Direkt zum Inhalt
News
Neuigkeiten

OER: Praxisanleitung für die „Lizenz zum Teilen“

Das Bildungsministerium hat vor kurzem neue Förderverträge für Maßnahmen im Rahmen des ESF ausgestellt. Sie verpflichten die Projektträger, Projektergebnisse der Öffentlichkeit mit Creative-Commons-Lizenzen zur Verfügung zu stellen. Die folgende Praxisanleitung zeigt in Grundzügen, wie das geht.

Lernende und Lehrende können sehr profitieren, wenn größere Menge von Bildungsmaterialien frei zugänglich sind. Diesbezüglich gehen die Wünsche vieler ErwachsenenbildnerInnen und die Empfehlungen der EU in die gleiche Richtung. Das Bildungsministerium hat daher nun bestimmt, dass im Zuge öffentlich geförderter Projekte die Projektergebnisse offen zur Verfügung gestellt werden müssen.

Die aktuell neu ausgestellten Förderverträge des BMBF für ESF-Projekte enthalten einen Passus, demzufolge Projektergebnisse  in einer offenen Lizenz (bevorzugt CC BY) der Öffentlichkeit nachhaltig zur Verfügung zu stellen sind. Die Lizenzformen CC BY NC und CC BY ND sollen nach Möglichkeit vermieden werden.

Was bedeuten die verschiedenen Lizenzformen?

Grundsätzlich gilt: Wer sein Produkt offen freigibt, braucht nicht zu befürchten, als Urheber/in unsichtbar zu werden – im Gegenteil, der Autor bzw. die Autorin ist grundsätzlich zu nennen und gewinnt durch die Verbreitung seines Materials potenziell an Ansehen.

Einsatzfertig stehen zurzeit folgende Lizenzformen zur Verfügung, wobei nur die ersten beiden wirklich für „Offenheit“ stehen:

  • CC BY steht für „Verwendung mit Namensnennung“ und ist die freieste Lizenz, die am meisten Verwendungsmöglichkeiten bietet.
  • CC BY-SA verlangt neben der Namensnennung auch eine Weitergabe unter gleichen Bedingungen und wird z.B. von Wikipedia verwendet.
  • CC BY-ND verbietet jede Veränderung des Originals.
  • CC BY-NC  verbietet jede kommerzielle Verwendung (die z.B. mit dem Einheben von Kursgebühren bereits gegeben sein kann).
  • Die restriktiven Kombinationen CC BY-NC-SA und CC BY-NC-ND sind theoretisch ebenso möglich.

Was kann ich offen lizenzieren?

Mit diesen Lizenzen können alle Produkte und Materialien (Texte, Bilder, Filme etc.) lizenziert werden, die entweder zur Gänze selbst erstellt wurden oder Materialien enthalten, die bereits in einer offenen Lizenz zur Verfügung stehen.

Hingegen dürfte keine CC-Lizenz vergeben werden, wenn das betreffende Produkt Teile eines anderen Urhebers oder einer anderen Urheberin enthält, die diese/r nicht offen freigegeben hat. Sobald beispielweise Bilder von einem kommerziellen Anbieter integriert wurden – oder sogar Materialien unklaren Ursprungs in das eigene Produkt aufgenommen wurden – ist die Vergabe einer CC-Lizenz nicht mehr korrekt. Es zahlt sich daher aus, Bilder selbst herzustellen und fremde Text zu paraphrasieren. Eine korrekte Zitierweise versteht sich von selbst.

Warum wird die Lizenzform CC BY bevorzugt?

Beim Remix von Materialien (z.B. für ein Skriptum) dürfen nicht alle CC-Lizenzen beliebig miteinander kombiniert werden. Lediglich die Lizenz CC BY ist mit allen andere Lizenzformen kombinierbar. CC BY-SA und CC BY-NC können gar nicht kombiniert werden: das bedeutet, wenn Sie Ihr Material nicht zur kommerziellen Verwendung freigeben (CC BY-NC), dann ist bereits eine Aufnahme dieses Materials in einen Wikipedia-Artikel (CC BY-SA) nicht mehr zulässig. Soll ein nicht kommerzielles Material (CC BY-NC) mit einem freien Material (CC-BY) kombiniert werden, muss das neue Produkt jedenfalls unter der restriktiveren Lizenz stehen (CC BY-NC, ev. zusätzlich –SA oder –ND). Alle Lizenzformen außer CC BY erschweren also die Weiterverwendung.    

