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Wer braucht denn Biografien bei Schulungen? Oder die pädagogische „Büchse der Pandora“

09/09/2018
von Monika Sulik
Sprache: DE
Document available also in: PL FR EN RO LV

Originalsprache: Polnisch

„Die Büchse der Pandora steckt immer noch voller Überraschungen, die das Schicksal mit sich bringt. Was bleibt einem übrig? Es ist notwendig, mit ungeminderter Faszination nach vorne zu schreiten und sich daran zu erfreuen, was uns erwartet. Manchmal sind dies angenehmere Dinge, manchmal etwas weniger angenehme − zumindest auf den ersten Blick. Doch all dies macht unsere Geschichte aus, die sehr persönlich und auf jeden Fall einzigartig ist. Wirklich einzigartig. Ich gehe an sie mit einem gewissen Abstand heran und verfolge sie, wie die Fabel eines guten Romans, der geschmackvoll, voller Action und Abenteuer ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Geschichte noch sehr lange andauert“...

{Fragment der Biografie von Remigiusz mit dem Titel „Die Büchse der Pandora“}

Ich erinnere mich, als wir in der Schule den Pandora-Mythos kennen lernten. Ich war davon überzeugt, dass wir alles Übel dieser Welt der ungezügelten Neugier dieser Frau und ihrem Ungehorsam zu verdanken haben. Es ist mit damals kein anderer Gedanke oder eine andere Interpretationswiese in den Sinn gekommen. Erst kürzlich, während eines meiner Workshops mit Andragogikstudenten, habe ich „eine Erleuchtung erfahren“ bzw. eine „Kopernikanische Wende“ durchlebt. Einer der Kursteilnehmer präsentierte nämlich im Rahmen des Abschlussprojekts seine Biografie in Form einer „Büchse der Pandora“ und bot mir somit eine breitere und etwas reichere Perspektive auf diesen Mythos. Was ist eigentlich diese unglückbringende „Büchse der Pandora“? Man kennt verschiedene Versionen dieses Mythos. Mir persönlich ist die Version am liebsten, die ich bisher nicht gekannt habe, nämlich die, in der die Büchse neben all dem Unglück und Leid, nach dem Willen von Zeus, auch Hoffnung enthalten hat. Damals habe ich auch zum ersten Mal begriffen, dass die entsprechend der „Schulinterpretation“ getadelte ungezügelte Neugierde der Pandora doch einen der wichtigsten und natürlichsten Lernmotive darstellt. Das Erkunden der Welt erfordert schließlich viel Mut und birgt Risiken, Schwierigkeiten und Bedrohungen (dies versteht man unter dem aktuell modischen Aufruf „Raus aus der Komfortzone“).

Und so bot die Metapher „der Büchse der Pandora“ für mich den Anlass, über die Bedeutung der biografischen Methode in meiner Arbeit mit Erwachsenen während Schulungen, Workshops oder anderen pädagogischen Treffen nachzudenken. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich das Lernen und die Bildung als einen kontinuierlichen, natürlichen Prozess verstehe, der alle Aspekte des Erwachsenenlebens umfasst und der durch formale und nicht-formale Bildung und das Lernen durch Erfahrung erfolgt. Ich folge der Ansicht von P. Dominicé, dass Bildung und Ausbildung lebenslange Prozesse sind, die mit dem Alltag jedes Einzelnen verbunden sind, komplexe Situationen darstellen, die Entwicklung der Persönlichkeit bedingen und die Identität der Person formen (P. Dominicé 1994).

