgenden Mittagessen fort.

Im Anschluss entführten uns die Veranstalter/innen in ein winterliches Wunderland. Wir fuhren mit der Seilbahn auf den „Levi“ und spazierten zu einem Aussichtspunkt, wo sich uns, Dank kurz aufreißender Nebeldecke, eine fantastische Aussicht auf die bizarr-karge Landschaft Lapplands bot. Nachdem wir uns bei heißer Schokolade wieder aufgewärmt hatten, tauchten wir am Nachmittag noch tiefer in das Thema sozialer Gerechtigkeit ein.

 

© Florian Hinterberger 2019

Miika Kekki stellte in seinem Beitrag vor allem die Rolle und Haltung von Berater/innen in Guidance-Prozessen in den Fokus. In der täglichen Routine bleibt selten Zeit die eigene Rolle so fundiert zu reflektieren, um so wichtiger sind Möglichkeiten, grundlegende Überlegungen auch zu solchen Fragstellungen anstellen zu können. Nach einer kurzen Pause wurde der Tag von zwei Präsentationen lokaler Bildungsinstitutionen beschlossen. Merikki Lappi, Vorsitzende der Bildungs- und Kulturabteilung der Gemeinde Muonio sprach in ihrem Vortrag über non-formale Bildungseinrichtungen in entlegenen Gebieten Finnlands und Janne Näkkäläjärvi, vom Volk der Sami, präsentierte das “Sami Education Institute”. In diesem hoch interessanten Vortrag konnten wir Einblicke in die Traditionen und Lebenswelt der Sami, dem einzigen indigenen Volk Europas, gewinnen und das einzigartige Ausbildungskonzept des Instituts kennenlernen. Diese Eindrücke gingen noch in meinem Kopf um, als wir uns zum Abendessen in einer Hütte mit offener Feuerstelle einfanden und traditionelle Rentiergerichte serviert bekamen. Danach ließen wir den Tag in kleiner belgisch-irisch-norwegisch-österreichischer Runde mit einem Drink an der Hotelbar ausklingen. Ein wahrhaft krönender Abschluss eines intensiven, interessanten und ereignisreichen Tages!

Am folgenden Freitag waren alle Gespräche beim Frühstück geprägt von den Eindrücken des Vortages, gemischt mit Wehmut ob des nahenden Endes des Seminars. Am Vormittag ließen wir das Programm der vergangenen Tage noch einmal Revue passieren und riefen uns die Erwartungen des ersten Tages wieder in Erinnerung – meine eigenen waren bei weitem übertroffen worden. Wehmütig verabschiedete ich mich von den ersten Kolleg/innen, die Levi mit früheren Flügen verließen und fuhr nach dem Mittagessen mit einer größeren Gruppe zum Flughafen Kittilä, wo wir gemeinsam den Flieger nach Helsinki bestiegen. Dort trennten sich nun auch unsere Wege. Mit großartigen Eindrücken und neuen Projektideen im Kopf, vielen Visitenkarten und Kontaktadressen in der Tasche und der Gewissheit einige Kolleg/innen nicht das letzte Mal getroffen zu haben, trat ich den Heimflug nach Wien an – erschöpft, neu inspiriert und voller Vorfreude auf die nächste Möglichkeit der transnationalen Vernetzung.

 


© EPALE NSS Finland 2019

 

Mehr Information zu Strategischen Partnerschaften in der Erwachsenenbildung im Rahmen von Erasmus + finden Sie hier, Information zu Mobilitätsprojekten hier.

 

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  • Bild des Benutzers Virpi Keinonen
    Vielen Dank für den schönen Bericht und fürs positive Feedback. 
    Es freut uns zu hören, dass die Teilnehmer sowohl den Seminar als auch die dunkleste und kälteste Jahreszeit in dem finnischen Lappland-Winterwunderland genossen und interressant gefunden haben. Von der Seite der National Agency for Education in Finland wollen wir uns allen unseren Teilnehmern für die schönen Tage in Levi herzlich bedanken.  Frohe Weihnachten :)