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Ein sogenannter dritter Ort, der sich der Wiederverwertung und der sozialen Innovation widmet: das Beispiel von La Mine im Val de Marne (Paris)

La Mine liegt im Herzen eines Gebiets, das sich in Entwicklung befindet und insbesondere von Entwicklungsprojekten des Großraums Paris betroffen ist. Der Verein will sich bei Förderung und Entwicklung ihrer Aktivitäten auf die wirtschaftliche Entwicklung des Gebiets und die Schaffung neuer Wohngebiete stützen. Präsentation von David Lopez, EPALE Frankreich Ambassador.

[Übersetzung : EPALE Frankreich]

Mit dem Begriff Dritter Ort oder Drittort bezeichnet man weithin neue soziale Praktiken, insbesondere solche, die helfen, Lösungen zu finden und Maßnahmen im Bereich der Beschäftigung, Integration, Ausbildung und des sozialen Lebens vorzuschlagen. Der Drittort verweist auf eine Art von Modernität.

Doch ist das wirklich neu? Und sind die Eigenschaften dieser Drittorte fest definiert?

Woher kommt der Begriff? Er ist eine Übersetzung des englischen „third place“, der sich auf die sozialen Umgebungen bezieht, die neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz bestehen. Auch das von Ray OLDENBURG, emeritierter Professor für Stadtsoziologie an der Universität Pensacola (Florida), in seinem 1989 erschienenen Buch „The Great Good Place“ entwickelte Konzept, das dahinter steht, ist nicht neu. Damit wurde genauer definiert, was die Chicagoer Schule ab Ende des 19. Jahrhunderts analysiert hatte. Die Stadt wurde als soziales Laboratorium gesehen, mit Bildung von Nachbarschaften, Netzwerkbildung und Soziabilitätsriten.

Heute existieren viele Definitionen nebeneinander, in Frankreich, in Europa und in der ganzen Welt. Ohne allzu sehr auf Definitionen eingehen zu wollen, sei gesagt, dass Drittorte wichtig für die Zivilgesellschaft, die Demokratie, das bürgerschaftliche Engagement und die Aneignung sozialer Räume sind.

EPALE Frankreich veranstaltete im Oktober 2019 ein thematisches Treffen zu dritten Lernorten, mit Beispielen und Perspektiven aus Italien und Deutschland. Eine Auswahl von Artikeln kann bei EPALE France angefordert werden. epale@agence-erasmus.fr

In diesem Blog werde ich einen Drittort vorstellen, der 2016 in Arcueil (Val de Marne) entstanden ist. Dieses Projekt sollte als Modell mit Nähe zu Soziokratie bzw. dynamischem Führen gestaltet werden. Das bedeutet als Shared-Governance-Modell mit gemeinsamer Kontrolle, das es einer Organisation, unabhängig von ihrer Größe, ermöglicht, effektiv in einem selbstorganisierten Modus zu arbeiten, der durch eine über die gesamte Struktur verteilte Entscheidungsfindung gekennzeichnet ist.

Nach der Vorstellung des Ortes durch Régis Pio, Mitbegründer von La Mine, stelle ich einige Elemente zum Verständnis der Struktur und der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Ansätzen vor, die innerhalb von La Mine umgesetzt werden.

  1. LA MINE

La Mine liegt im Herzen eines Gebiets, das sich in Entwicklung befindet und insbesondere von Entwicklungsprojekten des Großraums Paris betroffen ist. Der Verein will sich bei Förderung und Entwicklung ihrer Aktivitäten auf die wirtschaftliche Entwicklung des Gebiets und die Schaffung neuer Wohngebiete stützen. La Mine hat vor allem in den vergangenen zwei Jahren mit bedeutender Entwicklung mehrere Standorte und diversifizierte und ergänzende Aktivitäten geschaffen:

https://epale.ec.europa.eu/sites/default/files/img_20170603_175133604_1_1_1.jpg

-die Ressourcerie, ein Zentrum für Wiederverwertung von Sperrmüll und ähnlichen Objekten

- das Vereinscafé Café solidaire als Ort des Lebens, der Begegnung, der Geselligkeit und der Kreativität

- das Fablab und eine Werkstatt stellen Interessierten digitale Werkzeuge und technische Hilfsmittel zur Herstellung von Objekten zur Verfügung

- Aktivitäten außerhalb des Zentrums, wie z.B. La Braderie-Guinguette, als Wanderinitiativen rund um Wiederverwertung in den Orten Arcueil, Cachan, Gentilly, Villejuif, Chevilly la rue, L'Haÿ-les-Roses, die sich an die Bewohner*innen von Großwohnsiedlungen in den im Rahmen der Stadtpolitik besonders geförderten Stadtvierteln richten.

