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Nachhaltige Nachhaltigkeit – mit Agilität in Richtung Kreislaufwirtschaft

Agilität ist in aller Munde, aber kann sie auch eine Möglichkeit für einen schnellen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft sein? Welche Bildungsziele müssen dabei verfolgt werden?

Lesedauer ca. 5 Minuten - Lesen, Liken, Kommentieren!


Trains to CE

"Express trains to Circular Economy " by Anette Ludwig using part of "Circular Economy" by EPRS (CC-BY 4.0 (link is external))

 

Agilität gibt ein Versprechen. Schneller die richtigen Dinge zu tun. Woher kommt dieses Versprechen?

 

Entwicklung durch Interaktion

Die Digitalisierung, der technologische Wandel und die immer kürzer werdenden Projektlaufzeiten in Industrie und Wirtschaft erfordern neue Modelle, die eine Interaktion mit Kunden in Echtzeit ermöglichen und ein Arbeitsumfeld gestalten, das es schafft sich an die schnell ändernde Umwelt anzupassen. Gefunden wurden diese Modelle vor allem in der IT Branche im agilen Arbeiten.

Das agile Projektmanagement ermöglicht es in iterativen und inkrementellen Prozessen flexible Ergebnisse in kurzen Zeitabständen zu liefern, um zeitnah Anpassungen vornehmen zu können. Innovative Projekte und Produkte können so schneller und zuverlässiger umgesetzt werden. Davon kann nun über die IT Branche hinaus profitiert werden. Erste Ansätze dazu gibt es bereits. Liegt hier auch das Potential für die beschleunigte Einführung einer Kreislaufwirtschaft?

Ein entscheidender Vorteil des agilen Arbeitens ist es, dass ganzheitliche Lösungen erarbeitet werden. Die Methoden sind darauf ausgelegt mit interdisziplinären Teams innovative Produkte zu entwickeln. Diese Teams agieren und reagieren auf sich ständig weiterentwickelnde Produktanforderungen und versuchen dabei kontinuierlich die bestmöglichen Ergebnisse zu erreichen. Diese Arbeitsmethoden überzeugen im idealen Fall mit hoher Transparenz, der Fähigkeit sich schnell anzupassen und aus Fehlern zu lernen sowie der crossfunktionalen Fähigkeiten der Teammitglieder. Im Falle der Kreislaufwirtschaft bezögen sich interdisziplinäre Teams auf die Fähigkeiten, welche nötig wären ein oder mehrere Produkte in allen Phasen der Kreislaufwirtschaft einordnen und realisieren zu können.

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Gebildete Konsumenten als Teil des Teams

Agil gedacht, kann man die Konsumenten als Teil der interdisziplinären Teams ansehen. In SCRCE entwickeln wir derzeit ein Manual dessen Benutzung wir empfehlen, damit Konsumenten zu „Experten“ weitergebildet werden, und zwar für die Produkte, die sie konsumieren. Ggf. können sich dabei „Spezialisten“ herausbilden, damit sich nicht alle mit den Kreisläufen jedes Produktes tiefergehend beschäftigen müssen, sondern dem Rat anderer vertrauen und gemeinsam mit Anderen eine Art „agiles Team“ im Bereich nachhaltigen Konsums bilden.

Dabei geht es zunächst nicht darum Konsumenten zu Fachexperten auszubilden. Das Ziel der ersten Iteration (ein zeitlicher Loop u.a. aus der Methode Scrum) könnte zunächst sein, dass die Konsumenten am Ende ein verlässliches Gefühl dafür aufgebaut haben kreislaufwirtschaftlich zu denken. Im weiteren Verlauf müsste darauf abgezielt werden zu lernen kreislaufwirtschaftskonform zu konsumieren. Langfristig sollte es gelingen, dass die Konsumenten sich aktiv für die Förderung der Kreislaufwirtschaft einsetzen.

