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Validierung für gering qualifizierte Erwachsene: 11 Empfehlungen

07/04/2017
by Gina Ebner
Sprache: DE
Document available also in: EN IT ET FI PL HU LT ES FR BG HR CS

Am 28.-29. November 2016 veranstaltete das Cedefop eine Konferenz zum Thema, wie Lernen sichtbar gemacht werden kann. Die Konferenz fand in Thessaloniki statt und wurde von mehr als 200 Teilnehmern besucht. Eine Vielzahl von Akteuren besuchte die Veranstaltung – von Menschen, die an der Basis mit Flüchtlingen arbeiten bis hin zu Forschern und politischen Entscheidungsträgern. EPALEs thematische Koordinatorin für die Unterstützung von Lernenden, Gina Ebner, berichtete über einen der Workshops zur Validierung für gering qualifizierte Erwachsene. In diesem Blog-Beitrag stellt sie die wichtigsten Botschaften und Höhepunkte der Diskussion vor.

 

Der Workshop zur Validierung für gering qualifizierte Erwachsene startete mit der Präsentation des portugiesischen Validierungssystems und einem Video über die Geschichte von Idalina, einer Frau, die es von einer arbeitslosen Textilarbeiterin zur Besitzerin ihrer eigenen Anwaltskanzlei geschafft hat – und zwar alles dank Validierung. Das Video diente als perfekter Ausgangspunkt des Workshops, da es eine gute Zuordnung der  Diskussion ermöglicht. Es zeigte, dass es bei der Validierung nicht nur um Theorien geht – sie kann das Leben der Menschen verändern:

 

 

Nach einer Einführung konzentrierten wir uns auf folgende Themen:

  • Wie sollte mit sozialen Kompetenzen umgegangen werden?
  • Welche Kompetenzen sollten geprüft bzw. bewertet werden, um das Wissen einer Person zu validieren?
  • Geld – wer zahlt?
  • Wie lässt sich nicht formale Erwachsenenbildung in Validierungssystemen stärken?
  • Was muss getan werden, damit die Menschen ihre Fähigkeiten validieren wollen?

Mit diesen Fragen wurden zahlreiche Probleme angesprochen, wie z. B. die Notwendigkeit, Grundkompetenzen zu verstehen (wir sollten hier eher an Lebenskompetenzen als an Grundkompetenzen denken), die Notwendigkeit einer Sensibilisierung auf allen Ebenen und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Es kam zu einer heftigen Diskussion über das Thema „Prüfung“ von Erwachsenen. Die Gruppe stimmte zu, dass Tests wie in der Schule bei Erwachsenen mit geringer Qualifizierung vermieden werden sollten. Es gibt verschiedene Bewertungsmethoden, wie z. B. Gespräche oder Portfolioaufbau, die besser geeignet sind. Ein weiterer wichtiger Faktor war der Aufbau von Selbstvertrauen bei den Kandidaten.

Die Teilnehmer stimmten zu, dass heutzutage soziale Kompetenzen immer wichtiger werden, insbesondere für Arbeitgeber. Deshalb darf man sich nicht nur auf technische und Grundkompetenzen beschränken. Dennoch hoben die Teilnehmer hervor, dass es potenzielle Gefahren geben könne – die Validierung dürfe sich nicht zu Persönlichkeits- oder Psychometrietests entwickeln.

Eine weitere wichtige Frage drehte sich um Geld – wer zahlt wofür? Hier gingen die Meinungen auseinander, aber es gab Übereinstimmung dahingehend, dass eine Lösung mit Kostenaufteilung wahrscheinlich am besten wäre. Arbeitgeber wurden als eine Gruppe erwähnt, die davon profitieren würde und daher zu den Kosten der Validierung beitragen sollte. Dennoch war sich die Diskussionsgruppe einig, dass vor allem für gering qualifizierte Erwachsene das Validierungsverfahren kostenlos oder so erschwinglich wie möglich sein sollte, wobei die Regierung die Hauptverantwortung übernehmen müsste.

