Blog
Blog

Worum ging es bei der letzten Online-Diskussion zur Zukunft der Erwachsenenbildung?

Das neue Hauptthema war Digitalisierung. Ein Großteil der Erwachsenenbildung wurde auf Online-Methoden umgestellt. Dies kann sehr positive Auswirkungen haben: Online-Kommunikation kann digitale Gemeinschaften fördern und die Lernenden dadurch in ihrer Resilienz bestärken und ihnen mehr soziale Kontakte bescheren. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Online-Unterstützung durch andere Lernende auch die geistige Gesundheit positiv beeinflusst hat, was zeigt, wie wichtig virtuelle Gemeinschaften sind. Sehen wir uns die Diskussion einmal genauer an!

Lesedauer circa 7 Minuten - lesen, liken, kommentieren!

Der Beitrag wurde im  englischen Original von Gina Ebner veröffentlicht.


 

The Future of Adult Learning .

Am 8. Juli fand eine Online-Diskussion zur Zukunft der Erwachsenenbildung statt. Die Word-Cloud (mit englischen Begriffen) zu dieser Diskussion sehen Sie weiter oben. Dank dieser Cloud können verschiedene Konzepte kombiniert und einander gegenübergestellt werden: Lernen ist größer als Bildung / Zukunft, digital, Kompetenzen oder eher Denken, Menschen, Diskussion, ist es online, Training, Lernende oder Denken, Bedarf, Wandel?

Einige der wichtigsten Fragen waren bereits im Vorfeld gestellt worden:

  • Wie stellen Sie sich die Zukunft des Bildungssektors Erwachsenenbildung in den nächsten fünf oder zehn Jahren vor?
  • Was glauben Sie, wird passieren – und was möchten Sie, dass es passiert?
  • Welche neuen Herausforderungen und Chancen werden sich ergeben?

Natürlich war die COVID-19-Krise der Ausgangspunkt für viele Überlegungen – sie hat die Erwachsenenbildung auf den Kopf gestellt und wird bleibende Auswirkungen haben.

Das neue Hauptthema war die Digitalisierung, und ein Großteil der Erwachsenenbildung war auf Online-Methoden umgestellt worden. Dies kann sehr positive Auswirkungen haben: Online-Kommunikation kann digitale Gemeinschaften fördern und die Lernenden daher in ihrer Resilienz bestärken und ihnen mehr soziale Kontakte bescheren. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Online-Unterstützung durch andere Lernende auch die geistige Gesundheit positiv beeinflusst hat, was die Bedeutung (virtueller) Gemeinschaften unterstreicht. Für viele Teilnehmer*innen liegt die Zukunft in Blended-Learning und der Entwicklung virtueller Lernnetze (oder, genauer gesagt, virtueller Netzwerke Lernender).

Künftig wird sich ein Großteil des Lernens online abspielen, aber das Gefühl, einer Gemeinschaft anzugehören, ist nach wie vor sehr wichtig. Daher sollten wir in der Erwachsenenbildung Mischkonzepte aus Präsenz-/Online-Unterricht erkunden.

(Natassa, Griechenland)

Andererseits birgt die verstärkte Nutzung digitaler Tools die Gefahr, den Matthäus-Effekt zu verstärken (die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, was zu einer großen Kluft zwischen denjenigen mit mehr und denjenigen mit weniger Besitz führt). Daher lautet eine der wichtigsten Fragen für die Zukunft, wie die Erwachsenenbildung Menschen erreichen kann, die keinen Zugang zu Technologien haben und/oder nicht in der Lage sind, mit ihnen zu arbeiten.

Es gibt eine Zielgruppe, die viele Teilnehmer*innen als entscheidend für die nahe und fernere Zukunft angesehen haben: ältere Lernende. Damit sind einerseits ältere Arbeitnehmer, andererseits aber auch Lernende im Ruhestand und sehr alte Menschen zum Beispiel in Pflegeheimen gemeint. Durch den demografischen Wandel wird diese Gruppe in den nächsten Jahren und Jahrzehnten signifikant größer werden. Für den Einzelnen kann die Erwachsenenbildung sicher eine wichtige Rolle spielen, aber auch der soziale Zusammenhalt und aktives Altern werden immer wichtiger. Die Gesundheitserziehung erlangt immer größeren Stellenwert (was die COVID-Krise bereits unter Beweis gestellt hat), aber auch andere Themen drängen in den Vordergrund:

Mehr über das Alter erfahren.Durch den demografischen Wandel wird dieser Bereich mehr Bedeutung erlangen. Insbesondere auch aus gesundheitspolitischer Sicht – Gesundheitsbildung wird ein sehr wichtiges Thema werden (auch im Zusammenhang mit der Bekämpfung bestimmter Erkrankungen). Außerdem gibt es den Bereich der Information über das Alter – was muss man über den Ruhestand wissen, wie bereitet man sich auf ihn vor?