Bis heute entwickelt La Mine seine Aktivität in vier Hauptbereichen:

- wirtschaftlich, mit der Kapazität, Einnahmen zu generieren, durch die Konsolidierung der Aktivitäten des Ressourcenzentrums, des Vereinscafés, der Werkstatt und des Fablab.

- sozial-berufsbezogen, durch Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen in prekärer Situation, durch die Entwicklung der Recycling-Branche und durch Ausbildung und Orientierung in digitalen Berufen.

- kulturell, als Ort, an dem die Prinzipien und Werte von Offenheit und gemeinsamer Nutzung maßgeblich sind. Es ist ein Ort der Bewegung schafft, durch Konzerte, Konferenzen, das jährlich stattfindende Woodstroc-Festival und andere Aktivitäten.

- gebietsbezogen, als Ort, der mit dem Stadtgefüge verbunden ist und Begegnungen durch Projekte außerhalb des Zentrums fördert: Die „Ressourcerie mobile vers l'emploi“ (ein LKW für mobiles Recycling, der das Bewusstsein für die Berufe in der Abfallwirtschaft und der Wiederverwertung schärft), die „Braderie Guinguette“ (Markt für wiederverwertete Produkte mit Veranstaltungen, die durch Aufrufe in den im Rahmen der Stadtpolitik besonders geförderten Stadtvierteln organisiert werden).

  1. NEUE BERUFE

Eine der Grenzen für die Einführung neuer sozialer Praktiken im digitalen Bereich oder im Bereich der nachhaltigen Entwicklung und der Umwelt ist die Frage der Beschäftigung. Unsere Gesellschaft wendet auf diese neuen Herausforderungen weiterhin die traditionelle Lesart von Berufsfeldern an. Die Akteure vor Ort fragen sich:

Welche neuen Berufsbilder gibt es? Wie sind die Aussichten für die Branchen? Wie können diese neuen Berufe geschaffen und gefördert werden?

Natürlich sind neue Berufsbilder in die französische Gesellschaft eingetreten, aber sie sind oft nicht allgemein sichtbar, vor allem nicht für Menschen, die für die diese neuen Ansätze interessant sein könnten.

La Mine fördert besonders Berufe rund um die Wiederverwertung. Der Verein will dazu beitragen, neue Berufe im Zusammenhang mit der Abfallwirtschaft zu entwickeln. La Mine will ebenfalls die Chancen beim Einsatzes digitaler Technik betonen. Diese beiden Achsen entsprechen den im Rahmen der Stadtpolitik besonders geförderten Stadtvierteln . Der Zugang zu diesen Berufen für alle ist essenziell. Die Stadtviertel können und dürfen von diesen neuen Chancen, die im Entstehen begriffen sind, nicht ausgeschlossen werden.

Konkret möchte La Mine die Einstellung von Abfallsortierern fördern. Abfallsortierersind Fachleute für Wiederverwertung, Recycling und Sortierung von Abfall. Sie bewerten gesammelte Objekte und verkaufen sie weiter. Es gibt eine Referenz und einen ROME-Code (K2304). https://www.orientation-pour-tous.fr/metier/agent-valoriste,15393.html

La Mine möchte auch technisches Personal rekrutieren und jungen Menschen ein Universitätsdiplom (DU) im Fabmanager ermöglichen, mit dem sie dann Leiter*innen oder Betreuer*innen in einer öffentliche Internet-Zugangsstellen (Espace Public Numérique, EPN), im Fablab oder in Sozialzentren werden können.

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In diesen Branchen gibt es seit 2014 viele Erfahrungen mit der Ausbildung, aber die Realität muss durch die Verbindung zur Region und damit zu möglichen Arbeitsplätzen verstärkt werden, indem lokale Akteure, Gemeinden, Arbeitgeber vernetzt werden.

