chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

 
 

Blog

Berufsbildung fördert lokale Gemeinschaften in Georgien

30/11/2017
by Raffaela Kihrer
Sprache: DE
Document available also in: EN FR IT PL ES HR

Im Oktober 2017 besuchten Vertreter des DVV international und der Europäische Verband für Erwachsenenbildung (European Association for the Education of Adults – EAEA) die Volkshochschule in Koda, Georgien. Durch verschiedene Erwachsenenbildungspakete und Berufsausbildungskurse ist das Zentrum zu einer wichtigen Quelle für neue Fertigkeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten für die dortige Bevölkerung geworden.

„Unsere Volkshochschule ist für die Entwicklung der Gemeinde unserer Stadt von zentraler Bedeutung“, sagt Galina Okropiridze, Direktorin der Volkshochschule in Koda. Die meisten Einwohner Kodas gehören einer Gemeinschaft von Binnenvertriebenen an. Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl der Binnenvertriebenen in Georgien auf bis zu 250.000, was etwa 5 % der Gesamtbevölkerung des Landes entspricht.

„Die 1990er Jahre waren eine sehr schwierige Zeit für uns, weil viele Georgier das Land auf der Suche nach besseren Arbeitsplätzen und einem besseren Leben verlassen haben“, erklärt Frau Okropiridze. „Die lokalen Gemeinschaften litten unter diesem Verlust an Arbeitskräften, aber auch unter dem Verlust des sozialen Kitts, der Familien und Gemeinschaften zusammenhielt.

Koda, eine kleine Stadt südlich von Tiflis, war von diesen gesellschaftlichen Veränderungen doppelt betroffen und wurde zu einer Aufnahmegesellschaft für Binnenvertriebene. Infolge der bewaffneten Konflikte in Abchasien und Südossetien wanderten Menschen aus diesen Regionen in Dörfer und Städte in anderen Teilen des Landes ab.

„Diese Gemeinschaften lebten sehr isoliert vom Rest der lokalen Bevölkerung. Menschen aus den Gemeinschaften hatten nur sehr wenige Möglichkeiten für Bildung und qualifizierte Arbeit“, erklärt Dalia Santeladze, Country Director von DVV International in Georgien. Um den Lernbedürfnissen der Binnenvertriebenen gerecht zu werden, hat DVV International Mitte der 2000er Jahre gemeinsam mit lokalen Partnern mit der Einrichtung von Volkshochschulen in ländlichen Gebieten begonnen.

Heute gibt es in Georgien zehn Volkshochschulen, drei weitere sind in Vorbereitung. „Dieses Gebäude wurde uns von der Gemeinde zur Verfügung gestellt“, sagt Frau Okropiridze über die Volkshochschule in Koda. „Gemeinsam mit Menschen aus der örtlichen Gemeinschaft haben wir es renoviert und neu ausgestattet. Die Menschen fühlen sich dieser Volkshochschule sehr verbunden.“

Die Volkshochschulen bieten „Erwachsenenbildungspakete“ an. Dazu gehören Kurse sowohl aus der nicht formalen Erwachsenenbildung als auch aus der beruflichen Bildung. „Ein ganzheitlicher Ansatz für lebenslanges Lernen wird hier nicht nur gepredigt, sondern auch in allen Bildungsaktivitäten angewendet“, sagt Santeladze. Die Lernenden können an berufsbildenden Kursen teilnehmen, wie z. B. Nähen, Bauen, Landwirtschaft, Möbelherstellung, Frisieren, Kochen und Backen, sowie an vielen anderen Kursen, die für die lokalen Gemeinschaften und die Wirtschaft relevant sind.

/de/file/koda-adult-learning-centreKoda Adult Learning Centre

Koda Adult Learning Centre

Gleichzeitig spielt die persönliche Entwicklung der Lernenden eine zentrale Rolle. Die Volkshochschule in Koda bietet staatsbürgerliche Bildung in Form von Debattierklassen, Treffen mit lokalen Politikern und Rechtsberatungen an. Darüber hinaus ist die Volkshochschule ein Zentrum für kulturelle Bildung: Sie bietet nicht nur  selbst Angebote in diesem Bereich an, sondern führt auch die Teilnehmer zu kulturellen Veranstaltungen. Als dritte Säule innerhalb des Angebots zur Persönlichkeitsentwicklung sind Kurse zur Gesundheitserziehung und Förderung von Finanzkompetenz sehr gefragt. Ergänzt wird das Programm durch Kurse zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung, wie z. B. IKT- und Sprachkurse.