Hierbei handelt es sich um einen systematischen Ansatz, der erhebliche Bildungsaktivitäten erfordert. Denn bisher springen die Menschen nur auf sehr wenige Züge mit auf, wie z.B. die Vermeidung von Plastiktüten beim Einkauf. Wir benötigen aber ein Eisenbahnnetz und viele Schnellzüge.

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Die Rolle der Wirtschaft

Wir haben uns bisher nun mit den Konsumenten als „agile Teams“ beschäftigt, aber welche Rollen und Funktionen müssen an anderen Stellen der Kreisläufe bedient werden? Während die Funktion des Teilens (Share) noch auf der Ebene der Konsumenten angesiedelt sein könnte und auch dort agil bearbeitet würde, können die anderen Kreisläufe (Repair, Reuse, Remanufacture oder Recycle) nur in Verbindung mit Institutionen umgesetzt werden. Konsumenten können Produkte, Rohstoffe oder Abfälle noch gezielt in von ihnen ausgesuchte Wege abgeben (z.B. in gelbe Säcke), was danach passiert ist dann jedoch Sache der Empfänger, also in der Regel von Unternehmen, wobei sich die Frage stellt, wie diese einzuordnen sind.

Die Unternehmen müssen vor allem, um in der agilen Fachsprache zu bleiben, das „Mindset“ leben. Das bedeutet, dass die Unternehmen die Werte einer Kreislaufwirtschaft selber leben müssen und nicht auf Kosten von Umwelt und mit Verbrauchertäuschung versuchen Geschäfte zu machen. Konsum und Produktion müssen bessere Partner werden. Sie müssen bereit sein nachhaltige Nachhaltigkeit umzusetzen.

Verbände könnten dabei Schnittstellen zwischen den einzelnen Punkten und Abschnitten von Kreisläufen darstellen. Wenn man die auf große Portfolios ausgelegte Methode SaFe 5.0 zugrunde legen würde, könnte man Konsumenten und Unternehmen als sogenannte „Essentials“ begreifen und die Verbände könnten über „Continous Delivery Pipelines“ in „Solution Trains“ die nötigen Abstimmungen vornehmen.

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Bewertung von Agilität für Kreislaufwirtschaft

Bisherige agile Methoden können sicher nicht eins zu eins auf Kreislaufwirtschaft übertragen werden, aber deren Ansätze erscheinen vielversprechend.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Beschleunigung der Einführung von Kreislaufwirtschaft nur durch alle Beteiligten gelingen kann. Damit es zu einer solchen Beschleunigung kommt, könnte die Anwendung agiler Methoden sinnvoll sein. Das kann aber nur dann Erfolg versprechend sein, wenn die Rahmenbedingungen dafür vorhanden sind oder geschaffen werden. Diese Rahmenbedingungen könnten auf bisherigen Ansätzen wie z.B. Scrum, Kanban, Scrum of Scrum oder SaFe basieren. Da es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, kann Kreislaufwirtschaft nur dann effektiv umgesetzt werden, wenn entsprechende Tools auf allen Ebenen vorhanden sind und in Bildung investiert wird.


Portrait of Anette Ludwig
Über die Autorin:

Anette Ludwig spezialisierte sich während ihres Masterstudiums an der Technischen Universität Darmstadt auf agiles Projekt- und Innovationsmanagement und widmete sich in Ihrer empirischen Masterarbeit der „Agilität im Projekt- und Portfoliomanagement“. Sie verfügt über Zertifikate verschiedener Agiler Organisationen und arbeitet in nachhaltigen Projekten und als agiler Coach. Im Projekt SCRCE ist sie bei Dr. Ludwig Intelligent Projects verantwortlich für das Erstellen von Trainingsinhalten und assistiert bei der Projektkoordination.

 


Bildquellen:

Circular Economy by EPRS genutzt unter (CC-BY 4.0 (link is external)  / Verbindung beider Bilder, Nutzung eines Teils der Bilder.

Anette Ludwig by Anette Ludwig


Lesen Sie auch:

Nachhaltigkeit durch grenzüberschreitende Kreislaufwirtschaft (SCRCE) - Projektseite

Non-formale Bildung und Kreislaufwirtschaft

 

 

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