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Anerkennung des nicht formalen und informellen Lernens – Schottlands ganzheitlicher Ansatz

EPALE’s Thematic Coordinator for Quality, Andrew McCoshan, looks at practices in Scotland and finds there is much that will be of interest to practitioners in other countries.

Andrew McCoshan, EPALEs Themenkoordinator für Qualität, betrachtet Verfahren in Schottland und stellt fest, dass viele Aspekte für Fachkräfte in anderen Ländern von Interesse sein werden.

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern verfügt Schottland bereits seit einigen Jahren über einen gut ausgearbeiteten Ansatz zur Anerkennung des nicht formalen und informellen Lernens, der auch „Recognition of prior learning“ (RPL; „Anrechnung vorgängig erworbener Kompetenzen“) genannt wird. Drei Aspekte stechen besonders hervor:

  • RPL ist in das Scottish Credit and Qualifications Framework (SCQF; Schottisches Bezugssystem für Studienleistungen und Qualifikationen) integriert.
  • Durch die Bereitstellung von Leitlinien und Ressourcen wird die Umsetzung von RPL bestärkt und unterstützt.
  • Es herrscht Klarheit darüber, welche Art von Unterstützung Lernende benötigen – Förderung.

Integration von RPL in das System

RPL ist integraler Bestandteil des SCQF: Sechs der 25 Grundsätze im Zusammenhang mit dem SCQF beziehen sich auf RPL, so wie es im SCQF-Leitfaden beschrieben wird.

Unter anderem gibt es die Vorgabe, dass RPL für das Lernen und nicht nur für Erfahrung vergeben wird, dass Qualifikationen und Lernprogramme im Rahmen des Qualifikationssystems die Anrechnung von Punkten für RPL ermöglichen und begünstigen sollen, und dass durch RPL erlangte SCQF-Punkte den gleichen Wert haben wie Punkte, die durch formales Lernen erlangt wurden. Zudem wird vorgegeben, dass die Einstufungs- und Kontrollverfahren für RPL in bestehende Qualitätssicherungsverfahren integriert werden sollten. Die Grundprinzipien für RPL werden ebenfalls dargelegt, wie in dem unten stehenden Kasten zu sehen ist.

 

Grundprinzipien von RPL in Schottland

RPL sollte folgendes sein:

Auf Lernende ausgerichtet – Lernen sollte erleichtert und nicht erschwert werden, und die Bedürfnisse der Lernenden haben Priorität.

Zugänglich – Es ist für Lernende aller Stufen anwendbar, jedem steht die passende Beratung offen und die Abläufe sind leicht zu verstehen und umzusetzen. RPL ist dabei ein integraler Bestandteil des Lernangebots.

Flexibel – Es wird den unterschiedlichen Lernbedürfnissen, Zielen und Erfahrungen gerecht.

Zuverlässig, transparent und einheitlich – Die Ergebnisse sind vertrauenswürdig.

Qualitätsgesichert – RPL wird durch Qualitätssicherungsverfahren gestützt, und Lernende werden durch Förderer dabei unterstützt, über Erfahrungen zu reflektieren und das Gelernte abzurufen.

Quelle: RPL-Toolkit, S. 9–10

Unterstützung für die Anbieter von RPL

Neben diesen Elementen bietet die SCQF-Partnerschaft vielfältige Unterstützung für Anbieter von RPL und Lernende. Die SCQF-Website liefert Leitlinien für Arbeitgeber, Lernende und Bildungseinrichtungen.

Ein RPL-Tool verweist Einzelpersonen oder Organisationen auf relevante Informationen, je nachdem, welche Lernart angerechnet werden soll und welches Ergebnis der RPL-Bewerber anstrebt (z. B. die Vergabe von Punkten für eine Qualifikation oder den Zugang zu anderen Lernprogrammen). Neben dieser Online-Unterstützung werden regelmäßige Einführungs-Workshops für Lernende und Fachkräfte angeboten. Es gibt zudem ein SCQF-RPL-Netzwerk.

Klarheit über die Bedeutung der Unterstützerrolle

Zur Unterstützung gehört auch das 58-seitige Dokument Facilitating the Recognition of Prior Learning: Toolkit. Es enthält Informationsmaterial für Lernende sowie Ideen für Aktivitäten, die mit Personen unternommen werden können, die ihre vorherig erworbenen Kompetenzen bestätigen lassen möchten. Das Material basiert auf Unterlagen, die in einem durch das Sokrates-Programm finanzierten Projekt erstellt wurden. Wichtig ist auch, dass das Toolkit die Funktion der Förderung in RPL hervorhebt. Dies ist von entscheidender Bedeutung, denn Lernende müssen mündlich und/oder schriftlich darlegen, welche Kompetenzen und Kenntnisse sie außerhalb des formalen Lernens erlangt haben. Dafür müssen sie über ihre Erfahrungen reflektieren und das Gelernte abrufen, wofür sie die Hilfe eines Förderers benötigen.

Die zentralen Aufgaben eines Förderers umfassen:

  • die Lernenden über RPL zu informieren und zu beraten
  • den Lernenden die Methoden nahezubringen, mit denen sie mithilfe ihrer Erfahrung und des RPL-Verfahrens lernen können
  • die Lernenden zu unterstützen, den Zusammenhang zwischen ihrem nicht formalen und informellen Lernen und den Lernergebnissen ihrer benötigten Qualifikation/Lernprogramme zu verstehen 

Förderer fungieren nicht nur als Pädagogen, sie können auch Vorgesetzte, Betreuer, Mentoren oder erfahrene Kollegen sein.

Erfolgsgeheimnisse

Für die Anerkennung verfolgt Schottland einen umfassenden Ansatz. Sie ist nicht nur formell in das System für Qualifikationen und Studienleistungen integriert, es wurde auch erkannt, dass zur Umsetzung von Anerkennungsverfahren praktische Unterstützung notwendig ist und dass Klarheit darüber bestehen muss, wie Lernende am besten unterstützt werden. Hierbei liegt aus gutem Grund ein Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Gruppen – eine weitere wichtige Lektion aus Schottland.

Andrew McCoshan ist seit über 25 Jahren im Bereich Bildung und Ausbildung tätig. Seit mehr als 10 Jahren ist er auf Studien zur Entwicklung und Bewertung von Strategien für die EU spezialisiert. Andrew ist derzeit als freiberuflicher Berater und als ECVET-Experte für Großbritannien und Nordirland tätig. Er war außerdem Experte für Qualität des Transnationalen Lernnetzwerks des ESF über Mobilität für benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene.

 

 

 

 

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