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ValiSkills: Hintergrund, Ergebnisse und eine Einladung

24/07/2019
von Hans-Joachim BO...
Sprache: DE

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Zwischen „Geringqualifiziert“ und „Fachkraft“

Berufliche Chancen und Anerkennung sind vor allem auch in Deutschland noch immer von – am Anfang eines langen Arbeitslebens erworbenen - formalen Berufsabschlüssen abhängig. Wertvolle Kompetenzen hingegen, die Menschen (informell) in langjähriger Berufstätigkeit oder ohne formalen Abschluss (non-formal) in der Weiterbildung erwerben, bleiben weitgehend unterbewertet.

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ValiSkills Erasmus+ Projektlogo
Moderne Berufsbiografien sind von Arbeits- und Tätigkeitswechseln geprägt. Beschäftigte erwerben dabei Kompetenzen und nutzen diese regelmäßig, ohne dass damit eine soziale oder formale Anerkennung verbunden ist. Große Gruppen berufserfahrener Menschen ohne Berufsabschluss, Quereinsteiger aus anderen Berufen, Selbständige u.a. könnten von einer formalen Anerkennung ihrer beruflich relevanten Kompetenzen profitieren. Deren Anerkennung und Berücksichtigung schafft Zugang zu formalen Bildungsangeboten, die auf den individuellen Weiterbildungsbedarf zugeschnitten sind.

Die gesellschaftliche Anerkennung von Kompetenzen, auch wenn diese (noch) nicht zu einem Berufsabschluss führt, steigert das Selbstwertgefühl dieser Menschen („Ich kann was und bin wer!“) und schafft neue Lernmotivation („Empowerment“).

Neben der individuellen Perspektive besteht angesichts wachsender Anforderungen in der Arbeitswelt und eines zunehmenden Fachkräftebedarfs unter den Bedingungen des demografischen Wandels hier auch eine wichtige gesellschaftliche Ressource und Herausforderung.

ValiSkills – 10 Jahre europäische Validierungskooperation

Angesichts dieser Herausforderungen befasst sich die Erasmus+ Partnerschaft ValiSkills unter Mitwirkung von Partnern aus insgesamt 11 Ländern seit mehr als 10 Jahren in verschiedenen EU- Berufs- bzw. Erwachsenenbildungsprojekten mit der Anerkennung beruflicher Handlungskompetenzen formal geringqualifizierter Erwachsener.

In einem einführenden Lernpartnerschaftsprojekt unter dem Titel „Validation of Learning“ machten sich die Partner zunächst mit bewährten nationalen Verfahren zur Feststellung und Anerkennung von Kompetenzen näher bekannt, wie dem französischen VAE, dem norwegischen „Realkompetanse“ oder dem schweizerischen Verfahren zur „Validierung von Bildungsleistungen“ (LLP/ LdV LP 2008-10).

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Erasmus+Projekt ValiSkills Projekttreffen Stettin
Projekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkillsProjekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkillsProjekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkillsProjekttreffen in Stettin, 2016. © Borchert / ValiSkills

Im darauf aufbauenden „ValiSkills“-Nachfolgeprojekt ging es um die exemplarische Entwicklung eines „Verfahrens zur Validierung beruflicher Handlungskompetenzen bei geringqualifizierten Erwachsenen im Kontext der abschlussorientierten modularen Nachqualifizierung“. Das Verfahren wurde zunächst für den Bedarf des deutschen Weiterbildungsmarkts und speziell für die Vorbereitung auf die Externenprüfung bei den „zuständigen Stellen“ entwickelt. Ziel war dabei, auf der Grundlage des Nachweises beruflicher Handlungskompetenzen den individuellen Nachqualifizierungsbedarf festzustellen und die Beteiligten passgenau und zeitsparend auf die Berufsabschlussprüfung vorzubereiten. (2012-14/ LLP/ LdV ToI-Projekt)

Leider ergibt sich aktuell der Eindruck dass dieser modulare, ressourcensparende Weg zum Berufsabschluss bei den Arbeitsmarktakteuren nicht mehr die gebührende Aufmerksamkeit findet. Die aktuell laufende Erprobung des Valikom-Validierungsverfahrens gibt jedoch Hoffnung für eine lukrative Alternative.

