chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

Blog

Winteruniversität zum Thema Berufsausbildung 2018: Ein Workshop zur Schaffung von Innovationen bei der Anerkennung von Kompetenzen.

07/03/2018
von Isabelle Houot
Sprache: DE
Document available also in: FR EN

/de/file/shutterstock749417188jpg-0shutterstock_749417188.jpg

Übersetzung (Französich - Deutsch) : EPALE France

Die Weiterentwicklung der Inhalte und der Ausübungsmodi der Arbeit, Umbrüche im beruflichen Werdegang, berufliche und geografische Mobilität und die notwendige Absicherung der Berufslaufbahnen fordern immer dringender die Erkennung und Entwicklung von sozialen Signalen der Qualifizierung im nationalen oder internationalen Arbeitsmarkt – Signale, die im Rahmen des lebenslangen Lernens aufgebaut werden. Hier stellt sich unter anderem die Frage der Anerkennung der Kompetenzen, die wiederum mit mehreren Herausforderungen verbunden ist. Bei diesem Workshop konnten einige dieser Herausforderungen anhand der Sondierung mehrerer Arten von Innovationen aus einer konkreten Perspektive betrachtet werden:

  • Die Erfassung der Kompetenzen im Zusammenhang mit der Valorisierung des individuellen Werdegangs,
  • die Entwicklung von „Kompetenzblöcken“, die Anspruch auf die Finanzierungen im Rahmen des Ausbildungskontos (CPF) haben,
  • Die Modalitäten der Ausbildung und der Entwicklung von Kompetenzen, die eine zeitgleiche Entwicklung der Aktivität und des Handlungspotenzials der Fachleute ermöglichen.

In diesem von George Asseraf, Vorsitzender der Nationalen Kommission für berufliche Zertifizierung, moderierten Workshop wurden diese Grundgedanken in vier Beiträgen erörtert:

  • Claire Ariston, Beraterin für Weiterbildung, frz. Bildungsministerium, legte dar, welchen Ansatz das Bildungsministerium bei den Kompetenzblöcken verfolgte, welche Beschlüsse gefasst wurden und was damit erreicht werden sollte. Sie zeigte insbesondere auf, welchen Wandel das Ausbildungsangebot zur Anpassung an den öffentlichen Auftrag und für einen flüssigeren Zugang zur Zertifizierung durchlaufen hat.
  • Marie Bancal, die im Bildungsministerium den Bereich Partnerschaften und Entwicklung leitet, stellte die Plattform PIX[1] vor: PIX richtet sich an alle französischen Bürger und der französischen Sprache mächtige Personen (Schüler, Studenten, Beschäftigte, Schul- und Ausbildungsabbrecher, Arbeitsuchende, etc.), die ihre Computerkompetenzen messen, entwickeln und aufwerten wollen. Dieser Dienst wird als Online-Plattform für die Bewertung und Zertifizierung der Computerkompetenzen angeboten.
  • Karine Ceysson Gillot, Leiterin des Bereichs Kompetenzen und Engineering bei ANFA, einer Stelle für die Einnahme und Verwaltung der Mittel der Berufsausbildung (OPCA) in der Automobilindustrie, berichtete über die Überarbeitung der Titel und Berufsausbildungszeugnisse in dieser Branche, die in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit und den beratenden Stellen stattfindet.
  • Astrid Destombes, Beauftragte der Industrie- und Handelskammer (CCI) Frankreich, stellte den Engineeringprozess der CCI Frankreich vor, der mit einem Bezugssystem aus Aktivitäten, Kompetenzen und Zertifizierung verbunden ist und die individuelle Planung der Ausbildungsstrecken ermöglicht.

Alle Beiträge hatten als Schwerpunkt die Entwicklung, Messung, Aufwertung und Zertifizierung der Kompetenzen gemeinsam: Wie ist es um diese Thematik in Europa bestellt?

Denn von den in Frankreich in die Wege geleiteten Initiativen gibt es im Hinblick auf die laufende Reform der Berufsausbildung und die in Europa insgesamt entwickelten Initiativen viel zu lernen.

