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Sophie Alex-Bacquer: Ausbildung und Lösungen für Menschen in prekären Situationen

Erfahrungsbericht von Sophie Alex-Bacquer, Referentin für Innovation und Internationales beim Roten Kreuz

Sophie Alex-Bacquer

Kurzbiographie

Erziehung und Bildung ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Berufsleben. Ich habe als Sozialarbeiterin in einem medizinisch-pädagogischen Institut angefangen, war danach Leiterin eines Vereins zur beruflichen Eingliederung und führte dann 20 Jahre lang eine Gruppe von Hochschuleinrichtungen. Seit zehn Jahren arbeite ich im Bildungsbereich des Roten Kreuzes und konzipiere und leite Projekte zur sozialen und pädagogischen Innovation.  

Meine Geschichte

Ich kam zum Ausbildungsbereich des Roten Kreuzes, als deren Ausbildungsinstitute gerade ihre Erasmus-Charta erhalten hatten. Sehr schnell erschien mir das Erasmus+ Programm, und natürlich auch die Austauschprogramme innerhalb Europas, als eine großartige Gelegenheit, an innovativen Projekten im Bereich Ausbildung und insbesondere Erwachsenenbildung zu arbeiten.

 Die Verbindungen zwischen den Prioritäten des Programms und den Werten des Roten Kreuzes sind offensichtlich und es bieten sich viele Ausbildungsprojekte für besonders vulnerable Zielgruppen an. Für mich war kam es in erster Linie darauf an, ihre Kompetenzen und Talente hervorzuheben und sie an der Gestaltung der Instrumente, die wir entwickeln könnten, zu beteiligen. In einem der ersten Projekte, die ich leitete, ging es darum, eine Schulung für Personen zu entwickeln, die in der häuslichen Betreuung tätig sind. Ich erinnere mich an die erste Woche, in der wir mit unseren europäischen Partnern und insbesondere mit Fachleuten aus dem Bereich häusliche Betreuung zusammenarbeiteten. Eine von ihnen kam zu mir und sagte: „Es ist verrückt, ich habe nie studiert, aber ich habe Kompetenzen!“ Die Emotionen und der Stolz in den Augen dieser Frau bleiben für mich ein unvergesslicher Moment.

Sie hat meinen Wunsch, diese Arbeit fortzusetzen, noch verstärkt. In dieser Zeit entstand das nächste Projekt. Die Kompetenzen besonders vulnerabler Personen hervorzuheben, ihre Selbstdiskriminierung zu bekämpfen, ihnen ihre Handlungsfähigkeit bewusst zu machen und den Blick der Außenwelt auf sie zu verändern, wurde für mich zwingend notwendig. Was für ein Glück war es, in solchen Momenten mit europäischen Partnern zusammenzuarbeiten, die den Wunsch nach Verschiebung der Linien teilen. Für mich ist es unerlässlich, mit und für die Zielgruppen zu arbeiten, an die man sich wendet, und sich gegenseitig zu bereichern. Denn es ist gut, Projekte zu entwerfen, aber man muss sie auch in der Praxis testen, sie anpassen und um die Erfahrungen aller Beteiligten bereichern. Ich sage oft, dass man genauso viel Ingenieur wie Heimwerker sein muss, um ein Projekt erfolgreich durchzuführen.

Das Projekt, über das ich mich am meisten freue, ist Clichés (Klischees). Allein der Name ist ein Kontrapunkt, der uns dazu zwingt, aus Klischees auszubrechen, insbesondere was die Vulnerabilität betrifft. Ich bin schon lange davon überzeugt und habe es auch selbst erlebt, dass wir alle in bestimmten Momenten unseres Lebens verletzlich sind und uns machtlos gegenüber dem Geschehen fühlen. Doch wenn wir genau darüber nachdenken, gibt es viele Momente, in denen wir durch ein Wort, eine Person, Musik - egal, was der Auslöser ist - zur Tat schreiten. Ich denke, wenn man sich seiner eigenen Vulnerabilität bewusst ist, versteht man die Vulnerabilität anderer besser und kann so mit und für andere herausfinden, wie man handeln kann, wie man zur Tat schreiten kann. Aus den Klischees auszubrechen bedeutet, zu entdecken, dass man kein Held zu sein braucht, um sich zu engagieren.

Clichés ist eine Methode, die in vielen Bildungsmaßnahmen in Europa angewandt wird und sich auf Momente im Leben von Teilnehmern von Ausbildungsmaßnahmen stützt, in denen sie handeln konnten. Es bedeutet, mit ihnen und für sie zu identifizieren, wie sie es geschafft haben, Schritte zu unternehmen, Entscheidungen zu treffen, die es ihnen ermöglicht haben, aus einer Situation herauszukommen, die ihnen unmöglich erschien, sie zu überwinden. Clichés ermöglicht es, die Kompetenzen dieser Personen durch eine einzigartige und inspirierende Erzählung hervorzuheben. Es gibt dazu auch einen Podcast, der mittlerweile zwei Staffeln umfasst.

Meine Inspiration für dieses Projekt, wie auch zu den anderen, war meine Großmutter. Diese Frau, die meine Kindheit geprägt hat, kam mit 20 Jahren nach Frankreich, ohne ein Wort Französisch zu sprechen. Sie arbeitete als Hausangestellte und ihr Leben war von Schicksalsschlägen geprägt. Sie hatte nur ein Jahr lang die Schule besucht und war der Meinung, dass man ohne Bildung nichts erreichen kann.  

Mein Motto

„Bildung ist die mächtigste Waffe, die man einsetzen kann, um die Welt zu verändern.“- Nelson Mandela.

My motto

 

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