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Blog

uniT bei GRDR in Paris

15/10/2019
von Bettina Mitter
Sprache: DE
Im Rahmen des Erasmus+ Projekts Diversität leben haben wir GRDR in Paris besucht. Über ihre Eindrücke, Überraschungen und Unterschiede zu uniT berichten Edith Draxl und Ludwig Zeier.

Ein gut gehütetes Geheimnis ist und bleibt – nicht nur für uns, sondern auch für manche der GRDR-Mitarbeiter*innen – was eigentlich die Abkürzung GRDR bedeutet. Das verbindet uns bereits, denn wer weiß schon über die Bedeutung des Namens uniT und insbesondere über die seltsame Schreibung Bescheid. Was uns noch verbindet – wir beide arbeiten mit Migrant*innen und Geflüchteten. Ein guter Grund GRDR-Mitarbeiter*innen zu „jobshadowen“, wie ein unübersetzbarer EU-Anglizismus sagt („beschatten“ passt da wohl nicht?).

Sicher ist auch: GRDR hat 30 Jahre mehr am Buckel, sie haben im Juni Ihren 50er gefeiert, während uniT kaum 20 ist. GRDR ist sehr in Westafrika und dem Maghreb verwurzelt, das Klientel kommt überwiegend aus Afrika – uniT arbeitet hauptsächlich mit jungen Menschen aus dem arabischen Raum.

„Berufsbeschattung“ in Frankreich ist zu allererst ein Sprachlernprogramm und beginnt deutlich vor der Anreise, bei der sich dann die sorgenvolle Frage stellt: Wieviel wird man tatsächlich verstehen? Das ist echt auf Französisch? Können die das nicht auf Englisch machen? Der erste Eindruck von GRDR beim Betreten des Büros: viele Mitarbeiter*innen auf kleiner Fläche, eine sparsame und allein schon optisch multikulturelle Organisation. Der erste Tag dient dem Kennenlernen der Organisation, der verschiedenen Projekten und Schwerpunkte. Vieles – etwa im Bereich der Guidance von Jugendlichen und auch der Auseinandersetzung mit Entrepreneurship – wirkt vertraut. Die Uhren in Frankreich gehen da auch nicht viel anders, wenn auch einiges bei den Rahmenbedingungen verschieden ist. Für permanente Verwirrung sorgt, dass der ESF sich auf Französisch zum FSE verdreht.

Dann die erste Überraschung: In Paris allein existiert eine Vielzahl an Vereinen von Migrant*innen aus Afrika – jede Region, mitunter sogar jedes Dorf, hat einen eigene Unterstützungsverein. GRDR berät die Vereine im Auftreiben von Mitteln für ihre Heimatdörfer in Afrika über regionale und nationale Finanztöpfe in Frankreich oder über sonstige Kanäle, GRDR unterstützt sie im Schreiben der Anträge, der Beschreibung der Projekte und des Zeit- und Finanzplans. Da gehen die Uhren in Frankreich anders. Geld SOLL in die Heimatländer der Migrant*innen fließen, das ist erwünscht und wird unterstützt, steht nicht unter dem Verdacht des Betrugs, den man unterbinden muss. So sieht man es ja mitunter bei uns, trotz aller politischen und scheinheiligen Lippenbekenntnisse über die Hilfe vor Ort. Wir sollten hier von Paris lernen. Hier frägt man sich: Was ist in 20 Jahren, wenn die Bindungen der Ausgewanderten zu ihrer Heimat lockerer werden? Wer wird sich dann um diese Menschen kümmern? Was bedeutet ein versiegender Geldfluss für diese Regionen in Afrika? Vorausschauend versucht man darauf einzuwirken, dass das Geld, das geschickt wird, nachhaltig verwendet wird. GRDR macht in diesem Feld Beratung und hilft den Migrant*innen, sich um zusätzliche Mittel für ihre Projekte zu bewerben.

Der zweite Tag stand im Zeichen der Beobachtung von Beratungsgesprächen zur Arbeitssuche und zur Gründung von Unternehmen. Wir lernen die Cité des métiers kennen. Das ist ein Beratungszentrum, das von verschiedensten Vereinen und Institutionen gemeinsam betrieben wird. Es ist in einem Gebäudekomplex untergebracht, der auch eine Bibliothek und ein Museum beherbergt. Schon allein der Ort macht deutlich, dass es um Integration geht. In der konkreten Beratung erkennen wir viele Ähnlichkeiten. Etwas fällt aber auf: Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass eine Person dunkler Hautfarbe in einer offiziellen Stelle berät – wie wäre das in Österreich, wo wir die Integration von türkisch- oder arabischstämmigen Menschen als AMS – Berater*innen als großen Erfolg feiern? Afrikanische Berater*innen – gibt es die überhaupt in offiziellen Beratungsstellen? Wenn nein, warum nicht? Solche Gedanken beschäftigen uns am Ende des Tages.

Betroffenheit stellt sich für uns am dritten Tag ein, als wir von der tristen Situation der Migrant*innen hören, die ihr Alter in prekären Wohnverhältnissen verbringen müssen, wenig Geld und faktische keine Gesundheitsversorgung haben. Die unmenschliche Rechnung, man holt sich Arbeitskräfte ins Land, die dann heimgehen, wenn man sie nicht mehr braucht, geht nicht auf. Bezahlen müssen die Rechnung diese Menschen. Sie haben es Unterhalt nie geschafft die Mehrbettzimmer hinter sich zu lassen und nun verschärft sich die Lage: Die alten „Heime“ mit Mehrbettzimmern sind baufällig, werden geschlossen, die Ersatzquartiere sind ungenügend …

Wir haben viel zu diskutieren auf der Heimfahrt – und unser Französisch wurde von Tag zu Tag besser. Die Sorgen, was die Sprache betrifft, waren übertrieben, auch weil die GRDR Mitarbeiter*innen sehr freundlich und geduldig waren; so konnten wir fast allem gut folgen.

Wir sind uns einig – mit GRDR wollen wir weiter zusammenarbeiten. Wir wissen zwar immer noch nicht genau, was GRDR bedeutet, aber wir wissen, was sie tun und das gefällt uns.

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