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Verbesserung des lebenslangen Lernens und der Beschäftigungsfähigkeit mit Hilfe von Microcredentials und individuellen Lernkonten

 

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Am 10. Dezember 2021 hat die Kommission Vorschläge für Empfehlungen des Rates zu individuellen Lernkonten und zu Microcredentials für lebenslanges Lernen und Beschäftigungsfähigkeit vorgelegt, wie in der Europäische Kompetenzagenda und in der Mitteilung zum Europäischen Bildungsraum 2020 angekündigt.

Gute Qualifikationen eröffnen dem Einzelnen Chancen, bieten ein Sicherheitsnetz in unsicheren Zeiten, fördern die Eingliederung und den sozialen Aufstieg und versorgen die Wirtschaft mit den qualifizierten Arbeitskräften, die sie für Wachstum und Innovation benötigt. Der Erfolg sowohl des digitalen als auch des grünen Wandels hängt von Arbeitnehmenden mit den richtigen Qualifikationen ab. Die COVID-19-Pandemie hat die Notwendigkeit der Umschulung und Höherqualifizierung von Arbeitskräften noch verstärkt, um sich an den sich wandelnden Arbeitsmarkt anzupassen und die Nachfrage in verschiedenen Sektoren zu decken.

Allerdings nehmen zu wenige Menschen nach ihrer Erstausbildung an regelmäßigen Lernaktivitäten teil, da ihnen oft die finanziellen Mittel oder die Zeit fehlen, um sich weiterzubilden und neue Fähigkeiten zu erlernen, oder sie sind sich der Lernmöglichkeiten und ihrer Vorteile nicht bewusst. So wird beispielsweise in über 90 % der derzeitigen Arbeitsplätze und in fast allen Branchen ein gewisses Maß an digitalen Fähigkeiten verlangt, doch nur 56 % der Erwachsenen verfügten 2019 über grundlegende digitale Fähigkeiten.

Die beiden neuen, im Dezember 2021 angenommenen Vorschläge zu individuellen Lernkonten und zu Microcredentials werden dazu beitragen, diese Herausforderungen zu bewältigen, indem sie den Menschen mehr Möglichkeiten eröffnen, Lernangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden.

Individuelle Lernkonten

Mit dem Kommissionsvorschlag soll sichergestellt werden, dass alle Menschen Zugang zu relevanten, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Ausbildungsmöglichkeiten haben, und zwar lebenslang und unabhängig davon, ob sie derzeit erwerbstätig sind oder nicht.

Zu diesem Zweck befasst sich die vorgeschlagene Empfehlung des Rates mit den Hauptengpässen, die den Menschen heute die Aufnahme einer Ausbildung erschweren - Motivation, Zeit und Finanzierung -, indem sie die Mitgliedstaaten auffordert, gemeinsam mit den Sozialpartnern

  • individuelle Lernkonten einzurichten und allen Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter Bildungsansprüche zu gewähren;
  • eine Liste arbeitsmarktrelevanter und qualitätsgesicherter Weiterbildungsmaßnahmen zu erstellen, die für eine Finanzierung aus den individuellen Lernkonten in Frage kommen, und diese Liste über ein digitales Register, z. B. über ein mobiles Gerät, zugänglich zu machen;
  • Möglichkeiten der Berufsberatung und der Validierung bereits erworbener Fähigkeiten sowie bezahlten Bildungsurlaub zu bieten.

Der innovative Aspekt dieses Vorschlags besteht darin, dass er den Einzelnen direkt in den Mittelpunkt der Kompetenzentwicklung stellt. Außerdem werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, die Finanzierung an den individuellen Ausbildungsbedarf anzupassen.

Microcredentials

Microcredentials bescheinigen die Lernergebnisse nach einer kleinen Lernerfahrung (z. B. einem kurzen Kurs oder einer Schulung). Sie bieten eine flexible, gezielte Möglichkeit, Menschen bei der Entwicklung von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen zu helfen, die sie für ihre persönliche und berufliche Entwicklung benötigen.

Der Kommissionsvorschlag zielt darauf ab, dass Microcredentials institutions-, unternehmens-, branchen- und grenzübergreifend funktionieren. Zu diesem Zweck sollten sich die Mitgliedstaaten auf Folgendes einigen:

  • eine gemeinsame Definition des Begriffs " Microcredentials";
  • Standardelemente für ihre Beschreibung; und
  • die wichtigsten Grundsätze für ihre Gestaltung und Ausstellung.

