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Kompetenzbeurteilung: Der Schlüssel zu effektiven, maßgeschneiderten Lernangeboten hinter Gittern

27/07/2018
von EPALE Österreich
Sprache: DE
Document available also in: EN BG HR SK HU LV EL NL FR IT PL ES

/de/file/prison-education-skills-assessmentPrison education Skills Assessment

Prison education Skills Assessment

Dieser Artikel ist eine Übersetzung aus dem Englischen.

Georgios Karaiskos, Projektassistent beim Europäischen Verband für Erwachsenenbildung (EAEA), zur Bedeutung der Beurteilung von Kompetenzen und Bedürfnissen bei Häftlingen für effektivere Bildungsprogramme in Haftanstalten.

Ein entscheidender Schritt in der persönlichen und beruflichen Entwicklung

Gemäß der Leitlinien Weiterbildungspfade: Neue Chancen für Erwachsene der neuen europäischen Agenda für Kompetenzen ist eine Kompetenzbeurteilung der erste entscheidende Schritt, um für Erwachsene mit einem geringeren Kompetenzniveau die Tür zu Weiterbildungsinitiativen zu öffnen und diese mit weiterführenden Lernangeboten zu erreichen.

/de/file/prison-ed-upskilling-pathwaysPrison ed Upskilling Pathways

Prison ed Upskilling Pathways

Mit einer solchen Beurteilung haben diese Erwachsenen die Möglichkeit, ihre bereits bestehenden Kompetenzen sowie ihren persönlichen Bedarf an Weiterbildung zu identifizieren. Dieser Prozess ist für Bereitstellung individueller, maßgeschneiderter Lernangebote unabdingbar und hilft den betreffenden Personen beim Übergang zum zweiten Schritt der oben dargestellten, drei Schritte umfassenden Strategie. Kompetenzen sind dabei generell als einer der entscheidenden Faktoren für die persönliche und berufliche Entwicklung aller Menschen zu betrachten – und dies gilt nicht zuletzt für Personen mit Bedarf an Weiterbildung. Die Beurteilung von Kompetenzen gilt daher als Ausgangspunkt für Erwachsene mit einem geringeren Kompetenzniveau auf ihrem Weg zu einer besseren Zukunft.

Zu dieser Personengruppe gehören insbesondere auch viele Häftlinge, die dringend auf eine Kompetenzbeurteilung und effektivere Lernangebote angewiesen sind.

Mehrwert durch Kompetenzbeurteilung im Bereich der Weiterbildung von Häftlingen

Die PIAAC-Studie unter Häftlingen in den USA, die derzeit einzige verfügbare relevante Studie zu diesem Thema, bestätigt die Vermutung, dass Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen unter Inhaftierten schwächer ausgeprägt sind als im allgemeinen Bevölkerungsdurchschnitt. Dieses Ergebnis unterstützt zudem den zuvor aufgeführten Appell, dem dringenden Bedarf an mehr Lernangeboten und der Kompetenzbeurteilung in Haftanstalten nachzukommen.

Die 1989 ausgesprochenen Empfehlungen des Europarates zur Bildung im Strafvollzug wiesen auf die hohe Bedeutung eines breiten Lernangebots in Haftanstalten hin und hoben insbesondere den Bereich der Lese- und Schreibfähigkeiten hervor. Bildungsangebote im Gefängnis sollten gemäß diesen Empfehlungen auf die gesamte Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet sein und den sozialen, ökonomischen sowie kulturellen Kontext berücksichtigen. Die Kompetenzbeurteilung ist ein leistungsstarkes Instrument, auf dessen Grundlage höchst effektive und maßgeschneiderte Programme für Häftlinge realisiert werden können.