Doch warum bezieht sich die „Büchse der Pandora“ auf die biografische Methode und deren Bedeutung für die Bildungs- und Ausbildungsarbeit mit Erwachsenen? Dafür gibt es mehrere Gründe, aber am überzeugendsten scheinen mir diese zu sein:

  • Erstens hat die biografische Methode in jüngster Zeit eine Art Renaissance erlebt und erfreut sich besonderer Beliebtheit, was zahlreiche Veröffentlichungen, die Veranstaltung biographischer Workshops und didaktische Aufgaben belegen, die auf den biografischen Erfahrungen der Teilnehmer basieren.
  • Zweitens, im Gegensatz zu den Menschen, die von den Möglichkeiten der biografischen Methode fasziniert sind, gibt es eine Reihe von Menschen, die ihre Missbilligung oder bestenfalls Vorsicht zum Ausdruck bringen, da sich diese Methode doch sehr auf persönliche Erfahrungen, oder gar die Intimsphäre, bezieht, die nicht jeder nach außen tragen möchte. Außerdem erfordert sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, die Sicherheit vermittelt. Daher ist es wichtig, bei deren Anwendung im Unterricht an die freiwillige Teilnahme und die Achtung der Privatsphäre zu denken.

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Da ich von dieser Methode und ihrer Anwendung in der Arbeit mit Erwachsenen sehr begeistert bin, werde ich mich hier auf das konzentrieren, was auf dem Grund dieser mythischen liegt, und damit auf die Möglichkeiten, Möglichkeiten und Hoffnungen, die die biographische Methode meiner Meinung nach bietet. Dank deren Anwendung in der Arbeit bin ich mir der Rolle, des Rangs und der Bedeutung bewusst geworden, d. h. der Funktionen, die die Gestaltung einer eigenen Biografie erfüllen kann:

1) Im persönlichen, individuellen, subjektiven Maß bietet sie:

  •  eine Bereicherung des Wissens über sich selbst und die eigene Vergangenheit;
  •  die Möglichkeit seine persönliche und soziale Identität zu entdecken;
  •  die Chance, das Selbstbild und das eigene Selbstwertgefühl zu rekonstruieren;
  •  sich mit Verwandten und der Familie zu integrieren (da die Arbeiten öfters mit Hilfe der Nächsten geschaffen werden);
  •  die Gelegenheit, die persönlichen Talente zu entdecken und zu entwickeln;
  •  die Chance seine Pläne und Erwartungen zu manifestieren;
  •  eine besondere Motivation, über sich selbst, die Welt und andere nachzudenken;
  •  und erfüllt eine spezifische therapeutische Funktion (eine Reise in die Vergangenheit erlaubt es oft, sich von schlechten Erinnerungen zu befreien bzw. wenigstens sich zu beruhigen).

2) In Bezug auf den Schulungsprozess oder die didaktische Situation bietet sie die Chance:

  • Bildungs- oder Entwicklungsbedürfnisse der Schulungs- bzw. Kursteilnehmer zu diagnostizieren;
  • die Gruppe zu integrieren;
  • sich durch die Analyse der Biografien erfolgreicher Personen inspirieren zu lassen und die Teilnehmer zum Formulieren persönlicher Bildungs- oder Berufsziele zu motivieren;
  • seine Talente vor der Gruppe vorzustellen und somit in Erscheinung zu treten;
  • die Teilnehmer zur Kreativität anzuregen und deren kreatives Potential zu aktivieren;
  • die Rolle und Bedeutung von Erinnerungen im Leben eines jeden Menschen zu zeigen;
  • und jedem Schulungsleiter oder Lehrer bietet sie die Möglichkeit, seine eigenen Erfahrungen neu zu bewerten.

Es ist unbestreitbar, dass die Auseinandersetzung mit der Realisierung eines persönlichen biografischen Projekts eine große Herausforderung darstellt. Besonders anschaulich sind hier die Worte einer Studentin, die bei der Erstellung ihrer Biografie im Rahmen des Projekts „Biografische Lebenskarte“ (das ich demnächst vorstellen werde) folgendes bemerkt hat:

