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Blog

Kontextuell eingebettetes Lernen

23/09/2015
von Simon BROEK
Sprache: DE
Document available also in: EN FR IT PL

/de/file/embeddedresizedjpgEmbedded learning

Embedded learning

 

Der Auswertung von OECD-Literatur über Erwachsene mit geringen Lese-, Schreib- und Rechenfertigkeiten zufolge sind Motivationsprobleme eines der größten Hindernisse, die der Weiterbildung von Erwachsenen mit geringen Lese- und Schreibfertigkeiten entgegenstehen. Diese bestehen in persönlichen Vorbehalten gegenüber dem Beschreiten eines Lernweges, die häufig mit Einstellungen wie „Ich habe in der Schule schon einmal versagt“, „Zum Lernen bin ich zu alt“, „Ich sehe im Lernen keinen Nutzen“ verbunden sind.

Der OECD-Bericht weist auch auf die hohe Bedeutung der Lernumgebung bei der „Mobilisierungsstrategie“ hin, um Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkenntnissen zum Lernen zu motivieren: Erwachsene wollen ihre Lese- und Schreibfähigkeiten nicht um deren selbst willen verbessern, sondern weil sie ihre Kenntnisse in einem Kontext anwenden möchten. Aus diesem Grund funktionieren in der Regel Programme für eingebettete, kontextualisierte Lese- und Schreibfähigkeiten sowie Grundkompetenzen vor allem für Menschen, die sich nicht in der Weiterbildung befinden.

Dies ist seit längerem bekannt, jedoch erhält dieser Umstand noch immer nicht die (politische) Aufmerksamkeit, die er verdient, zum Beispiel wenn Möglichkeiten für jugendliche Schulabbrecher geschaffen werden sollen. Die meisten Initiativen versuchen, sie zurück in die Schule zu holen, wobei es sich hierbei nicht immer um die beste Lösung für sie handelt, um im Leben weiterzukommen.

Der Bericht beschäftigte sich ausführlich mit zwei Beispielen für Programme für kontextbezogenes Lernen:

  • Alphabetisierungsprogramme für Familien wenden sich an Erwachsene in ihrer Rolle als Eltern und ermöglichen es ihnen, ihre Lese- und Schreibfähigkeiten sowie die damit verbundenen Kompetenzen insbesondere in Verbindung mit der beginnenden Alphabetisierung ihrer Kinder zu verbessern.
  • Angebot von Alphabetisierung und Rechenkursen am Arbeitsplatz, wodurch die Reichweite von Alphabetisierungsprogrammen erhöht wird, da diese Kurse Menschen erreichen, die normalerweise nicht an Weiter- oder Ausbildungsmaßnahmen teilnehmen. Intensivkurse am Arbeitsplatz zeichnen sich durch folgende Merkmale aus (ich weiß, es ist eine lange Liste):
    • Alle wichtigen Interessengruppen des Unternehmens haben ein klares Verständnis vom Zweck der Kurse;
    • Leitende Manager bis hin zu Abteilungsleitern unterstützen die Bereitstellung von Grundkompetenzen und schaffen das nötige Umfeld, in dem die neu erlernten Fähigkeiten angewendet werden können;
    • Kursanbieter besitzen sehr viel Erfahrung bei der Durchführung von Alphabetisierungs- und Rechenkursen am Arbeitsplatz;
    • Tutoren haben Erfahrung mit Arbeitsplatzprogrammen und besitzen Lehrbefähigungen für Grundkompetenzen;
    • Kurszweck und -inhalt sind klar umrissen und werden nicht als Behebung von Mängeln der Mitarbeiter dargestellt;
    • Die Teilnehmer nehmen freiwillig teil und sind motiviert und engagiert;
    • Die Lehrinhalte sind auf die Bedürfnisse der Lernenden und die Prioritäten des Unternehmens ausgerichtet;
    • Die Kurse werden während der Arbeitszeit durchgeführt und bezahlt;
    • Im Kurs werden mehrere Lehrmethoden, -instrumente und -zusammenhänge angewendet;
    • Der Kurs umfasst sowohl Übungen als auch die Reflexion im Nachhinein;
    • Geschulte Mitarbeiter haben die Möglichkeit, ihre (verbesserten) Fähigkeiten am Arbeitsplatz anzuwenden und ihre Fähigkeiten durch weiteres formales oder informelles Lernen weiter zu verbessern

Der Bericht konzentriert sich auf Programme, die eingebettet sind, bei denen aber explizit die Erlangung von Grundkompetenzen im Vordergrund steht. Darüber hinaus gibt es jedoch viele weitere Beispiele für Programme für eingebettetes, kontextualisiertes Erlernen von Grundkompetenzen, die den Erwachsenen die Möglichkeit bieten, ihre Grundkompetenzen durch nicht-explizite Programme zu verbessern. Zum Beispiel durch Programme von Sportvereinen, soziokultureller Arbeit, Bibliotheken und Online-Anbietern. Diese Programme werden vielleicht nicht einmal als Alphabetisierungsprogramme beworben, dennoch konzentrieren sie sich auf die Erlernung anderer Fähigkeiten, durch die Erwachsene ebenfalls ihre Grundkompetenzen verbessern.

Daraus können wir Folgendes lernen und in unsere eigene Praxis (sei es die Politikgestaltung, Programmentwicklung, Programmdurchführung) integrieren: Um Menschen zum Erlernen von Grundkenntnissen zu motivieren, sollten sie gar nicht darauf fokussiert sein. Vielmehr sollte im Vordergrund stehen, dass sie etwas tun, das in ihrem Leben wirklich etwas bewirkt!

Ich hoffe, dass das Thema des kontextuell eingebetteten Lernens in der Erwachsenenbildung durch den OECD-Bericht wieder mehr Beachtung findet.

Simon Broek war an mehreren europäischen Forschungsprojekten zu Bildung, Arbeitsmarktthemen und Versicherungswesen beteiligt. Er beriet die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die europäischen Agenturen in Fragen zu Bildungspolitik, lebenslangem Lernen und dem Arbeitsmarkt. Darüber hinaus ist er Managing Partner am Ockham Institute of Policy Support.

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