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Sprachlandschaft – Möglichkeiten und Einschränkungen in der Erwachsenenbildung

Erwachsene lernen anders als Kinder und obwohl es eine Binsenweisheit ist, soll diese Wahrheit wieder einmal betont werden, weil eben sie eine Grundlage für die Suche nach neuen effizienten Lösungen ist, damit sowohl Lernende als auch Lehrende einen Bildungserfolg erzielen.

von Dr. Joanna Kic-Drgas

​Originalsprache: Polnisch

 

Erwachsene lernen anders als Kinder und obwohl es eine Binsenweisheit ist, soll diese Wahrheit wieder einmal betont werden, weil eben sie eine Grundlage für die Suche nach neuen effizienten Lösungen ist, damit sowohl Lernende als auch Lehrende einen Bildungserfolg erzielen. In diesem Text möchte ich mich überlegen, ob Möglichkeiten, welche uns die Idee einer Sprachlandschaft, auf Englisch linguistics landscape, gibt, die so gestellte Herausforderung annehmen können?

 

Linguistik der Sprachlandschaft

                                   

Am Anfang lohnt es sich, die Idee der Sprachlandschaft und dessen, was sie im  Bereich der Sprachbildung der Erwachsenen anbietet, in ein paar Worten zu erklären. Die Idee erschien zum ersten Mal im Artikel von Landra und Bourhis (1997:25) und sie steckt sehr stark in der Soziolinguistik. Die Autoren haben bemerkt, dass:

                                                     

“The language of public road signs, advertising billboards, street names, place names, commercial shop signs, and public signs on government building combine to form the linguistics landscape of a given territory, region or urban agglomeration.”

 

Es bedeutet, dass die städtische Infrastruktur, Verkehrsschilder, Straßennamen, Namen von Baudenkmälern, wichtige historische und kulturelle Stätten sowie auch Aufschriften auf Plakaten die sogenannte Sprachlandwirtschaft des betreffenden Gebiets oder des Ballungsraumes bilden. Kurz gesagt, trägt die Umgebung der Sprachwahrnehmung des betreffenden Raumes bei.

Góral (2011: 42) betont:

 

„Die Dominanz der visuellen Medien in der heutigen Welt verursacht, dass die Stadt ununterbrochen mit uns spricht und wir sind oft dessen nicht bewusst. Die Sprache in unserer Umgebung, Worte und sie begleitete Bilder, die in öffentlichen Plätzen erscheinen, sind Gegenstand der Studien des sich schnell entwickelnden neuen Gebietes – der sogenannten Sprachlandwirtschaft (linguistic landscape).”

 

Es lassen sich zwei Wirkrichtungen unterscheiden:

 

top down – bedeutet Top-down-Maßnahmen, d.h. Wirkung von den durch Kommunal- oder Staatsverwaltungsbehörde konstruierten und angebrachten Kennzeichnungen, wie die schon erwähnten Verkehrsschilder oder Straßennamen.

 

bottom up – bedeutet Bottom-up-Maßnahmen, die durch Privatunternehmer, Geschäftsinhaber oder Produzenten in Form von Flugblättern, Schaufenstern oder Informationstafeln eingeleitet werden.

 

Man kann auch eine Aufteilung in offizielle und inoffizielle Elemente der Sprachlandschaft annehmen, was diese Kategorie bedeutend vereinfacht.

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Sprachlandschaft und Sprachbildung der Erwachsenen

 

Die Idee der Sprachlandschaft kann in der Erwachsenenbildung Anwendung finden. Vor allem als die Quelle eines authentischen Sprachmaterials, das in der alltäglichen Realität verfügbar ist und keiner zusätzlichen Suche in Bibliotheken oder Buchhandlungen bedarf.

Das Material als Grundlage der Bildung ist 100% authentisch und es ist ein zusätzlicher Vorteil für den erwachsenen Lernenden, der eine pragmatische Einstellung zum Sprachenlernen hat und der möchte nur das lernen, was für ihn von Nutzen ist. Zusätzlich soll betont werden, dass die Verwendung von authentischen Materialien noch einen bedeutenden Vorteil hat, und zwar sie verbessert die Motivation der Lernenden, was eine natürliche Folge der Tatsache ist, dass Lernende das in der Übung verwendete Material in einer authentischen Kommunikationssituation treffen können.

 

In virtueller oder realer Wirklichkeit?

 

Die beste mögliche Situation ist, zusammen mit den Schülern Möglichkeiten zu entdecken, die uns die Sprachlandschaft gibt.  Ein gemeinsamer Spaziergang in einer ausländischen Stadt ist möglich z.B. im Falle einer Studienreise oder Programme der Schüleraustausche, wenn es jedoch um berufstätige Personen geht, kann so was schon schwierig sein. Nach den Spuren einer fremden Kultur kann man auch im eigenen Wohnort suchen, besonders wenn es eine Großstadt ist. Den Einfluss der Globalisierung kann man auf jedem Schritt und Tritt finden und den Schülern einen unüblichen Unterricht in Form eines Stadtrundganges vorschlagen, während welches man einen allgegenwärtigen Einfluss der fremden Kultur (und der Sprachen zugleich!) finden kann. Interessant kann nicht nur die Suche nach fremdsprachigen Namen in Läden sein (z.B. das Wort sale finden wir an mehreren Orten), sondern auch die Analyse von fremdsprachigen Menüs in Kaffeehäusern oder Restaurants und auch fremdsprachige Beschriftungen, welche die Geschichte von interessanten historischen und kulturellen Stätten erklären. Wenn jedoch diese Form nicht möglich ist, kann der Fremdsprachenlehrer von ihm selbst gesammelte Materialien (Fahr-; Eintrittskarten Flugblätter, Fotos) präsentieren und seinen Schülern einen virtuellen Spaziergang durch interessante Gebiete vorschlagen.

Zweifellos wird solcher Unterricht eine angenehme Abwechslung sein, was einen positiven Einfluss auf die Motivation zum Lernen hat.

 

Bibliographie:

 

Góral, B. (2011). Czym jest pejzaż językowy (linguistic landscape)?, Język w poznaniu. pod red. K. Juszczyka, B. Mikołajczyk, J. Taborka i W. Zabrockiego, Wyd. Rys, Poznań, 41-60.

Landry, R., Bourhis, R. (1997). Linguistic landscape and ethnolinguistic vitality: an empirical study, Journal of language and Social Psychology, 16 (1), 23-49.

 

dr Joanna Kic-Drgas – Oberassistentin im Institut für Angewandte Linguistik an der Universität namens Adam Mickiewicz in Poznań. Autorin von vielen Artikeln im Bereich der Methodik und Didaktik des Fremdsprachenunterrichts. Zur Zeit ist der Fachfremdsprachenunterricht Hauptthema ihres Interesses. Botschafter von EPALE.

 

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