„Das Schlimmste ist der Anfang von allem (....). Als ich das erste Mal von der Aufgabe hörte, war ich glücklich. Endlich mal etwas Neues, dachte ich. Ich war euphorisch, dass ich mich endlich hinsetzen und ruhig über mich und meine jetzige Lebenslage nachdenken kann. Und da kam mir ein weiterer Gedanke... Worüber soll ich schreiben? Kann ich überhaupt etwas selbst schaffen, denn meine Arbeit basiert seit langem auf rekonstruierten Gedanken und auf Zitaten von Personen, die weiser sind als alle, die ich kenne. Nein, das kann nicht gelingen. Ich weiß nicht nur nicht, wo ich anfangen soll, ich habe auch kein Herz für diese Arbeit, das Hauptthema. In meinem Kopf befinden sich Dutzende von Vergleichen mit Dingen, die ich liebe (...) Worüber soll ich also schreiben? Seit mehr als zehn Jahren konzentriere ich mich auf dasselbe: Vorschriften, Kommentare, Fachpresse. Es fehlt mir an einer Ablenkung, da ich denke, dass ich keine Zeit dafür habe. Leider heißt dies nicht, dass ich über ein einzigartiges Wissen oder eine gewisse Perfektion verfüge, die die meisten meiner Bekannten anstreben. Wo befinde ich mich also und wohin gehe ich...?

Meiner Meinung nach ist bereits diese Fragestellung von einem ungeheuren Erziehungs- und Entwicklungswert. Ich denke, dass Aufgaben oder Projekte mit Verwendung biografischer Erfahrungen der Teilnehmer nicht nur einen Erinnerungskatalysator und ein Anlass für Reflexionen für den Autor, sondern auch für die Personen, die die Früchte dieser biografischen Bemühungen genießen können. Ich denke hier an Andragogen, Schulungsleitern, Pädagogen, Lehrern und Erziehern, die dank dieser Methode nicht nur die Personen besser kennenlernen, mit denen sie zusammenarbeiten, sondern auch einen Weg finden, sich mit ihnen zu verständigen, da sie selbst von Emotionen überwältigt werden. Und, was am wichtigsten ist, sie haben selbst die Möglichkeit über ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren und diese neuzubewerten. Ich habe selbst diese Erfahrung gemacht und möchte sie nicht mehr missen.

Dr. Monika Sulik – ist Assistentin und Dozentin. Sie leitet ihre eigenen didaktischen Kurse auf dem Gebiet Biografie in der Bildung. Zertifizierte Coach und akademischer Mentor. Seit 2018 ist sie zudem Redaktionssekretärin der Zeitschrift „Edukacja Dorosłych”. EPALE-Botschafterin.

