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E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

News

Stakeholderbefragung in Deutschland: Ein klares Ja zu europäischen Kooperationen

05/06/2015
Sprache: DE

Die Nationale Agentur "Bildung für Europa" beim BIBB,  die in Deutschland das Programm Erasmus+ umsetzt,  hat Stakeholder der Berufs- und Erwachsenenbildung zu ihren Erwartungen und Interessensschwerpunkten im Programm Erasmus+ befragt. Ziel der Befragung war es, Bedarfe auszuloten und Trends zu ermitteln. Fazit: Der Europagedanke ist in der großen Mehrheit der befragten Einrichtungen im Arbeitsalltag angekommen. Einrichtungen der Erwachsenenbildung haben hier die Nase vorn.

Die NA beim BIBB hat insgesamt 207 Verbände, Sozialpartner, sowie Akteurinnen und Akteure angesprochen, die auf Bundes- oder regionaler Ebene die Interessen der Berufs- und Erwachsenenbildung vertreten. Rückmeldungen hat sie von insgesamt 76 Einrichtungen erhalten. Ziel der Umfrage war es, Tendenzen zu erkennen, wie und in welchem Kontext Erasmus+ gesehen wird und welche Erwartungen an das EU-Programm gestellt werden.

 

Europa ist in den Bildungseinrichtungen angekommen

Bei der großen Mehrheit der Befragten ist der Europagedanke im Arbeitsalltag präsent. Europäische Bildungspolitik bezogen auf institutionalisierte Kooperationen mit europäischen Partnern, Kooperationen in Grenzregionen, Themen wie Transparenz und Anerkennung von Qualifikationen und Kompetenzen, spielt hier eine wichtige Rolle. So schätzen 60 % der Befragten europäische Bildungspolitik als bedeutend oder sehr bedeutend für ihre Einrichtung ein. Nur 6 % der Einrichtungen aus der Berufsbildung äußern sich gegenteilig.

Trotz dieser Einschätzung ist die Mehrheit der Organisationen nicht europäisch ausgerichtet. Die Einschätzung, dass europäische Bildungspolitik wichtig ist, geht nicht einher mit der tatsächlichen europäischen Ausrichtung der Organisationen, die sich zum Beispiel im Leitbild, im Personalwesen oder im Arbeitsalltag zeigt. So messen der europäischen Ausrichtung ihrer eigenen Organisation 37 % der Befragten eine große bis sehr große Bedeutung bei. Für 16 % der Befragten hat dieser Aspekt keine Bedeutung. Zudem zeigen sich je nach Bildungsbereich Unterschiede in der Bewertung dieses Aspekts.

Organisationen der Erwachsenenbildung messen einer europäischen Ausrichtung eine größere Bedeutung zu als Einrichtungen der Berufsbildung. So sprachen sich 44 % der Befragten aus der Erwachsenenbildung für eine große bis sehr große Bedeutung einer europäischen Ausrichtung der Organisation aus, gegenüber 32 % der Befragten aus der Berufsbildung.

 

Eigenes Engagement in europäischen Bildungsprogrammen

Viele der befragten Einrichtungen können bereits auf eigene Erfahrungen mit europäischen Bildungsprogrammen zurückblicken. So waren im EU-Programm für lebenslanges Lernen, dem Vorgängerprogramm von Erasmus+, 49 % der Befragten in der Projektkoordination tätig, 63 % der befragten Einrichtungen waren als Projektpartnerinnen aktiv und 44 % beratend tätig. Lediglich 14 % verfügen über keine eigene Projekterfahrungen.

Einrichtungen der Erwachsenenbildung haben hier im Vergleich mit Einrichtungen der Berufsbildung deutlich die Nase vorn. Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen der Erwachsenenbildung haben in der Vergangenheit in deutlich größerem Umfang eine aktive Rolle in den europäischen Bildungsprogrammen gespielt: So waren 75 % im Programm für lebenslanges Lernen als Koordinator/-in oder Partner/-in aktiv. In der Berufsbildung trifft dies nur auf 42 % der Einrichtungen zu.

Unterschiede in den Bildungsbereichen zeigen sich auch darin, welche Schwerpunkten bei den Aktivitäten gesetzt werden. Lag in der Berufsbildung der Schwerpunkt auf „Mobilität von Auszubildenden“ (84 %), so stand in der Erwachsenenbildung der Austausch zu Themen europäischer Bildungszusammenarbeit im Vordergrund (81 %). Auffällig ist, dass Projekte zum Transfer von Innovationen aus anderen europäischen Ländern in die eigene Praxis bzw. in das eigene System nur von 3 % der Befragten aus Einrichtungen der Berufsbildung genutzt wurden, während in der Erwachsenenbildung immerhin 38% in diesem Bereich aktiv waren.