Gemäß GHK-Bericht zur Aus- und Weiterbildung in europäischen Haftanstalten, der 2013 für die Europäische Kommission erstellt wurde, können lediglich 3-5 % der Gefangenen in den Mitgliedsstaaten der EU-27 eine Qualifikation für weiterführenden Bildungswege vorweisen. Zudem ist die Zahl der Schulabbrecher/innen unter Häftlingen in vielen Ländern sehr hoch. Dies schränkt massiv die Perspektiven ein, die sich für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung dieser Menschen nach ihrer Freilassung bieten. Mit der Vermittlung von Grundkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen) und beruflichen Weiterbildungsprogrammen kann diesen Herausforderungen effektiv begegnet werden. Die bereitgestellten Lernangebote sollten allerdings den individuellen Bedürfnissen gerecht werden und die persönlichen Zielsetzungen der Häftlinge berücksichtigen, wie die Europäischen Gefängnisregeln hervorheben:

„Jede Justizvollzugsanstalt soll allen Gefangenen Zugang zu möglichst umfassenden Bildungsprogrammen gewähren, die ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen und gleichzeitig ihren Ambitionen Rechnung tragen.“

Damit wird deutlich, dass die Beurteilung von Kompetenzen und Bedürfnissen vor der Bereitstellung von Lernangeboten in Haftanstalten nicht als mögliche Option, sondern als zwingende Notwendigkeit anzusehen sind.

Zukunftsplanung

Europaweit werden unterschiedliche Initiativen zur Entwicklung von Kompetenzbeurteilungsstrategien in Haftanstalten verfolgt. Derzeit zeichnet sich jedoch noch ein sehr uneinheitliches Bild und es fehlt ein gemeinschaftlicher Ansatz, der auf einem gemeinsamen Verständnis begründet ist. Laut GHK-Bericht zur Aus- und Weiterbildung in europäischen Haftanstalten haben Länder wie Spanien und Irland bereits standardisierte Beurteilungsverfahren und diesbezügliche individuelle Programme entwickelt. Der Bericht stellt jedoch auch fest, dass die Zahl der an Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmenden Häftlinge in den meisten Ländern nach wie vor niedrig ist. Dies könnte auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen sein. So sind die Angebote möglicherweise nicht auf die Interessen der Inhaftierten abgestimmt, was einmal mehr die Notwendigkeit einer Beurteilung von Kompetenzen und Bedürfnissen unter den Häftlingen unterstreicht.

EU-Programme unterstützen eine Reihe von Schulungs- und Weiterbildungsangeboten in Haftanstalten. Zudem werden zahlreiche neue Initiativen zur Förderung von Zusammenarbeit und Erfahrungs- bzw. Wissensaustausch verfolgt. Beispielhaft für die vielen innovativen Projekte für verbesserte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und eine effektive Kompetenzbeurteilung in Gefängnissen sollen hier Folgende genannt werden:

  • Foriner – Dieses Projekt verfolgt das Ziel, ausländischen Häftlingen aus EU-Mitgliedsstaaten in Haftanstalten der EU den Zugang zu qualitativen, niederschwelligen und zertifizierten Lernangeboten zu ermöglichen.
  • Die partnerschaftliche Grundtvig-Bildungsinitiative Accreditation of Prior (Experiential) Learning in the Prison Environment (Akkreditierung von (experimentellen) Vorkenntnissen in Haftanstalten) richtete ihren Fokus auf die Identifizierung der Hindernisse bei der Entwicklung von Akkreditierungsmechanismen für Vorkenntnisse und experimentelle Lernerfahrungen im Gefängnis.
  • Skills4freedom – Schwerpunkt dieses Projekts ist die Entwicklung transversaler Kompetenzen.
  • SkillHUBS – Dieses Projekt verfolgt die Entwicklung eines transnationalen Beratungs- und Schulungsmodells für Häftlinge mit speziellem Fokus auf Kompetenzbeurteilung und Bedarfsanalysen.

Bei der Beurteilung von Kompetenzen und Bedürfnissen steht die bzw. der Einzelne im Mittelpunkt der Betrachtung, so dass das Potenzial von Bildungsinitiativen für bessere Zukunftsperspektiven bestmöglich ausgeschöpft werden kann. Steven Tyrell – Gewinner des „Festival of Learning 2017“-Preises und ehemaliger britischer Häftling – beschrieb seine Lernerfahrung in der Haftanstalt wie folgt:

„Ich habe viel gelernt und mein Leben und die Erwartungen, die ich an mein Leben gestellt hatte, völlig neu bewertet.“


Georgios Karaiskos ist Projektassistent beim Europäischen Verband für Erwachsenenbildung (EAEA). Er hat ein Studium in Philosophie und Pädagogik an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, Griechenland, sowie einen Masterstudiengang in Erwachsenenbildung an der Universität von Glasgow absolviert. Als diplomierter Lehrer verfolgt er mit großem Interesse Inklusionsprogramme im Rahmen von Bildungsmaßnahmen und ist vom transformativen Potenzial von Lernprogrammen für bessere Zukunftsperspektiven überzeugt.