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1 - 10 von 11 anzeigen
  • Bild des Benutzers Monika Proksz
    Bardzo dobry artykuł , pomaga zrozumieć motywy działania nauczyciela jak również wykorzystać zawarta wiedzę w przyszłości . Dobre podejście do człowieka może wyzwolić w nim  jego skryte głęboko pragnienia.
  • Bild des Benutzers Rūdolfs Pāvulēns
    Uzskatu, ka biogrāfiskā metode ir labs veids, kā izprast sev apkārtējos un pašam sevi. Ne vienmēr vajag to pierakstīt, taču galvā iziet cauri raksturīgākajiem punktiem. Uzskatu, ka tieši mūsdienās šī metode tiešām būtu jāizmanto, jo cilvēki ir atklātāki, kā nekad. 
  • Bild des Benutzers Jolanta_ Zastavnaja_
    Šo metodi raksturotu kā ļoti noderīgu abām pusēm, proti, pedagogam un pašiem pieaugušajiem mācību procesā. Pedagogs iepazīst labāk pieaugušos, lai varētu izvērtēt kā turpmāk sekmīgāk veidot mācību procesu. Savukārt pieaugušajiem tā ir iespēja piedalīties mācību procesā caur savu pieredzi. 
  • Bild des Benutzers Małgorzata Mazurek
    Jakiś czas temu szukając remedium na sakramentalne "tell me something about yourself" będące zmorą nauczycieli i uczniów kursów języków obcych, które jak inne sakramentalne "I do" musi paść na każdych pierwszych zajęciach językowych natrafiłam na sposób wykorzystania storytellingu do opowiadania o sobie, czyli jak się okazuje na metodę biograficzną stosowaną w marketingu czy biznesie, żeby w niesztampowy sposób zainteresować sobą potencjalnych pracodawców, kontrahentów, klientów. Dobra historia, autentyczność i emocje to coś co zawsze przyciąga uwagę czytelników czy słuchaczy i coś czego poza językiem warto uczyć jako umiejętności przydatnej w życiu również podczas zajęć języków obcych.
  • Bild des Benutzers Monika Sulik
    Małgosiu sama pamiętam zajęcia językowe gdzie miałam powiedzieć "something about my self" - ale dobrze to wspominam :) ... Mówienie o sobie to tak naprawdę naturalna potrzeba człowieka, która może okazać się niezwykle ważnym momentem dla nauczyciela czy edukatora..jeśli tylko oczywiście zechce i ma kompetencje by  ją wykorzystać do celów edukacyjnych.  
  • Bild des Benutzers Beata Jurkowicz
    Zauważyłam, że wykorzystywanie biografii podczas szkoleń staje się coraz bardziej popularne. Wprawdzie nie każdy trener nazywa to wprost, ale często odwołuje się do biografii uczestników.
  • Bild des Benutzers Monika Sulik
    To prawda, w ostatnim czasie dostrzega się coraz bardziej wartość osobistych narracji, oraz ogromny potencjał, który z sobą niosą na wielu płaszczyznach. 
    Doświadczenia jednostki oraz nadawanie im osobistych znaczeń właśnie poprzez możliwość opowiedzenia o sobie i swoim życiu, w swój unikatowy sposób, jest też fantastyczną przestrzenią realizowania swojej podmiotowości. 
    Bardzo doceniam dzielenie się doświadczeniami na temat metod pracy oraz odkryć w tym zakresie, przez różne grupy osób pracujących z dorosłymi. To wspaniałe i niezwykle wartościowe źródło inspiracji :)  
  • Bild des Benutzers Barbara Szymańska
    Chętnie poczytałabym więcej na temat sposobu w jaki korzysta Pani z tej metody. Mam nadzieję, że jeszcze będzie ku temu okazja? Z mojego doświadczenia pracy z grupami o charakterze rozwojowym wynika, że odwoływanie się do osobistej historii prawie zawsze wywołuje głębokie poruszenie i duże zaangażowanie. Szczególnie lubię osobiście spoglądanie na historię osobistą jak na historię mityczną właśnie. Umożliwia to zyskanie dystansu, ujrzenie siebie w kontekście tej historii z zupełnie innej niż codzienna perspektywy oraz identyfikację ciekawych wzorców wokół których organizuje się nasze życie.
  • Bild des Benutzers Monika Sulik
    Dziękuję Pani Barbaro za zainteresowanie tematem oraz podzielenie się własnym doświadczeniem :) Jestem ogromną entuzjastką metody biograficznej i z pewnością napiszę więcej o realizowanych projektach i warsztatach biograficznych. Jestem zachwycona uznaniem potencjału edukacyjnego i rozwojowego metody biograficznej. Czytając komentarze - tutaj i na Fb, czuję jak rośnie mój entuzjazm by zorganizować spotkanie - seminarium umożliwiające wymianę doświadczeń edukacyjnych, trenerskich, szkoleniowych itp. w tym zakresie   Co Pani o tym myśli? Łączę serdeczności :) 
  • Bild des Benutzers Beata Ciężka

    Artykuł przypomniał mi, jak cennym materiałem ewaluacyjnym mogą być biografie uczestników. W badaniach ewaluacyjnych można wykorzystywać biografie w formie klasycznej lub nieco zmodyfikowanej jako np. „relacje z przebytej drogi”, „list do…” czy „success story”. Taki materiał pozwala ocenić skuteczność ewaluowanego programu z perspektywy indywidualnych doświadczeń – czy może być coś bardziej wartościowego?...