Wie erfolgt die Vergabe der Lizenzen?

Die Vergabe der Lizenz funktioniert ganz einfach mit Hilfe des Lizenzwählers unter http://creativecommons.org/choose/. Dort können Sie die passende Lizenz auswählen und in wenigen Schritten die entsprechende Kennzeichnung für Online- oder Offline-Materialien generieren. Diese Kennzeichnung (Icon mit Begleitsatz und Link) fügen Sie Ihrem Produkt dann an.

Was bedeutet das für die AnwenderInnen?

Je nach Lizenzform können AnwenderInnen die so lizenzierten Produkte für Lehr- und Lernzwecke verwenden, sie dabei verändern und weiter verbreiten, eventuell sogar im kommerziellen Rahmen. Sie müssen jedoch den Namen des Urhebers/der Urheberin in der vorgegebenen Form nennen, einen gut sichtbaren Hinweis auf die Lizenz geben, mit dem vollständigen Lizenztext verlinken, und eventuelle Abwandlungen kennzeichnen. Als Service setzen sie vielleicht auch einen Link zur Fundstelle.

Wo gibt es Antworten bei kniffligen Fragen?

Als Experte für Rechtsfragen bei Online-Veröffentlichungen ist Michael Lanzinger aus Linz bekannt. Er gab sein Wissen jüngst auch im kostenfreien MOOC zu "eLearning und Recht" weiter. Antworten auf häufig auftretende Fragen finden sich auch in der „Fallambulanz“ der Virtuellen PH.



Text/Redaktion: Birgit Aschemann/CONEDU

Author/Editing of original article in German: Birgit Aschemann/CONEDU

Bild/Image: 8112371702_4f2b819732_o | Ron Mader/flickr.com | CC BY SA

Login (0)

Sie möchten einen Artikel schreiben?

Zögern Sie nicht!

Klicken Sie unten auf den Link und beginnen Sie mit einem neuen Artikel!

Neueste Diskussionen

EPALE 2021 Schwerpunktthemen. Fangen wir an!

Das vor uns liegende Jahr wird wahrscheinlich wieder sehr intensiv, und daher laden wir Sie ein, es mit Ihren Beiträgen und Ihrer Expertise zu bereichern. Beginnen Sie doch einfach, indem Sie an unserer Online-Diskussion teilnehmen. The Online-Diskussion findet am Dienstag, dem 09. März 2021 zwischen 10.00 und 16.00 Uhr statt. The schriftliche Diskussion wird mit einem vorgeschalteten Livestream eröffnet, der die Themenschwerpunkte für 2021 vorstellt. Die Hosts sind Gina Ebner und Aleksandra Kozyra von EAEA im Namen der EPALE Redaktion. 

Zusätzlich

EPALE Diskussion: Vermittlung von Grundkompetenzen

Grundkompetenzen sind transversal. Sie sind nicht nur relevant für die Bildungspolitik,  sondern auch für Beschäftigungs-, Gesundheits-, Sozial- und Umweltpolitiken. Der Aufbau schlüssiger Politikmaßnahmen, die Menschen mit Grundbildungsbedürfnissen unterstützen, ist notwenig, um die Gesellschaft resilienter und inklusiver zu gestalten. Nehmen Sie an der Online-Diskussion teil, die am 16. und 17. September jeweils zwischen 10.00 und 16.00 Uhr auf dieser Seite stattfindet. Die Diskussion wird von den EPALE Thematischen Koordinatoren für Grundkompetenzen, EBSN, moderiert. 

Zusätzlich

EPALE Diskussion: Die Zukunft der Erwachsenenbildung

Am Mittwoch, dem 8. Juli 2020, lädt EPALE von 10.00 - 16.00 Uhr zu einer Online Diskussion zur Zukunft der Erwachsenenbildung ein. Wir wollen über die Zukunft des Bildungssektors Erwachsenenbildung sowie die neuen Chancen und Herausforderungen diskutieren. Gina Ebner, EPALE-Expertin und Generalsekretärin der EAEA, moderiert die Diskussion.

Zusätzlich