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Volunteering Among Immigrants (VAI)

05/12/2018
von Elizaveta Firsova
Sprache: DE

Lesedauer ca. 5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!

Das Projekt VAI, welches durch den europäische Asylum, Migration and Integration Fund (AMIF) unterstützt wird, verfolgt das Ziel ehrenamtliche Tätigkeiten von Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung als ein Mittel zur Integration und einen Indikator für gesellschaftliche Teilhabe zu beleuchten.

Viele Länder der Europäischen Union haben bereits das Potential von Freiwilligenarbeit als Instrument zur Integration anerkannt und arbeiten an Maßnahmen zur Förderung der Freiwilligenarbeit von Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung. Debatten um Migration, Integration und Freiwilligenarbeit sind ein wesentlicher Teil des öffentlichen und politischen Diskurs innerhalb der Europäischen Union. Das VAI-Projekt verbindet diese Themen unter der folgenden Forschungsfrage:

„Wie kann Freiwilligenarbeit unter Migrant*innen besser genutzt werden, um die gesellschaftliche Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung und Drittstaatsangehörigen zu erhöhen?“

Projektkonsortium:

Das VAI-Projekt wird von zehn disziplinübergreifenden Partnerorganisationen aus der Wissenschaft, Zivilgesellschaft, aus dem Bereich der Nicht-Regierungsorganisationen und den Medien aus vier europäischen Ländern in einer Zeitspanne von 2 Jahren durchgeführt. Die Projektkoordination liegt bei Panos Hatziprokopiou von der Aristotelio Panepistimio Thessalonikis University.

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Bisheriger Projektverlauf:

Als Vorbetrachtung wurden in den vier Partnerländern zunächst mittels Fragebogen nationale Umfragen durchgeführt, um ganzheitlich den gegenwärtigen Zustand des Ehrenamts auf der nationalen und internationalen Ebene zu beleuchten. In einem weiteren Schritt wurden Interviews mit Ehrenamtlichen und Leiter*innen unterschiedlicher Organisationen geführt, um Motive von ehrenamtlichem Engagement, verschiedene Kontexte von Freiwilligenarbeit sowie Herausforderungen und Best-Practice Beispiele zu erfassen.

Verantwortlich für diesen Projektschritt waren das Institut der Didaktik der Demokratie der Leibniz Universität Hannover in Deutschland, die Università della Calabria in Italien, die University of Thessaloniki in Griechenland und der Verein Multikulturell in Österreich. Die Untersuchung bot einen umfassenden Einblick in den Status-Quo der Freiwilligenarbeit innerhalb der EU. Dabei wurden auf nationaler Ebene zusätzlich die Schwierigkeiten, mit denen Organisationen im Bereich der Freiwilligenarbeit konfrontiert sind, erfasst sowie international die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Freiwilligenarbeit in den Partnerländern identifiziert.

Zu den wichtigsten Erkenntnissen der internationalen Untersuchung gehört, dass sich sowohl die Organisationen als auch die Ehrenamtlichen eine stärkere Strukturierung des Ehrenamtes wünschen. Damit sind sowohl Festlegungen bezüglich der Rahmenbedingungen als auch die Etablierung von Langzeit-Zielen und eine Professionalisierung im Betreuungssektor von Freiwilligen gemeint. Es wurde vermehrt darauf hingewiesen, dass ein Mangel an festangestellten Ansprechpersonen besteht, die die Ehrenamtlichen betreuen und unterstützen. Des Weiteren ist der Befund zu nennen, dass die Zielgruppe unseres Projekts - Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung - besonders häufig angaben, in informellen Strukturen und in Migrant*innenselbstorganisationen aktiv zu sein. Dieser Befund der unterschiedlichen Art des Ehrenamtes von Menschen ohne und mit Migrationshintergrund stellt sich dabei als länderübergreifendes Phänomen dar. Nur selten wurde die Eingebundenheit von Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung auch in traditionellen Sektoren, wie zum Beispiel in Wohlfahrtsverbänden, Gemeinschaftszentren oder in der Parteiarbeit, berichtet. Diese Differenz wurde insbesondere in der in Deutschland durchgeführten Studie deutlich. Die Daten weisen hier darauf hin, dass in vielen Organisationen, die in den Bereichen Migration und Flüchtlingshilfe aktiv sind, vor allem deutsche Freiwillige ohne Migrationshintergrund tätig sind. Demgegenüber berichten viele Migrant*innenselbstorganisationen, die zu den Schwerpunkten arbeiten, dass bei ihnen vor allem Freiwillige mit Migrationshintergrund ehrenamtlich mitarbeiten.