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1 - 4 von 4 anzeigen
  • Bild des Benutzers Maija Antīpina
    Esmu pārsteigta uzzināt par to, ka vispār ir šādas iniciatīvas, tāpēc google meklētājā ierakstīju dažus atslēgas vārdus, kas saistīti ar  cietumu, ieslodzījumu un izlglītību. Vēl viena no saitēm saistībā ar šo rakstu /lv/blog/izglitiba-cietumos kuru iesaku izlasīt arī citiem,iepazīties ar pamatnostādnēm. Izglītība maina cilvēku.
  • Bild des Benutzers Elīna Bogdanova
    Paldies par ieskatu izglītošanai ieslodzījumu vietās. 
    Mācīšanās ir pozitīvas uzvedības piemērs, kas ieslodzījuma vietās ir ļoti nozīmīgi - būt labākam un mainīties. Kā arī gūt gandarījumu no tā, ka ir gūtas jaunas prasmes un zināšanas. 
    Vislielākais ieguvums ir veiksmīga resocializācija. Izejot no ieslodzījuma vietas, cilvēkam ir jāsāk dzīve no jauna - ir jāmeklē sev darbavieta, kurā iegūtās prasmes un zināšanas ļoti noder.  
  • Bild des Benutzers Anna Rucka
    Wpis zmuszający do refleksji.
    Podejrzewam (choć może się mylę), iż ludzi dorosłych, takich jak Steven Tyrell, w zakładach karnych, jest bardzo mało. 

    W cytacie S. Tyrell'a: "„Sporo się uczyłem i przeprowadziłem ponowną ocenę swojego życia oraz tego, czego od niego chcę”, warto zauważyć bardzo ważną i moim zdaniem kluczową kwestię -  człowiek osadzony, musi dojść do tego, czego chce od siebie i od życia. 

    Ile jest ludzi w zakładach karnych, która potrafi i chce odpowiedzieć sobie na to pytanie?

    Być może warto pomóc im w zrozumieniu ich potrzeb, ich oczekiwań wobec życia teraźniejszego jak i przyszłościowego, w znalezieniu życiowych celów, których sami nie potrafią odnaleźć. Dać wiarę w to,  iż pomimo miejsca, w którym się znajdują są wyjątkowymi ludźmi, których stać na dużo więcej, którzy mogą zainwestować w siebie, poświęcić swój czas na rozwój. Pokazać im, że mogą się kształcić, poszerzać swoją wiedzę. A żeby uczestniczyć w tym wszystkim, wystarczy tylko (albo aż) chcieć

    Co zrobić, by ludzie w takich miejscach chcieli się edukować? Jak ich do tego przekonać? Jak pokazać, że warto?  

  • Bild des Benutzers Renāte Ēķe
    Paldies par plašāku ieskatu par mācību iespējām ieslodzījumā! 
    Protams, arī cilvēki ieslodzījumā ir cilvēki un arī viņiem ir jāprot lasīt, rakstīt, rēķināt, kas nepieciešamas ikvienam. Tā ir lieliska iespēja cietumā pavadīto laiku izmantot lietderīgāk. Tā ir iespēja ne tikai iemācīties šīs tik ļoti nepieciešamās prasmes, bet arī motivēt, saprast, sākt domāt par to, cik izglītība ir svarīga, lai ikdienā normāli komunicētu ar citiem, iegūtu darbu vai spētu darīt citus svarīgus darbus un pieņemtu sakarīgus lēmumus.
    Manuprāt, pedagogs ieslodzījumā nav tikai priekšmeta skolotājs, bet arī saikne ar brīvību. Prieks apzināties, ka arī ieslodzītajiem cietumā ir šādas iespējas, kas palīdz ne tikai indivīdam, bet arī sabiedrībai kopumā, jo tā mēs samazinam mūsu neizglītoto procentu skaitu, kas ir tikai pozitīvi.