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EPALE - E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

Blog

Was Mensch zum Leben braucht ...

27/08/2020
von Chantal PIERLOT
Sprache: DE
Document available also in: EN CS LV ET

 

Was man braucht…

  
Was braucht ein Mensch zum Leben? Oder, ein wenig anders formuliert, was ist nötig, damit ein Mensch ein gutes Leben führen kann? Damit sind keine materiellen Grundvoraussetzungen gemeint, keine äußeren Faktoren, denn ein Eigenheim, ein Auto und –je nach persönlichem Anspruch- auch eine Yacht mögen angenehm sein, sehr angenehm sogar, doch sie sind nicht nötig für ein gutes Leben und stellen davon abgesehen eher ein Resultat denn eine Bedingung dar. Was muss ein Mensch in sich finden, welche Kompetenzen muss er aufweisen können, um die oben genannten Dinge – oder auch ganz andere, je nach individuellem Schwerpunkt – erreichen zu können?

  
Es sind Grundfertigkeiten, die ein Mensch beherrschen muss, die ihm beigebracht werden müssen, damit er eine realistische Chance auf eine gute Beschäftigung hat, damit er die Funktionsweise der Gesellschaft und der Welt versteht, sicherlich nicht im Einzelnen, nicht in allen Details, aber bis hin zu einem Level, der eine rege und intensive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht, ohne sie zur Verpflichtung zu machen.

  

Die Grundfertigkeiten

  
Diesem Thema hat sich EPALE im dritten Quartal des Jahres 2020 verpflichtet: Rahmenbedingungen zum Erlernen von Grundfertigkeiten. Dabei sind als Grundfertigkeiten folgende fünf festgelegt worden, ohne mit diesen einen Anspruch auf Vollständigkeit postulieren zu wollen: Alphabetisierung, Gesundheitsbildung, finanzielle Allgemeinbildung, Rechnen und grundlegende digitale Kompetenzen. Die Relevanz und Wichtigkeit dieser Fertigkeiten dürfte offensichtlich sein, doch es schadet auch nicht, sie dennoch kurz zu beleuchten:

  
-    Alphabetisierung – In einer Welt und einer Gesellschaft, in der ein erheblicher Anteil an zwischenmenschlicher Kommunikation schriftlich stattfindet, ist die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben von essentieller Bedeutung. Wie bei jeder Art von Kommunikation geht es hier um Wechselwirkung. Kommunikation setzt zwingend mindestens zwei Parteien voraus und die Fähigkeit der einen Seite, zu schreiben, ist im Verhältnis dieser beiden Personen vollkommen wertlos, wenn die andere Seite es nicht lesen kann. Verträge, Bankunterlagen, Rechnungen, all das funktioniert in unserer Gesellschaft schriftlich. Ein autonomes und eigenständiges Leben ohne zumindest die Fähigkeit, einigermaßen lesen und schreiben zu können, darf innerhalb einer Gesellschaft wohl getrost als unmöglich bezeichnet werden.

  

-    Gesundheitsbildung – Ein sich möglicherweise nicht ganz so unmittelbar erschließender Zusammenhang. Und dennoch, sowohl für die Person an sich als auch für die Gemeinschaft, ist letztlich logisch, dass zumindest ein Grundverständnis dafür erforderlich ist, wie sich das eigene Verhalten auf die eigene (psychische oder physische) Gesundheit und auf die der Mitmenschen auswirken kann. Das Paradebeispiel ist das des Rauchers, der seine eigene physische Gesundheit massiv beeinträchtigt und dessen Verhalten auch die physische Gesundheit der Menschen in seiner Umgebung negativ beeinflusst. Vergleichbares gilt für den Alkoholkonsum: unmittelbar schädigend für die eigene körperliche Gesundheit, mittelbar im Sinne eines gewissen gesellschaftlichen Drucks auf andere, „eins mitzutrinken“ und damit ebenfalls ihrer Gesundheit zu schaden. Der Bogen lässt sich noch sehr viel umfassender spannen: ein Verständnis der Wichtigkeit von regelmäßiger sportlicher Betätigung, der Einfluss von Ernährung auf die Gesundheit und die Verknüpfung von psychischer und körperlicher Gesundheit sind nur einige der entsprechenden Themen.

