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ValiSkills: Hintergrund, Ergebnisse und eine Einladung

Berufliche Chancen und Anerkennung sind vor allem auch in Deutschland noch immer von formalen Berufsabschlüssen abhängig. Wertvolle Kompetenzen hingegen, die Menschen (informell) in langjähriger Berufstätigkeit oder ohne formalen Abschluss (non-formal) in der Weiterbildung erwerben, bleiben weitgehend unterbewertet. Angesichts dieser Herausforderungen befasst sich die ValiSkills-Partnerschaft seit mehr als 10 Jahren mit der Anerkennung beruflicher Handlungskompetenzen formal geringqualifizierter Erwachsener.

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Zwischen „Geringqualifiziert“ und „Fachkraft“

Berufliche Chancen und Anerkennung sind vor allem auch in Deutschland noch immer von – am Anfang eines langen Arbeitslebens erworbenen - formalen Berufsabschlüssen abhängig. Wertvolle Kompetenzen hingegen, die Menschen (informell) in langjähriger Berufstätigkeit oder ohne formalen Abschluss (non-formal) in der Weiterbildung erwerben, bleiben weitgehend unterbewertet.

ValiSkills Erasmus+ Projektlogo
Moderne Berufsbiografien sind von Arbeits- und Tätigkeitswechseln geprägt. Beschäftigte erwerben dabei Kompetenzen und nutzen diese regelmäßig, ohne dass damit eine soziale oder formale Anerkennung verbunden ist. Große Gruppen berufserfahrener Menschen ohne Berufsabschluss, Quereinsteiger aus anderen Berufen, Selbständige u.a. könnten von einer formalen Anerkennung ihrer beruflich relevanten Kompetenzen profitieren. Deren Anerkennung und Berücksichtigung schafft Zugang zu formalen Bildungsangeboten, die auf den individuellen Weiterbildungsbedarf zugeschnitten sind.

Die gesellschaftliche Anerkennung von Kompetenzen, auch wenn diese (noch) nicht zu einem Berufsabschluss führt, steigert das Selbstwertgefühl dieser Menschen („Ich kann was und bin wer!“) und schafft neue Lernmotivation („Empowerment“).

Neben der individuellen Perspektive besteht angesichts wachsender Anforderungen in der Arbeitswelt und eines zunehmenden Fachkräftebedarfs unter den Bedingungen des demografischen Wandels hier auch eine wichtige gesellschaftliche Ressource und Herausforderung.

ValiSkills – 10 Jahre europäische Validierungskooperation

Angesichts dieser Herausforderungen befasst sich die Erasmus+ Partnerschaft ValiSkills unter Mitwirkung von Partnern aus insgesamt 11 Ländern seit mehr als 10 Jahren in verschiedenen EU- Berufs- bzw. Erwachsenenbildungsprojekten mit der Anerkennung beruflicher Handlungskompetenzen formal geringqualifizierter Erwachsener.

In einem einführenden Lernpartnerschaftsprojekt unter dem Titel „Validation of Learning“ machten sich die Partner zunächst mit bewährten nationalen Verfahren zur Feststellung und Anerkennung von Kompetenzen näher bekannt, wie dem französischen VAE, dem norwegischen „Realkompetanse“ oder dem schweizerischen Verfahren zur „Validierung von Bildungsleistungen“ (LLP/ LdV LP 2008-10).

Erasmus+Projekt ValiSkills Projekttreffen Stettin
Projekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkillsProjekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkillsProjekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkillsProjekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkills

Im darauf aufbauenden „ValiSkills“-Nachfolgeprojekt ging es um die exemplarische Entwicklung eines „Verfahrens zur Validierung beruflicher Handlungskompetenzen bei geringqualifizierten Erwachsenen im Kontext der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung“. Das Verfahren wurde zunächst für den Bedarf des deutschen Weiterbildungsmarkts und speziell für die Vorbereitung auf die Externenprüfung bei den „zuständigen Stellen“ entwickelt. Ziel war dabei, auf der Grundlage des Nachweises beruflicher Handlungskompetenzen den individuellen Nachqualifizierungsbedarf festzustellen und die Beteiligten passgenau und zeitsparend auf die Berufsabschlussprüfung vorzubereiten. (2012-14/ LLP/ LdV ToI-Projekt)

Leider ergibt sich aktuell der Eindruck dass dieser modulare, ressourcensparende Weg zum Berufsabschluss bei den Arbeitsmarktakteuren nicht mehr die gebührende Aufmerksamkeit findet. Die aktuell laufende Erprobung des Valikom-Validierungsverfahrens gibt jedoch Hoffnung für eine lukrative Alternative.

