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Ohne Frauen ist keine Revolution zu machen. "1989" in der Diskussion

15/10/2019
von Sophia BICKHARDT
Sprache: DE
Document available also in: EN

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


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Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-045 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

Bärbel Bohley, Jutta Seidel und die Schriftstellerin Christa Wolf im Gespräch, erste angemeldete, freie Demonstration am 04.11.1989 in Berlin


30 Jahre Revolution in Leipzig

Am 9. Oktober 1989, also vor 30 Jahren, fand in Leipzig die große Demonstration von mehr als 70.000 Bürger/innen statt, die die innere wie äußere Öffnung der DDR-Gesellschaft einleitete. Viele hatten in der Angst teilgenommen, dass auf sie geschossen würde, die Situation war sehr angespannt. Die Autorin war damals selbst mit dabei. Der 7.-9. Oktober waren dramatische Tage in Dresden, Plauen, Berlin und Leipzig. Nachdem die Montagsdemonstration in Leipzig beendet war, war eine große Erleichterung zu spüren. Oft konnte man das Wort „Wunder“ hören. Fortan war von Dialog zwischen Regierenden und Regierten die Rede. Die Bürger/innen entdeckten ihr Land, kamen ins Gespräch mit Menschen, mit denen sie sonst nicht Kontakt hatten. Vieles wurde auf einmal möglich. Viele wurden aktiv. Und es wurde viel diskutiert.

Der Aufbruch der Frauen in der DDR

Die „Wende“ oder „Revolution“ von 1989 war auch das Werk von Frauen. Bekannt geworden sind Bärbel Bohley, Ulrike Poppe und Katja Havemann. Viele andere jedoch nicht. Dabei waren oft sie es, die Impulse gaben, inspirierten und den Mut zum Anfang hatten. Daneben gab es Zusammenschlüsse wie die „Lila Offensive“ und den Unabhängigen Frauenverband, die politisch-feministische Anliegen vertraten. Sie unterschieden sich von den Forderungen, wie sie oftmals von Frauen der alten Bundesrepublik formuliert wurden. Auch im Vergleich zu den Bewegungen in Osteuropa war der Aufbruch der Frauen in der DDR einzigartig.

HERstory und die Dynamiken des demokratischen Umbruchs 1989

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Erasmus+ Projekt Connecting Memories: The Power of the Past and the Future of Europe
weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung e.V. hat dazu die Publikation «Ohne Frauen ist keine Revolution zu machen. HERstory und Dynamiken des demokratischen Umbruchs von 1989 in der DDR» herausgebracht. Die Bildungsmaterialien sind im Ergebnis einer Kooperation zwischen Organisationen in Helsinki (FIN), Marseille (FR), Lódz (PL), Málaga (SP) und Berlin entstanden, die vom Erasmus+-Programm für Erwachsenenbildung gefördert wurde. Unter dem Titel «Connecting Memories. The Power of the Past and the Future of Europe» griffen sie dabei Fragen auf, die im jeweiligen Land kontrovers debattiert oder/und im öffentlichen Erinnern vernachlässigt werden. Die Publikation ist unter Creative Commons lizensiert und über die Website von weltgewandt e.V. sowie die Projektwebsite in deutscher und englischer Sprache frei zugänglich.

Die Würdigung von Einzelakteurinnen und Frauengruppen ist eingebettet in die Erörterung der Vorgeschichte von 1989. Warum konnten die so stabil anmutende DDR und ihre Führung derart schnell an Macht verlieren? Was waren die Ideen derer, die das Land verändern wollten? Was geschah VOR der Maueröffnung am 9. November? Welche Rolle kommt dabei dem 9. Oktober 1989 zu? Da Geschichte gewöhnlich parallel auf den drei Zeitebenen Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft erörtert wird, mündet die Abhandlung in die Reflexion erinnerungspolitischer Narrative der Gegenwart. Dies gilt insbesondere für die so genannte „Einheitserzählung“.

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Von Bundesarchiv, Bild 183-1990-0115-018 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

Berlin, Runder Tisch mit Ingrid Köpper

Materialien zur Vermittlung von Kenntnissen über die Geschichte 1989

Im Sinne der europäischen Ausrichtung des Projekts enthalten die Materialien auch Perspektiven auf den demokratischen Umbruch von 1989 in der DDR durch Bürger/innen aus dem Umfeld der Partnerorganisationen. Damit wird gleichwohl bestätigt, was Ausgangspunkt der Publikation war: Die Kenntnisse über «1989» sind nicht nur in der jüngeren Generation, sondern auch in anderen Ländern Europas ausbaufähig. Um dies zu erleichtern, bietet der abschließende Methodenteil Übungen für die Bildungsarbeit, die auf Workshops gemeinsam erprobt wurden.

Der HERstory-Ansatz wie auch die Aufmerksamkeit für 'O-Töne' und Programme jener bewegten Zeit bieten die Möglichkeit zur Horizonterweiterung, auf dass das Bild über die DDR und ihre bürgerliche Revolution von 1989 weniger 'grau' oder 'schwarz-rot-gold', sondern farbenfroher gerät. Dies möge nicht zuletzt auch Anknüpfungspunkte für Diskurse bieten, die über den nationalen Tellerrand hinausreichen. Genau das ist in unserem Projekt geschehen.


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Sophia Bickhardt_HERstory Erasmus+ auf EPALE
 Zur Autorin:

 Sophia Bickhardt ist Sozialwissenschaftlerin (politische Philosophie, politische Ökonomie) und Projektleiterin von weltgewandt. Institut für interkulturelle politische Bildung e.V.. Sie ist des Weiteren Mitglied im Nutzerbeirat Erasmus+ der Nationalen Agentur Bildung für Europa.


Bildrechte:

Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-045 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5424795

Von Bundesarchiv, Bild 183-1990-0115-018 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5425013


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Ein Rundgang mit den Ohren durch Leipzig

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1 - 2 von 2 anzeigen
  • Bild des Benutzers Maren Lohrer
    Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag. Ich bin über EPALE Rocks auf Ihren Blog aufmerksam geworden und lese gerade in Ihrer Publikation „Ohne Frauen ist keine Revolution zu machen“. Besten Dank für diese Stimme, die leider in den gängigen Erzählungen von Zeitgeschichte zu wenig Eingang findet.
  • Bild des Benutzers Angela D'Arcy
    The title of this blog is very intriguing.  Having studied history at school and at university, I often wondered why women had been given so little space in the re-telling of the past.  Blogs like these are a good way of addressing this omission.