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Neue „Initiative Digitale Bildung“ in Deutschland – Digitaloffensive mit Kanzlerin-Support

Kanzlerin Angela Merkel und Bundesforschungsministerin Anja Karliczec stellten heute im Rahmen eines Online-Dialogs ihre neue „Initiative Digitale Bildung“ vor, mit der die digitalen Kompetenzen der Bürger*innen gefördert werden sollen. Dabei blieben jedoch einige Fragen offen.

Lesedauer: circa 4 Minuten – Lesen, liken und kommentieren.


offene Fragen zur Initiative .
Der 22. Februar 2021 darf als besonderer Tag in der Geschichte föderaler Bildungsverantwortung in Deutschland gelten. Unter dem Namen „Initiative Digitale Bildung“ stellten im Rahmen eines Online-Dialogs Kanzlerin Angela Merkel und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek Projekte vor und Maßnahmen in Aussicht, die auf eine selbstbewusstere Rolle des Bundes in Bildungsfragen verweisen. Klar wurde: Eine Nationale Bildungsplattform soll künftig Bürger*innen den Zugang zu für sie passende Bildungsangebote liefern. Unklar blieb: Wann kommt das Portal? Wie fließen die Ergebnisse des Innovationswettbewerbs INVITE ein? Und: Was genau haben die Pläne des BMBF mit denen des BMAS zu tun? 

 

Es kommt nicht alle Tage vor, dass die Bundeskanzlerin über digitale Kompetenzen der Bevölkerung spricht, die Arbeit der deutschen Volkshochschulen preist und die Schirmherrschaft für eine App übernimmt. All dies geschah am 22. Februar; das mit der Schirmherrschaft genau genommen zum ersten Mal, nämlich für die an diesem Tage erschienene App „Stadt | Land | DatenFluss“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Sie richtet sich an die breite Bevölkerung, näherhin an alle, die sich über das Thema Daten informieren und mehr über selbstbestimmte Datennutzung lernen möchten. Damit leistet die App einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Datenkompetenz. Das Curriculum der App basiert auf dem „Framework für Data Literacy“ des Hochschulforums Digitalisierung.  

Ein Schub für die digitale Bildung

Die Sache mit der (aus einer BMBF-Förderung hervorgegangenen) App war der symbolische Auftakt dafür, dass Kanzlerin Angela Merkel und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek der „digitalen Bildung in Deutschland einen kräftigen Schub verleihen“ wollen mit ihrer neuen “Initiative Digitale Bildung“. Die Rückendeckung von ganz oben speist sich aus dem Motiv, „mal alles nebeneinander stellen zu wollen“, was in Sachen Digitalisierung der Bildung läuft und laufen soll, erläuterte Merkel im Online-Dialog. Offenbar will die Regierung, in der Digitalisierung ohnehin Chefsache ist, vor der Bundestagswahl im Herbst noch einen Akzent setzen. Im Bildungsbereich, so Merkel, müsse „die Bundesrepublik ganz neu gedacht werden“. Mit dem Argument, Akteure müssten noch „viel enger zusammenarbeiten“, argumentierte sie für ein im föderalen System durchaus unübliches Vorangehen des Bundes. Ziel sei eine „Nationale Bildungsplattform“, in der sich das „geschichtete System“ der Zuständigkeiten abbilde, in der der Bund aber zentral Verantwortung übernehme für die Identifizierung der Nutzenden oder die datenschutzkonforme Speicherung von individuell erworbenen Zertifikaten.   

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Wie entsteht sie nun – die neue „Nationale Bildungsplattform“?

Und so wird es mit der „Nationalen Bildungsplattform“ richtig spannend für die Zukunft der Weiterbildung: Versprochen ist ein zentrales Einstiegsportal zu digitalen Bildungsangeboten, und zwar für alle, unabhängig von Alter und Vorbildung. Bestehende und neue digitale Bildungsplattformen sollen verknüpft werden. Basis seien gemeinsame Standards, Formate und interoperable Strukturen. Und genau um diese Aspekte geht es in einem Förderwettbewerb des Bundes, dessen Gewinner zeitgleich zum Online-Dialog des BMBF bekannt gegeben und teilweise im Rahmen des Online-Dialogs bereits einbezogen wurden. In INVITE (= Innovationswettbewerb Digitale Plattform berufliche Weiterbildung) werden bis 2025 in 16 Einzelvorhaben zentrale Herausforderungen einer solchen Plattform bearbeitet. Allein eine Nationale Bildungsplattform entsteht dort nicht. Es darf also spekuliert werden, in welchem zeitlichen und systematischen Zusammenhang Projektarbeiten und Portalaufbau stehen werden. Kann und möchte das BMBF mit der Nationalen Plattform bis 2025 warten? Ebenso offen ist, wie das Verhältnis der vom BMBF in Aussicht gestellten Plattform zur „Nationalen Online Weiterbildungsplattform (NOW)“ ist, die das – für berufliche Weiterbildung Arbeitsuchender verantwortliche – Bundesarbeitsministerium parallel konzipiert. Hierzu laufen derzeit Länderkonsultationen im Rahmen einer „Projektdefinitionsphase“ bei der Bundesagentur für Arbeit. Es bleibt zu hoffen, dass in Sachen Weiterbildungsplattform beide Ressorts so gut zusammenarbeiten, wie es die Nationale Weiterbildungsstrategie vorsieht. Die Kanzlerin sollte – solange sie noch im Amt ist – das im Blick behalten. 

 


© DIE/Rothbrust.

 

 

 

© DIE/Rothbrust

Über den Autor:

Dr. Peter Brandt ist Abteilungsleiter "Wissenstransfer" beim Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. in Bonn.

 

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Kommentar

Dann hoffe ich, dass sich die neue universale Plattform des BMBF sprachlich nicht auf dem doch recht hohen Niveau der - optisch sehr ansprechenden - Stadt-Land-(Daten)Fluss-App bewegt, denn dann sehe ich die Gefahr, dass weite Teile der Bevölkerung die Plattform nicht nutzen können oder wollen (von anderen grundlegenden Notwendigkeiten wie Barrierefreiheit mal abgesehen). Bin mal gespannt!
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Grundsätzlich finde ich die Initiative ja gut. Menschen fit zu machen für den digitalen Raum, Lehre und Lernen im digitalen Raum zu fördern, und auch entsprechend die infrastrukturellen Möglichkeiten zu schaffen, dass dies möglich wird ist wichtig und es freut mich, dass die Wahrnehmung der Erwachsenenbildung nun vielleicht etwas intensiver wird (wobei ich mir da nicht sicher bin, dass das von Dauer ist). 
Was mich nachdenklich stimmt, ist die "Plattformeritis" die anscheinend ausgebrochen ist. Jeder baut eine neue und eigene, die alles können sollen. Diese neue soll anscheinend eine Mega-Meta-Plattform werden. Große Ambitionen sind ja schön, nur wäre es für den Bildungssektor und speziell auch die Erwachsenenbildung fatal, wenn diese neue Plattform das Berlin-Brandenburg der Bildungsplattformen wird.
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