Die zwischenzeitlich (2012) verabschiedete, sehr anspruchsvolle Aufforderung des Europäischen Rats an die Mitgliedsstaaten, bis 2018 nationale Validierungsverfahren einzuführen, hat die Projektpartner bestätigt, das wichtige, aber auch sehr komplexe und vielschichtige Thema weiter intensiv zu verfolgen.

Im anschließenden ValiSkills2 – Projekt zur „Feststellung beruflicher Handlungskompetenzen bei Geringqualifizierten als Zugang zum Berufsabschluss“ (2015 – 17/ Erasmus+ KA2 Erwachsenenbildung) gestalteten die Partner das Verfahren weiter aus. Im Fokus stand jetzt die Validierung als Alternative zur Externenprüfung. Dazu gehörte insbesondere die Entwicklung eines Online-Portfolio für die Nachweisführung, Beratung und Begutachtung (Phasen 1-3 des Validierungsverfahrens) und ein Weiterbildungsangebot für Validierungsfachkräfte. Das ePortfolio und andere Produkte der Projektarbeit sind auf der ValiSkills-Website allgemein zugänglich. Siehe dazu auch diesen EPALE Kommentar.

ValiSkills3: Eine europäische Diskussion zur Validierung

Gegenstand des aktuellen ValiSkills3-Projekts ist eine europäische Blogdiskussion zum Austausch von Praxiserfahrungen bei der Anerkennung von Lernleistungen Erwachsener und aus dem Einsatz nationaler Validierungssysteme (2018 – 20/ Erasmus+ KA2 Erwachsenenbildung). Die Online- Diskussionen werden durch Vor-Ort-Begegnungen mit Erfahrungsträgern ergänzt.

Dabei geht es u.a. um die Übertragbarkeit bewährter Validierungsverfahren u.a. bezogen auf

  • Verfahren und Instrumente
  • rechtliche Verbindlichkeit: Verwertbarkeit, Standardisierung, Einheitlichkeit
  • Akzeptanz im Bildungs- und Beschäftigungssystem,
  • Qualitätssicherung,
  • Zugangs- und Anschlussmöglichkeiten,
  • Institutionalisierung: Rollen, Zuständigkeiten, Vernetzungen.
  • Finanzierung

Die bisher gestarteten Diskussionen betreffen die diesbezüglichen Erfahrungen aus der Personalentwicklung eines multinationalen Konzerns, der niederländischen Armee und der Validierung von Bildungsleistungen in der Schweiz. Weitere Diskussionen werden im weiteren Projektverlauf schrittweise lanciert.

Bitte beteiligen Sie sich an den derzeit auf der Valiskills-Website stehenden themenbezogenen Diskussionen. Wir laden alle Interessenten ein, Kommentare, Nachfragen oder Hinweise mit uns zu teilen. Gerne können Sie diese auch im EPALE Kommentarfeld veröffentlichen.

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Über den Autor: Hans-Joachim Borchert ist Leiter des Bereichs Internationale Projekte bei ABU Akademie für Berufsförderung und Umschulung gGmbH. Er ist des Weiteren Projektleiter und Partner in EU/ Erasmus+ und bilateralen Projekten der beruflichen Aus- und Weiterbildung.


Lesen Sie hierzu auch:

EPALE-Themenschwerpunkt: Validierung

Talente sichtbar machen – Validierung als neuer Weg in der Berufsbildung

Bildrechte: Erasmus+ Projekt ValiSkills3

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