  

-    Finanzielle Allgemeinbildung – Bei finanzieller Allgemeinbildung geht es vor allem darum, die Kontrolle über das eigene Leben sicherzustellen, die Auswirkungen auf das Umfeld sind hier vermutlich geringer, allerdings auch nicht gänzlich von der Hand zu weisen, wenn man von Verschuldung ausgeht, denn ein Mensch, der sich verschuldet, verursacht dem Gläubiger einen finanziellen Schaden. Finanzielle Allgemeinbildung bedeutet, zu wissen, dass Ausgaben das Einkommen nicht langfristig überschreiten dürfen, zu wissen, welche Ausgaben zwingend erforderlich sind, angefangen bei Nahrung, Wasser, Strom, und welche Ausgaben Luxus darstellen und damit unterlassen oder zumindest aufgeschoben werden können. Aber darüber hinaus ist damit auch ein Grundverständnis der Funktionsweise einer kapitalistischen Gesellschaft gemeint, das System der Steuern, die Finanzierungsmechanismen von Banken, all das zumindest in seinen Grundzügen. Natürlich muss nicht jeder Buchhalter oder Bankfachwirt werden, aber der grundlegende Unterschied zum Beispiel zwischen Brutto und Netto, das Bewusstsein, dass ein Kredit mehr kostet als die geliehene Summe an Geld, das ist finanzielle Allgemeinbildung.

  

-    Rechnen – Dieser Punkt geht zu einem erheblichen Anteil einher mit der finanziellen Allgemeinbildung. Das Wissen, dass Eingaben höher als Ausgaben sein sollten, ist nutzlos, wenn die Differenz zwischen Ein- und Ausgaben nicht berechnet werden kann. Zahlen begegnen uns an unwahrscheinlich vielen Stellen im Leben, und auch mit diesen Zahlen sollte, zumindest bis hin zu einem gewissen Maß, umgegangen werden können.

  

-    Grundlegende digitale Kompetenzen – Die Welt digitalisiert sich. Rechnungen kommen vermehrt per Email und nicht mehr per Post, Meetings finden virtuell statt, Unmengen an Informationen und Fakten können in Sekundenschnelle via Internet bezogen werden – wenn man nur weiß, wie. Die Digitalisierung hat unbestreitbar ihre Existenz- und Daseinsberechtigung, Rechnungen per Email reduzieren den Papierverbrauch, virtuelle Meetings reduzieren CO²-Abgase, das ist Fakt. Ebenso Fakt ist aber freilich, dass die Digitalisierung auch eine Veränderung der Menschen, ihrer Verhaltensweisen und Gewohnheiten und eben auch ihrer Kompetenzen erfordert. Es ist heutzutage beinahe unabdingbar, einen Internetzugang zu besitzen und mit ihm umgehen zu können, zu wissen, wie man ein Email-Postfach bedient oder wie man sich in ein Online-Meeting einloggt.

  

Worum es eigentlich geht

  
Doch um diese Grundfertigkeiten geht es hier eigentlich gar nicht. Es geht um die Rahmenbedingungen, soll heißen, es geht um das Umfeld, das zur Verfügung stehen muss, bzw. gestellt werden muss, um den für diese Grundfertigkeiten erforderlichen Lernprozess zu ermöglichen, zu initialisieren, zu stimulieren und zu fördern. Kein Mensch wird mit all diesen Fertigkeiten geboren. Es ist sicherlich je nach intellektueller Leistungsfähigkeit einfacher oder schwieriger, sich diese Fertigkeiten anzueignen, aber aneignen muss sie sich letztlich jeder. Die Intelligenz, um es beim Wort zu nennen, mit der ein Mensch geboren wird, ist nicht beeinflussbar, aber das Umfeld ist es durchaus. Idealerweise sollten all diese Fertigkeiten in den Schulen vermittelt werden, und zu einem großen Anteil gelingt das auch. Die Schule als Konzept hat sich seit langer Zeit bewährt, und wenn auch die allgemeine Schulpflicht je nach Land noch vergleichsweise jung ist (Deutschland zum Beispiel 1919), so gibt es öffentliche Schulen vermehrt seit dem 13. Jahrhundert und das Konzept der Schule, der Wissensvermittlung durch Lehrer an Kinder, geht bis ins 4. Jahrtausend v. Chr. zurück. Das Konzept an sich ist also nicht schlecht. Aber Einzelne fallen eben doch durchs Raster, sei es, weil sie der Schul- oder Unterrichtspflicht nicht nachkommen, sei es aus anderen Gründen. Was ist mit jenen, deren Schulzeit lange zurückliegt oder die manche Fertigkeiten in der Schule gar nicht erwerben konnten – man stelle sich digitalen Unterricht im Schulalltag der 70er Jahre vor? Anders formuliert, wie erwerben Erwachsene Grundfertigkeiten, die sie eigentlich schon längst hätten erwerben müssen? An dieser Stelle kommt die Erwachsenenbildung ins Spiel.