(Christine, Deutschland)

Resilienz ist ein weiterer Aspekt der Erwachsenenbildung, der in den nächsten Jahren an Bedeutung zunehmen wird, insbesondere im Zusammenhang mit den Herausforderungen, die das Leben stellt. Sei es der Eintritt in eine neue Lebensphase (z. B. den Ruhestand oder das Elternsein) oder eine persönliche Krise (Arbeitslosigkeit, Scheidung ...) – hier kann die Erwachsenenbildung Informationen, Wissen und Unterstützung liefern, aber auch für die notwendige Stärke im Umgang mit neuen Situationen sorgen. Ein weiteres Thema sind integriertere Konzepte und verstärkte Kooperation. Es wird immer weniger sinnvoll, Kompetenzen in lebens- und arbeitsplatzrelevante Kompetenzen zu unterteilen. Zudem müssen grüne Kompetenzen mit digitalen Kompetenzen oder Querschnittskompetenzen verbunden werden (oder ganz andere Kompetenzen miteinander kombiniert werden). Es ist eine Vermischung der Lernorte, aber auch der Bereiche und Sektoren vorgesehen, beispielsweise durch Bibliotheken und kulturelle Organisationen, aber auch im Bereich der Gesundheit und Beschäftigung.

In Frankreich versuchen wir, mit dem EPALE-Team das Konzept des „territoire apprenant“ zu ergründen: der Lernräume und -regionen. Die Idee besteht darin, einen ganzheitlichen Ansatz der Bedürfnisse und Vorschläge im Bereich Lernen und Ausbildung zu verfolgen. Dabei muss sich der Ansatz auf kleine Ortschaften (Gemeinden, Gemeindeverbände) konzentrieren.

(David, Frankreich)

Eine wichtige Zielgruppe sind natürlich Lehrer*innen und Trainer*innen im Bereich der Erwachsenenbildung. Der Aus- und Fortbildungsbedarf steigt (auch wenn dieses Thema offenbar ein Dauerbrenner ist), aber wir können auch mit einer Verlagerung der Aufgaben und Rollen rechnen. Um es mit den Worten von Anni Karttunen auszudrücken: Sie werden Netzwerke schaffen, denen viele verschiedenen Berufe angehören, und die Koordination des Lernangebots und der Lern-Ökosysteme übernehmen.

Kollaboration ist eine der wichtigsten Kompetenzen bei der Gestaltung des digitalen Wandels und somit der Zukunft der Erwachsenenbildung. Zusammen mit den anderen drei Ks – Kommunikation, Kreativität und kritisches Denken – sollte sie künftig in viel stärkerem Maße in die Lernziele von Erwachsenenbildungsveranstaltungen eingebunden werden.

(Maximilian, Deutschland)

Befassen wir uns nun mit den langfristigeren Entwicklungen, die die Diskussionsteilnehmer*innen für wahrscheinlich oder wünschenswert halten. Bürgerbildung und informelles und nicht-formales Lernen sollten (werden?) viel wichtiger werden – auf die Bedürfnisse der Lernenden kann auf lokaler Ebene viel leichter eingegangen werden, was aber an ein allgemeineres und ganzheitlicheres Lernverständnis geknüpft werden sollte. Lernen findet überall statt, und jeder verfügt über Kompetenzen, derer er sich bewusst werden sollte. Darauf können Lernende aufbauen und unterschiedliche Lernpfade einschlagen, was auch ein verstärktes Empowerment der Lernenden bedeutet.

Wahrscheinlich wird die nicht-formale und informelle Bildung dominanter und relevanter werden, da Erwachsene durch sie Soft Skills erwerben können, die notwendig sind, um weiterhin am immer stärker vernetzten und roboterartigen Arbeitsmarkt präsent zu sein.

(Dora, Portugal)

Tino aus Deutschland hat einen sehr konkreten Vorschlag und eine Vision der (eher langfristigen) Zukunft gepostet. Jeder Arbeitnehmer sollte das Recht haben, fünf Arbeitsstunden pro Woche dafür zu nutzen, das zu lernen, was gerade ansteht – gemeinsam mit anderen oder allein, online während der Arbeit oder offline in Kursen und Seminaren.

