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Prison Education in Österreich: Herausforderungen und Praxisbeispiele

Mit 1. Juli 2018 waren in Österreich 9.081 Personen inhaftiert. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung liegen die schulischen und beruflichen Abschlüsse der Häftlinge auf deutlich niedrigerem Niveau. Die Arbeitsmarktchancen der zu 93% männlichen Gefangenen sind tendenziell schlecht. „Zahlreiche Forschungen haben gezeigt, dass Probleme in Schule und Arbeitsplatz einen hohen Einfluss auf die Rückfallgefährdung haben“, so Susanne Pekler vom Verein Neustart, der Resozialisierungshilfe für Straffällige bietet. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Zeit in Haft für Ausbildungen genutzt werden kann – wenn diese auch ausreichend praktische Elemente enthalten, dann hat dies eine hohe Auswirkung auf die Arbeitsmarktchancen nach der Haft.“ Auch die Erziehungswissenschaftlerin Ariane von der Mehden bestätigt die positive Wirkung von Bildungsmaßnahmen während des Strafvollzugs auf eine erfolgreiche Resozialisierung.

Facharbeiter-Intensivausbildung soll Resozialisierung erleichtern

Im österreichischen Strafvollzug gibt es derzeit verschiedene Möglichkeiten der Aus- und Weiterbildung. Die Facharbeiter-Intensivausbildung, eine verkürzte Form der Lehre, soll besonders jungen Strafgefangenen die Resozialisierung erleichtern. Ein Video der Plattform jailshop.at gibt Einblick in die Lehrbetriebe der Justizanstalt Simmering. Insassen aus ganz Österreich können sich für die Ausbildung bewerben und nehmen dann an einem fünfzehnmonatigen Intensivkurs teil. Ein hoher Anteil von ihnen besteht die externe Lehrabschlussprüfung und erhält ein neutrales Zeugnis, das am Arbeitsmarkt von Nutzen ist.

„Ich habe draußen immer eine Arbeit gesucht, als Lehrling, als Hilfsarbeiter, und es sind immer nur Absagen gekommen auf meine Bewerbungen", beschreibt ein Häftling seine Beweggründe, sich für die Ausbildung zu bewerben. „Dass die meisten Menschen eine Chance auf eine Lehrstelle bekommen" sieht er als Vorteil – so habe man die Möglichkeit, nach der Entlassung „draußen" wieder Fuß zu fassen. Zwar sei der Arbeitsmarkt für Menschen mit Hafterfahrung dennoch schwer zugänglich und häufig können die AbsolventInnen nur unter ihrer Qualifikation in Hilfsarbeiterjobs vermittelt werden, räumt Susanne Pekler ein. „Aber es ist ein Anfang, und wenn sich die Mitarbeiter bewähren, werden sie dann manchmal doch aufgestuft.“

Fachkurse, Basisbildung und IT

Zu den weiteren Bildungsmöglichkeiten, die im österreichischen Strafvollzug angeboten werden, zählen Fachkurse wie etwa der Staplerschein, DaZ-Kurse, Erste-Hilfe-Kurse, Computerkurse, Handarbeitskurse, Basisbildungskurse bzw. Angebote des „Zweiten Bildungswegs" oder auch soziale und Kommunikationstrainings zur Vermittlung von Problembewältigungsstrategien. Im Rahmen der elis-Plattform können Insassen online lernen und Kurse zu verschiedenen Themen absolvieren. Eine kleine Zahl von Häftlingen nimmt an Fernstudiengängen teil. FreigängerInnen haben die Möglichkeit, außerhalb der Justizanstalten einen Beruf zu erlernen oder Kurse und Studien zu besuchen.

Warum Strafgefangene, die ja ein Verbrechen begangen haben, all diese Hilfestellungen erhalten? „Oft wird die Meinung vertreten, dem Staat gehe es nur um die Täter, nicht aber um die Opfer", sagt Gabriele Waidner, Psychologin und Leiterin Department Maßnahmenvollzug in der Justizanstalt Stein, in einem Interview mit dem jailshop-Blog. „Was wir hier machen, ist aber zukünftige Opfer vermeiden. Das geht am besten über die Reintegration."

Kulturelle Vielfalt und Radikalisierung als Herausforderungen

Bei den Bemühungen um eine erfolgreiche Resozialisierung gilt es zahlreiche Herausforderungen zu überwinden. Mehr als die Hälfte der Gefangenen haben keine österreichische Staatsbürgerschaft (Stand: 1. Juli 2018). Damit einher gehen Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und häufig auch Basisbildungsbedarf.

Weitere Themen, die im Zusammenhang mit der größeren kulturellen Vielfalt in Verbindung stehen und sowohl für Inhaftierte als auch für Bedienstete der Haftanstalten zunehmend wichtig werden, sind radikale Tendenzen wie Islamismus und Fremdenfeindlichkeit. Der Bildungsbereich müsse hierauf reagieren, fordert Bildungswissenschaftlerin Ariane von der Mehden: „Derzeit gibt es viele engagierte Einzelpersonen und -projekte, die in diesem Bereich tätig sind. Man muss noch mehr Geld investieren und Sensibilität für das Thema schaffen. Auch hier spielt Bildung eine herausragende Rolle".


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