Ziel ist es, sicherzustellen, dass die Microcredentials von hoher Qualität sind und auf transparente Weise ausgestellt werden, um Vertrauen in das zu schaffen, was sie bescheinigen. Dies sollte die Nutzung von Microcredentials durch Lernende, Arbeitnehmer/innen und Arbeitssuchende, die davon profitieren können, unterstützen. Der Vorschlag enthält auch Empfehlungen zu Microcredentials in der allgemeinen und beruflichen Bildung und in der Arbeitsmarktpolitik. Dies sollte es den Menschen ermöglichen, neue oder zusätzliche Fähigkeiten auf maßgeschneiderte Art und Weise zu erlernen, und zwar für alle. Der europäische Ansatz für Microcredentials ist ein wichtiges Aushängeschild für die Verwirklichung eines europäischen Bildungsraums bis 2025. Sie können Teil des Lernangebots sein, das in individuellen Lernkonten enthalten ist.

Nächste Schritte

Die Vorschläge werden mit den Mitgliedstaaten verhandelt. Nach der Annahme durch den Rat wird die Kommission die Mitgliedstaaten, die Sozialpartner und die relevanten Partner bei der Umsetzung dieser Ratsempfehlungen unterstützen. Die Berichterstattung und Überwachung für die einzelnen Lernkonten wird im Rahmen des Zyklus des Europäischen Semesters erfolgen.   

Hintergrundinformationen

Das Recht auf allgemeine und berufliche Bildung und lebenslanges Lernen ist in der Aktionsplan für die europäische Säule sozialer Rechte (Grundsatz 1) festgeschrieben. Alle Menschen sollten ständigen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen allgemeinen und beruflichen Bildung und zu einer Auswahl an Möglichkeiten zur Entwicklung von Fähigkeiten haben, die ihren Bedürfnissen jederzeit entsprechen. Qualifikationen sind die Bausteine für den Erfolg des Einzelnen auf einem sich ständig verändernden Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft.

Auf dem Porto Social Summit und auf der Tagung des Europäischen Rates im Juni 2021 begrüßten die Staats- und Regierungschefs die EU-Kernziele für 2030, die im Aktionsplan der Europäischen Säule sozialer Rechte festgelegt wurden. Dazu gehört das Ziel, dass bis 2030 jedes Jahr 60 % aller Erwachsenen an einer Ausbildung teilnehmen. Dies gehört zu den Kernzielen des Aktionsplans für die europäische Säule sozialer Rechte. Im Jahr 2016 nahmen jedoch nur 37 % der Erwachsenen jedes Jahr an einer Weiterbildung teil, wobei zuvor nur geringe Wachstumsraten verzeichnet wurden. Wenn sich diese Trends fortsetzen, werden die gesteckten Ziele nicht erreicht. Deshalb sind die vorgeschlagenen Initiativen wie individuelle Lernkonten und Microcredentials so wichtig. In den heute vorgelegten Vorschlägen werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, mit den Sozialpartnern und den betroffenen Parteien partnerschaftlich zusammenzuarbeiten, um die Höher- und Umqualifizierung für alle zu verwirklichen.

Die Vorschläge für eine Empfehlung des Rates zu individuellen Lernkonten und für eine Empfehlung des Rates zu Microcredentials für lebenslanges Lernen und Beschäftigungsfähigkeit sind die letzten beiden der zwölf Leitaktionen, die in der European Skills Agenda und im Aktionsplan für die europäische Säule sozialer Rechte festgelegt wurden. Der europäische Ansatz für Microcredentials ist auch eine wichtige Flaggschiff-Aktion um einen  Europäischen Bildungsraum bis zum Jahr 2025 zu schaffen.

Für weitere Informationen

Q&A: ILA and micro-credentials

Factsheet

Commission proposal for a Council Recommendation on Individual Learning Accounts

Commission proposal for a Council Recommendation on Micro-credentials for lifelong learning and employability

European Skills Agenda

Europäische Säule der sozialen Rechte

Mitteilung über die Schaffung eines europäischen Bildungsraums bis 2025

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