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Wie beeinflussen institutionelle Rahmenbedingungen das Angebot der europäischen Weiterbildung?

23/10/2019
von Katrin Kaufmann...
Sprache: DE
Document available also in: EN FR

Lesedauer circa 5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


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Europa (© Bild von TheDigitalWay auf Pixabay)

Globus © Bild von TheDigitalWay auf Pixabay


Wie können Angebotsstrukturen der Weiterbildung in verschiedenen Ländern untersucht werden und wozu?

Zur Erreichung eines innovativen und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsraums Europa stellt Aus- und Weiterbildung eine zentrale Schlüsselkategorie dar. Die Beteiligung Erwachsener an Weiterbildung ist daher schon seit einigen Jahren ein zentraler Bestandteil der europäischen Bildungspolitik (u.a. ET 2020), wie etwa die Festlegung von Benchmarks zur Teilnahme Erwachsener an lebenslangem Lernen und die Implementation europaweiter Bildungsmonitoringinstrumente verdeutlichen (EU 2010; 2014).

Die verschiedenen europäischen Länder weisen unterschiedliche Ausprägungen im Weiterbildungssystem auf. In England beispielsweise wird ein deutlicher Fokus auf die arbeitsmarktbezogene Weiterbildung gelegt. Des Weiteren ist der englische Weiterbildungsbereich insgesamt stark dezentralisiert und gleichzeitig gering reguliert. Es besteht eine große Vielfalt von Weiterbildungsanbietern.

Demgegenüber ergibt sich für Spanien ein etwas anderes Bild: In den zentralen Gesetzestexten und Verordnungen wird ein breites Verständnis von Weiterbildung postuliert und arbeitsmarktbezogene, politische und persönlichkeitsbildende Weiterbildung als gleichrangig betrachtet. Zudem zeigt sich in Spanien, ähnlich wie in England, eine starke Dezentralisierung, wobei regional zum Teil sehr große Unterschiede herrschen.

Dies sind erste Ergebnisse von Analysen eines Forscherteams am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE).

Zusammenhang zwischen Weiterbildungsangeboten und systemspezifischen Merkmalen

Die Forschergruppe untersucht, inwiefern die rechtliche und finanzielle Regulierung und die Angebote an Weiterbildung in ausgewählten europäischen Ländern miteinander in Zusammenhang stehen. Konkret untersucht werden Anbieterstrukturen der Weiterbildung in drei europäischen Ländern, um detailliertes Hintergrundwissen zu einem Teilbereich nationaler Weiterbildungssysteme zu generieren. Doch wofür wird dieses Wissen benötigt?

Das langfristige Ziel und die besondere Herausforderung der Untersuchung bestehen darin, von den länderspezifischen Besonderheiten zu abstrahieren und allgemeine Mechanismen bzw. Zusammenhänge zu beschreiben.

Mit Schweden, England und Spanien sind Länder für den kontrastiven Ländervergleich ausgewählt, die sich in zentralen Kategorien wie dem Wirtschafts- und Bildungssystem sowie der wohlfahrtsstaatlichen Regulierung unterscheiden. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass diese übergeordneten, länderspezifischen Merkmale auch die Strukturen des Weiterbildungssystems und damit auch die Angebots- und Anbieterstrukturen beeinflussen. Des Weiteren wird mit Bezug auf einschlägige theoretische Modelle angenommen, dass Merkmale der Weiterbildungsangebote auch die Teilnahme von Individuen beeinflussen und somit einen relevanten Erklärungsfaktor für Teilnahmestrukturen in verschiedenen Ländern darstellen (Boeren 2016; Schrader 2011). 

Rahmenbedingungen und Akteure von Weiterbildungsangeboten

Für die Untersuchung von Angebots- und Anbieterstrukturen müssen daher die rechtlichen und finanziellen Regulierungen auf nationaler Ebene in den Blick genommen werden, da sie die grundlegenden Rahmenbedingungen definieren, um ein Weiterbildungsangebot bereitstellen zu können. Eine besondere Herausforderung ergibt sich aufgrund der vielfältigen Funktionen von Bildung und Lernen im Erwachsenenalter: Es soll zur Beschäftigungsfähigkeit von Erwerbspersonen ebenso beitragen wie zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung und einer aktiven gesellschaftlichen Teilhabe und beinhaltet so verschiedene Bereiche, wie das Nachholen von Schulabschlüssen, das Absolvieren berufsbegleitender Studiengänge an Hochschulen, die betrieblich finanzierte und berufliche Weiterbildung sowie die allgemeine, kulturelle und politische Weiterbildung (vgl. Desjardins 2017). Dies führt dazu, dass sich die Zuständigkeiten zur rechtlichen und finanziellen Regulierung von Weiterbildung in vielen Ländern auf verschiedene Entscheidungsgremien und Behörden verteilen (vgl. Desjardins 2017; Reichart & Kaufmann-Kuchta eingereicht). Darüber hinaus existiert für die Bildung von Erwachsenen keine universelle Einrichtung, die – analog zu Schule und Hochschule – als die zentrale Bildungseinrichtung gelten könnte.