Zusätzlich zeigt sich, dass viele Organisationen in den vier Partnerländern ohne ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen kaum überlebensfähig wären, da viele Organisationen weitaus mehr ehrenamtliche als feste Mitarbeiter*innen haben, die wichtige Aufgaben wie Übersetzungen, Mentoring und administrative Aufgaben innerhalb der Organisation übernehmen.

Den Willen zum sozialen Engagement fördern

Für die erfolgreiche Einbindung von Flüchtlingen und Menschen aus Drittstaaten deutet das mehrfach replizierte Ergebnis darauf hin, dass ein gewisses Maß an grundlegender Sicherheit gewährleistet sein muss, um ehrenamtliches Engagement zu ermöglichen. Insbesondere bei Geflüchteten zeigt sich, dass einerseits persönliche Ängste, die die eigene Absicherung betreffen, und andererseits die in einigen europäischen Ländern restriktive Asylpolitik als hemmende Faktoren auf den Willen zum sozialen Engagement wirken.

Es ist davon auszugehen, dass ehrenamtliches Engagement für viele Vereine und Organisationen nicht mehr wegzudenken ist und Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung mittlerweile einen festen Platz in der Ehrenamtsarbeit in Europa erreicht haben. Mehrfach wurde berichtet, dass wichtige Fähigkeiten wie z.B. kulturelle Sensibilität und Mehrsprachigkeit zu einer Erhöhung des Professionalitätsspektrums auf beiden Seiten beitragen. Es ist jedoch darauf zu verweisen, dass die Daten vermuten lassen, dass ein Unterschied zwischen der Wahrnehmung der Organisationen und den in der Organisation ehrenamtlich Tätigen besteht. Dies lässt sich am besten am Beispiel der wahrgenommenen Vorteilen durch die Einbindung von Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung verdeutlichen: Im Onlinesurvey für Deutschland haben über 50% der teilnehmenden Organisationen den Erwerb der Sprache als einen besonderen Vorteil, der für Menschen mit Migrationshintergrund aus ehrenamtlicher Tätigkeit resultiert, beschrieben; von den Ehrenamtlichen mit Migrationshintergrund hat jedoch nur ein kleiner Prozentsatz den Spracherwerb als Vorteil einer ehrenamtlichen Tätigkeit gesehen, da die Mehrheit bereits seit vielen Jahren in Deutschland lebt und die Sprache bereits sehr gut beherrscht.

Weitere Projektschritte:

Auf Basis der forschungsbasierten Erkenntnisse sollen im nächsten Projektschritt Richtlinien entwickelt werden, um die Rolle der Freiwilligenarbeit bei der Integration von Einwanderern aus Drittstaaten und anderen Menschen mit Migrationshintergrund zu stärken.

Dabei werden drei Handbücher erstellt, die I) Organisationen helfen das Ehrenamt zu professionalisieren, II) Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung als Handreichung zum Thema Ehrenamt dienen und die vielseitigen Möglichkeiten und Arten von Ehrenamt aufzeigen und III) Tools und Beispiele von interkulturellen Trainings für Organisationen, die die Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung anstreben, anbieten.

Schließlich soll – unterstützt durch eine virtuelle Plattform – ein europäisches Netzwerk an nationalen Kontakten und Initiativen im Bereich der Freiwilligenarbeit von Menschen mit Migrationshintergrund/-erfahrung etabliert werden, um einen verstärkten transnationalen Dialog zwischen den verschiedenen Interessensgruppen zu ermöglichen.

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Volunteering Among Immigrants
Zur Autorin:

Elizaveta Firsova ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Institut für Didaktik der Demokratie der Leibniz Universität Hannover. Nach ihrem Studium der Bildungswissenschaft an der Freien Universität Berlin hat Frau Firsova bereits Erfahrung als Education Associate bei PROOF: Media for Social Justice in New York sammeln können, bevor sie derzeit unter anderem im Erasmus+-Projekt "Volunteering Among Immigrants (VAI)" mitarbeitet.

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