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Blog

Nachhaltigkeit in der Finanziellen Grundbildung oder wie kann ich mein Geld „grün“ veranlagen?

07/06/2016
von Christina NORWIG
Sprache: DE

von Dr. Katharina Muner-Sammer, ÖGUT - Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik

Geld hat kein Mascherl, das bedeutet, es ist dem Geld per se nicht anzusehen, woher es kommt. Wer sein Geld zur Bank bringt, erwartet sich einen finanziellen Vorteil (Zinsen), aber fragt sich kaum, woher die Rendite kommt. Dabei ist gerade der Finanzmarkt ein wesentlicher Gestalter unserer Welt und wir sind die MitgestalterInnen. Frau/man hat die Möglichkeit, das Geld (auch wenn es nur kleine Beträge sind) Menschen/Unternehmen/Projekten zur Verfügung zu stellen, die einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten. Es hat sehr wohl eine Bedeutung, wohin unser Geld fließt. Es gibt fast alle gängigen Bankprodukte auch in einer nachhaltigen Ausrichtung und zusätzlich von Banken unabhängige nachhaltige Produkte. Das Thema Veranlagung ist ein Teil der finanziellen Grundbildung. In diesem Bereich sollte die Erweiterung des magischen Dreiecks der Vermögensanlage und seiner miteinander konkurrierenden Ziele Sicherheit, Liquidität und Rendite mit dem Thema Nachhaltigkeit zu einem magischen Viereck erweitert und die Zusammenhänge klar gemacht werden. Beispielsweise bedeutet eine höhere Rendite auch ein höheres Risiko – bis hin zum möglichen Verlust des veranlagten Vermögens. Das gilt auch für „nachhaltige Produkte“ z.B. Direktbeteiligungen an einem Erneuerbaren Energien Projekt. Allerdings haben nachhaltige Anlageprodukte insgesamt den Vorteil der Zukunftsfähigkeit der investierten Branche, was eine Risikominimierung bedeuten kann.

 

Ethische, soziale, ökologische, nachhaltige Geldanlagen…

…viele unterschiedliche Begriffe existieren und besagen im Grunde das eine: diese Geldanlagen berücksichtigen bei ihrer Finanzanalyse den Einfluss von Umweltfaktoren, sozialer Verantwortung und guter Unternehmensführung (Environmental – Social – Governance – Kriterien). Es wird beispielsweise in Unternehmen, die in ihrer Geschäftspolitik ökologische und/oder soziale Grundsätze verfolgen und deren Produkte und Dienstleistungen einen ökonomischen, ökologischen und damit gesellschaftlichen Nutzen erzeugen. Weit verbreitet sind nachhaltige Investmentfonds. Es gibt verschiedene Ansätze, wie aus einem konventionellen Investmentfonds ein nachhaltiger wird. Oftmals werden Branchen, die als nicht-nachhaltig gelten (z.B. Rüstungsindustrie, Kernkraft, Gentechnik), aus dem Investmentuniversum ausgeschlossen. Ein „positiver“ Zugang wäre, gezielt in Branchen oder Unternehmen zu investieren, die eine gute Nachhaltigkeitsperformance aufweisen (z.B. Erneuerbare Energien, Produktion von Biolebensmitteln). Das gleiche gilt auch für Investments in Staaten - auch hier wird ein nachhaltiges Investment Staaten bevorzugen, die eine nachhaltige Entwicklung in ihrem Land vorantreiben.

Aufgrund der fortlaufenden Finanzkrisen mehrt sich das Interesse der BürgerInnen an alternativen „grünen“ Investitionsmöglichkeiten, die keine Bankprodukte sind. Der Vertrauensverlust in Banken, aber auch das aktuell sehr niedrige Zinsniveau spiegelt sich im Trend zu BürgerInnenbeteiligungsmodellen (insb. im Bereich erneuerbarer Energieträger) wieder. Ein konkretes Beteiligungsmodell ist das „Crowdfunding“, bei der ein Projekt (oder ein Start-up) gemeinsam von vielen – zumeist KleininvestorInnen – über eine Internetplattform, die als Vermittlungsplattform fungiert, finanziert wird.

 

Verantwortungsvolle Beratung

Bei der Vielfalt an möglichen nachhaltigen Investmentprodukten, die durchaus auch in ihrer Qualität variieren, bedarf es einer qualifizierten und verantwortungsvollen Beratung. Im Rahmen des Programms Lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission wurde die Weiterbildung Nachhaltige Geldanlagen unter der Leitung der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) mit neun europäischen Partnern entwickelt. Bei dieser Weiterbildung lernen FinanzberaterInnen das Thema Nachhaltigkeit und Ethik im Allgemeinen und die Umsetzung in nachhaltige Finanzprodukte kennen. Eine finanzielle Grundausbildung muss sicherlich nicht die Details Nachhaltiger Finanzprodukte beinhalten. Allerdings sollte sie das Bewusstsein wecken, sich die Frage zu stellen, was passiert mit meinem veranlagten Geld?

     

„Financial literacy“ und Nachhaltiges Investment

Die Frage „Wie veranlage ich mein Geld“ wird durch die Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht einfacher, aber dafür wertvoller. Häufig wird von einer doppelten Dividende gesprochen. Ich habe die Möglichkeit mein Geld meinen Werten entsprechend anzulegen. Und hier knüpfe ich an den Blogbeitrag von Christian Bernhard und dem Thema (Selbst-)Reflexivität an: Welche Auswirkungen haben meine Investmententscheidungen – für mich, die Umwelt und die Gesellschaft?

Diese Fragestellung geht auch in Richtung der Definition der OECD (2013) für eine finanzielle Grundbildung: financial literacy is knowlegde and understanding of financial concepts and risks, and the skills, motivation and confidence to apply such knowledge and understanding in order to make effective decisions across a range of financial well-being of individuals and society, and to enable participation in economic life.” Das bedeutet, dass eine finanzielle Grundbildung oder auch Finanzkompetenz nicht nur zum finanziellen Wohlergehen des Indivdiuums beitragen soll und es ihm ermöglicht am Wirtschaftsgeschehen teilnehmen zu können, sondern auch zum (finanziellen) Wohlergehen der Gesellschaft.     

 

Links:

http://www.oegut.at/de/themen/gruenes-investment/

OECD (2013): PISA 2012 FINANCIAL LITERACY ASSESSMENT FRAMEWORK. Verfügbar unter: http://www.oecd.org/pisa/pisaproducts/46962580.pdf (01.05.2015)

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