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Alternative zur klassischen Berufsausbildung? f-bb veröffentlicht Befunde zur Akzeptanz von Teilqualifikationen bei Unternehmen

31/07/2020
von Tobias Biro
Sprache: DE

Teilqualifikationen werden seit vielen Jahren als Möglichkeit diskutiert, Personen Schritt für Schritt zum Berufsabschluss zu verhelfen. Berufe werden dafür in kleinere Einheiten unterteilt, wobei Kursteilnehmende ein Zertifikat für jede erfolgreich abgeschlossene Einheit erhalten. Am Ende dieses Weges kann über die Externenprüfung der Berufsabschluss erworben werden. Bislang noch unbekannt war die Haltung der Arbeitgeber gegenüber Teilqualifikationen. Dabei ist das Instrument nur dann attraktiv, wenn Unternehmen Personen mit nachweisbaren beruflichen Kompetenzen unterhalb des Vollberufs eine Chance geben. Eine Studie des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt nun: Unternehmen sind in vielen Berufen offen für Teilqualifikationen.

Puzzleteile fügen sich zusammen vor dem Wort "Training". So wie bei den Teilqualifikationen, die später zum Berufsabschluss führen können.

So sind unabhängig von akuten Stellenengpässen 81,2 Prozent der Unternehmen bereit, eine nachweislich beruflich kompetente Person auch ohne vollwertigen Berufsabschluss einzustellen. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie äußerten sogar 51,7 Prozent, in mindestens einem  Einsatzfeld bereits explizit nach solchen Personen zu suchen. Für 23 von den 30 untersuchten Berufen gab die Mehrheit der Unternehmen an, potenzielle Bewerberinnen und Bewerber auch dann für einsatzfähig zu halten, wenn sie (noch) nicht in allen Einsatzfeldern des jeweiligen Berufs Kompetenzen aufweisen. „Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass arbeitsuchende Personen von Teilqualifikationen profitieren können. Das gilt jedenfalls dann, wenn sie Arbeitserfahrung nachweisen können. Durch die Teilqualifikationen haben sie deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, erklärt f-bb-Geschäftsführerin Dr. Iris Pfeiffer. Auch Geflüchtete ohne einen in Deutschland verwertbaren Berufsabschluss erhielten dadurch die Möglichkeit, Kompetenzen zu erwerben und/oder nachzuweisen. Pfeiffer betont: „Die reguläre Berufsausbildung bleibt auch weiterhin der Königsweg der Arbeitsmarktintegration. Teilqualifikationen sind vor allem dann interessant, wenn dieser Königsweg nicht oder nicht mehr eingeschlagen werden kann.“  

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Für die Studie wurden 2.907 Interviews mit Unternehmensvertreterinnen und Unternehmensvertretern aus ganz Deutschland geführt. Dabei wurden 30 verschiedene Berufe abgedeckt. Zugrunde gelegt wurden die Einsatzfelder der MYSKILLS-Kompetenzmodelle. Demzufolge umfasst beispielsweise der Beruf Verkäuferin bzw. Verkäufer Kompetenzen in den fünf Einsatzfeldern „Kassieren“, „Bedienen, beraten und verkaufen“, „Verkaufsfördernde Maßnahmen durchführen“, „Warenwirtschaftliche Prozesse durchführen“ und „Im Kundenservice arbeiten“. Ist eine Person in allen diesen Einsatzfeldern kompetent, besitzt sie ein „Vollprofil“. Liegen nachweisbare Kompetenzen lediglich in manchen der Einsatzfelder vor, wird von einem „Teilprofil“ gesprochen.

„Gemessen daran gilt: Zwar halten einzelne Unternehmen für jeden der 30 Berufe nur solche Personen für einsatzfähig, die ein Vollprofil haben. Für die überwiegende Zahl der Berufe genügt den meisten Unternehmen jedoch auch ein Teilprofil“, erläutert die Leiterin des Projekts am f-bb, Kristin Hecker. Voraussetzung für den Berufseinstieg ohne entsprechenden Abschluss sei jedoch, dass die benötigten Kompetenzen für den Arbeitgeber nachweislich erkennbar sind. Damit haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, wie etwas mehr als die Hälfte der Befragten angab. Demnach liegt eine wichtige Aufgabe für die Arbeitsmarktpolitik darin, vorhandene Kompetenzen besser sichtbar zu machen. Entsprechende Instrumente sind bereits verfügbar, etwa das in Arbeitsagenturen und Jobcentern eingesetzte MYSKILLS Testverfahren.

Detaillierte Informationen zu den Ergebnissen enthält die Langfassung der Studie. Sie steht unter studiebtq.f-bb.de  (PDF, 9,3 MB) kostenfrei zum Download bereit.

 

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

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