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Studie zeigt positive Auswirkungen von Qualifizierungsförderungen des AMS

Mann in Anzug

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsförderung (WIFO) veröffentlichte im Mai 2022 eine im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit durchgeführte Studie zur "Evaluierung der Effektivität und Effizienz von Qualifizierungsförderungen des Arbeitsmarktservice Österreich". Sie zeigt: Qualifikationen zu fördern, ist eine wirksame arbeitsmarktpolitische Maßnahme zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, die die individuelle Beschäftigungsfähigkeit von arbeitslosen Menschen erhöht.

Österreich gehörte laut den Studienverantwortlichen bereits vor der Aufstockung des Budgets während der "Corona-Joboffensive" zu den OECD-Ländern mit den höchsten Ausgaben für aktive Arbeitsmarktpolitik (pro arbeitslose Person als Anteil am BIP pro Kopf). Laut Daten des AMS entfielen 2020 (ohne die Aufwendungen für Kurzarbeit) rund 56 Prozent (rund 658 Mio. Euro) des Arbeitsmarktförderungsbudgets (1.165,14 Mio. Euro) auf Qualifizierungsförderungen.

Wirksamkeit von acht Förderungen untersucht

Die Studie zieht AMS-Daten aus den Jahren 2013 bis 2017 heran und stellt nach der Bestandsaufnahme der bestehenden Qualifizierungsförderungen des AMS acht Förderungen für arbeitslose Personen in den Mittelpunkt:

  1. Berufliche Orientierung
  2. Aktive Arbeitsuche
  3. Basisqualifizierung
  4. Aus- und Weiterbildung
  5. Training
  6. Beihilfen zu Kurskosten
  7. Implacementstiftungen
  8. Arbeitsplatznahe Qualifizierung

Positive Wirkung wird oft erst später sichtbar

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Teilnahme an allen acht Qualifizierungsmaßnahmen positiv auf die Arbeitsmarktbeteiligung auswirkt: Die Geförderten ziehen sich seltener aus dem Arbeitsmarkt zurück und sind im Zeitraum von sechs Jahren nach Förderungsbeginn öfter erwerbstätig.

Besonders bei länger andauernden Maßnahmen wurden Lock-In-Effekte beobachtet. Damit sind negative Beschäftigungseffekte gemeint, die während der Qualifizierungsmaßnahmen entstehen. So suchten Geförderte beispielsweise während der Teilnahme an Schulungen weniger häufig nach neuen Jobs, weswegen der Beschäftigungsanteil im Vergleich zu Ungeförderten zunächst sank. Das Einsetzen der positiven Beschäftigungseffekte fand daher zeitverzögert statt. Langfristig gesehen heben die verbesserten Erwerbschancen den Lock-In-Effekt laut der Untersuchung nicht nur auf, sondern überkompensieren ihn, es kommt also zu einer höheren Beschäftigungsquote.

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erhöht Zahl der Beschäftigten

Arbeitsplatznahe Qualifizierungen und Implacementstiftungen nehmen eine Sonderstellung ein, da es notwendig ist, eine Beschäftigung aufzunehmen, um eine Förderung zu erhalten. Bei ersteren erfolgt die theoretische Ausbildung bei einem Bildungsunternehmen und die praktische in einem Ausbildungsbetrieb. Bei letzterem entwickeln Unternehmen mit großem Personalbedarf mit Hilfe des Arbeitsmarktservices eine auf den Betrieb zugeschnittene Ausbildung und wählen passende Arbeitssuchende für die Teilnahme daran aus. Nach dem Abschluss der Ausbildung werden diese im Betrieb angestellt.