  

Der Wille zur Veränderung

  
Es ist in einer sich stetig wandelnden Welt unvermeidbar, dass auch der Mensch sich stetig wandeln muss, sich weiterbilden, weiterentwickeln muss. Neues Wissen muss erworben und altes Wissen muss neu aufgefrischt werden. Natürlich ist es als Erwachsener schwieriger, Neues zu erlernen, das ist erwiesen. Aber unmöglich ist es nicht, auch das ist erwiesen. Und die entsprechenden Infrastrukturen sind vorhanden, zumindest in unseren Breitengraden. Angefangen bei einem Abitur über den zweiten Bildungsweg, über privatwirtschaftliche Weiterbildungskurse oder auch ganz privat, indem der Schüler den Lehrer spielt und vielleicht seinen Eltern Lesen und Schreiben beibringt oder verbessert – in diesem Kontext geht es nicht einmal um formale Anerkennung (was eine solche natürlich nicht ausschließt und trotzdem erstrebenswert macht), es geht bei den genannten Grundfertigkeiten nur darum, diese zu erwerben – auf welchem Wege ist beinahe irrelevant.

  
Jede Art von Erwachsenenbildung setzt da an, wo der Wille ansetzt. Es gibt keine Schulpflicht, Unterrichtspflicht oder sonst eine Weiterbildungspflicht für Erwachsene, jedenfalls keine allgemeingültige, und das hat mit Sicherheit seine Richtigkeit. Erwachsenenbildung wird angeboten, sie wird zur Verfügung gestellt, und versucht damit Rahmenbedingungen zu erschaffen, in denen bestmöglich gelernt werden kann – damit liegt es beim Willen eines jeden Einzelnen, der bei sich selbst einen Bedarf feststellt, ob er dieses Angebot in Anspruch nehmen will oder nicht.

  


Über den Autor: Cedric Dümenil arbeitet seit November 2018 in der Nationalen Agentur Erasmus+, angesiedelt im Jugendbüro der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, wo er für die Bewertung und Bearbeitung der Anträge und Projekte in den Bereichen Schulbildung, Berufliche Bildung und Hochschulbildung verantwortlich zeichnet. Neben seiner Tätigkeit im Jugendbüro studiert er darüber hinaus noch Rechtswissenschaften an der Universität Trier. In seiner dann noch verbliebenen Freizeit interessiert er sich insbesondere für Sprachen und Literatur.