Gleichzeitig setzt La Mine konkrete Maßnahmen zur Wiederverwendung von Abfällen um. Das Kerngeschäft ist die Wiederverwendung von Hausmüll und ähnlichen Abfällen. Der Verein betreibt im Gebiet Grand Orly Seine Bièvre ein Zentrum für Abfallsortierung, Recycling Wiederverkauf und Umwelterziehung. Seine Tätigkeit steht im Einklang mit dem Abfallwirtschaftsplan des Gebiets. Die Priorität von La Mine im Alltag besteht darin, Abfälle zu reduzieren und sie zur Wiederverwendung zu recyceln, um das öffentliche Bewusstsein für umweltfreundliches Verhalten zu schärfen. Die Menge des behandelten Sperrmülls und alle organisierten Besuche tragen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bei, was sich zwangsläufig auf den Kampf zur Abfallreduzierung auswirkt.

La Mine schärft auch das Bewusstsein für die geplante Obsoleszenz. Die digitale Werkstatt (Fablab) ist Teil eines Projekts, mit dem das Bewusstsein für den Kampf gegen geplante Obsoleszenz geschärft werden soll. Die Öffentlichkeit kann lernen, wie man digitale Fertigungsmaschinen (3D-Drucker, Arduino-Kits) bedient und programmiert. Die Werkstatt ermöglicht auch die Produktion von Ersatzteilen für die Reparatur von kleinen Haushaltsgeräten. Das Ziel ist es, das Fablab von den ursprünglichen 30 m2 auf 110 m2 zu erweitern, neue Geräte anzuschaffen: eine Laserschneidmaschine, eine digitale Fräsmaschine, eine Werkzeugbibliothek, eine großformatige digitale Textildruckmaschine.... und eine FabManager-Stelle zu schaffen.

  1. IN ZAHLEN

La Mine hat 2020:

- 30 Arbeitsplätze geschaffen: 8 feste Stellen (6,5 Vollzeitäquivalente) und 23 Wiedereingliederungsstellen (13,5 VZÄ) ;

- 64 Einstellungen im Rahmen von befristeten Wiedereingliederungsverträgen (CDDI), die Mitarbeiter*innen wechselten sich auf den Stellen ab

- 125 Tonnen Sperrmüll gesammelt

- 205 Mitglieder

- 84 Freiwillige, davon 27 regelmäßig

- 152.000 Euro Umsatz mit dem Laden

- 1 Festival und 35 kulturelle Veranstaltungen.

  1. EINE VISION

Alle Maßnahmen werden durch Entscheidungen untermauert, die auf den verschiedenen Ebenen gemeinsam diskutiert werden. Ich stelle nur ein paar Dinge vor. Im Manifest, für das der Vorstand von La Mine gestimmt hat, werden sie nicht auf diese Weise präsentiert.

„Wir prangern mit Nachdruck die „produktivistische“ Gesellschaft an, in der wir leben, die uns mit allen Mitteln zum Konsumieren animieren will. Dazu, immer mehr zu verbrauchen. Verbrauch zum Nachteil der Natur (Verschwendung und Verschmutzung). Zu konsumieren, auch wenn unsere finanziellen Mittel dies nicht zulassen (Überschuldung der Haushalte, soziale Krisen, Entfremdung der Mehrheit).

Wir plädieren für eine schrumpfende Welt, die unser Wirtschaftsmodell (neu) definieren würde, indem sie Resilienz als Grundkonzept annimmt. Das Ziel wäre es, unsere Gesellschaften in die Lage zu versetzen, sich auf der Grundlage eines Prinzips der Ausgewogenheit auf allen Ebenen neu aufzubauen. Erstens durch die Notwendigkeit, den ökologischen Fußabdruck der menschlichen Aktivitäten an die begrenzten Ressourcen anzupassen. Und im weiteren Sinne durch eine Neujustierung des Nord-Süd-Gefälles.

Die Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 und die anschließenden Eindämmungsmaßnahmen haben eine radikalere Vorgehensweise nahegelegt. Dies bestätigte unsere Daseinsberechtigung und bekräftigt unsere Werte, unser Engagement und unseren Wunsch, mit so vielen Menschen wie möglich zusammenzuarbeiten.

Der Drittort La Mine wird als Gemeinschaftszentrum definiert, das sich der Wiederbeschäftigung und der sozialen Innovation widmet und auf fünf Säulen basiert: Ökologie, soziale Gerechtigkeit, soziale und solidarische Ökonomie, Volksbildung, verantwortungsvolle Digitalisierung.“

  1. REFERENZEN

- Website https://ressourcerie-la-mine.com/ 

- La Mine auf Video https://www.youtube.com/watch?v=gKx_PiMwYOk&feature=youtu.be 

- Präsentation von La Mine durch Régis Pio https://www.youtube.com/watch?v=cLBdn6AMqQU 

 

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