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Motivation: Altersbildung unwiderstehlich gestalten

Wie kann man ein Lernangebot zur Altersbildung als lebensbegleitendes Angebot interessant gestalten? Auf welchen Wegen kann ein Lernangebot die Motivation zur Altersbildung fördern?

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Wie kann man ein Lernangebot zur Altersbildung als lebensbegleitendes Angebot interessant gestalten? In wenigen Jahren verändert sich weiter das Verhältnis zwischen Berufstätigen und Rentenempfänger*innen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in die dritte Lebensphase eintreten. Neben den gravierenden Auswirkungen für die Rentenkassen wird sich diese Veränderung auch auf das Gemeinwesen und auf die Altersvorsorge der nachfolgenden Generation auswirken. Genug Motivation um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, müsste vorhanden sein.

Das Bild zeigt zum einen Jogger im Hintergrund und zum anderen eine Schnecke, die im Vordergrund die Laufstrecke kreuzt.

 

Motivation – das sind alle Beweggründe, Bedingungen, Einstellungen, Neigungen, Interessen sowie Wünsche, die Interessierte zu einer Teilnahme an einem Bildungsangebot bewegen. Bei der intrinsischen Motivation steht die aus sich selbst entstehende Motivation eines jeden Menschen im Fokus: „Machen, weil es Spaß bringt, sinnvoll oder herausfordernd ist oder interessiert“. Die extrinsische Motivation wird durch äußere Reize ausgelöst. Ziel hierbei ist es, zum Beispiel einer sozialen Rolle in der Gemeinschaft gerecht zu werden.

Bezogen auf das Thema Altersbildung mit dem Fokus auf Altersvorsorge steigt der Druck durch den demografischen Wandel. Jedoch scheint der Druck noch nicht groß genug zu sein oder das Problem für die Betroffenen noch in zu weiter Ferne. Vor über einem Jahrzehnt startete der Versuch neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge die dritte Säule der privaten Rentenversicherung attraktiver zu gestalten. Eine Studie zur privaten Altersvorsorge und Vorsorgebereitschaft zeigte bereits im Untersuchungsraum 1998 bis 2001 dass die Hälfte der Bundesbürger im Alter von 30 bis 60 Jahre

  • bereit waren, privat vorzusorgen
  • immer mehr Bürger privat vorsorgen und
  • nur wenige erwarten, im Alter gut abgesichert zu sein.

Darüber hinaus zeigte sich, dass diejenigen, die dringend eine zusätzliche Absicherung benötigten, diese sich nicht leisten konnten. Unterversorgung und Armut drohten, so Buhlmann im Jahr 2002, und sind heute die Folge. Der Armutsbericht 2020 weist eine Armutsquote in Höhe von 15.9 Prozent in Deutschland aus. Mit 13 Millionen Betroffenen ist dies der größte gemessene Wert seit der Wiedervereinigung (Paritätischer Gesamtverband 2020).

Belohnungsaufschub und Selbstkontrolle

Die eigene Zukunft bereits in der Gegenwart zu gestalten und dafür auf Belohnungen zu verzichten bzw. zu verschieben, hängt von der Fähigkeit zur Selbstkontrolle über einen sehr langen Zeitraum ab. Dieser Belohnungsaufschub fällt Menschen unterschiedlich leicht/schwer. Studien (Mischel/Schmidt 2015) zeigten, dass die Fähigkeit zur Selbstkontrolle mit der Persönlichkeit des Einzelnen verbunden ist und der Belohnungsaufschub als Basis für die Erreichung langfristiger Ziele dient.

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Das Problem zu einem persönlichen Problem umgestalten

„Die Rente ist sicher“ - Den Menschen ist durchaus bewusst, dass sie mehr vorsorgen müssten, aber der Schritt dahin bleibt häufig aus. Ziel eines Lern- oder Beratungsangebots wäre im ersten Schritt die Bewusstseinszugänglichkeit zu erhöhen und die emotionale Ebene eines jeden Einzelnen anzusprechen. Entscheidend ist, dass Sparfähigkeit und Sparwilligkeit gegeben sind.

Ein weiterer Schritt wird von dem Durchhaltevermögen geprägt. Die Zweckmäßigkeit des Ziels wird hierbei getragen von verschiedenen Motiven wie u.a. Sicherheit, Leistung, intrinsisches wie Altruismus-Motiv.

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Lösungsmöglichkeiten und Strategien entwickeln

Um Strategien zu entwickeln, bedarf es zunächst einer Analyse der aktuellen Situation, der Überwindung eigener Hemmschwellen und Festlegung der individuellen Ziele. Auch wenn die Ziele weit gesteckt sind, sollten sie konkret und sich selbst gegenüber verbindlich sein. Hierbei können Lernangebote und Angebote zur Biografiearbeit hilfreich sein. Zusätzlich können Anpassungsstrategien für veränderte Lebenssituationen erarbeitet werden.

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Fazit

Bildungsangebote zur Altersbildung adressieren Menschen im Alter von 18 bis 67 Jahre und darüber hinaus. Die Wege zu einer erfolgreichen Altersvorsorge sind lang, manchmal steinig. Alles steht und fällt mit der Motivation und der Beharrlichkeit, langfristige Ziele erfolgreich zu verfolgen. Lernangebote können auf diesem Weg Begleitung, Orientierung und Reflexion bieten.


Über die Autorin

Susanne Witt
Susanne Witt ist Sportwissenschaftlerin und Journalistin. Sie arbeitet im Deutschen Institut für Erwachsenenbildung als Redakteurin für die Portale wb-web und EPALE.

 

 

 

 


Quellen:

Buhlmann, T. (2002). Zur Entwicklung der privaten Altersvorsorge. Vorsorgebereitschaft, Vorsorgeniveau und erwartete Absicherung im Alter.

Der Paritätische Gesamtverband (Hrsg.)(2020). Der Paritätische Armutsbericht 2020. Gegen Armut hilft Geld.

Mischel, W. & Schmidt, T. (2015). Der Marshmallow-Test – Willensstärke, Belohnungsaufschub und die Entwicklung der Persönlichkeit. 3. Auflage, München: Siedler Verlag.


Welche Facetten der Altersvorsorge die Bildungsangebote adressieren, finden Sie in folgenden Blogbeiträgen:

Altersbildung – bloß nicht auf die lange Bank schieben

ERASMUS+ für die Erwachsenenbildung: Impulse für das Ehrenamt durch eine Hospitation bei der „Dienststelle Selbstbestimmtes Leben“ in Eupen

Digitale Inklusion – statt offline einsam: Zeitschrift ELM über Medienkompetenz für ältere Menschen  

Aktive Teilhabe an der digitalen Welt ist keine Frage des Alters!

Allgemeinbildung für eine Gesellschaft in der digitalen Welt

Sport 50+- Die meinen doch nicht mich, oder?

Falten und Runzeln die Stirn bieten –Wohlfühlen und Gesundheit als Thema der Altersbildung

Zuhause/Daheim – Welchen Beitrag kann Erwachsenenbildung bei der Gestaltung der eigenen Wohnsituation hinsichtlich der Altersvorsorge leisten?

Flaschen sammeln ist nicht sexy – Welche Inhalte können Lernangebote zur finanziellen Altersbildung enthalten?

Welchen Mehrwert können Lernangebote zur Vorsorge im Krankheits- oder Todesfall bieten?

 

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