Die Gruppe, die darüber diskutierte, wie man Menschen von der Validierung überzeugt, unterstrich die Notwendigkeit einer Sensibilisierung (einschließlich verschiedener Medien, wie das oben erwähnte Video), Vorbilder und Sensibilisierungsaktivitäten, die auf verschiedene Gruppen ausgerichtet sind.

Schließlich einigte sich der Workshop auf elf Empfehlungen:

  1. Wir brauchen mehr Sensibilisierung, z. B. durch Informationskampagnen, insbesondere mit Geschichten von Lernenden. Lernende können Botschafter und Vorbilder sein. Es gibt viele positive Argumente, z. B. nicht nur die Auswirkungen auf die einzelnen Personen, sondern auch auf ihre Familien.
  2. Sensibilisierungsstrategien zum Umgang mit und zur Bewältigung von Ängsten und Barrieren sind sehr empfehlenswert.
  3. Es wird Unterstützung auf lokaler Ebene benötigt, z. B. durch Orientierungs- und Beratungsangebote. In vielen Fällen ist es sinnvoll, die Validierung und das Lernen mit anderen Politiken zu verknüpfen, z. B. soziale Unterstützung, aber auch Gesundheit.
  4. Es müssen hochqualifizierte Menschen im System arbeiten (Berater etc.).
  5. Die Verpflichtung der Regierung, der Arbeitgeber und aller anderen Stakeholder ist notwendig. Eine funktionierende Organisationsstruktur ist eine wichtige Grundlage für ein erfolgreiches System. Die Organisationsstruktur muss außerdem transparent und verständlich sein.
  6. Jemand muss für gering qualifizierte Erwachsene verantwortlich sein – nur für den Fall, dass der oben genannte Punkt das nicht deutlich unterstrichen hat! Die Gruppe wies nachdrücklich darauf hin, dass Initiativen für Menschen mit geringen Grundkompetenzen häufig scheitern, weil niemand verantwortlich ist.
  7. Qualitätssicherung ist ein wichtiger Bestandteil – dadurch kann Vertrauen aufgebaut werden. Sie sollte Teil des rechtlichen Rahmens und der Bewertung sein.
  8. Wenn die Validierung erfolgreich sein soll, muss mehr Gleichheit zwischen den informellen, nicht formalen und formalen Sektoren gewährleistet werden. Stakeholder aus verschiedenen Bereichen müssen außerdem als gleichberechtigt angesehen werden, insbesondere diejenigen, die mit gering qualifizierten Erwachsenen arbeiten und diese vertreten.
  9. Es sollten sich alle an einen Tisch setzen und sich über den Wert der Validierung und ihrer Umsetzung einigen sowie gleichzeitig die Einbeziehung gering qualifizierter Erwachsener zu einer Priorität machen.
  10. Die Koordination auf politischer Ebene ist eine besondere Herausforderung, die frühzeitig angegangen werden muss. Es wird immer noch zu viel isoliert und zu wenig gemeinsam gearbeitet. Wenn Validierungssysteme erfolgreich sein sollen, ist mehr Zusammenarbeit nötig.
  11. Längsschnittdaten sind wichtig, um Erfolg, Misserfolg, Auswirkung und Vorteile zu messen.

 

Gina Ebner ist die Generalsekretärin des Europäischen Verbands für Erwachsenenbildung und auch thematische Koordinatorin für die Unterstützung von Lernenden bei EPALE.

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  • Bild des Benutzers Roseline Le Squère

    Thank you very much for this really interesting blog.

    Validation is a tool for future. Validation is a tool to help at the development of the adult education.

    I am interested to have more details about the recommandation n° 4 : Highly skilled people need to work in the system (counsellors etc.).

    Thank you.

    Roseline Le Squère, french expert EPALE - University of South Brittany, France