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Wird 2019 das Jahr der Weiterbildung?

29/01/2019
by Susanne Witt
Sprache: DE

Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition wurden im Frühjahr 2018 verschiedene Themenbereiche und Schwerpunkte definiert, die im Regierungshandeln dann abgearbeitet werden sollen. Als größte Herausforderung wurde der Strukturwandel durch Digitalisierung mit allen seinen vermuteten oder schon realen Folgen angesehen, außerdem der Fachkräftemangel und der demografische Wandel.

Mit verschiedenen Vorhaben sollen diese Herausforderungen bewältigt werden:

  • Im September 2018 wurde eine Enquete-Kommission „Berufliche Bildung und Digitale Arbeitswelt“ berufen. Bundestagsabgeordnete und Experten sollen die Anforderungen der Digitalisierung an die berufliche Bildung formulieren und Lösungsvorschläge erarbeiten. Die Kommission soll bis zum Ende der Legislaturperiode Ergebnisse bringen.
  • Im November 2018 wurde die Entwicklung der „Nationalen Weiterbildungsstrategie“ angestoßen. Diese Strategie soll unter Beteiligung aller wichtigen Akteure vom Arbeits- und vom Bildungsministerium gemeinsam bis zum Sommer 2019 erarbeitet werden.
  • Zusätzlich soll ein „Nationaler Bildungsrat“ berufen werden, dessen Konstituierung sich allerdings noch in den Anfängen befindet.
  • Am 1. Januar 2019 trat das „Qualifizierungschancengesetz“ in Kraft, das die Weiterbildungsmöglichkeiten sowohl für Arbeitslose als auch für Beschäftigte verstärken und erweitern soll.
  • Der Vollständigkeit halber sei noch eine Ergänzung im Sozialgesetzbuch IV (auch als Hartz IV bekannt) erwähnt, das Gesetz zur Sozialen Teilhabe. Es wendet sich an Menschen, die seit vielen Jahren arbeitslos sind und keine direkte Perspektive in den Arbeitsmarkt haben.

Das Qualifizierungschancengesetz

„Das Gesetz ist ein erster Baustein für die Etablierung einer neuen Weiterbildungskultur in Deutschland und ein erster Schritt zur Weiterentwicklung der Arbeitslosenversicherung zu einer präventiv agierenden Arbeitsversicherung“, so Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Neben der beruflichen Weiterbildung initiiert dieses Gesetz auch eine Beratung durch die Bundesagentur für Arbeit. Diese „Lebensbegleitende Berufsberatung“ soll sich an alle wenden, die sich beruflich neu orientieren wollen oder die eigenen Weiterbildungsbedarf sehen.

Wesentliche Eckpunkte sind:

  • Für vom Strukturwandel betroffene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gibt es künftig mehr und bessere Unterstützungsmöglichkeiten, Zuschüsse für Arbeitgeber, bei denen sie beschäftigt sind. Vorhandene Qualifikationen sollen erneuert werden und beruflicher Aufstieg oder auch Umstieg ermöglicht werden.
  • Weiterbildung von Arbeitslosen und Arbeitsuchenden wird gestärkt, um die Beschäftigungsfähigkeit zu stärken beziehungsweise zu erhalten.
  • Die Weiterbildungsberatung der Bundesagentur wird gestärkt, sie umfasst jetzt Beratung bei bevorstehendem Betriebswechsel, bei Gefährdung des Arbeits- oder Ausbildungsplatzes, bei der Entscheidung für ein Qualifizierungsziel, bei der Identifizierung von beruflichen Chancen, bei der Förderung von Selbstvertrauen.

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Kletterer

Herausforderungen bei der Umsetzung

In drei Themenbereichen ist bei der Umsetzung des Qualifizierungschancengesetzes allerdings doch größere Skepsis angebracht, hier sind noch äußerst dicke Bretter zu bohren:

  • Die Zusammenarbeit von Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMAS und Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF ist zu wünschen und zu fordern. Ob sie aber wirklich substanzielle Ergebnisse bringt, auch für die Transparenz von Weiterbildung für ihre (potenziellen) Nutzer, bleibt zu hoffen.
  • Das zweite Thema sind die Vergabemodalitäten für Weiterbildungsmaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Die Planungsprozesse und Vorgaben aus Nürnberg haben eine solche Komplexität und einen solchen Formalisierungsgrad angenommen, dass die Umsetzung dieses ambitionierten Gesetzes nur gelingen kann, wenn hier massiv verschlankt und entbürokratisiert wird.
  • Das dritte Thema ist die Beratung. Bisher sind nahezu alle Beratungsaktivitäten der Agenturen mit Konsequenzen versehen: Wird die Eingliederungsvereinbarung, die Ergebnis der Beratung ist, nicht eingehalten, drohen Sanktionen. Wie soll mit dieser seit Jahrzehnten entwickelten Beratungskultur eine jetzt ergebnisoffene Beratung stattfinden?

Mehr Transparenz

In der beruflichen Erwachsenenbildung gibt es eine äußerst heterogene und intransparente Förderlandschaft.

Das Gesetz und auch die beabsichtigte Nationale Weiterbildungsstrategie könnten jetzt also die Chance bieten, den Weiterbildungsbereich zu koordinieren und hier Transparenz herzustellen. Das wären ein Meilenstein und ein großer Schritt in Richtung auf die angesprochene neue Weiterbildungskultur. Es würde die konstruktive Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure voraussetzen und könnte ein hervorragendes Beispiel konsistenter Weiterbildungspolitik werden.

Autor: Walter Würfel war bis zu seinem Ruhestand Ende November 2018 Geschäftsführer im Bundesverband der Träger beruflicher Bildung (Bildungsverband) e. V.

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