Da in der Regel nicht nachvollziehbar ist, ob die Arbeitssuchenden auch ohne die Qualifizierungsmaßnahme eingestellt worden wären, wurden in der Studie zwei Szenarien untersucht. In Szenario 1 wurden die geförderten mit allen ungeförderten arbeitslosen Menschen verglichen. In Szenario 2 verglichen die Studienautor*innen Arbeitslose mit Förderung jedoch mit Arbeitslosen ohne Förderung, die im Monat des Förderbeginns auch eine Beschäftigung aufnahmen. In beiden Szenarien konnte die Studie feststellen, dass Menschen mit Förderung häufiger in Beschäftigung verblieben als ohne Förderung: Arbeitsplatznahe Qualifizierungen erhöhten den Anteil an Erwerbstätigen um 25,8 Prozent in Szenario 1 und um 5,3 Prozent in Szenario 2 Implacementstiftungen um 33,7 Prozent in Szenario 1 und um 11,3 Prozent in Szenario 2.

Einkommen steigt in den meisten Fällen

Auch beim Erwerbseinkommen konnte die Studie einen Lock-In-Effekt feststellen: Bei der Teilnahme an Qualifizierungsmaßnahmen entstehen für die Geförderten indirekte Kosten, da sie erst nach ihrem Abschluss einen Job annehmen können. Dieser Einkommensverlust wurde jedoch (bezogen auf das kumulierte Jahreseinkommen) innerhalb von sechs Jahren bei den Maßnahmen Beihilfe zu Kurskosten (+ 4.388 Euro), Aus- und Weiterbildungen (+ 545 Euro) und Trainings (+ 53 Euro) überkompensiert. Bei den Maßnahmen Aktive Arbeitssuche (- 2.345 Euro), Basisqualifizierung (- 2.244 Euro) und Berufliche Orientierung (- 509 Euro) amortisierte sich der Einkommensverlust nicht vollständig.

Beim Monatsverdienst konnten Implacementstiftungen (+ 119 Euro in Szenario 1 und + 115 Euro in Szenario 2) und Arbeitsplatznahe Qualifizierungen (+ 82 Euro und + 68 Euro) die größten Steigerungen in den sechs Jahren nach Förderbeginn bewirken. Auch Personen, die eine Kurskostenförderung in Anspruch nahmen, profitierten von einem Einkommenszuwachs von 51 Euro pro Monat. Jene, die an Aus- und Weiterbildungen teilnahmen, konnten eine monatliche Steigerung von durchschnittlich 32 Euro verzeichnen. Bei der Teilnahme an beruflichen Orientierungen waren es 11 Euro.

Mit der Teilnahme an Basisqualifizierungen gingen monatliche Einbußen in der Höhe von 24 Euro einher. Als Grund dafür listen die Studienverantwortlichen, dass die Geförderten, die in einem ohnehin niedrig entlohnten Beschäftigungssegment tätig sind, möglicherweise dazu bereit sind, für eine Beschäftigungsaufnahme ein niedrigeres Einkommen in Kauf zu nehmen. Auch Teilnehmende an der Aktiven Arbeitssuche hatten einen monatlichen Einkommensverlust von durchschnittlich 16 Euro.

Frauen und Männer profitieren unterschiedlich stark von verschiedenen Maßnahmen

Insgesamt nehmen Personen nach Abschluss einer Qualifizierungsmaßnahme häufiger eine Beschäftigung auf als Menschen ohne Förderung. Jedoch profitieren manche Gruppen mehr als andere: Frauen waren nach der Förderung noch häufiger in Beschäftigung als Männer, insbesondere nach der Beruflichen Orientierung (+ 10,2 Prozent bei Frauen und + 5,4 Prozent bei Männern). Die Basisqualifizierung erzielte jedoch bei Männern (+ 9,3 Prozent) eine höhere Beschäftigungswirkung als bei Frauen (+ 8,6 Prozent). Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen profitierten mehr von der Beruflichen Orientierung (+ 17,2 Prozent) und den Kurskostenbeihilfen (+ 19,5 Prozent) als Personen ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen (+ 7,2 Prozent und + 9,8 Prozent).