In Europa sind bei der Anerkennung der Kompetenzen zwei grobe Strategien zu beobachten, die sich nicht unbedingt widersprechen, aber zwei unterschiedliche Herangehensweisen darstellen: die eine konzentriert sich auf das Engineering der Modelle und Systeme, die andere auf das Engineering der Zertifizierung. Daraus ergeben sich:

  • Systeme, die verstärkt der Valorisierung, der Hervorhebung der erwarteten Kompetenzen gewidmet sind, um flüssigere Ausbildungsstrecken zu ermöglichen. Dies gilt zum Beispiel für die Anerkennung und Valorisierung des Erfahrungswissens in Belgien, in der Schweiz und in Italien;
  • Systeme, die sich vor allem auf die Zertifizierung der Kompetenzen konzentrieren, um die Anspruchsberechtigten zu positionieren und den Nachweis, die Garantie der Beherrschung der Kompetenzen liefern: Valorisierung des Erfahrungswissens (VAE) in Frankreich und in Luxemburg, Qualifizierungspass in Portugal.

Im Zusammenhang mit dieser Debatte über die Innovation auf dem Gebiet der Anerkennung könnte man sich die Frage stellen, welche Innovationen diese verschiedenen Experimente einbringen und welche Perspektiven sich für morgen eröffnen.

Ryadh Sallem, Vorsitzender des CAPSAAA[2], sagte dazu: „Eine echte Innovation hat man dann geschaffen, wenn man das Leben der Menschen verändert, wozu ich noch hinzufügen würde: „Eine Innovation hat man dann geschaffen, wenn man die Sichtweise der Menschen verändert und wenn man seine eigene Sicht der Dinge ändert“.

Dieser Wechsel der Sichtweise setzt jedoch vor allem eine Langfristigkeit und ein Setzenlassen der Ideen, weniger einen „Big Bang“ der Maßnahmen voraus.

Mit welchen Fermenten für Innovation haben wir es also zu tun, die im Moment im Rahmen der Experimente mit der Anerkennung der Kompetenzen in Frankreich und in Europa zu beobachten sind?

Ich sehe ihrer mindestens drei.

  • Das erste Ferment: Das Erwachen des Bewusstseins über die Notwendigkeit einer kollektiven und miteinander abgestimmten Referentialisierung der Kompetenzen, die auf einer gemeinsamen Sprache des Bildungs-/Ausbildungswesens und der Arbeitswelt beruht. Bei dieser Winteruniversität war oft von einem „Kontinuum von Beschäftigung und Ausbildung“ die Rede. Dieses Diptychon würde ich mit „Arbeit“ ergänzen.

     Denn in diesem Kontinuum sind drei Elemente zu behandeln:

  • Die Kompetenzen auf eine Art und Weise identifizieren und benennen, die es erlaubt, Klarheit darüber zu schaffen, was an den Arbeitsplätzen heute und morgen erwartet wird bzw. was vermutlich erwartet wird.
  • Gleichermaßen müssen Ausbildungsmodelle erdacht werden, die es möglich machen, das erwartete Leistungs- oder Kompetenzniveau zu erreichen.
  • Und nicht zuletzt gilt es zu verstehen, wie sich diese Erwartungen auf die Verrichtung der Arbeit niederschlagen, wie sie zu einem festen Bestandteil der Aktivität werden und welche Folgen sie für den Ausführenden haben werden.

Das zweite Ferment der Innovation: Die Entwicklungsprozesse müssen aus einer neuen Perspektive betrachtet werden.

Denn das Kontinuum Ausbildung-Arbeit-Beschäftigung lädt dazu ein, ein weiteres zu durchdenken: das Kontinuum der Entwicklung.

  • Entwicklung der Person,
  • Entwicklung der Aktivität und der Kollektive, in der sie stattfindet,
  • Entwicklung der Organisationen und der Gebiete über die beiden ersten Punkte.

Diesbezüglich haben wir insbesondere aus der Anerkennung des Erfahrungswissens (VAE) gelernt, dass die Anerkennung der Kompetenzen in einer Perspektive der Entwicklung auch bedeutet, es der Person zu ermöglichen, sich selbst anzuerkennen, ihre Arbeit und das zu betrachten, was von ihr erwartet wird, und Entscheidungen zu fällen.

