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Blog

ENEDIS : Ausbildung am Arbeitsplatz

10/07/2019
by Frédérique Gérard
Sprache: DE
Document available also in: FR EN

[Übersetzung (Französisch - Deutsch) : EPALE Frankreich]

Ab 2013 experimentierte Enedis (der Verwalter des öffentlichen Stromnetzes in Frankreich) mit Ausbildung am Arbeitsplatz und führte diese Maßnahme anschließend großflächig ein. Im Rahmen meiner Doktorarbeit hatte ich die Möglichkeit, die Begleitung einer Ausbildung am Arbeitsplatz im Unternehmen zu beobachten und den Lernenden kurz danach zu interviewen...

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Enedis verwaltet 95 % des öffentlichen Stromnetzes auf dem französischen Festland, das Unternehmen beschäftigt rund 39 000 Mitarbeitende.

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Die heute „polyvalente Interventionstechniker“ genannten Netzwerkinterventionstechniker von Enedis haben die Aufgabe, das Netzwerk zu warten, zu reparieren und zu entwickeln. Wie die in der Folie aufgeführten Berufsmerkmale andeuten, handelt es sich um einen Beruf, der die Fähigkeit zur Situationsanalyse voraussetzt.

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Angesichts der 4 oben genannten Herausforderungen wurde im Unternehmen beschlossen, mit der „Professionalisierung am Arbeitsplatz“ (PST) zu experimentieren und diese in großem Stil einzusetzen. (AFEST wird unternehmensintern „Professionalisierung am Arbeitsplatz“ genannt)

 

 

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Die Formalisierung der PST verlief bei Enedis wie folgt:


Der Zweck der PST-Begleitung ist nicht die Bewertung, sondern die Unterstützung des Lernfortschritts.


Der Begleiter ist ein Kollege des Lernenden, der für sein Fachwissen und seine Vermittlungsfähigkeit anerkannt ist. Er wird von einem Vorgesetzten mit der Begleitung einer „PST“ beauftragt und übernimmt dieser Aufgabe freiwillig.


Im Mittelpunkt des PST-Coachings steht „die beobachtete Einweisung“, d.h. der Lernende arbeitet in einer realen Situation unter dem wachsamen Auge des Begleiters. Letzterer greift nicht ein, es sei denn, es handelt sich um einen gravierenden Fehler. Darauf folgt die „Nachbesprechung“: Die Rolle des Begleiters besteht darin, dem Lernenden auf eine Weise Fragen zu stellen, dass dieser selbst feststellt, welche Bereiche er beherrscht und wo noch Lernbedarf besteht. An diesen 2 Phasen ist der Vorgesetzt nicht beteiligt.


Vor und nach dem „PST“-Coaching findet ein Gespräch zwischen dem Manager, dem Lernenden und dem Begleiter statt. Im Vorfeld geht es darum, mit der Begleitung Lernziele einzugrenzen und die PST-Begleitung zu planen. Anschließend wird Bilanz gezogen.

 

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Die drei Akteure, um die es hier geht, sind stark in das PST-System impliziert. Wie geplant, greift Maxime (der Manager) nicht in die PST-Begleitung ein. Er tritt nur vor und nach der Begleitung in Erscheinung.

 

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Die beobachtete PST-Begleitung betrifft einen Generatoranschluss.

 

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Vor Ort bat der Begleiter lediglich den Leiter der Arbeiten (den Verantwortlichen), Hervé (den Lernenden) auf den Mast steigen und den Anschluss des Generators (den „heiklen“ Teil der Arbeiten) durchführen zu lassen.
Insgesamt hat Hervé sehr gut gearbeitet: Er hat Initiativen ergriffen (Markierung, Vorbereitung der Ausrüstung,...) und bei Schwierigkeiten auf dem Mast die Anweisungen und Ratschläge seiner Kollegen berücksichtigt. Zur Eindämmung der elektrischen Gefahren hatte er überdies die notwenigen Kontrollen durchgeführt.

 

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Hervé machte nur einen Fehler, der seine Sicherung am Mast betraf. Anstatt seine „Krawatte“ (im Bild rot) auf Kopfhöhe zu bringen, ließ er sie auf Höhe der Füße. Dies hätte bei einem Absturz eine größere Sturzhöhe zur Folge.


Bei der Nachbesprechung und Befragung durch seinen Begleiter geht Hervé auf mehrere Punkte ein:


· Die Schwierigkeiten, die an der Mastspitze aufgetreten waren,
· Seine Überprüfung der elektrischen Gefahren.


Die Absicherung wurde ausführlich besprochen. Der Begleiter befragt Hervé, um ihm zu helfen, seine Handlung erneut durchzuspielen. Seine Fragen dienen auch dazu, ihn zum Nachdenken über die Folgen seiner Absicherung anzuregen, auf die der Begleiter spezifisch eingeht und ihm erklärt, wie die Vorgehensweise wirklich auszusehen hat. Als Abschluss der Nachbesprechung teilt der Begleiter Hervé mit, dass er seine Arbeit sehr gut durchgeführt hat: „Er ergriff Initiativen, hörte sich Ratschläge an, stellte Fragen.

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Bei dem am Ende des PST-Coachings geführten Forschungsinterviews wurde deutlich, dass Hervé die PST-Begleitung aus mindestens drei Gründen zu schätzen weiß:


- Er hat das Gefühl, dass man sich „um ihn kümmert“;
- Nach Ende der Begleitung weiß er, „was er richtig, und was er falsch macht“ – der Begleiter hilft ihm also dabei, sich selbst einzuschätzen;
- nach Ende der Begleitung versteht er, dass er nach 9 Monaten „auf dem richtigen Weg ist“.


Lerneffekte hat er mehrere nennen: Das nächste Mal wird er mit der technischen Schwierigkeit umgehen können, die er an der Spitze des Mast erlebte; er ist jetzt sicher, dass er das richtige Verhalten/den richtigen Ansatz in Bezug auf die elektrische Gefahr verfolgt; er hat verstanden, wie bei der Absicherung vorzugehen ist...

 

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Die Rolle des AFEST-Ausbilders (bei Enedis „der Begleiter“) besteht auch darin, Chancen zu schaffen. Dies zeigt sich deutlich im Bericht des Begleiters. Der Begleiter bittet den Leiter der Arbeiten, den Lernenden den Anschluss durchführen zu lassen. Ohne diese Intervention wäre der Lernende wahrscheinlich am Boden geblieben, da er am wenigsten Erfahrung hatte.

 

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Vertrauen, oder besser gesagt das „Gefühl der psychologischen Sicherheit“ ist ein wichtiger Bestandteil von AFEST. Der Lernende muss das Gefühl haben, Fragen stellen, sich herantasten, Bemerkungen machen zu dürfen und darf nicht befürchten müssen, dass der Begleiter (oder andere) ihn störend, negativ, inkompetent oder dumm finden.
Am Ende der AFEST-Begleitung haben die Lernenden oft mehr Selbstvertrauen in Bezug auf die Durchführung der Arbeit, bei der sie begleitet wurden. Anders ausgedrückt wurde ihr Gefühl der persönlichen Effizienz (siehe Bandura) gestärkt. Sie haben stärker als zuvor „den Eindruck, dass Sie die Arbeiten auch eigenständig durchführen können“. Bandura zeigt auch, dass das Gefühl der persönlicher Effektivität Hand in Hand mit Leistung geht und Fehlschläge besser weggesteckt werden.

Frédérique GERARD, Projektleiterin bei Entreprise&Personal und Doktor der Erziehungswissenschaften fgerard@entreprise-personnel.com

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