Ältere profitieren oft mehr als Jüngere

Mit zunehmendem Alter der Geförderten nimmt auch die Wirkung aller Qualifizierungsförderungen außer der Basisqualifizierung zu. Die älteste Gruppe (45-59 Jahre) verzeichnete bei der Beruflichen Orientierung (+ 12,9 Prozent), bei der Aus- und Weiterbildung (+ 13,2 Prozent) und bei der Beihilfe zu Kurskosten (+ 17,8 Prozent) große Zuwächse bei der Beschäftigung. Die Basisqualifizierung wirkte in den Altersgruppen der 15- bis 24-Jährigen (+7 Prozent) und der 25- bis 44-Jährigen (+ 7,8 Prozent) besser als bei den 45- bis 59-Jährigen (+ 5,8 Prozent), da sie auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten ist. Hinsichtlich Nationalität und Migrationshintergrund der Geförderten wurden in der Studie keine großen Wirkungsunterschiede bei den verschiedenen Maßnahmen festgestellt.

Nicht alle profitieren von Zielgruppenorientierung

Im Bereich der Zielgruppenorientierung kam die Studie zu differenzierten Ergebnissen. Bei folgenden Gruppen war die Berufliche Orientierungen mit zielgruppenspezifischer Ausrichtung deutlich wirksamer als jene mit unspezifischer Ausrichtung:

  • bei Frauen (+ 12,7 statt + 6,7 Prozent),
  • bei gesundheitlich eingeschränkten Personen (+ 25,6 statt + 13,5 Prozent) und
  • bei arbeitslosen Menschen, die maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen (+ 25,6 statt 13,5 Prozent).

Bei Jugendlichen zeigt die Studie jedoch umgekehrte Ergebnisse: Sie profitierten weniger stark von Beruflichen Orientierungen und Aus- und Weiterbildungen, an denen ausschließlich Jugendliche teilnahmen. Die Studienverantwortlichen weisen darum darauf hin, dass eine höhere Durchmischung der Teilnehmenden für Jugendliche förderlich sein könnte.

Alle Qualifizierungsinhalte sind positiv für die Beschäftigung, Deutschkurse wirken zeitverzögert

Die Studie differenzierte auch zwischen den unterschiedlichen Inhalten der Qualifizierungsförderungen: Drei Viertel der zwischen 2013 und 2018 begonnenen Basisqualifizierungsförderungen waren Deutschkurse. Sie hatten erwartungsgemäß geringere positive Auswirkungen auf den Beschäftigungsgrad der Teilnehmenden (+ 5,6 Prozent) als IT-Basiskurse (+ 12,1 Prozent) und sonstige Basisqualifizierungen (+ 10,6 Prozent), da sie in der Regel erst den Grundstein für die Teilnahme an anderen Qualifizierungsförderungen legen.

Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen waren in den Bereichen Technik und Handwerk (+ 17 Prozent), Büro und Verwaltung (+ 15 ) sowie IT (+ 12,2 Prozent) am förderlichsten für die Erhöhung des Beschäftigungsanteils. Aus- und Weiterbildungen mit Deutsch als Inhalt zeigten ihre Wirkung stark zeitverzögert, hatten langfristig aber auch eine überdurchschnittlich positive Auswirkung auf die Teilnehmenden (+ 10,3 Prozent Beschäftigte).

Eine höhere Förderintensität, d.h. einerseits Kurse mit längerer Dauer (≥63 Tage) und andererseits Kurse mit höheren Kosten (>600 Euro), hatten einen stärkeren positiven Beschäftigungseffekt als kürzere bzw. günstigere Kurse, so das Ergebnis der WIFO-Studie.


Weitere Informationen:


Text/Author of original article in German: Marion Kirbis/CONEDU

Redaktion/Editing of original article in German: Lucia Paar/CONEDU

Titelbild: Unsplash-Lizenz, Hunters Race, https://unsplash.com/@huntersrace

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