Insgesamt ergibt sich daraus eine große Vielfalt relevanter Akteure, die einerseits Weiterbildung aus rechtlicher und finanzieller Perspektive beeinflussen und andererseits als Anbieter von Weiterbildung in den Blick geraten. Darüber hinaus ist auch die Zusammenarbeit zwischen Weiterbildungseinrichtungen und anderen Akteuren im Bereich der Bildung, der Wirtschaft und der Verwaltung von Bedeutung, die es zu berücksichtigen gilt.

Untersuchung von Anbieterstrukturen

Für die Untersuchung von Anbieterstrukturen bedeutet das, die relevanten Entscheidungsträger und Akteure zu identifizieren. Hierfür wurden zunächst allgemeine Informationen zu länderspezifischen Merkmalen wie dem Bildungs-, Beschäftigungs- und Wirtschaftssystem sowie allgemeine Informationen zu politischen Verwaltungsstrukturen in den drei Ländern in einem Länderprofil zusammengetragen. Derzeit werden zentrale Gesetzestexte sowie Verordnungen und Strategiepapiere zur Regulierung von Weiterbildung in den einzelnen Ländern analysiert, um die zentralen Akteure und ihre Verbindungen zu ermitteln.

Zur weiterführenden Analyse der Anbieterstrukturen stellt sich die Frage, in welcher Form die diversen Akteure miteinander interagieren. Hierfür sollen Interviews mit den zentralen Akteuren auf der Ebene des politischen Entscheidungssystems und des (Weiter-) Bildungssystems geführt werden sowie mit Leitungspersonal von Weiterbildungseinrichtungen. Dabei sollen auch die Zusammenhänge zwischen Weiterbildungseinrichtungen und weiteren Akteuren im Bereich der Bildung, der Wirtschaft und anderen relevanten Sozialpartnern ermittelt werden, da diese das Angebot von Weiterbildung beeinflussen können, in dem sie z.B. als Kooperationspartner oder Konkurrenten agieren.

Was die Zukunft bringt

Auf dieser Grundlage könnten die Ergebnisse einen Ausgangspunkt für weiterführende Forschungsarbeiten darstellen, in denen die Zusammenhänge zwischen Merkmalen der Makroebene (rechtliche und finanzielle Regulierung), der Mesoebene (Anbieterstrukturen) und der Mikroebene (Teilnehmerstrukturen) spezifiziert werden. In einer langfristigen Perspektive ließen sich somit Indikatoren identifizieren, anhand derer einzelne Länder und ihre Weiterbildungssysteme quantitativ miteinander verglichen werden können.

In einem ersten Schritt sind jedoch weniger Benchmarks und deutlich mehr Hintergrundinformationen zu Weiterbildungssystemen erforderlich. Nur so kann (Weiter-) Bildungspolitik so gestaltet werden, dass die soziale Ungleichheit im Zugang zu (Weiter-) Bildung reduziert wird. Best-Practice-Modelle aus dem internationalen Raum sollten als Grundlage für bildungspolitische Reformvorhaben zumindest geprüft werden, auch wenn es eine „one model fits all"-Lösung aufgrund der länderspezifischen Konstellationen nicht geben kann.


Literatur

Boeren, E. (2016). Lifelong Learning Participation in a Changing Policy Context. London: Palgrave Macmillan UK.

Desjardins, R. (2017). Political economy of adult learning systems. Comparative study of strategies, policies and constraints. London u.a.: Bloomsbury.

Europäische Union (EU) (2010). VERORDNUNG (EU) Nr. 823/2010 DER KOMMISSIONvom 17. September 2010 zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 452/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Erstellung und die Entwicklung von Statistiken über Bildung und lebenslanges Lernen im Hinblick auf Statistiken über die Beteiligung Erwachsener am lebenslangen Lernen. Amtsblatt der Europäischen Union, L 246/33, 18.9.2010. URL: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32010R0823&from=DE; http://data.europa.eu/eli/reg/2010/823/oj; letzter Zugriff 01.09.2019.

Europäische Union (EU) (2014). VERORDNUNG (EU) Nr. 1175/2014 DER KOMMISSION vom 30. Oktober 2014 zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 452/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Erstellung und die Entwicklung von Statistiken über Bildung und lebenslanges Lernen im Hinblick auf Statistiken über die Beteiligung Erwachsener am lebenslangen Lernen und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 823/2010. Amtsblatt der Europäischen Union, L 316/4, 4.11.2014. URL: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32014R1175&from=ENhttp://data.europa.eu/eli/reg/2014/1175/oj; letzter Zugriff 01.09.2019.

Reichart, E. & Kaufmann-Kuchta, K. (submitted). About the realm and aptitude of typologies in international comparative research on adult education. Conceptual considerations and exemplification for investment patterns in vocational adult education and training.

Roosmaa, E.-L. & Saar, E. (2010). Participating in non‐formal learning: patterns of inequality in EU‐15 and the new EU‐8 member countries. Journal of Education and Work, 23(3), 179–206.

Schrader, J. (2011). Struktur und Wandel der Weiterbildung. Bielefeld: Bertelsmann.


Über die Autorin

Dr. Katrin Kaufmann-Kuchta leitet am Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) die Nachwuchsgruppe der Abteilung System und Politik zur Untersuchung von Zusammenhängen institutioneller Rahmenbedingungen und Angebotsstrukturen der Weiterbildung im internationalen Vergleich mit Hilfe kontrastiver Fallstudien.

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