Abschließend möchte ich eine Teilnehmerin zitieren, die ich bei einem Online-Training kennengelernt habe und mit der ich seitdem in Kontakt stehe, die eines der Argumente sehr gut verdeutlicht hat:

Es wird mehr Online-Lernen stattfinden und wir werden der Freude am Lernen mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Beim digitalen Lernen haben wir uns bisher sehr ausführlich mit dem Lernprozess beschäftigt und damit, wie man Inhalte gut präsentiert, Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiviert und ihnen zeigt, wie man zusammenarbeiten kann. Wir befassen uns wenig mit dem großen Ganzen. Wir konzipieren den Lernprozess, aber nicht die Pausenzeiten. Wir regen nicht zu einem normalen Pausengespräch an, das oft für die Atmosphäre und das Gemeinschaftsgefühl in Präsenzkursen verantwortlich ist. Wenn wir die sozialen Aspekte der Erwachsenenbildung aufrechterhalten und fördern möchten, haben wir noch viel zu tun. Auch online kann man sich nah sein und eine Gemeinschaft bilden, das zeigen ja die sozialen Netzwerke und auch meine eigene Erfahrung mit dem E-Lernen (ich habe online tolle Freunde kennengelernt). Doch um das zu erreichen, brauchen wir eine andere Sichtweise: im Mittelpunkt sollten die Menschen stehen, die durch das jeweilige Lernthema lediglich zusammengebracht werden.

(Dörte, Deutschland)

Es freut mich sehr, dass die Lernerzentriertheit und die Freude am Lernen die Botschaft sind, die wir aus der Diskussion mitnehmen! Aber es gab etliche interessante und zum Nachdenken anregende Kommentare, und ich möchte mich bei allen Teilnehmer*innen entschuldigen, die ich hier nicht zitieren kann. Ich kann allen nur empfehlen, die Diskussion zu lesen (https://epale.ec.europa.eu/de/discussions/epale-diskussion-die-zukunft-der-erwachsenenbildung). Sie können Ihre Gedanken zu dieser Zusammenfassung auch in den Kommentaren äußern.

Sehen Sie sich die Word-Cloud noch einmal an! Denken Sie, dass etwas Wichtiges fehlt? Welche Wort-Kombination bevorzugen Sie und warum? Bitte kommentieren Sie diesen Artikel!


Lesen Sie weitere Beiträge von Gina Ebner:

Lernen am Arbeitsplatz: Vorteile für alle

Ich möchte nicht lernen

Brücken zwischen formaler und nicht-formaler Ausbildung schlagen: Professionalisierung und Kompetenzförderung in der Erwachsenenbildung

Login (14)

Sie möchten eine andere Sprache?

Dieses Dokument ist auch in anderen Sprachen erhältlich. Bitte wählen Sie unten eine aus.
Switch Language

Want to write a blog post ?

Don't hesitate to do so! Click the link below and start posting a new article!

Neueste Diskussionen

EPALE 2021 Schwerpunktthemen. Fangen wir an!

Das vor uns liegende Jahr wird wahrscheinlich wieder sehr intensiv, und daher laden wir Sie ein, es mit Ihren Beiträgen und Ihrer Expertise zu bereichern. Beginnen Sie doch einfach, indem Sie an unserer Online-Diskussion teilnehmen. The Online-Diskussion findet am Dienstag, dem 09. März 2021 zwischen 10.00 und 16.00 Uhr statt. The schriftliche Diskussion wird mit einem vorgeschalteten Livestream eröffnet, der die Themenschwerpunkte für 2021 vorstellt. Die Hosts sind Gina Ebner und Aleksandra Kozyra von EAEA im Namen der EPALE Redaktion. 

Zusätzlich

EPALE Diskussion: Vermittlung von Grundkompetenzen

Grundkompetenzen sind transversal. Sie sind nicht nur relevant für die Bildungspolitik,  sondern auch für Beschäftigungs-, Gesundheits-, Sozial- und Umweltpolitiken. Der Aufbau schlüssiger Politikmaßnahmen, die Menschen mit Grundbildungsbedürfnissen unterstützen, ist notwenig, um die Gesellschaft resilienter und inklusiver zu gestalten. Nehmen Sie an der Online-Diskussion teil, die am 16. und 17. September jeweils zwischen 10.00 und 16.00 Uhr auf dieser Seite stattfindet. Die Diskussion wird von den EPALE Thematischen Koordinatoren für Grundkompetenzen, EBSN, moderiert. 

Zusätzlich

EPALE Diskussion: Die Zukunft der Erwachsenenbildung

Am Mittwoch, dem 8. Juli 2020, lädt EPALE von 10.00 - 16.00 Uhr zu einer Online Diskussion zur Zukunft der Erwachsenenbildung ein. Wir wollen über die Zukunft des Bildungssektors Erwachsenenbildung sowie die neuen Chancen und Herausforderungen diskutieren. Gina Ebner, EPALE-Expertin und Generalsekretärin der EAEA, moderiert die Diskussion.

Zusätzlich