 

Erwartungen an Erasmus+

Die Befragten erwarten Wirkungen des Programms auf individueller Ebene sowie Auswirkungen des Programms auf die beteiligen Einrichtungen und Unternehmen und auf das Bildungssystem. 80 % der an der Umfrage beteiligten Organisationen versprechen sich Wirkungen von Erasmus+ vor allem auf die individuelle Entwicklung. Zudem gaben 63% der Befragten an, dass sie Auswirkungen auf die am Programm Erasmus+ beteiligten Einrichtungen und Unternehmen erwarten. Wie die Umfrage gezeigt hat, messen die Befragten aus dem Bereich der Erwachsenenbildung der europäischen Ausrichtung eine größere Bedeutung bei als Befragte aus der Berufsbildung. So überrascht es nicht, dass hier die Erwartungshaltung zum Einfluss des Programms auf Einrichtungen und Organisationen größer ist. Hier legen die Erwartungen in der Erwachsenenbildung mit 75 % deutlich höher als in der Berufsbildung mit 42 %. Insgesamt 42% der Einrichtungen gehen davon aus, dass das Programm Erasmus+ auch Wirkungen auf der Ebene des Bildungssystems entfalten wird.

Die unterschiedlichen Erwartungen je nach Bildungsbereich zeigen sich auch bei der Frage nach der Internationalisierung. Stehen in Hinblick auf Fördermöglichkeiten in beiden Bildungsbereichen Auslandsaufenthalte zum individuellen Kompetenzerwerb ähnlich hoch im Kurs, so unterscheiden sich Erwartungshaltungen hinsichtlich der Internationalisierung der am Programm teilnehmenden Einrichtungen und auch an die entsprechende Weiterentwicklung des Bildungssystems in beiden Bereichen deutlich. Auffällig ist auch hier, dass die Befragten aus der Erwachsenenbildung höhere Erwartungen an Erasmus+ mit Blick auf die Internationalisierung von Curricula und Bildungsangeboten haben als die Befragten aus der Berufsbildung. Noch mehr klaffen die Erwartungshaltungen hinsichtlich der Wirkung von Beispielen guter Praxis auseinander: 94 % der Befragten aus der Erwachsenenbildung erwarten, dass Good Practice aus den europäischen Mitgliedstaaten Impulse liefern könnten, unser Bildungssystem weiterzuentwickeln. Dem stehen 65 % in der Berufsbildung gegenüber.

Europäisch aktiv zu sein, ist relevant für die eigene Einrichtung – mit unterschiedlichen Tendenzen in den jeweiligen Bildungsbereichen. Während in der Erwachsenenbildung 94 % der Befragten Auslandsaufenthalte für Bildungspersonal als besonders relevant erachten, folgen dieser Annahme nur 74 % der Befragten in der Berufsbildung. Ein ähnlich großer Unterschied ergibt sich hinsichtlich der Relevanz Strategischer Partnerschaften für die jeweiligen Bildungsbereiche. Während in der Erwachsenenbildung 88 % der Einrichtungen Strategische Partnerschaften für relevant halten, tun dies in der Berufsbildung nur 52 %.

Der Verwaltungsaufwand bei der Beantragung von Fördermitteln für Projekte wird als zu hoch empfunden. Auch dies ist ein Ergebnis der Umfrage: Erasmus+ wird als weniger flexibel wahrgenommen als das vorangegangene Programm für lebenslanges Lernen. Zudem merken die Befragten kritisch an, dass eher prozessbezogene Kooperationsprojekte (ehemals Partnerschaftsprojekte) weniger erwünscht bzw. aussichtsreich seien als produktbezogene Projekte mit entsprechend hohen Budgets.

 

Öffnung hin zu Europa

Die Umfrage hat gezeigt: Die europäischen Förderprogramme sind sowohl in der Berufs- als auch in der Erwachsenenbildung angekommen - und sie werden genutzt. Besonders im Bereich der weniger formalen Erwachsenenbildung zeigt sich die Öffnung hin zu Europa sehr deutlich. Europäische Projekte werden gezielt eingesetzt, nicht nur um individuelle Kompetenzen zu fördern, sondern auch um Strukturen zu entwickeln und Themen in europäischen Peer-Learning-Aktivitäten voranzutreiben.

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