„Eines der Hauptziele der Integration von nicht formaler Erwachsenenbildung und beruflicher Bildung ist die Förderung des Unternehmertums. Ein Unternehmen ohne soziale oder kreative Fähigkeiten zu gründen oder zu führen, würde weder in Georgien noch anderswo funktionieren“, sagt Frau Santeladze überzeugt. Dieser Ansatz habe wesentlich zur Gründung neuer Unternehmen und zur Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten in den Regionen beigetragen, in denen die Volkshochschulen angesiedelt sind. Sie haben auch damit begonnen, soziale Unternehmen in den Volkshochschulen zu eröffnen, um finanziell unabhängig zu werden. Zu diesen Sozialunternehmen gehören unter anderem eine Näh- und Honigwerkstatt, ein Coffeeshop sowie eine Recycling-- und Upcycling-Werkstatt für Haushaltselektronik.

/de/file/koda-centre-timetableKoda Centre Timetable

Koda Centre Timetable

Die Mitarbeiter der Volkshochschule in Koda sind stolz auf das Kursprogramm und die Räumlichkeiten, in denen die Kurse und Workshops stattfinden. „Alle Altersgruppen sind eingebunden –  von Kindern bis hin zu über 80-Jährigen“, sagt Frau Okropiridze. Unsere älteste Schülerin, die jetzt auch Kursleiterin ist, ist über 80 Jahre alt. Sie gibt Kurse in Quilten und Filzen.“ Während zu Beginn des Projekts die Kursleiter und Lehrkräfte aus anderen Städten kamen, stammen sie nun dank eines Programms zum Ausbau von Kompetenzen für neue und angehende Kursleiter und Lehrkräfte alle aus der lokalen Gemeinschaft. Die meisten von ihnen haben vorher Kurse in der Volkshochschule besucht.

Während die Volkshochschulen wachsen und expandieren, werden auch die Kursteilnehmer immer vielfältiger. „Heute kommen unsere Kursteilnehmer aus allen Lebensbereichen“, sagt Frau Okropiridse. Seit der Gründung der ersten Volkshochschulen in Georgien im Jahr 2006 haben sie mehr als 60.000 Menschen erreicht, Tendenz steigend. Frau Santeladze schließt die Führung ab: „Unsere Volkshochschulen sind keine reinen Lernorte, sondern Begegnungsräume für die gesamte lokale Bevölkerung. Unser Slogan lautet nicht umsonst: Verbessern wir die Lebensbedingungen.“

Die Volkshochschulen in Georgien wurden von DVV International mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Europäischen Union gegründet. Heute sind alle Volkshochschulen Mitglieder der nationalen Plattform GAEN, dem georgischen Erwachsenenbildungsnetzwerk, das 2014 gegründet wurde und seit 2015 Mitglied des Europäischen Verbands für Erwachsenenbildung ist.


Raffaela Kihrer ist seit 2013 in der EU-Erwachsenenbildung und im Bereich des lebenslangen Lernens tätig. Als Politikbeauftragte beim Europäischen Verband für Erwachsenenbildung (European Association for the Education of Adults – EAEA) fördert sie die Werte der nicht formalen Erwachsenenbildung und des Lernens durch Unterstützung und Informationsarbeit auf europäischer Ebene. Raffaela interessiert sich besonders für den Bereich der staatsbürgerlichen Bildung und vertritt die Perspektive der nicht formalen Erwachsenenbildung in der Lenkungsgruppe zur globalen staatsbürgerlichen Bildung in Concord Europe.

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn
Refresh comments Enable auto refresh

1 - 3 von 3 anzeigen
  • Bild des Benutzers Laura Austen-Gray
    Lovely to hear your capacity building programme is successfully helping some of the learners to become trainers and educators themselves. The best of luck to the social enterprises in the centres to become financially self-sustained. Thanks for the inspiring article! 
  • Bild des Benutzers Monika Gromadzka
    Normal 0 21 false false false PL X-NONE X-NONE MicrosoftInternetExplorer4

    Jako osoba związana z andragogiką cały czas zafascynowana jestem aktywnością edukacyjną człowieka. Dlaczego podejmuje działania edukacyjne, dlaczego z nich rezygnuje, co skłania go do zaangażowania się w nową rolę w swoim czasie wolnym itd. Dlatego wszelkie przejawy właśnie takiego dowolnego uczestnictwa są dla mnie niebywale frapujące. Trochę ubolewam, że w Polsce w małych miasteczkach mało jest takich miejsc, gdzie za darmo albo za niewielką opłatą można rozwijać swoje umiejętności, ale też i pasje. Może więcej relacji (takich jak ta z Gruzji) z innych krajów, jak również przedstawienie rozwiązań organizacyjnych i technicznych   wspomoże rozwój polskich centrów edukacji dorosłych szczególnie w małych miejscowościach.

  • Bild des Benutzers InaWORD GAD
    InaWord is a Foreign Language learning Institute in Chennai. We conduct classes for several languages - German language course, French classes, Spanish language, Japanese classes, Mandarin Chinese classes and English classes.