Die zwischenzeitlich (2012) verabschiedete, sehr anspruchsvolle Aufforderung des Europäischen Rats an die Mitgliedsstaaten, bis 2018 nationale Validierungsverfahren einzuführen, hat die Projektpartner bestätigt, das wichtige, aber auch sehr komplexe und vielschichtige Thema weiter intensiv zu verfolgen.

Im anschließenden ValiSkills2 – Projekt zur „Feststellung beruflicher Handlungskompetenzen bei Geringqualifizierten als Zugang zum Berufsabschluss“ (2015 – 17/ Erasmus+ KA2 Erwachsenenbildung) gestalteten die Partner das Verfahren weiter aus. Im Fokus stand jetzt die Validierung als Alternative zur Externenprüfung. Dazu gehörte insbesondere die Entwicklung eines Online-Portfolio für die Nachweisführung, Beratung und Begutachtung (Phasen 1-3 des Validierungsverfahrens) und ein Weiterbildungsangebot für Validierungsfachkräfte. Das ePortfolio und andere Produkte der Projektarbeit sind auf der ValiSkills-Website allgemein zugänglich. Siehe dazu auch diesen EPALE Kommentar.

ValiSkills3: Eine europäische Diskussion zur Validierung

Gegenstand des aktuellen ValiSkills3-Projekts ist eine europäische Blogdiskussion zum Austausch von Praxiserfahrungen bei der Anerkennung von Lernleistungen Erwachsener und aus dem Einsatz nationaler Validierungssysteme (2018 – 20/ Erasmus+ KA2 Erwachsenenbildung). Die Online- Diskussionen werden durch Vor-Ort-Begegnungen mit Erfahrungsträgern ergänzt.

Dabei geht es u.a. um die Übertragbarkeit bewährter Validierungsverfahren u.a. bezogen auf

  • Verfahren und Instrumente
  • rechtliche Verbindlichkeit: Verwertbarkeit, Standardisierung, Einheitlichkeit
  • Akzeptanz im Bildungs- und Beschäftigungssystem,
  • Qualitätssicherung,
  • Zugangs- und Anschlussmöglichkeiten,
  • Institutionalisierung: Rollen, Zuständigkeiten, Vernetzungen.
  • Finanzierung

Die bisher gestarteten Diskussionen betreffen die diesbezüglichen Erfahrungen aus der Personalentwicklung eines multinationalen Konzerns, der niederländischen Armee und der Validierung von Bildungsleistungen in der Schweiz. Weitere Diskussionen werden im weiteren Projektverlauf schrittweise lanciert.

Bitte beteiligen Sie sich an den derzeit auf der Valiskills-Website stehenden themenbezogenen Diskussionen. Wir laden alle Interessenten ein, Kommentare, Nachfragen oder Hinweise mit uns zu teilen. Gerne können Sie diese auch im EPALE Kommentarfeld veröffentlichen.

Jetzt einloggen und mitdiskutieren!

Über den Autor: Hans-Joachim Borchert ist Leiter des Bereichs Internationale Projekte bei ABU Akademie für Berufsförderung und Umschulung gGmbH. Er ist des Weiteren Projektleiter und Partner in EU/ Erasmus+ und bilateralen Projekten der beruflichen Aus- und Weiterbildung.


Lesen Sie hierzu auch:

EPALE-Themenschwerpunkt: Validierung

Talente sichtbar machen – Validierung als neuer Weg in der Berufsbildung

Bildrechte: Erasmus+ Projekt ValiSkills3

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1 - 8 von 8 anzeigen
  • Bild des Benutzers Karin Stammbach
    Das Problem Fachkräftemangel macht sich in den meisten europäischen Ländern je länger je mehr bemerkbar. Es wäre äusserst schade, das vorhandene Potenzial erfahrener Berufsleute, denen nur ein formaler Abschluss fehlt nicht zu nutzen. Die Diskussionen zeigen, dass die Instrumente vorhanden sind, sie müssen aber auch genutzt werden. Wir können nur weiter daran arbeiten, das Bewusstsein zu fördern, dass über Validierung erworbene Abschlüsse nicht weniger wert sind.
  • Bild des Benutzers Martin Stark
    Ich bin da grundsätzlich positiv eingestellt, was das Bewusstsein betrifft. Der von Ihnen angesprochene Fachkräftemangel, aber auch die sich immer schneller veränderten Anforderungen am Arbeitsmarkt werden den Unternehmen keine andere Wahl lassen als sich auch für BewerberInnen zu öffnen, die einen Berufsabschluss nicht über den Erstausbildungsweg im Rahmen des formalen Bildungssystems erlangt haben. Deshalb ist es auch so wichtig, dass es Projekte wie Valiskills und Valikomm gibt. Verfahren wie diese werden in Zukunft wichtige Elemente eines gut funktionierenden Arbeitsmarktes darstellen.
  • Bild des Benutzers Sibilla Drews

    Mit einer öffentlichen Konsultation evaluiert die Europäische Kommission ihre Empfehlung zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens. Der Fragebogen richtet sich sowohl an Einrichtungen, die Verfahren der Validierung anwenden als auch an Personen, die selber eine Validierung in Anspruch genommen haben.

    Bis zum 13. November haben sie die Möglichkeit, sich an der öffentlichen Konsultation zu beteiligen.

  • Bild des Benutzers Hans-Joachim BORCHERT
    Hallo Herr Marquart,
    vielen Dank für Ihren lobenden Kommentar und für den Hinweis auf das ValiKom-Projekt.
    Wir stehen mit ValiKom im engen Kontakt und konnten das im Rahmen unseres Vorgängerprojekts entwickelte ValiSkills- ePortfolio erfolgreich in einem Valikom- Validierungsverfahren einsetzen. Es hat sich in diesem konkreten Anwendungsfall als eine Alternative zum ValiKom-Selbsteinschätzungsbogen bewährt.
  • Bild des Benutzers Christine Bertram
    Es ist ermutigend, wenn die harte Arbeit von Erasmus+ Projekten sich auszahlt und auch im Rahmen von anderen Initiativen erfolgreich eingebracht und umgesetzt werden können. Weiter so!
  • Bild des Benutzers Annelie Poker
    Schön, dass ValiSkills sich dafür stark macht, Geringqualifizierten die Möglichkeit zu geben im Laufe ihres Arbeitslebens erworbene Handlungskompetenzen von offizieller Seite bescheinigen zu lassen. Validierungen sind eine Chance den Status Geringqualifizierter auf dem Arbeitsmarkt aufzuwerten, ihnen neue Perspektiven zu eröffnen und damit das Selbstwertgefühl zu stärken. Das Aufzeigen bislang unbeachteter Fähigkeiten Geringqualifizierter mittels Validierungen öffnet nicht nur dem Arbeitnehmer Türen. Auch der Arbeitgeber kann hiervon profitieren, indem er durch Validierung auf ungenutzte Resourcen aufmerksam gemacht wird und diese nun nutzen kann.
  • Bild des Benutzers Karolina Jagodzinski
    Ich sehe das genauso! Ich finde zudem, dass Validierung ein wertvoller Ansatz ist, um in der Gesellschaft solche Kompetenzen zu fördern, die für unsere sich schnell verändernde Welt in Zukunft unbedingt notwendig sein werden und für die es bislang nur unzureichende formale Lehr- und Qualifikationsangebote gibt. Insofern leistet ValiSkills in diesem Zusammenhang wichtige Arbeit!
  • Bild des Benutzers Michael MARQUART
    Das ist ein tolles Beispiel dafür, dass es sich lohnt, über Jahre hinweg am Ball zu bleiben und ein Thema in mehreren Projekten konsequent weiterzuverfolgen!
    Informationen zu dem im Text angesprochenen BMBF-geförderten Projekt ValiKom und dem Folgeprojekt ValiKom Transfer finden sich übrigens unter: https://www.validierungsverfahren.de