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CASEBOOK: Aus der Praxis – Für die Praxis

03/08/2017
von Ovagem Agaidyan
Sprache: DE

Am 5. Juli 2017 ging die Tagung „CASEBOOK: Aus der Praxis – Für die Praxis“ im Saal Nordkette der AMS Landesgeschäftsstelle Tirol über die Bühne. Mit annähernd 70 TeilnehmerInnen – Bildungs- und BerufsberaterInnen, SozialarbeiterInnen und Multiplikatoren aus ganz Tirol – war die Veranstaltung sehr gut besucht und hat damit gezeigt, wie wichtig das Projekt für die Beratung von MigrantInnen ist. Nach der Begrüßung durch den Landesgeschäftsführer des AMS Tirol Anton Kern und dem Vorsitzenden der Organisation Verein Multikulturell Ovagem Agaidyan hörten die TeilnehmerInnen zwei Vorträge von Frau Univ.-Prof. Mag. Dr. Habil Gudrun Biffl von der Donau Universitöt Krems und Frau Mag. Christa Sieder von der BhW (Bildung hat Wert.) NÖ GmbH.

In ihrem Vortrag über "Herausforderungen bei der Integration von MigrantInnen in den Arbeitsmarkt mit Schwerpunkt Flüchtlingsintegration“ ging Gudrun Biffl zunächst auf die generelle Situation am österreichischen Arbeitsmarkt ein. Dabei zeigte die renommierte Wissenschaftlerin auf, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit nur vordergründig der Kombination aus steigendem Arbeitskräfteangebot und der schwachen Konjunkturlage geschuldet ist und somit Österreich ein strukturelles Problem hat. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit ist im Wesentlichen auf Personen mit niedriger Qualifikation geschuldet und betrifft somit jenes Segment des Arbeitsangebotes, in das die überwiegende Mehrheit der MigrantInnen, asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten fällt. Daraus ergeben sich große Herausforderungen für die Integration von MigrantInnen in die Arbeitswelt. Um diesen begegnen zu können braucht es dringend Förderschwerpunkte, die von Gesetzen und Förderung von Einzelmaßnahmen, über die Kompetenzfeststellung bis hin zur Förderung der Erwerbsintegration speziell von Frauen reichen. Biffl zeigte überdies bisher unbeantwortete Fragen auf, die eine wichtige Rolle in einer gelingenden Integration von MigrantInnen spielen. Diese wären unter anderem über die Infrastruktur – insbesondere über die Unterstützungsstrukturen, die oft eine Voraussetzung dafür sind, dass eine Beschäftigung realisiert werden kann. Oder die Frage nach dem Forschungsbereich – hier vor allem im Evaluationsbereich, wo Frau Univ.-Prof. Mag. Dr. habil. Gudrun Biffl eine Änderung des Status Quo einfordert.

Im zweiten Vortrag referierte Frau Mag. Christa Sieder über die "Herausforderungen bei der Bildungs- und Berufsberatung mit MigrantInnen und Flüchtlingen“ und stellte zu Beginn ihrer Ausführungen die Begrifflichkeiten und damit den Unterschied der Bezeichnungen MigrantInnen und Flüchtlinge gegenüber. In ihrem weiteren Vortrag erklärte sie, dass Bildungs- und BerufsberaterInnen, die mit MigrantInnen und Flüchtlingen arbeiten, verstärkt als ÜbersetzerInnen tätig sind und sich dies vor allem auf das Übersetzen von Systemen, die ÖsterreicherInnen vielleicht eher vertraut sind bezieht (z.B. Schule, Bildung, Förderungen, AMS, Beihilfen). Als wichtige Themenbereich benannte Sieder Fragen nach der Anerkennung, dem rechtlichen Hintergrundwissen und dem Bildungssystem in Österreich sowie anderer Länder.  Zudem betonte die Fachfrau in der Bildungs- und Berufsberatung, dass das Wissen über die Symptome und Therapiemöglichkeiten für traumatisierte Menschen mit Fluchterfahrungen gerade für BeraterInnen hilfreich und wichtig sein kann, haben doch Flüchtlinge oftmals traumatische Situationen erlebt und eventuell eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Eine weitere Herausforderung stellt weiters der Umgang mit Frustationen dar: Mangelnde Angebote und eingeschränkte Zugänge führen zu vielen Wartezeiten, die vor allem die Ratsuchenden entmutigen, aber auch für die BeraterInnen nicht einfach sind. Mit dem Hinweis an die TeilnehmerInnen, dass auch die Menschen die die Beratung für MigrantInnen absolvieren, auch auf sich selbst zu schauen und z.B. über eine Vernetzung mit anderen BeraterInnen hier durchaus hilfreich sein kann (hier ist insbesondere das CASEBOOK zu nennen) schloß Frau Mag. Christa Sieder ihren Vortrag.

 

 

Infos über CASEBOOK:

 

Bildungs- und BerufsberaterInnen, SozialarbeiterInnen sowie zahlreiche MultiplikatorInnen leisten speziell in Tirol einen genauso wichtigen wie wertvollen Beitrag für die Integration von MigrantInnen und eröffnen den Menschen damit verbesserte Chancen, sich in unserem Land zurechtzufinden. Sei es durch Bildung oder eine fundierte Beratung, um einen Arbeitsplatz zu finden - ohne die tägliche Arbeit der BeraterInnen hätten MigrantInnen - nicht zuletzt wegen der angespannten Situation am österreichischen Arbeitsmarkt - praktisch keine Chancen. In der Tiroler Bildungs- und Berufsberatung sowie in der Sozialarbeit steckt sehr viel Kompetenz und Herzblut und doch stößt man in manchen „Spezialfällen“ an Grenzen. Genau hier setzt das Projekt CASEBOOK an und versucht mit dargestellten Fällen aus der Praxis, mit einem „Fallbuch“ Anhaltspunkte für eine Lösung von Problemen zu bieten. Zusätzlich bietet das Projekt einen E-Kurs an, der für beginnende Berufs- und BildungsberaterInnen einen bestmöglichen Start in die tagtägliche Arbeit mit MigrantInnen darstellt. Mit dem Programm „CASEBOOK“ bietet der Verein Multikulturell einen wichtigen Baustein für eine beginnende und erfolgreiche Integration.

 

Weitere Informationen erhalten Sie unter dem Link: http://www.casebookproject.eu/

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1 - 1 von 1 anzeigen
  • Bild des Benutzers Andreas Koreimann

    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Wir freuen uns schon auf die gemeinsame Veranstaltung am 14. November. Das Programm und die Anmeldung finden man natürlich auch auf EPALE:

    /de/content/migration-und-integration-im-fokus-nachhaltiger-erwachsenenbildung-0

    Wir freuen uns auf Ihre Anmeldungen und Beiträge.