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1 - 9 von 9 anzeigen
  • Bild des Benutzers Betija Zoltnere
    Šajā rakstā var labi saprast tās pieaugušo pamatprasmes, kuras ir nepieciešamas ikvienam pieaugušajam, kurš dzīvo patstāvīgu dzīvi un ir fiziski un mentāli spējīgs apgūt šīs prasmes. Ja kādas no šīm prasmēm nav apgūtas, vai arī ir apgūtas, bet ne mūsdienu pasaulei piemēroti, tad es uzskatu, ka sākumā šiem cilvēkiem ir jāmēģina sevi noskaņot uz to, ka ir nepieciešams šīs prasmes apgūt savām vajadzībām un, ka tas tiešām palīdzēs ikdienas dzīvē. Tāpat arī, piemēram, senioriem, kuriem ir sarežģīti ar mūsdienās nepieciešamajām prasmēm - digitālajām prasmēm - sākumā vajadzētu mēģināt pašam atrast nepieciešamību un motivāciju, lai attīstītu šo prasmi un to izdarīt ar palīdzēt arī mājinieki un tas pat varētu būt daudz efektīvāk!
  • Bild des Benutzers Regīna Pro
    Paldies par rakstu. Viennozīmīgi piekritu par pieaugušo izglītību, ka tur tiešām ir nepieciešama vēlme mācīties un iegūt zināšanas. Tomer uzskatu, ka šeit minētas prasmes tomēr būtu jāiemāca ģimenē. Skolā nav iespējams tik sīki apskatīt dažādas tēmas, tā varbut var sniegt ieskatu, taču ne pilnīgu informāciju.
  • Bild des Benutzers Emīlija Ģēvele
    Interesanti, cik strauji jaunais tehnoloģiju laikmets ievieš izmaiņas mūsu dzīvēs. Šobrīd patiešām izjūtu, ka digitālās prasmes ir vitāli svarīgas. Kaut vai apskatot tādu piemēru, kā rēķinu apmaksa: vairs neizmantojam kodu kartes, bet gan smart-id, kas palielina pieprasījumu pēc viedtālruņiem. 
    Pie nosacījuma, ka indivīdam piemīt pirmās 4 pamatprasmes, jānovērtē, vai tieši digitālās prasmes ir pietiekamā līmenī, un, likumsakarīgi, rodas jautājums, kurš to apguvi varētu nodrošināt maznodrošinātajiem sabiedrības locekļiem?
  • Bild des Benutzers Arta Zverova
    Uzskatu ka prasmes ir jāiegūst no ģimenes, nevis no skolas sola. Piekrītu, ka prasmes ko nodrošina skola ir nepieciešamas, bet, tomēr pamatprasmes nodrošina ģimene. Uzvedība dažādās iestādēs, kulturas iestādēs, restorānos u.c. Vide kurā piedzims, uzaug vai uzturas ilgstoši ietekmē prasmes ko nodod tālāk. 
  • Bild des Benutzers Laura Dīriņa
    Nenoliedzami pamatprasmju uzskaitījums ir būtisks labai dzīvei. Tomēr, manuprāt, kā tikpat būtiska jāmin vēlēšanās mācīties un sevi pilnveidot. Uzskatu, ka cilvēka mūžā nav tāda vecuma, kurā par to vairs nebūtu jādomā - mācīties un pilnveidot sevi nepieciešams visu mūžu.
  • Bild des Benutzers Ieva Cekule
    Pamatprasmes ir vienas no cilvēkam nepieciešamākajām prasmēm, lai dzīvotu un izdzīvotu mūsdienu pasaulē. Autors ir ļoti labi aprakstījis un uzsvēris gan to kādas tās ir, gan to kāpēc tās ir tik vajadzīgas. Mūsdienās ir grūti dzīvot, ja kādā no pamatprasmēm ir jūtams vājums vai arī, ja tās nav vispār, tāpēc ir svarīgi palīdzēt tiem, kuriem ar to apgūšanu iet grūtāk!
  • Bild des Benutzers Elija Tiltiņa
    Autors lieliski pamatojis to, kādēļ izglītībai un pašizaugsmei ir tik liela nozīme - šajā mainīgajā pasaulē arī cilvēkam pastāvīgi jāmainas un jāplūst līdzi laikam, tikai tā var sasniegt virsotnes. Un pamatprasmju attīstīšana un papildināšana ir labs veids kā to panākt! Tieši tik vienkārši, galvenais turpināt iesākto!
  • Bild des Benutzers Annely Mängel
    Tõepoolest, mitmete tänastele noortele iseenesestmõistetavate põhioskuste omandamine on paljudele täiskasvanutele, kelle kooliaeg jääb aastakümnete kaugusele, eluliselt oluline. Digitaalsed põhioskused on kindlasti üks valdkond, milles orienteerumine võimaldab täiskasvanul aktiivselt osaleda ühiskondlikus elus ja olla konkurentsivõimeline töises elus. SA Kutsekoja OSKA tööjõu- ja oskuste vajaduse analüüs (Eesti tööturg täna ja homme 2019 – 2017) toob oluliste valdkondadeüleste trendidena välja demograafilised ja tehnoloogilised muutused. Demograafilised muutused on teravalt kaasa toonud töötajaskonna vananemise ja tehnoloogiauuendused eeldavad töötajatelt keerulisemaid ja mitmekülgsemaid oskusi ning automatiseerimise toetamist. Ajaga kaasas käia aitab elukestva õppe strateegia, mis seab eesmärgiks kõigile täiskasvanutele õpivõimaluste loomise kogu elukaare jooksul, et tagada neile igakülgsed eneseteostuse võimalused. Ühelt poolt on see seotud ühiskonna sooviga hoida vananevat töötajaskonda aktiivselt kaasatuna, veel olulisem on aga täiskasvanute enda sisemine soov ja vajadus omandada uusi oskuseid ja teadmisi, et mitte tunda ennast väärtusetu ja kõrvaleheidetuna. On suurepärane, et Eesti ühiskonna hoiak on tugevalt suunatud võrdsete võimaluste ja elukestva õppe väärtustamisele.
  • Bild des Benutzers Marija Elena Borg
    The time when education ended with compulsory education is long gone. Adults today recognize that lifelong education is essential to both career and personal development. Moreover, it has been proven that such learning contributes to better physical and mental health, increases the likelihood of having higher paid jobs and becoming more active citizens.