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Politische Bildung an Volkshochschulen steigert die Wahlbeteiligung

Welche Wirkungen haben politische Bildungsmaßnahmen in Volkshochschulen auf die Teilnehmenden? Eine aktuelle Studie zeigt auf, welchen Einfluss Aktivitäten der öffentlich geförderten politischen Bildung haben.

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Volkshochschulen als Plattformen für politische Bildung

Politische Bildung hat in den letzten Jahren eine immer stärkere gesamtgesellschaftliche Bedeutung erlangt und bietet einen breiten Diskussionsrahmen hinsichtlich der Art, des Umfangs, der Inhalte, aber auch der Orte entsprechender Maßnahmen. Im öffentlichen Diskurs werden als Orte politischen Austausches verstärkt Internet-Plattformen (bspw. Blogs) sowie Social Media (Facebook, Twitter) genannt, kritisch diskutiert und hinsichtlich deren Einfluss auf politisches Handeln und Wahlergebnisse untersucht (vgl. Larsson & Moe, 2012; Tumasjan et al., 2011).

Weniger beachtet, wenngleich schon lange verankert innerhalb des Programmbereichs Politik-Gesellschaft-Umwelt, findet politische Bildung an Volkshochschulen statt. Daher stellt sich die Frage, welche Ziele politische Bildungsmaßnahmen an Volkhochschulen verfolgen und welche Wirkungen diese auf Teilnehmende haben.

Politische Bildung an Volkhochschulen soll Wissen über Gesellschaft und Politik sowie politische Prozesse vermitteln und die Bereitschaft, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und Konflikte auszutragen, sowie die Fähigkeiten zur Nutzung von Partizipationschancen fördern (vgl. Landesverband der Volkhochschulen von NRW e.V., 2012, S.19). Sie unterscheidet sich somit von Politikberatung sowie politischer Agitation und politischem Wahlkampf. Stattdessen soll sie der (selbst-) reflexiven Auseinandersetzung mit politischen Themen dienen (vgl. ebd., S.15). Aufgrund der flächendeckenden regionalen Präsenz von Standorten in der gesamten Bundesrepublik Deutschland stellen Volkshochschulen eine geeignete Plattform der politischen (Weiter-) Bildung dar.

Wahlurne mit Stimmzettel

Einfluss der Bildungsaktivitäten von Volkshochschulen

Eine aktuelle Studie, deren Publikation in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft vorbereitet ist (Martin & Reichart, 2019), hat mit Daten der Wahlstatistik zur Bundestagswahl der Jahre 2009 und 2013 sowie der Volkshochschulstatistik mit Angaben zu allen Volkshochschulen und deren Angeboten in Deutschland gezeigt, dass die Wahlbeteiligung durch die Anzahl der politischen Bildungsaktivitäten der Volkshochschulen beeinflusst wird. Steigen die Aktivitäten der politischen Bildung in Volkshochschulen um 10% an, geht dies mit einer 0,5% höheren Wahlbeteiligung einher. Von dieser höheren Wahlbeteiligung profitieren allerdings nicht alle Parteien gleichermaßen. Unter anderem profitieren Parteien, die in der Wahlstatistik unter „Sonstige“ geführt werden.

Die Ergebnisse legen zwei Interpretationen nahe: Zum einen kann angenommen werden, dass politische Bildungsmaßnahmen durchaus polarisierende Wirkungen haben können, bei denen Parteien mit scharfen Profilen gewinnen und Parteien mit einem weniger stark ausgeprägten Profil Einbußen verzeichnen.

Zum anderen kann angenommen werden, dass Volkshochschulen Parteien und Meinungen, welche sonst keinen wirksamen Zugang zu einer breiteren Öffentlichkeit haben, eine politische Bühne bieten. Dies würde besonders den Zuwachs bei den nicht im Bundestag vertretenen Parteien erklären. Der Einfluss politischer Bildungsaktivitäten an Volkshochschulen wirkt außerdem nicht nur direkt auf die Teilnehmenden, sondern verbreitet sich auch darüber hinaus durch soziale Verbindungen über die Gemeindegrenzen hinweg (vgl. ebd., S.21).

Diese Ergebnisse liefern wichtige Einsichten in das Wirkungspotenzial der öffentlich geförderten politischen Bildung und stützen somit das Anliegen, ihre Professionalität voranzutreiben. Gleichzeitig untermauern sie die regionale Verankerung politischer Entscheidungsprozesse und stellen diese als zusätzlichen Wirkmechanismus neben dem familiären Umfeld, Beruf, klassischen Medien oder auch Social Media dar.


Über den Autor: Andreas Martin ist Leiter der Nachwuchs-Gruppe "System und Politik" am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. in Bonn.


Lesen Sie hierzu auch die anderen Beiträge aus der EPALE Themenwoche: Europawahl 2019 - Europa gemeinsam gestalten!


Literatur:

Landesverband der Volkshochschulen von NRW e.V. (2012). Politische Bildung an Volkshochschulen. Grundlagen und Praxisbeispiele, Düsseldorf https://vhs-ne.itk-rheinland.de/fileadmin/redaktion/pdf/Reader_Politische_Bildung_an_Volkshochschulen_V12.pdf. Zugriff: 26. April 2019.

Larsson, A. O., & Moe, H. (2012). Studying political microblogging: Twitter users in the 2010 Swedish election campaign. New Media & Society, 14(5), 729-747.

Martin & Reichart (2019). Zeitschrift für Erziehungswissenschaft. (in Publikation) 

Tumasjan, A., Sprenger, T. O., Sandner, P. G., & Welpe, I. M. (2011). Election forecasts with Twitter: How 140 characters reflect the political landscape. Social science computer review, 29(4), 402-418.

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