Diese Systeme haben uns gelehrt, dass der Erwerb von Kompetenzen nicht in Form einer Addition erfolgt, es sich nicht um lagerbare „Dinge“, sondern vor allem um eine Art und Weise handelt, einer bestimmten Situation gemäß zu handeln. Und diese Möglichkeit des kompetenten Handelns beruht auf einem Entwicklungsprozess, der durch die Kombination von Erfahrungswissen unterschiedlichen Typs, Kenntnissen, Handlungsweisen und Verhaltensweisen das Verhältnis zu sich selbst, zu seiner Arbeit und zum Kollektiv strukturiert.

Das dritte Ferment der Innovation: Die Erprobung neuer Formen der Ausbildung, die mit Begleitung zu tun haben.

So ist verschiedenen jüngeren Berichten (France stratégies[3], Amat, Berho , Blachère et al …[4]) die Schwierigkeit der Formalisierung der Kompetenzen von Personen zu entnehmen, die in den Systemen der Berufsberatung oder des lebenslangen Lernens begleitet wurden.

Auch hier zeigen uns die laufenden Experimente verschiedene mögliche Wege der begleiteten Identifizierung des eigenen Erfahrungswissens und dessen mehr oder weniger großer Annäherung an die erwarteten Kompetenzen (Ausbildungen am Arbeitsplatz, Validierung des Erfahrungswissens (VAE), integratives Duales System, ...) auf.

 

Innovationen bei der Anerkennung von Kompetenzen vereinen mehrere Ansätze:

  • Einen Horizont für die Klärung der erwarteten individuellen und kollektiven Kompetenzen – diese Aufgabe fällt der Referenzialisierung zu;
  • Den Menschen die Möglichkeit geben, ausreichende Mittel für die Ansteuerung dieses Horizonts zu erwerben und sich eigene Ziele setzen zu können – diese Aufgabe hat das Ausbildungs-Engineering;
  • Entlang des gesamten Wegs genügend Ressourcen zur Verfügung stellen, um zu verhindern, dass sich die Person verliert oder abgehängt wird – diese Aufgabe hat die Begleitung.

Der Workshop „Schaffung von Innovationen bei der Anerkennung von Kompetenzen“ kann (auf Französisch) vollständig auf Youtube angesehen werden. 

/de/file/atelierreconnaissancedescompetencesuhfppngatelier_reconnaissance_des_competences_uhfp.png

Ein Teil der Referenten des Workshops "Schaffung von Innovationen bei der Anerkennung von Kompetenzen".

 

 

 

/de/file/isabellehouotpng-4isabelle_houot.png

 

Isabelle HOUOT ist EPALE Themen-Expertin und Dozentin an der Université de Lorraine. 

 

 

 

[1] https://pix.beta.gouv.fr

[2] Der gemeinnützige Verein CAPSAAA wurde 1995 auf Betreiben einer Gruppe von Freunden gegründet, die allesamt Mitglieder des Behindertensportvereins ‚Cercle Sportif des Invalides de Paris‘ waren. Ihr Ziel war die Verbreitung ihrer Werte in Bezug auf Behinderung über den Sport. Der Ursprung der Wortschöpfung «CAPSAAA» sind die vielfältigen Bedeutungsbezüge des Wortes „CAP“ und der drei Buchstaben „A“ für Aventure, Art und Amitié (Abenteuer, Kunst und Freundschaft).

[3] Übertragbare und bereichsübergreifende Kompetenzen - Welche Tools für die Erkennung, Anerkennung und Valorisierung auf individueller und Unternehmensebene? France Stratégie Paris: France Stratégie, April 2017, 97 S.

[4] Les blocs de compétences dans le système français de certification professionnelle : un état des lieux Françoise Amat ; Françoise Berho; Michel Blachère et al. Céreq échanges, Nr. 4, Januar 2017, 109 S.

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn
Refresh comments Enable auto refresh

1 - 1 von 1 anzeigen
  • Bild des Benutzers Karolina Lakatosh
    It is great that recognition of skills gets more attention. CVs need more and more skills which can raise the employees attention.