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Warum Museen wertvolle Lernumgebungen sind

In Europa gibt es mehr als 10.000 Museen mit professionellen Mitarbeitern und noch mehr Museen, die von Freiwilligen geleitet werden. Henrik Zipsane erklärt uns, welchen Wert Museen für die gesamte Gemeinschaft haben können.

Museums learning

In Europa gibt es mehr als 10.000 Museen mit professionellen Mitarbeitern und noch mehr Museen, die von Freiwilligen geleitet werden. Unabhängig davon, ob es sich um staatliche oder private Museen handelt – sie alle haben die Aufgabe, materielle und immaterielle Spuren der Vergangenheit und Gegenwart zu sammeln und zu erhalten. Museen machen Sammlungen auf unterschiedliche Art und Weise zugänglich, sie organisieren Ausstellungen und bieten Lernprogramme an.

Mit Museen assoziiert man in der Regel Scharen von Schulklassen oder Touristen beim Museumsbesuch  oder aber hochkompetente Kuratoren. Aber Museen sind viel mehr als das. Auch wenn viele Kinder während ihrer Schulzeit Museen besucht haben – Museen sind auch etwas für Erwachsene! Museen sind häufig ein wertvoller Schatz für den lokalen und regionalen Tourismus und können eindrucksvolle Besucherzahlen aufweisen. In einem Land wie Schweden mit weniger als 10 Millionen Einwohnern besuchen jährlich allein mehr als 17 Millionen Besucher die 270 Museen.  

Museen sind wirkungsvolle Lernumgebungen, denn sie haben ganz besondere Eigenschaften

Museen haben nicht nur eine enorme Reichweite, sie sind auch Umgebungen mit einem hohen Potenzial für die Erwachsenenbildung. Studien zeigen, dass von Museen veranstaltete Aktivitäten alle wichtigen Kompetenzen ansprechen. Besonders effizient sind sie jedoch, wenn es darum geht, soziale Kompetenzen zu fördern und beim Lernen zu helfen. Viele Museen bieten überaus praxisnahe Kurse – also keine Theorie – in Kunstgeschichte, Kulturgeschichte oder zum Beispiel in traditionellem Handwerk an. Museen sind vor allem deshalb wirkungsvolle Lernumgebungen, weil sie über eine Reihe besonderer Eigenschaften verfügen:

  • Erstens ist das Museumsumfeld nicht mit einem Klassenzimmer vergleichbar. Häufig sind Museen eine Mischung aus Kino, Theater, Bibliothek, Zirkus und vieles mehr.
  • Museumssammlungen sind in erster Linie dreidimensional und maßstabsgetreu.
  • Museen garantieren die Authentizität der Sammlungen.
  • In Museen findet man professionelle Mitarbeiter, die über profunde Kenntnisse über die Sammlungen und den materiellen wie immateriellen Kontext der Sammlungen verfügen.
  • Und nicht zuletzt sind Museen in der Lage, Ausstellungen zu organisieren und die Geschichten, die mit den Sammlungen im Zusammenhang stehen, zugänglich zu machen.

Lernaktivitäten, die von Museen angeboten werden

Museen bieten viele unterschiedliche Lernaktivitäten an (auch nicht formale und informelle). Zum Beispiel:

 

  • Kostenlose Vorträge auf der Grundlage ihres umfangreichen Wissens. Dieses Wissen ist das Ergebnis ständiger Forschung, die Teil des Arbeitsalltags professioneller Museumsarbeit ist.
  • Viele Museen bringen Gruppen zusammen und beziehen sie in die Aktivitäten ein, da die Erinnerungen und das Wissen Erwachsener ungeheuer wichtig sind, um Ergebnisse zu erhalten, die den Anspruch auf Authentizität erfüllen.
  • Sie können Erinnerungsaktivitäten anbieten, die unterschiedlich ausfallen. In Kunstgalerien können z. B. ältere Erwachsene ihre persönlichen Eindrücke von dem schildern, was sie sehen, und durch Begegnungen eine besondere Art von Kunst erfahren. In Freilichtmuseen können ältere Menschen vielleicht ihre Kindheit oder ihre Jugend in rekonstruierten Umgebungen der 1940-, 1950- oder 1960er Jahre wieder aufleben lassen. Selbst Personen, die unter Demenz leiden, und ihre Angehörigen nehmen an solchen Veranstaltungen teil und fühlen sich dort wohl.
  • Einige Museen bieten hervorragende Gelegenheiten für die Mitarbeit von Freiwilligen, da Museen in erster Linie vom Engagement für das kulturelle Erbe und die Kunst leben. Studien über Freiwilligentätigkeit in Museen zeigen, dass die meisten Freiwilligen begeistert sind, wenn sie die Erfahrung machen, dass ihre individuellen Kompetenzen gefragt sind und wenn sie die Chance haben, soziale Kontakte zu knüpfen oder wiederherzustellen.
  • Viele Museen – vor allem Freilichtmuseen mit landwirtschaftlicher Tätigkeit, auch mit Tieren – werden auch als Kontaktstellen oder Ausflugsorte für Menschen mit geistiger Behinderung genutzt.
  • Sie können Ausbildungsplätze anbieten und Arbeitsplätze für Menschen schaffen, denen der Zugang zum regulären Arbeitsmarkt verwehrt ist.

Museen verbinden Gemeinschaften, sie sind Stätten für lebenslanges Lernen, für das Erlernen demokratischer Werte und für intergenerationelles Lernen

Wenn man ein Museum besucht und die Möglichkeit hat, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, dann kann man häufig die Erfahrung machen, dass eine besondere Gemeinschaft von Angestellten, Lehrlingen und Nutzern gemeinsam am Erhalt unseres kulturellen Erbes arbeitet. In Museen wird eine Identität aufgebaut, demontiert und wieder neu aufgebaut, die auf dem Konzept des kulturellen Erbes basiert. Im 21. Jahrhundert ist dies ein demokratischer Prozess, und das bedeutet, dass Menschen jeden Alters aktiv daran mitwirken. Unter der Perspektive des lebenslangen Lernens sollte der Entwicklung von Kompetenzen älterer Erwachsener besondere Bedeutung beigemessen werden.

Das Potenzial von Museen für lebenslanges Lernen ist riesig. Daher kann die Zusammenarbeit mit professionellen Anbietern von Erwachsenenbildung weiter ausgebaut werden, um einer Gesellschaft gerecht zu werden, in der die Zahl älterer Menschen immer mehr zunimmt, zumal es bisher keine öffentliche Organisation gibt, die sich wirklich um die Verbesserung des Potenzials der „life lived competence“ (der Kompetenz eines „gelebten Lebens“) älterer Menschen kümmert.

Dr. Henrik Zipsane ist Gastprofessor für Lernen, das sich auf das kulturelle Erbe stützt, an der Universität Linköping in  Schweden und führender Mitarbeiter der Jamtli-Stiftung – eine Einrichtung in der Region Jämtland, Schweden, die sich mit dem kulturellen Erbe befasst.

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